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J\3 131.

Donnerstag, den 10. Juni

1886.

Dte »Fuldaer fetttimg* erscheint täglich, Sonn- «nd Feiertag« mitgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne nnd Slumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Inserate: Di« einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg,; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Deutsches Reich.

Berlin, 8. Juni.

•* Das Herrenhaus berieth die Kreisordnung für Westfalen sowie den Gesetzentwurf betr. die Einführung der Provinzialordnung in diese Pro­vinz nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses. Das Haus hielt seinen früheren Beschluß, wonach die Ernennung der Amtsmänner auf Vorschlag der Kreisausschüsse anstatt auf Vorschlag der Amtsoersammlungen erfolgen soll, aufrecht. Im Uebrigen wurden die Beschüsse des Abgeordneten­hauses durchweg angenommen. Ein Antrag des Frhrn. v. Landsberg auf Wiederherstellung des Eivilnimmrechts der reichsunmittelbaren Familien im Provinziallandtag und in den Kreistagen wurde abgclehnt. Die Vorlage muß nochmals an das Abgeordnetenhaus zurückgehen. Der vom Abgeordnetenhause auf Antrag Kropatscheck be­schlossene Gesetzentwurf betr. die Gleichstellung der Lehrer an nichtstaatlichen höheren Lehranstalten mit denen an Staatsanstalten, wurde auf Antrag der Commission debattelos abgelehnt und der Be­richt über die Verhandlungen des Landeseisen- bahnralhs durch Kenntnißnahme erledigt. Morgen: Kanaloorlage, Nordostseekanal, schwebende Schuld.

* Die mit der Vorberathung der Kanalvor­lage betraute Kommisiion des Herrenhauses hat die Vorlage mit 7 gegen 6 Stimmen angenom­men. Zum Referenten ist bekanntlich Geheimer Kommerzienrath Stumm, der entschiedenste Gegner der Vorlage, bestellt worden.

* Der Bundesrath hält morgen eine Sitzung ab, in der u. A. über die Errichtung eines orien­talischen Seminars und über die Waldeck'sche Streitfrage wegen Amortisirung der Rothschild'- schen Anleihe Beschluß gefaßt wird. Zugegangen ist dem Bundesrathe eine Denkschrift des Kaiser­lichen Commisiars Dr. Goering über das südwest- afrikanische deutsche Schutzgebiet Angra Pequena.

* Gestern Abend 6 Uhr verließ der Rrdacteur der ,Germania', Herr Adolf Körnig nach Ver­büßung einer dreimonatlichen Gefängniß- haft, zu der er wegen „Beleidigung des braun­schweigischen Staatsministers Grafen Görtz Wis- berg" (Cumberland'Affaire) verurtheilt worden war, die Strafanstalt am Plötzensee.

Die Tochter -es Geigers*) 3

Roman von C. Armand.

Es war ein Stückchen unberührte Waldeinsam­keit, das sich plötzlich den Augen der Freunde darbot, aber so fesselnd auch der Anblick der malerischen Scenerie sein mochte, nicht er war es, der die beiden in wortloser Ueberraschung an ihren Platz bannte. Sie starrten unverwandt über den See hinüber, auf das ebenso liebliche, als unerwartete Bild, das sich ihnen am jenseitigen Ufer zeigte. —

Dort saß unter dem höchsten der 12 Bänme, einer majestätischen Rothbuche, fast begraben unter einer Fülle wilder Rosen, die sie in ihrem Schoße zum Kranze wand, dn junges Mädchen.

Die schlanke Gestalt umfloß ein loses, faltiges Gewand von weißem Battist, das um die Taille durch ein blaßrosa Band zusammengefaßl wurde. Der Wiederschein der blutrothen Blätter des Baumes, die die Sonne purpurn durchglühte, umgab die weiße Gestalt mit rosiger Dämmerung. Ein einziger Sonnenstrahl, dem es gelungen, sich durch das dichte Laubwerk hindurchzustehlen, wob einen lichten Schein um den lockigen Scheitel. Rein und lieblich waren die Züge des feinen Gesichts, dem die dunklen Brauen einen Hauch träumerischer Schwermuth verliehen.

