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Sonnabend, den 12. Juni

Jtf 133.

1886.

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Erstes Blatt.

gMT Des hl. Pfingstfestes we­gen erscheint die nächste Nummer Dienstag, den 15. Juni.

O Pfingsten.

Wohl nur ein kleiner Bruchtheil derer, welche alljährlich Wochen lang das herrliche Pfingstfest Hervelsehnen, lebt in dem klaren und ungetrübten Verständniß für die eigentliche hohe Bedeutung dieses Festes für die Gläubigen der Kirche. Mehr noch als jedes andere Fest des christlichen Kirchen­jahres ist Pfingsten der modernen Welt ein Naturfest im vollsten Sinne des Wortes geworden. Wir find gewiß die Letzten, welche etwas dagegen emzuwenden haben, daß der erste oder zweite Tag nach dem Pfingstfeiertage mit besonderer Vorliebe zu Familien-Ausflügen, zu Vergnügungstouren, überhaupt zum Aufenthalt in der herrlichen er- blühten und üppig prangenden Gottesnatur ver­wandt wird. Aber Jeder, dem es mit seiner Religion ernst ist, muß sich in seinem Innern empören über einen Jndifferentismus, dem die Erkenntniß der eigentlichen kirchlichen Bedeutung dieses schönen Festes gänzlich abhanden gekommen ist, für den der Begriff „Pfingsten" nichts anderes bedeutet, als den Inbegriff von Reisen, Luft­fahrten und Vergnügen.

Zuerst Gott und die Kirche, dann erst die Welt und ihre Zerstreuungen, zuerst die Pflicht, dann das Vergnügen, dar soll an allen Festtagen de» Kirchenjahres der Wahlspruch de» guten Christen sein. „Der Geist des Herrn erfüllet den Erdkreis, Alleluja! Und dem, der alles zusammenhält, ist jeder Laut bekannt, Alleluja", so singt die Kirche zum Eingang der Messe am hl. Pfingstfeste. Durch die jährliche Feier jenes Tages, an welchem der heilige Geist unter Wmdesbrausen und in der Gestalt feuriger Zungen über die mit der heiligen Gottesmutter Maria in Jerusalem einmüthig ver­sammelten Apostel und Jünger herabkam und ihnen die wunderbare Gabe verlieh, in verschiedenen Sprachen zu reden, gibt die Kirche nicht nur ihrer \ Freude und ihrem Danke Ausdruck für die Er- füflung der göttlichen Verheißung, der er seiner Kirche den hl. Geist senden werde, sondern sie

Air Tochter des Geigers. 5

Roman von C. Armand.

Sie erzählten dabei abwechselnd von ihrem Stu- denrenleben vom Examen und von ihrer Wande­rung durch den kühlen morgenfrischen Wald, und wie sie dann am Weiher Lia Rose getroffen und anfangs für eine Waldfee gehalten hatten.

„Das nimmt mich nicht Wunder," schmunzelte der Förster, „ich fürchte auch immer, daß sie ein­mal auf einem Sonnenstrahle daoongleitet, oder sich vom Abendwinde entführen läßt, gelt, Wald- prinzeßchen?"

Sie lächelte zu ihm auf. „Das glaubst Du selbst nicht, Onkel Moritz, bei Dir und Tante Martha bin ich ja so glücklich — so glücklich — wie" —

„Ja wie denn, kleine Else?"

„Wie man es eben im Walde sein kann."

„Da hast Du Recht," aber nun geh und hole uns noch eine Flasche Rheinwein, vom Besten, weißt Du, damrl wir auf das Wiedersehen an­stoßen können."

