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Eine Viertelstunde mochte seit der Begegnung
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einen politischen Einfluß einräumte, als er u. A-, wie verlautet — und das ist nach der,Vossischen Ztg.' amtlich beglaubigt — durch einen Friseur, dem er Generalvollmacht ertheilt hatte, einen Be« zirksamtsasieffor auffordern ließ, ein neues Kabinet zu bilden. Angesichts deffen ist nicht zu verkennen, daß der König an einer schweren und ernstlichen Krankheit leidet und daß es in seinem wie in de« bayerischen Staates Bestem liegt, eine Last von seinen Schultern zu nehmen, die er nicht mehr zu tragen vermag.
Es ist ein tragisches Schicksal, das den einst hochgefeierten Monarchen verfolgt. Mit reichen Vorzügen des Geistes und des Körpers ausgestattet, durch feine selbstständige deutsche Politik in Bayern wie in Deutschland geachtet, tm vollen Sinne des Wortes ein Liebling seines Volkes — das war König Ludwig in dem Beginne seiner Regierung. Es hat Jahre lang gedauert, bi« man sich mit dem Gedanken vertraut machte, daß die auf den jungen Monarchen gesetzten Hoffnungen sich nicht erfüllen sollten; — diesen schlimmen Ausgang aber hätte wohl kein Schwarzseher vor- auisehen können. Niemand wird dem Geschicke des deutschen Fürsten, dessen Namen mit einer denkwürdigen Epoche unserer Geschichte unauflöslich verknüpft ist, seine Theilnahme versagen.
manne!"
„Ei, sieh da", unterbrach er sich, „da hast Du ja wohl Deinen Freund mitgebracht, von dem Du uns so viel geschrieben, Herr Norden, nicht wahr?" und auf diesen zutretend, reichte er ihm mit offener Herzlichkeit die Hand, während Walter rasch erwiderte: „Ja, lieber Vater, Edgar hat eingewilligt, mich zu begleiten und unseren schönen Wald recht gründlich kennen zu lernen."
„Das ist schön von Ihnen, junger Herr, welch' angenehme Ueberraschung! Das bringt Leben in das alte Haus!" und nochmals schütttelte der Förster seinem jungen Gaste kräftig die Hand.
„Ich sehe", sagte dieser lächelnd, „daß Walter nicht zu viel gesagt, al« er mir auch ohne vorherige Anmeldung eine freundliche Aufnahme in Ihrem gastlichen Hause versprach, — nehmen
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Nie Tochter -es Geisers 4
Roman von C. Armand.
Edgar war der Erste, der sich dem Banne entriß; er richtete die schwarzen Augen auf den Freund und sagte enthusiastisch: „Wahrhaftig, Walter, das war das lieblichste Wald wunder, von dem mir jemals geträumt, mir ist zu Muth wie einem Märchenprinzen; ich stehe vor einem Räthsel, zu dem ich vergebens den Schlüssel suche. Doch halt! Du mußt ja alles erklären können, denn nach allem, was ich vernommen, ist sie ja Deine Hausgenoffin! O, Du Heuchler, daß Du mir niemals von ihr gesprochen! Wer hätte hinter Deiner ehrlichen Miene ein Geheimniß vermulhet! Aber nun heraus mit der Sprache, geschwind, wer ist sie, was weißt Du von ihr?"
„Nicht mehr als Du selber: nämlich, daß sie Lia Rose heißt und in unferm Hause weilt, meine Eltern haben in ihren Briefen ihrer niemals erwähnt."
„Und wir", rief Edgar unmuthig, wir wtffen nichts Befferes zu thun, als das Wunder anzustaunen wie ein paar Schulknaben und es uns entschlüpfen zu lassen, ehe mir uns Aufklärung verschafft; ich glaube, Freund, wir haben uns recht albern benommen." —
„Ich fürchte auch", gab dieser lachend zurück,
* Die Katastrophe in Bayern.