* Die Londoner ,Pall Mall. Gaz.' schreibt: Die beiden Thatiachen, die gerade jetzt am meisten die City beschäftigten, sind die Geschäftsflauheit unter englischen Kaufleuten und Maklern und die außerordentliche Thätigkeit finanzieller und anderer Geschäfte in deutschen Städten. Diese Thatsachen stehen in einem augenscheinlichen Zu­sammenhänge. Deutsche Kaufleute haben durch die Aneignung des Auslandshandels die Regelung fremdländischer Schulden nach Berlin, Frankfurt und Hamburg gezogen. Dieselben find fast des Namens internationaler KomptoirS würdig, und das alte Uebergewicht Londons als des Haupt­platzes zur Regelung von Schulden zwischen Län­dern ist beeinträchtigt. Englische Finanziers und französische Banquiers stehen über die von Berlin als einem Geldmarkt gemachten großen Schritte ganz gleich bestürzt da.....England hat fein

Monopol als die Bankficma der Welt verloren. Zu denken gibt diese Mittheilung nach verschiedenen Richtungen.

• Die Präkonisaiion des designirten Bischofs von Mainz, Dr. Haffner, wird in dem morgen, am 10. Juni, am Feste des heil. Bardo, Erzbi­schofs von Mainz, stattfindenden Konsistorium erfolgen. Außerdem wird der hl. Vater den neu­ernannten Kardinälen den Kardinalshut aufsetzen und zugleich mehrere neue Tttularbischöfe präkonifiren.

• Der .Nationalzeitung' wird aus München gemeldet: Es verlautet, die Grafen Holnstein und Türring seien bestimmt; di« Ucdernahme der R r- gentschaft durch den Prinzen Luitpold dem Könige, welcher sich im Gebirge befindet, mit» zutheilen.

— Dem ,Berl. Tagebl.' wird über die Krisis in Bayern unter Anderem gemeldet: Die Aen- derung tn der Oberleitung des Staates Bayern wird sich in der Weise vollziehen, daß Prinz Luit­pold zunächst unter Gegenzeichnung der Minister die Regentschaft übernimmt und dann sofort die zur Zeit vertagte Kammer einberuft, welche die Regentschaft bezw. Reichsverweserschaft zu sanctio- niren haben werden. Erst dann, wenn so der Regentschaftsstellvertreter installirt ist, wird das Reich, das in die bis dahin intern bayerische An­gelegenheiten sich gamicht zu mischen hat, sich mit der Prüfung der Legitimation des neuen Regenten

Wie ein lebendig gewordenes Märchen erschien sie den beiden jungen Männern, und „Waldfee!" klang es unwillkürlich von den Lippen des Fürsten.

Sie hatte den leisen Ruf vernommen und wandte nun die Augen nach der Richtung, von wo er erklungen.

Es waren ein paar große wunderbar leuchtende Augensterne, blau und tief wie der See zu ihren Füßen.

Sie bemerkte jetzt die beiden Herren, die um den Weiher herum mit schnellen Schritten auf sie zu kamen; mit der einen Hand die Falten des Kleides zusammennehmend um ihre Rosen darin zu halten, erhob sie sich und stand nun vor ihnen, ein Bild reinster Jungfräulichkeit, indem sie fragend von einem zum andern blickte.

„Mein Fräuiein", begann Fürst Edgar, „ver­zeihen Sie uns, daß wir den Frieden dieses stillen Ortes durch unser Erscheinen gestört haben, wir ahnten nichts von der Anwesenheit eines mensch­lichen Wesens, von dem wir noch nicht einmal wisien, ob es ein solches ist, oder ob nicht der Wals uns einen seiner freundlichen Geister zum Willkomm gesandt hat."