Sie eilte fort — der Förster blickte ihr strah­lend nach, dann wandte er sich zu seinem Sohn: „Run. wa« sagst Du denn zu Deinem Schwester­chen?"

bittet gleichzeitig um die Erhaltung des mächtigen BeittandeS des heiligen Geistes. Der fromme Christ betritt an diesem Tage mit ernsteren Gefühlen das Gotteshaus und fleht in inbrünstigem Gebet um die sieben Gaben des heiligen Geistes, um Weisheit, Verstand, Rath, Stärke. Wiffenfchaft, Frömmigkeit und Furcht Gottes und um die zwölf Früchte des heil. Geistes, welche der hl. Paulus nennt: Liebe, Freude (in Gott), Friede, Geduld, Milde, Güte, Langmuth, Sanftmuth, Treue, Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, Keuschheit. Das ist die eigentliche, die religiöse Bedeutung des hl. Pfingst­festes, welches, gleichwie das Weihnachtsfest das Fest der Menschheit, Ostern das Fest Christi heißt, mit Recht das Fest der Kirche genannt wird. Der alles verflachende Zeitgeist, welcher selbst das katholische Leben an manchen Orten zu durch- dringen beginnt, hat leider die in viele Gegenden bestandene schöne Sitte, daß verwandte und de- sreundete Familien bei Pftngstbeiuchen einander den hl. Geist mit seinen sieben Gaben wünschten, in das triviale „Vergnügte Feiertage" verwandelt, welch' letzterer Wunsch so recht deutlich das Vor­wiegen der rein weltlichen Auffaffung der hohen Feiertage beweist.

Auch wir wollen uns, wie schon gesagt, in dieser Jahreszeit recht von Herzen erfreuen an dem frischen Grün, an den lieblichen Blumen und prächtigen Früchten der Gottesnatur, an dem frischen Waloesduft, an dem frohen Gesang des Vögelein, an dem Murmeln des Baches, wie an dem Rauschen der Waldquelle, aber wir sollen in unserer Wonne und in unserem Glück den nicht vergeffen, dessen GM und Odem die ganze Natur durchweht, dem Alles sein Entstehen und seine Schönheit und Fülle verdankt, wir sollen auch mitten in dem fröhlichsten Treiben zuweilen einen dankbaren Blick zu Gott emporsenden und in der Schöpfung den Schöpfer verehren und lobpreisen.

An der sichtbaren Kirche Christi auf Erden er­weist sich gerade in unseren Tagen recht wunder- kräftig der Beistand des hl. Geistes. Nicht nur, daß die Erfolge katholischer Miffionsthätigkeit von Jahr zu Jahr sich steigern, und daß, wie sich in j den angebahnten offiziellen Beziehungen China's zum hl. Stuhle zeigte auch in den bisher unzu­gänglichsten Heidenländern die Achtung vor der Macht der katholischen Kirche in sichtlicher Zunahme

„Daß sie ein Engel ist," rief der Angeredete enthusiastisch, „aber Mutter, warum habt Ihr mir denn nie ein Wort von ihr geschrieben?"

„Du sollst sie sehen, beschreiben läßt sie sich nicht, erwiederte Frau Martha."

„Darf ich fragen, welcher Nation Lia angehört?" ertönte jetzt die Stimme des Fürsten, „ihr Name klingt italienisch."

„Ganz recht!" versetzte die Försterin. „Ihr Vater ist Italiener. Ec ist Geigenspieler und kam al» solcher auf einer Kunstreise nach D., wo er Lia's Mutter, meine beste Jugendfreundin, eine Försterstochter, kennen lernte. Er liebte das sanfte blonde Mädchen und wurde von ihr schwärmerisch wiedergeliebt. Sie verließ ihren Wald, ihre El­tern und folgte ihm als sein Weid nach Paris, wo er eine Anstellung erhalten. Dort wurde auch Lia Rose geboren und ist somit eigentlich das Kind dreier Länder, deren Eigenthümlichkeiten sie ganz wunderbar in sich vereinigt hat; sie besitzt den Kunstsinn und das Feuer der Italiener, die Gra­zie der Franzosen und das treue Herz ihrer deut­schen Mutter."

