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1886.

Jfulbarr

DK »Fuldaer Zeittmg' erscheint tißlich, Sonn« und Frist» je auigtnemmen. vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Lringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der brll^isttschen Sochenbeilag« »Sterne anB Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeil« »der deren Rau« 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Juni.

Der Kaiser begießt sich am Freitag zu einem Vierwöchigen Aufenthalt nach Bad Em».

* Wie au» Baden gemeldet wird, hat der hochw. Herr Bischof Roos von Limburg die Wahl zum Erzbischof von Freiburg angenommen.

"Breslau, 10. Juni. Das Lokal-Comits für die XXJH. General-Versammlung der Katho­liken Deutschlands ist gestern offiziell in Thätigkeit getreten. Die im St. Vincenzhause abgehaltene Comitä-Sitzung war sehr zahlreich besucht. Aus den Berichten der Vorfitzenden der einzelnen Kom- miffionen geht hervor, daß die letztem bereits mit Eifer an die ihnen zugewiesenen Arbeiten heran­getreten sind. Es wurde definitiv beschlosien, die General - Versamlung vom 29. August bi» 2. September tagen zu lassen. Mit der General- Versammlung wird eine Ausstellung von Werken der christlichen Kunst aus alter und neuer Zeit verbunden fein, für welche vorläufig das Schul- fchwesternhau» („alte Loge") an der Kreuzkirche al» Ausstellungslokal in Ausficht genommen ist. Eine ganze Reihe gefeierter Redner, unter ihnen Dr. Windthorst und Frhr. v. Schorlemer-Alst, haben ihr Erscheinen zugesagt. Die Versammlung wird voraussichtlich eine glänzende werden.

* Bonn, 10. Juni. Heute fand Hierselbst die halbjährige Versammlung des Vorstandes vom h. Karl Borromäus statt. Der Bericht gab ein erfreuliches Bild von dem neuen Aufschwungs, welchen der Verein in den letzten Jahren unter seinem jetzigen Vorsitzenden, Hrn. Professor Simar, genommen hat. Die Einnahmen des Vereins waren, nachdem dieselben im Geschäftsjahre 1869 bis 1870 den höchsten Stand mit 216,000 Mark erreicht hatten, durch die Ungunst der Zeit bis auf 163,000 Mark in 1880 zurückgegangen, haben aber im letzten Jahre bereits wieder 205,000 Mark erreicht; demnach ist zu erwarten, daß sie längstens in 1887 die frühere höchste Ziffer wieder zeigen werden. Die Gesammtzahl der Mitglieder und Theilnehmer ist 42,800 (1400 mehr als im Vorjahre), darunter 16,683 Mitglieder mit einem ! Beitrage von 6 Mark, 3957 Theilnehmer mit 3

Dir Tochter des Geigers. 6

Roman von C. Armand.

Edgar konnte nicht umhin, sich, indem sie sprach, das reizende Bild mit lebhaften Farben auszu­malen : Die junge Lehrerin unter der Kinderschaar.

„Dürften wir wohl einmal zuhören, Walter und ich, wenn Sie Schule halten?"

„Wenn Sie mir versprechen wollen, nicht zu lachen und dadurch meine kleine Schaar verschüch­tern, warum nicht?"

Beide versprachen es und erhielten dann die Er- laubniß, das nächste Mal am Schulzimmer anzu­klopfen. Dann traten alle drei in den wohlge­pflegten Garten hinaus, der Lia Rofe's eigenste» Reich war.

V.

Der Abend versammelte die Familie wieder im trauten Wohnzimmer. Der Förster war zurückge­kehrt und sagte zu seinem jungen Gaste gewandt:

„Sehen Sie, Herr Norden, jetzt ist bei uns des Tages Arbeit vorüber; seit das Mädchen aus der Fremde (er warf einen bezeichnenden Blick aus Lia Rose) bei uns eingekehrt ist, haben wir etliche Stunden den Musen geweiht, und da Sie von denselben, wie mein Sohn uns verrathen, so reich bedacht sind, müssen Sie uns dabei helfen, wol­len Sie?"