„Nun, so taffen Sie mich Sie Willkommen heißen im Namen des Waldes, den ich so sehr liebe," erwiderte sie mit einem lieblich, unschul­digen Lächeln und einer Stimme, deren lieblicher

zu befaffen haben. Die Frage der Schulden­tilgung der Cioiliste wird von der des Regierungs­wechsels vollständig zu trennen fein. König Lud­wig wird natürlich unter Vormundschaft gestellt werden, bezieht aber feine volle Cioiliste (5*/2 Millionen Mark) weiter; es wird sonach nach Abzug der für seinen standesgemäßen Unterhalt nöthigen Summe alljährlich ein so bedeutender Ueberschuß verbleiben, daß in fünf höchstens sechs Jahren die gesammte übrigens nur 14 Millionen Mark betragende Schuldenlast gedeckt sein wird. Prinz Luitpold wird als Regent vom Lande außer einem nicht sehr hohen Aversum für Unterhaltung und Repräsentation nur eine Cioiliste von 400 000 Mark beziehen.

• Aus Nassau schreibt man der .Niederrh. Volksztg.': Anläßlich der Wahl unseres Herm Bischofs Roos zum Erzbischof von Freiburg hat am 4. d. M. das bischöfliche Domkapitel zu Limburg eine einstimmig votirte Petition an den im Bade Karlsbad weilenden Oberhirten abgehen lasten, bittend, Hochderselbe möge die Wahl nicht annehmen. Wie bestimmt verlautet, hatte der Herr Bischof die Ablehnung der Wahl schon vorher nach Freiburg gemeldet.

* Aus Wiesbaden, 5. Juni, schreibt man dem .Nass. B.': Wer den Einzug der Katholiken in ihre Pfarrkirche mit angesehen und dem Got­tesdienst angewohnt hat am Feste Christi Himmel­fahrt und am heutigen Patronsfeste, dem Feste des hl. Bomfatirn, der hot mit vurchgelebl unb empfunden, bester als es alle Schilderungen ver­mögen, wie schwer die Katholiken ihre Nothlage bisher empfunden haben müssen, uno wie berech­tigt ihre jetzige Freude war. Mit bewunderungs- werthem Eifer und Anstrengung aller Kräfte wurde in 3 Tagen die Kirche gründlich gereinigt und auSgebeffert, und durch freiwillige Blumenspenden und Ziersträucher herrlich geschmückt. Wie leuch­teten freudig die Augen, als die lang verstimmten Glocken wieder zum Gottesdienst riefen. Von aus­wärts, besonders von Mainz, waren Viele herbei- gekommen, um dem Einzug anzuwohnen. Selbst der ungünstige Gewitterregen konnte die Feier nur etwas hinausziehen, aber nicht hindern. Wenn man bas stets gefüllte Gotteshaus bei den verschie­denen Gottesdiensten sieht, wird erst klar, wie

Wohllaut fast wie Musik klang. „Sie sind wohl fremd hier, ich sah Sie noch niemals; haben Sie sich verirrt? Dann kann ich Ihnen helfen, ich kenne Weg und Steg. Wohin wollen Sie denn?"

„Zum Forsthause," sagte Walter.

„Zum Forsthaus", wiederholte sie wie in leb­hafter Ueberraschung, „dahin —"

Sie konnte nicht weitersprechen, ein lautes Gebell ließ sie sich rasch umwenden, in langen Sätzen kam ein riesiger Neufundländer daher gerannt, der unbekümmert um das „Ruhig Waldmann", mit einem Freudengeheul an Walter emporsprang.

„Waldmann, alter Freund, bist Du's denn wirklich?" rief dieser den zottigen Kopf des Hundes streichelnd.

„Sie kennen den Hund?" fragte das Mädchen, das mit verwunderten Augen der unerwarteten Scene zugeschaut, „dann sind Sie also gar nicht fremd hier?"

„Ach", tief sie in plötzlichem Verständniß, „Sei sind wohl gar der Walter Erkens, den wir heute erwarten? Ja so ist'S, ich hätte Sie gleich an der Ähnlichkeit mit Ihrem Vater erkennen können" und ohne feine Bejahung abzuwarten, streckte sie ihm beide Hände entgegen, unbekümmert um ihre Rosen, die nun zu Boden fielen und sagte herz­lich: „Tausendmal willkommen in der Heimat, wir haben uns alle so unendlich auf Ihre — auf