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* München, 16. Juni. Heute Nachmittag sand auf dem Kirchhofe der Vorstadt Au das Leichenbegängniß des Dr. von Gudden statt. Der Trauerfeierlichkeit wohnten die Minister Freiherr von Lutz, Freiherr von Crailsheim und Freiherr von Feilitzsch sowie zahlreiche Vertreter der Behörden, viele Offiziere und Militärärzte bei. Die hiesigen ärztlichen Vereine und die Studentenschaft waren ebenfalls vertreten. Die Professoren der Universität waren in corpore et» schienen. Im Namen des Prinz-Regenten legte der Adjutant Baron Wolfskehl, Namens der Uni­versität der Dekan der medizinischen Fakultät, Geheime Rath von Rothmund, Kränze auf das

Glück des Beisammenseins mit ihrem Einzigen ver­sagt, um zu verhüten, daß bie Gewohnheit täg­lichen Sehens zwischen ihni und dem geliebten Pflegekinde ein Band geschwisterlicher Freundschaft knüpfe, daß, wie ihr weiblicher Scharfblick klar er- kannte, der gefährlichste Feind der Liebe ist; nur daß ihr Mutterstolz einen Widerstand gegen rhre Pläne eher von dem Sohne, als von Lia Rose er­wartet hatte. Nun aber war dieser strahlende Fremdling in ihren Kreis getreten, und an der Macht, die seine hinreißende Persönlichkeit aus sie selbst übte, ermaß sie die Gefahr, die fein Erschii- nen ihrem Lieblingswunsche brachte.

Diese Erwägungen indessen, die nur zuweilen, wenn sie die jungen Leute beobachtete, blitzähnlich ihren Geist durchflogen, waren nicht im Stande, ihr die schöne Gegenwart gänzlich zu trüben. Sie liebte auch ihr Pflegekind viel zu treu und selbst- los, um nicht, wenn auch blutenden Herzen», auf ihre Pläne zu verzichten, falls dessen Glück dadurch in Frage gestellt werden sollte, und ihrem jungen liebenswürdigen Gaste konnte sie auch nicht gram sein, selbst wenn sie in ihm bisweilen den Neben­buhler ihres Sohnes fürchtete.

(Fortsetzung folgt.)

VII.

Im Forsthaus flogen die Tage dahin, schnell, viel zu schnell für die glücklichen Bewohner. Drau- ßen blühten die Rofen und drinnen in den drei jungen Herzen entfaltete die Wunderblume einer ersten jungen Liebe ihre keuschen Blätter.

Die beiden Freunde ahnten nicht, daß diese Blüthe, deren Duft sie berauschte, den Wurm der Zwietracht in sich barg. Mit dem leicht verzeih, lichen Egoismus des Glückes war em Jeder zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um auf den Andern zu achten und so blieb es ihnen verborgen, daß in ihrer Beider Brust die Liebe zu demselben Ge- qenstande ihren Sitz ausgeschlagen.

Edgar hatte sich durch Lia Rose's schwesterliche Vertraulichkeit gegen seinen Freund, die Jenen, der sie anders deutete, beglückte, zu sehr gewöhnt, die Beiden als Bruder und Schwester zu betrach­ten, um dem Gedanken an die Möglichkeit eines anderen Verhältnisses Raum zu geben; und Wal- ter wiederum erkannte klar die ungeheuere Klust, die seinen fürstlichen Freund von Lia Rose schied, al» daß er hätte ahnen können, daß die allgewal- tige Gleichmacherin Liebe bereits mit Adlerkühnheit diese Kluft zu überbrücken strebte.

Der Förster fühlte sich froh und zufrieden unter den strahlenden Mienen seiner Umgebung und viel- leicht regte sich nur in Frau Martha's fragendem Mutterherzen eine leise Ahnung der Wirklichkeit.

Sie hatte sich ja drei lange Jahre hindurch das

Grab.