Diese konnte ihren geliebten Thüringer Wald nicht vergeffen, das Heimweh zehtte sie auf, und nach einigen Jahren mußte der arme Künstler sein junge» Weib in fremder Erde betten. Nun litt

begriffen ist, — nein, auch in den europäischen Ländern beginnt man wieder, wenn auch mit Widerstreben, dem Zuge des Papstthums zu folgen und der katholischen Kirche mehr als bisher zu huldigen. In Deutschland vollzog sich in jüngster Zeit eine Reihe von Ereignissen, welche die zu­nehmende Machtstellung Roms und des Papstthums innerhalb des deutschen Staattzverbanve» beweisen. Preußen hat mit der inzwischen rechtskräftig ge­wordenen Kirchenvorlage einen wichtigen Schritt auf dem Wege zum kirchlichen Frieden gethan, und wenn nicht alle Zeichen trügen, wird der preu­ßische Staat den Rechtsansprüchen der katholischen Kirche noch mehr als bisher gerecht werden, mögen auch die unverbesserlichen Kulturkämpfer, die Nationaüiberalen, noch so laut dagegen remon- striren.

Leider ist in den beiden anderen deutschen Kulturkampfsstaaten, in Baden und in Heffen, noch kein analoger gesetzlicher Schritt auf dem Friedens­wege geschehen, vielmehr widersetzt sich in beiden Ländern der am Ruder befindliche National- liberalismus auf das Heftigste gegen jede Revision der Staaskirchengesetzgebung und glaubt sich un­sinniger Weise dabei auf die Gutheißung der dem­nächst in Freiburg und Mainz ihren Einzug haltenden neuen Kirchenfürsten verlaffen zu können. Aber hoffentlich bricht in Baden und in Heffen alsbald die Erkenntniß durch, daß es nicht wohl angeht, daß in dem geeinten Deutschland der eine Bundesstaat einen kirchlichen Staatsgerichtshof hat und auf Absetzung von Bischöfen 2c. erkennen kann, der andere nicht, daß in diesem deutschen Lande kirchliche Knadenseminare und Knabenkonvckte erlaubt sind, in jenem nicht, daß mit einem Worte die Vormacht Preußen und der erste deutsche Staatsmann eine Reihe von Ausflüssen angemaßter Staatshoheit über die Kirche unbedenklich preis­gibt, während kleinere Länder ihr veraltetes Staats- kirchenthum unter Anwendung milderer „Formen" aufrechterhalten wollen. Sollte diese Erkenntniß den genannten Staaten nicht von selbst kommen, so wird das Volk bei den nächsten Wahlen sie ihnen beibringen müssen, damit endlich einmal in ganz Deutschland der so lange vermißte kirchliche Friede anbreche, zum Wohle von Staat und Kirche.

Möge der hl. Geist am Pfingstfeste seine Gaben auf Alle ausgießen, welche in Kirche und Staat

es ihn nicht mehr in Paris; er zog mit seiner kleinen „Cecilia", die er zärtlich liebte, von Stadt zu Stadt. — Das Glück war ihm nicht günstig, er verstand sich eben nicht auf den Erwerb; seine Kunst war ihm heilig und er war zu stolz, um fie zur Sklavin des Goldes zu erniedrigen. Er hatte daher während seines Nomadenlebens fast be­ständig mit Noth und Sorge zu kämpfen und konnte oft, obschon, oder vielleicht eben, weil er ein echter Künstler von Gottes Gnaden war, sich und fein Kind nicht einmal vor Mangel schützen.

Da, als Lia in ihrem dreizehnten Lebensjahre stand, erhielt er von einem Impresario eine Auf­forderung zu einer Kunstreise nach Amerika. — Er nahm ste an, in der Hoffnung, in der neuen Welt sein Glück zu machen, aber das Kind konnte er nicht mitnehmen über’« Meer. — Da erinnerte er sich der Jugendfreundin seiner verstorbenen Gat­tin im fernen Deutschland, und schnell entschloffen brachte er nun sein Kleinod, seine Cecilia, mit Der Bitte, sie aufzunehmen und zu erziehen, bis er selbst die Schätze gesammelt, nach denen er um seines Kindes willen so leidenschaftlich verlangte, dann wollte er wiederkommen und sie zu sich holen.

Wir waren »Hein (unser Sohn hatte damals gerade die Universität bezogen) und nahmen die Kleine auf; wir würden fie auch ausgenommen