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Dienstag, den 8. Juni

M 129.

1886.

eü Onibaer Rttimo' trf<6itni tSaliL. Comiu und Friertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn unb Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der '°Ui ÖH** 5rLelriststchen Wochenbeilage «Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Di» einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Bom BonifatiuS-Verein.

Das .Bonifalius-Blatt' theilt unter dem Titel „Das Jubiläum und der BonifatiuS-Verein" ein Schreiben des General-VorstandeS an den hochw. Episkopat Deutschlands und Oesterreichs mit, in welchem eine kurze Ueberstcht über die bisherigen Leistungen des für Deutschland hochwichtigen Ver- eins gegeben wird.

Was hat der Verein geleistet? Das Schreiben sagt: „Seit dem Tage seiner Gründung bis zum Schluffe des Jahres 1884 sind durch denselben 12,998,087 Mark — zwölf Millionen neunhundert acht und neunzig Tausend sieben und achtzig Mark — gesammelt und bis auf einen mäßigen Bestand zu den Zwecken des Vereins verwendet. Mit diesen Mitteln ist in 364 Slädten und größeren Dörfern, in welchm seit dem 16. Jahrhundert der Gottes­dienst ganz erloschen war, ein regelmäßiger katho­lischer Gottesdienst wiederhergestellt worden. Unter diesen Orten befinden fich 200 selbstständige MiflionSpfarreien. Außerdem hat der Verein noch gegen 290 geistliche Stellen, die aus Mangel an Mitteln hätten zu Grunde gehen müffen, in ihrem Fortbestände gesichert. An Kirchen und öffentlichen Oratorien sind mit Hilfe des Vereins circa 300 erbaut. An 275 Orten, an denen früher (tine katholischen Schulen waren, find unter Beihülfe des Bonifatius-Vereins katholische Schulen wieder­errichtet worden. Ueberhauvt find im letzten Rech­nungsjahr (1883) 745 Miffionsanstalten an 488 verschiedenen Orten vom Verein unterhalten oder doch erheblich unterstützt worden, und unter diesen befinden sich 219 geistliche Stellen und 228 Schul­stellen. Von den vom Verein ins Leben gerufenen Miffionsstellen find erst 19 vollständig dotirt und mit hinreichenden Grundstücken und Gebäuden ausgestattet; dagegen sind ziemlich viele Schulen zu öffentlichen Schulen erhoben und deren fernere Unterhaltung von den kirchlichen und politischen Gemeinden übernommen worden."

Was muß der Verein noch leisten? So erfreu­lich diese Angaben sind, so traurig ist das Ge- ständniß, welches der General-Vorstand abzulegen genöthigt ist, „Bei Weitem die meisten Missionen und Schulen müssen aber doch fortlaufend von uns unterhalten werden, dadurch werden unsere Mittel so sehr in Anspruch genommen, daß wir

Die Tochter des Seigers*)

Roman von C. Armand.

I.

Es war an einem wunderschönen Morgen in den ersten Tagen de« Juni. —

Goldener Sonnenglanz fiel durch die dichtver­schlungenen Zweige uralter Waldesriesen und huschte m zitternden Reflexen über das weiche Moos, das in üppiger Fülle den Boden deckte.

Hier und da leuchteten, kleinen Sternen gleich, weiße Erdbeerblüthen und die blauen Glocken der Kampanula daraus hervor, feierlich still wie in einem Dome, war's rings im grünen Walde! Rur die Bäume, die gleich schlanken Säulen zum Him­mel aufstrebten, regten flüsternd ihre Blätter, und zuweilen stieß ein goldgelber Pirol, der scheu ver­steckt irgendwo in der dichten Wlldniß des blätter­reichen Geäst'» saß, seinen klagend », langgezogenen Ruf aus. —

Ein unbeschreiblicher Zauber wehte um den grü­nen Raum und schien auch die beiden jungen Män­ner gefangen zu nehmen, die mit elastischem Schrttt den einsamen Waldweg heraufkamen; schon eine ganze Welle schritten sie schweigend nebeneinander her unb sogen in tiefen Athemzügen den würzigen

*) Nachdruck verboten.

bei unserer jetzigen Einnahme nicht daran denken dürfen, neue dauernde Verpflichtungen zu über­nehmen. Nach den Erfahrungen nämlich, welche wir in den 36 Jahren des Bestehen» unseres Vereins gemacht haben, dürfen wir nur 2/5 der Jahreseinnahme zur laufenden jährlichen Unter­haltung der Missionsanstalten verwenden, während wir ebenso viel nothwendig haben zur Erwerbung von Grundstücken, Herstellung von Kirchen, Pfarr- und Schulgebäunden. Das letzte ’/s müssen wir zur verzinslichen Anlegung (geschenkte Dotations- Kapitalien, Meßstiftungen u. s. w.) hingeben, damit doch allmählich ein fester Fonds gebildet werde. Die Jahreseinnahme hat sich im Jahre 1883 auf 741,598 Mark und im Jahre 1884 auf 760,926 Mark belaufen. Davon dürfen wir also nur circa 300,000 Mark zur laufenden jähr­lichen Unterhaltung gebrauchen. Sofern also diese Belastung der Kassen de» Vereins erreicht ist, können wir eine weitere dauernde Verpflichtung nicht mehr übernehmen. Dieser Fall ist aber nun­mehr bereits eingetreten. Die General- und die verschiedenen Diözesan-Kaffen sind mit einer fort­laufenden Ausgabe von circa 307,000 Mark be­lastet. Daher die für uns bedauerliche Erscheinung, daß sämmtliche Diözesan-KomiteS auf unsere des- fallsigen Anfragen erklären, neue dauernde Ver­pflichtungen nicht mehr übernehmen zu können. Die Thätigkeit des Verein» muß daher in einen ? «wissen Sttllstand treten, d. h. er muß sich darauf eschränken, da» zu u-itc.halten und auszustatten, was er beschaffen hat, darf aber an neue Grün­dungen nicht mehr denken. Und doch sind der Be­dürfnisse auf dem weiten Diaspora-Gebiete Drutsch- land», welch.s wir im Laufe der Jahre ziemlich genau kennen gelernt haben, und so viele und so schreiende, daß wir wohl sagen können: Die Aufgabe des Bonifatius-Vereins ist kaum zur Hälfte gelöst. Ja, es läßt sich bei der in Folge der Freizügigkeit entstandenen Verschiebung der Bevölkerung noch gar nicht absehen, welche Bedürf- niffe noch eintreten werden. Gegenwärtig liegt uns noch eine ganze Reihe von Gesuchen um Unter­haltung von neuen Mission»- und Schulstellen vor (seit Dezember 1885 bereits neun), welche von den hochwürdigsten Ordinariaten warm empfohlen sind, ohne daß es uns bis jetzt gelungen ist, eine Vereinskasss aufindig zu machen, welche die dauernde