* Karlsruhe, 16. Juni. Die Freudenbot­schaft von der Annahme und Bestätigung der Wahl des Hochw. Herrn Bischofs Dr. Roos von Limburg zum Erzbischof von Freiburg ist geeignet, die Herzen aller badischen Katholiken mit aufrichtigster, lauterster Freude zu erfüllen. Die nächste Frage, welche jetzt auf Aller Lippen schweben wiro, ist bie, wann der neue Erzbischof feinen feierlichen Einzug in die Metropole halten und den erzbischöflichen Stuhl besteigen wird. Darauf können wir nun heute schon die Aus­kunft ertheilen, sagt der ,Bad. Beob.', daß die siierliche Inthronisation erst Ende August oder Anfang September stattsinden wird, wie der Hochw. Herr Bischof dem Herrn EczbisthumSver- wiser in einem Schreiben vom 11. Juni mitge- theilt hat. Bischof Roos beabsichtigt zunächst in Karlsbad seine Kur zu vollenden, dann nach Limburg zuiückzukehren und dort noch einige noth- wendige Angelegenheiten zu ordnen. Unterdessen wiro her Herr Erzbisthnmsverweser in unserer Eczdiöcese die Geschäfte, wie bisher, besorgen, der Hochw. Herr Bischof Stumpf von Straßburg wiro im nächsten Monate noch in St. Peter bie Priesterweihe vornehmen. Zu der Annahme und Bestätigung der Eczbischofswahl wird aus Frei­burg geschrieben: Roma locuta, causa nmta. So dachte und schrieb der Hochw. Bischof von Limburg. - Der hl. Vater gab durch seinen Staatssekrekär dem Herrn Bischof zu erkennen, daß es sein dringender Wunsch sei, wenn er die auf ihn gefallene Wahl annehnien würde. Da mußten alle Rücksichten zurücktreten, die der treue Hirte von Limburg auf fein Kapitel und seinen Klerus, auf seine Heimath und die Katholiken von Nassau nehmen durste. Der Herr Bischof er­klärte sich am 11. d. M. zur Annahme der Wahl bereit und empfing sofort von dem hl. Vater

siedelung nach Schloß Berg Selbstmordgedanken gehabt habe; wenn man ihn trotzdem mit einem ihm an Körperkraft nicht ge:vachsenen Arzte allem promeniren ließ, so ist das eben unbegreiflich. Auch die Art der Ueberführung von Schloß Neu­schwanstein nach Berg ist bisher noch in ein ge­wisses rätselhaftes Dunkel gehüllt. Der König soll den Berichten zufolge in einem Vier- spänner gefahren sein, das Gefolge, die Aerzte und Wärter hinter ihm in anderen Wagen. Andererseits soll er sich mit Dr. Gudden und den Wärtern lange unterhalten haben. War denn nie Fahrt des Königs wirklich eine freiwillige, wie behauptet wird, oder fuhr der König in der Zwangs- jacke oder unter direkter persönlicher Bewachung^ Man sollte dem Volke solche Fragen offen beant- Worten und allen VertuschungS- und Befchömgungs- versuchen ein Ende machen. Gerade durch die etwaigen schönfärberischen Berichte über die angeb­lich gutwillige Haltung des Königs und fein ganz normales Benehmen wird das Volk in der Meinung bestärkt, es sei dem Könige Unrecht geschehen, er sei nicht verrückt gewesen.

Möchten die vielen Räthfel, welche noch über dem dunklen Schicksal des edlen Monarchen schwe- ben, gründlich gelöst werden, es liegt das nicht nur im Volksinteresse, sondern auch im eigensten Interesse der bisherigen verantwortlichen Regierung. Das gutgesinnte Bayernvolk hat ein um so größeres Anrecht aus diese völlige Klärung der Situation, als ja gleich nach den schrecklichen Tode des Königs ein neues Mißgeschick das alte abloste: denn auch der neue König Otto I. ist geistes- umnachtet und nicht im Stande, die Regierung zu führen, wahrlich ein beklagenswerther Zustand ;

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juni.