Hebet die traurige Wendung der Dinge in Bayern haben wir in den letzten Tagen mehrfach berichtet. Za diesen Meldungen tritt nun noch, wie ein Privattelegramm der .Franks. Z' besagt, die Thatsache, daß bereits eine Deputation, bestehend aus den Ministern Lutz, Fäustle und Erailsheim, den Grafen Holnstein, Törring und Malfen, den Aerzten Gudden und Erb und dem erforderlichen Wärterpersonal nach Hohenschwangau abgereist ist. Das genannte Blatt knüpft an diese Thatsache folgende Betrachtungen:
Das Charakteristische der Meldung beruht in der Thatsache, daß Aerzte und Wärter dieser Deputation angehören, daß es sich also nicht um eine Absendung im gewöhnlichen Sinne handeln kann. Die Deputation kommt nicht zu König Ludwig II.. um zu prüfen und zu verhandeln; sie setzt die Thatsache seiner schweren Erkrankung voraus und trifft danach die Maßregeln, die ihr im Jntereffe des Monarchen und des Landes geboten erscheinen.
Ein so folgenschwerer, den ganzen Staat in seinen Interessen berührender Schritt kann neben der Lage der Sache nach nur beschlossen sein als ultima ratio. Die Agnaten des kgl. Hauses muffen ebenso wie die Minister zu der Ueberzeugung gelangt fiin, daß der Träger der Krone durch sein Befinden außer Stande gesetzt ist, den ihm obliegenden Verpflichtungen nachzukommen. Sie müssen den Beweis in Händen haben, daß eine Wendung zum Bessern in seinem Besinden voraussichtlich ausgeschlossen ist und daß der Verzug Gefahr bringen könnte. Erfordert doch die Verfassung als hauptsächlichste Bedingung der Einsetzung eines Regentschaftsrathe» die thatsächliche Behindernng des Königs, die Regierungsgeschäfte zu erledigen. Wir streifen diese staatsrechtliche Seite der Frage heute nur, ohne näher auf sie einzugehen; sie bedarf einer besonderen Würdigung, denn es läßt sich durchaus nicht verkennen, daß die beabsichtigte Einsetzung einer Regentschaft nicht ohne gewisse formale Schwierigkeiten vor sich gehen kann.
Es drängt sich Jedem die Frage auf: Wie sind die leitenden Kreise zu jener Ueberzeugung ge- kommen? Hat man nicht noch bis in die letzten
Wochen hinein offiziell und offiziös rundweg Alles und Jedes geleugnet, was dahin gedeutet werden konnte, daß eine ernste Wendung im Anzuge sei? Hat nicht auch noch am 29. v. M., also vor noch nicht zwei Wochen, König Ludwig eine Reihe von Gesetzen sanktionirt? Daß die Hartnäckigkeit des Königs in der Schloßbautenfrage allein die berechtigten Faktoren zum Einschreiten hätte veranlassen sollen, erscheint nicht gut denkbar; denn die Verlegenheiten der königlichen Civilliste allein könnten unmöglich der Einsetzung einer Regentschaft zur rechtlichen Unterlage dienen, wenigstens nicht unmittelbar. Die Civilliste hätte wie jeder Privatmann für ihre Verpflichtungen auskommen müssen und wenn die Ausfechtung der gegen sie angestrengten Prozesse auch nicht ohne unliebsames Aussehen und ohne Schädigung des Prestiges der Krone vor sich gegangen wäre, so wären solch' unerfreuliche Erscheinungen doch noch lange kein Beweis für die Annahme, daß der König „behindert" sei, die Regierung zu führen. Es muß also in der Art und Weise, in welcher König Ludwig die an ihn allen Ernstes gestellten Forderungen jfeiner Minister zurückwies, sowie überhaupt in seinem Verhalten gegenüber den Räthen der Krone und ebenso seiner Umgebung der Anlaß für den von den Agnaten und Ministern gethancn Schritt erblickt werden.