Mark, und 22,160 mit M. 1,50. Die Gesammt­zahl der vom Verein verbreiteten Bücher ist 8031. Darunter befinden sich keineswegs, wie das neu­lich ein Düsseldorfer Buchhändler öffentlich be­hauptete, „reich-feindliche", da von der Wirksam­keit de» Verein» die Politik ausgeschlossen ist, und nur erbauende, belehrende und sittenreine unterhaltende Werke im Verzeichniß Aufnahme finden. Der Verein wirkt sogar in eminent natio­nalem Sinne, da er im Elsaß und in Lothringen, unterstützt durch öffentliche Empfehlungen der hochw, Bischöfe von Straßburg und Metz, die Zahl seiner Hülfsvereine mit jedem Jahre vermehrt. Daß die Verbreitung deutscher Literatur unter unfern wieder­gewonnenen Brüdern im Reichslande mächtig dazu- Mitwirken muß, sie wieder deutsch denken und fühlen zu lehren, wird Niemand in Abrede stellen. Bei dem üblicher Weise der Versammlung folgen­den gemeinschaftlichen Mittagessen im Hotel Kley wurde u. A. auch des anwefenden Hrn. Appel- lationsgerichtsrathe« a. D. Dr. August Reichens­perger ehrend gedacht und daran erinnert, daß er es war, der zuerst den Gedanken an die Gründung eines Vereins zur Verbreitung guter Schriften faßte unb im Jahre 1844 mit Unterstützung längst Heimgegangener Freunde, u. A. des Grafen Max v. Loe-Allner und des Professors Dr. Dieringer, zur Ausführung brachte. Der hochw. Herr Erz­bischof Dr. Krementz, der fein Erscheinen in der Versammlung, des Vorstandes, bem er früher lange Jahre als Miiglied angehötte, freundlichst zuge­sagt hatte, war leider am Erscheinen verhindert worden. Inzwischen hat er das Protectorat des Vereins huldreich übernommen. (Köln. Vztg.)

* Dortmund, 14. Juni. Se. Excellenz Dr. Windthorst hat feine Ankunft zu dem am Sonn­tag, 20. b., stattfinbenden katholischen Arbeiter» Verbandsfeste für Samstag, 19. b., Nachmittags 4 Uhr, angezeigt. Für Samstag-Abend ist dem­gemäß ein großer Fackelzug in Aussicht genommen.

* Nürnberg, 14. Juni Ansammlungen einer ernsten und traurigen Menge sanden in den Haupt­straßen und vor den Redaktionen der Zeitungen statt. Die Vereidigung des Militärs ist erfolgt. Vielfach äußert sich Parteinahme für den ver­storbenen König, die abenteuerlichsten Anschauungen gehen um. (Fr. Z.)

Fürst Edgar hatte unter seinen Kameraden stets für den liebenswürdigsten Gesellschafter gegolten, ihn hatte noch Niemand vergebens um ein Lied ober bergleichen gebeten; so war er auch jetzt be­reit und trat an das Klavier, das Lia Rose für ihn geöffnet hatte.

Er spielte eine Komposition von Beethoven. Mächtig erbrauste das Instrument unter seinen schlanken kraftvollen Händen. Wie ein majestäti- scher Strom rauschte das Werk des gewaltigen Tonheroen an den Ohren der athemlosen Zuhörer vorüber.

Lia war aufgestanden. Sie lehnte hinter ihrem Blumentisch am offenen Fenster und ließ die weiche Abendluft mit ihren Locken spielen. Da der Flü­gel settwäcts vom Fenster stand, so konnte sie gerade in das Gesicht und auf die Hände des Spielenden sehen.

Als das Spiel verstummte, bat der Förster um ein Lied.