* Die Kaiserin begab sich am Dienstag von Baden-Basen zum Besuch der Großherzoglichen Familie nach Karlsruhe. — Der Kronprinz ist heute nach München abgereist. — Fürst Bis­marck begiebt sich demnächst zum Kurgebrauch nach Kissingen.

* Dem früheren Chef der Admiralität v. S t o f ch und dem jetzigen von Caprivi, sowie sechs höheren deutschen Admiralitütsbeamten hat der Kaiser von China wegen ihrer Verdienste um den Bau chinesischer Kriegsschiffe bei dem Stettiner „Vulkan" Orden verliehen.

• Die Ausgabe des ,Berl. Tagebl. welche die angebliche P r o c l a m a t i o n des ver­storbenen Königs veröffentlichte, ist in München zufolge Gerichts-Befchlusses beschlagnahmt worden. t ,

• Im Diätenproceß gegen den socialdemokra- tischen Reichstagsabgeordneten H ase n c l e v e r stehl vor dem Reichsgericht Termin auf den 25. No­vember an.

• München, 16. Juni. Das angebliche

Gutachten des königlichen Leibchirurgen (nicht könig­lichen Leibarztes) Dr. v. Schleiß, beruht nicht etwa auf einer schriftlichen Erklärung des Genann- - tert, was man nach dem Ausdrucke „Gutachten i

vermuthen sollte, sondern ist nichts mehr und nicht» ; weniger als die Erzählung eines Journalisten, der bei Schleiß war. Aus der Stellung des Herrn d Schleiß würde man unter rechtmäßigen Verhält­nissen die Vermuthung ableiten können, daß der­selbe Se. Majestät andauernd ärztlich behandelt und jedenfalls öfter gefehen Hai. Das war aber durchaus nicht der Fall. Mit Sicherheit kann be- hauptet werden, daß seit Beginn der 70er Jahre, also seit ungefähr 17 Jahren, Dr. v. Schleiß den verstorbenen König nur ein ober höchstens zwei Mal im Jahre bei Gelegenheit d.s Empfanges der Beamten von Füssen und Starnberg ein.ge Minuten lang gesehen hat. Da ein solcher Em­pfang in ben btzten anberthalb Jahren nicht mehr statthatte, sah auch Herr v. Schleiß ben König nicht mehr. Uebrigens hat Herr v. Schleiß ber Sektion beigewohnt unb an erster Stelle bas Sek- tionspcotokoll unterschrieben. Der ,Bayc. Kur. ist von bem Geheimrath v. Schleiß ermächtigt, zu erklären, er wisse gar nichts von einem Gut­achten, es liege eine grobe Täuschung vor.

* Das neueste Pastoralblatt für die Erz­diözesen München-Freising enthält folgen- den Erlaß des Erzbischofs:

Unser qeliebtes bayerisches Vaterland ist von unsäglich schwerer Heimsuchung betroffen worden. Mit unnennbarem Schmerze theilen wir Euch, ehrwürdige Geistlichkeit, ge­liebte Gläubige unseres Erzbisthums, die erschütternde Trauerkunde mit, daß unser geliebter schwer geprüfter Landesfürst, der Allerdurchlauchtigste, großmachtigste Komg und Herr, Herr Ludwig IL, König von Bayern, am spaten Abend des gestrigen Tages aus diesem zeitlichen Leben geschieden ist. Demüthig beugen wir uns unter dre starke ®anb Gottes, wie Petrus der heilige Apostelfurst uns mahnt (1. Petr. 5. 6), und gedenken in schwerer -tunbe eines anderen Wortes deffelben Apostels: „Aurchte(Gott, haltet den König in Ehren!" (1Petr 2, l7> Jn ^lrcht und Bittern beten wir dre gehermnißvollen Rathschlage Gottes an; unferm Hingeschiedenen Könige aber wollen wir in tiefstem Schmerze die gebührende Ehre erweisen. Wir beauftragen deßhalb die sämmtlichen seelsorgevor- stände des Erzbisthums, sogleich nach Empfang dieses unseres oberhirtlichen Ausschreibens das gläubige Volk von dieser Trauerkunde, wie vorsteht, zu verständigen und dasselbe in nachvrucksamen Worten zu ermahnen, daß es die Seele des Abgeschiedenen der Erbarmung Gottes in flehentlichem, beharrlichem.Gebete ^npfehle. Wir ver­ordnen hierbei, daß in allen Pfarr-, Kuratre-, Bikarrats- und Erpositur-Kirchen so bald wie möglich eine Todten- vesper nebst Vigilie, dann Tags daraus em solennes Seelenamt abgehalten werde, wozu die Gemeindeangehongen in unserem Namen einzuladen und zu ermahnen sind; ferner bat in allen Kirchen ein feierliches Trauergelaute -chs Wochen hindurch täglich von 12 bis 1 Uhr Mittags stattzufinden. Wir vertrauen schließlich, der ehrwürdige Kleims unseres Erzbisthums werde durch angemessenen Vollzug der vorstehenden Anordnungen nicht blos die Psticht gegen den von Gott uns gesetzten Landesherrn er­füllen, sondern auch der tiessten Dankbarkeit entsprechen­den Ausdruck geben, welche die katholische Kirche Bayerns unserem geliebten Königshause in so hohem Grade schuldet.

Gegeben München, am 14. Juni 1886.

Antonius, Erzbischof von München und tfteiftng.

Bei ber Besetzung ber Leiche bes Königs wirb, bem .Bayerischen Kurier' zufolge, ber Erz­bischof von München-Freising cetebriren. An ben Trauerakt schließt sich eine Tobtenvigilie. Am Montag um 10‘/2 Uhr finbet ein Trauergottes- dienst mit Requiem in ber Michaelskirche statt.

ben apostolischen Segen.

Ausland.

• Mons, 16. Juni. In Quaregnon würben bie Arbeiter burch eine große Schaar von Stri- k enben genöthigt, bie Arbeit uieberzulegen. Gens- barmerie verhinberte bie Schaar, weiter zu gehen. Der Gouverneur vorn Hennegau reiste nach ben von Arbeitseinstellungen bedrohten Distrikten ab. Eine Eskabrvn Lanciers ist nach Hvrnu abgegangen, eine zweite Eskabrvn geht bernnächst nach Qua­regnon ab. ~,

* Paris, 16. Juni. Einem Telegramm aus Saigon von heute zufolge würbe in Thanholb ein Kapitän unb ein Lieutenant durch vergiftete Pfeile getöbtet. In Annarn haben neuerdings roieber Nieberrnetzelungen von Christen stattgefunben. Die Äufstänbischen zünbeten einige Dörfer in ber Umgegenb von Touranes an.

* Rom, 16. Juni. Vom 15. bis 16. Mittag» erkrankten resp. starben an Cholera in Venedig 4/13, in Bari 1/1 Personen.

* London, 17. Juni. Gladstone hat sich heute nach Edinburgh begeben, von wo er feine Rundreise durch Midlethian zu Wahlzwecken antritt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 18. Juni.

* Der für den gestrigen Vereinsabend be» katholischen Männervereins M. N. «ngelünbigte Vortrag de» hochw. Herrn Domkapitulars Braun hatte Mitglieder und Gäste in großer Zahl zusammengeführt, so daß der kleine Harmom saal vollständig besetzt war. Gegenstand be» fast einstündigen, überaus fesselnden Vottrag» bildete das Leben des heiligen Johannes Chryso stomns, der, im Jahre 347 zu Antiochia geboren,