Und da liegen allerdings eine Reihe von Meldungen vor, welche, wenn authentisch, woran wohl nicht zu zweifeln ist, es begreiflich erscheinen lassen, daß man den ernsten Schritt nicht länger aufschiebt. Es handelt sich da nicht um Absonderlichkeiten mehr, wie man sie an dem Herrscher Bayerns gewohnt ist, sondern um Schlimmeres. Unnahbar nicht nur für seine Minister, sondern auch für die Räthe seines Sekretariats (soll doch Herr Schneider, der letzte Kabinetssekretär, in dieser Eigenschaft niemals den König von Angesicht zu Angesicht gesehen haben!), wendet der König sein Vertrauen untergeordneten und ungebildeten Personen zu. So lange diese nur mit Gnaden und Spenden unverdienter Weise überhäuft wurden, war das bedauerlich, aber es ließ sich gegen solche private Akte des Monarchen nichts einroenten. Eine ernste Gefahr für den Staat aber tauchte auf, als der König solchen Leuten „doch es hilft nichts, darüber zu philofophiren, laß' uns lieber eilen, daß wir nach Hause kam- men, dort muß uns ja Aufklärung werden."
„So gehen wir", pflichtete der Andere bei, und mst beschleunigten Schritten eilten sie, gefolgt von dem Hunde, dem Ziele ihrer Wanderung ent»
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Juni.
• Die Enthüllungsfeier des Denkmals Friedt. Wilhelm IV. vor der Nationalgallene vollzog sich heute bei herrlichem Wetter und bot ein farbenprächtiges Schauspiel von vorwiegend militärischem Charakter. Das gesunde Aussehen und die Rüstigkeit des Kaisers fielen heute und auch gestern bet dem großen Rennen in Hoppegarten allge- mein auf.
•* Das Herrenhaus genehmigte heute nach kurzer Discusston den Staatsbeitrag von 50 Millionen zu den Kosten der Herstellung eines Nordostseekanals und trat sodann in die Berath- ungen der Kanalvorlage ein. Die Commission beantragte in ihrer Mehrheit unveränderte Annahme der Vorlage. Der Berichterstatter der Commission Geh.-Rath Stumm konstatirte, daß bezüglich de» tes Gesicht, als er den Sohn erkannte, und mit einem kräftigen „Willkommen in der Heimath" zog er ihn an seine breite Brust.
Dann, ihn bei der Schulter fassend und mit beiden Armen von sich abhaltend, um ihn besser betrachten zu können, rief er: „Potz laufend, Junge, wie Du groß und stattlich geworden bist! Du hast das Zeug zu einem richtigen Forst-
am Weiher verflofsen sein, als die beiden jungen Männer vor der freundlichen Försterwohnung standen, die mit ihrem blanken, rochen Ziegeldach und den epheuumrankten Fenstern sich leuchtend von dem dunklen Weldhintergrund abhob. Es lag auch ein gut Theil freudigen Stolzes in Walters blauen Augen, als er, auf das kleine Haus weifend, mit weichem Tone zu seinem fürstlichen Freunde sagte: „Sieh, Edgar, das ist meine Heimath, von der ich Dir so viel gesprochen."
„Welch' freundliche Heimath", erwiderte dieser warm, „fast könnte ich Dich darum beneiden. Wie : prächtig muß sich hier wohnen!"
Sie schritten die Steinstufen hinan bis zur ■ Hausthüre, die in demselben Augenblick von innen > geöffnet wurde. Der Förster erschien auf bet . nf.. „
Schwelle, eine herkulische Gestalt, fest und knorng ; Sie meinen herzlichsten Dank dafür.
w^ die Bäume in feinem Revier. I „Nur keine Umstände", wehrte dieser freundlich
Ein freudiger Blick flog über fein wettetgebräun- ab, bei uns ist Jeder willkommen, der Liebe zum
Vie ,Fulda« «scheint tiiglich, «arm- und Feiertage mitgenommen. Werteljiihrlicher abonnem^pr^ 1 50 ,n,t bet
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Inserate: Die einspaltige Zeile ob« deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatts
188fk-
Freitag, dm 11. Juni
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