Fürst Edgar griff wieder in die Tasten, erst in einzelnen Akkorden, die sich allmählich zu einer ein­fachen, ergreifenden Melodie verschlangen. Es war die Weise des alten Zarenliedes „Sonst spielt ich mit Scepter" u. f. w., die der Fürst anstimmte. Sein wunderbar kräftiger, selten schöner Bariton schlug machtvoll an die Wände des Zimmers; es war, als ob er sie sprengen und hinausströmen

* München, 13. Juni. Eine authentische Darstellung der Reise des König« von Hohen­schwangau nach Berg lautet wie folgt: Ober- medizinalrath Dr. v. Gudden, welcher ursprüng­lich die Absicht hatte, den König erst heule (oen 12. Juni) gegen Morgen von dem Zweck seiner Anwesenheit zu verständigen, mußte alsbald nach seiner Ankunft um 1 Uhr Nacht« diese Absicht ändern, weil der König den gestrigen Tag über und während der Nacht zu der Besorgniß Anlaß gegeben hatte, daß er sich ein Leids anthun könnte, zumal der König verlangt hatte, den Schloß­thurm zu besteigen, von dem au» natürlich ein Absturz leicht möglich gewesen wäre. Dr. v. Gud­den hielt deshalb ein rasches Einschreiten für ge­boten und stellte sich dem König sofort vor, als demselben mitgetheilt wor'oen war, daß der Weg zum Thurme nunmehr offen stehe. Der König erklärte sich, nachdem Dr. v. Gudden die Noth- wendigkeit einer ärztlichen Behandlung bargelegt hatte, sofort unb ohne allen Widerspruch bereit zu reifen. Der König sprach währenb ber nächst­folgenden 3 Stunden viel mit Dr. v. Gudden und den Wärtern und bestieg schließlich ohne Wi­derstand den Wagen. Eine „rührende Ansprache", von der ein Münchener Blatt zu melden weiß, hat nicht stattgefunden, wie denn auch thatsächlich Niemand vorhanden war, an ben eine solche hätte gerichtet werben können. Die Reise, währenb welcher ber König viel mit Dr. v Gudden ver­kehrte, verlief ohne jeden Zwischenfall. An den Orten, in welchen die Pferde gewechselt werden mußten, waren äußerst wenig Personen zu sehen. Um 121/4 Uhr kam Se. Majestät der König in Berg an und verfügte sich alsbald in feine Ge­mächer, wo demselben auch sofort der in Berg anwesende Professor Dr. Grashey vorgestellt wurde. Beide Aerzte haben erklärt, daß sie auch nach dem persönlichen Verkehr mit dem König an den schrift­lich abgegebenen Gutachten über den Gesundheits­zustand desselben entschieden festhalten müßten. Die eingeleitete ärztliche Behandlung wird selbst­verständlich mit der äußersten Schonung ausge- sührt."

München, 14. Juni. Laut PolizeidirektionS- Asfichen hat sich König Ludwig gestern 63/4 Uhr Abends bei einem Spaziergange im Parke Berg

müßte in die weiten Waldeshallen. Sie war von bestrickendem Zauber, diese Stimme.

Es war Lia Rose, als wenn sie zusammen­brechen müßte unter dieser Klangfülle. Ein Zittern durchlief ihre zarte Gestalt: „Dann will ich be­seligt Dein Kind wieder fein," tönte es eben leise wie ein ersterbender Hauch in die abendliche Stille hinaus. — Sie sank in die Kniee und be­grub aufschluchzend das erblassende Gesicht in dem grünen Gespinnst der üppigen Schlinggewächse, die ihren Blumentisch umrankten.

Ahnte sie, daß sie von dieser Stunde ab kein Kind mehr sein würde? Daß die stolzen Töne ber jugendlichen Männerstimme sie wie auf Adler- schwingen über die schmale Grenze der Kindheit hinübergetragen? Ihr selber unbewußt hatten sie das schöpferische „Werde" in ihre schlummernde Seele gerufen, diese Tone, und süß erschrocken empfand sie das reiche Sprossen und Keimen, das sich nun plötzlich dort regte. Mit staunenden Kinderaugen blickte sie in das erwachende Herz des Weibes, dessen ahnungsvolles Schlagen sie noch nicht verstand, und das sie nicht anders zu be­grüßen wußte, als mit dem Köstlichsten, das Gott dem Menschen zum Ausdruck all seines Empfindens gegeben — mit Thränen.

Es war nicht Schmerz, nicht Seligkeit, wa« ihr die Thränen auspreßte, aber vielleicht ein