Erdgeruch ein, der wie ein belebender Hauch dem thaufeuchten Boden entquoll.

Der Eine der beiden, eine kräftige, jugendfrische Männergestalt in kleidsamem, grünen Tuchanzug, trug eine Flinte über der breiten Schulter. Seine kräftig entwickelten Gesichtszüge waren weder schön noch regelmäßig zu neunen, aber es sprachen Geist und Charakter au» den festen Linien, und dabei besaß er ein paar tiefe, treue Augen vom schönsten Blau, die dem gebräunten Gesicht einen eigenen Reiz verliehen. Er schien recht in den grünen Wald hinein zu paffen und blldete mit seinem blonden Haar einen seltsamen Kontrast zu seinem schwarz­lockigen Gefährten, dessen hohe, schlanke Gestalt ihn fast um Haupteslänge überragte.

Es war eine vornehme, fast frappirend schöne Erscheinung. —

In der freien, ungezwungenen Haltung, der Art und Weise, wie er den stolzen Kopf zurückwarf, lag etwas ungemein distinguirtes, womit auch die aristokratische Blässe de» Gesichtes übereinstimmte, dessen kühne, edelgeschnittene Züge fast ganz von ein paar mächtigen ttefschwarzen Augen beherrscht wurden.

Seine Kleidung aus dunklem Tuch war einfach, aber von tadellos elegantem Schnitt und ließ in dem Wanderer unwillkürlich den Kavalier vermuthen.

Last zu übernehmen im Stands wäre. Diele und alle späteren Gesuche werden wir also zurückweisen müssen, wenn uns nicht größere Geldmittel zu­fließen."

Unter solchen Umständen ist es gewiß sehr zu empfehlen, den Verein recht reichlich zu unterstützen.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Juni.

* Die ,Rordd. Allgem. Ztg.' theilt heute an der Spitze des Blattes mit, daß die Kurie, entsprechend den Zusagen in den letzten Noten, durch eine Note vom 1. d. Mts. auf Befehl Sr. Helligkeit dem königl. Gesandten beim Vatikan erklärt hat, daß die Anzeigepflicht von jetzt an eine endgültig ständige wird, und daß demgemäß der preußische Episkopat Anweisung erhalten wird, der Regierung die Namen der für die in Zukunft vakant werden­den Pfarreien bestimmten Priester zu bezeichnen.

* Da» Herrenhaus nahm heute die Vorlagen, betreffend Abänderungen der Kirchengemeinde- und Synodalordnung für die Ostprovinzen, betreffend den Beitrag des Staates zu den Zollanschlußkosten von Altona, betreff, die Unterhaltung von Schiff- fahrtszeichen auf der Weser, und betreff, letztwil­lige Verfügungen im Oberlandesgerichtsbezirk Frank­furt a. M. unverändert nach den Beschlüssen de» Abgeordnetenhauses an. Morgen: Lehreranstellungs­gesetz für Westpreußen und Posen,. Offizier-Kom« muualsteuergesetz, Verhandlungen des Landeseisen­bahnraths.

* Die Herrenhauscommissionen für da» Officiercommunalsteuergesetz, sowie für das Lehrer« anstellungsgesetz für Westpreußen und Posen lassen durch ihre Referenten, Oberbürgermeister Bötticher, (Magdeburg) und Freiherrn von Maltzahn münd­lich Bericht erstatten und beantragen die unver­änderte Annahme der genannten Vorlagen in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung. — Die Gemeindecommission des Herrenhauses hat heute über die aus dem Abgeordnetenhause zurückgekommene Kreis- und Provinzialordnung für Westfalen berathen und im Wesentlichen die vom Abgeordnetenhause abgelehnten Herrenhaus« beschlüffe wiederhergestellt. Morgen tritt die Ca­nalcommission des Herrenhauses zusammen; die Plenarberathung soll am Freitag stattfinden.

„Walter," begann er nach einer Weile, mtt klangvoller Stimme, „ehe wir weitergehen, versprich mir noch einmal, daß Du Deinen Eltern meinen wahren Stand und Namen verheimlichen und mich ihnen einfach als Edgar Norden, Deinen Freund und Studiengenossen vorstellen willst. Ich wollte, ich wäre in Wahrheit nichts Anderes," setzte er leiser mit einem tiefen Seufzer hinzu.

„Aber Durchlaucht! — Edgar —" verbesserte fich Walter, schnell den vorwurfsvollen Blick des Anderen gewahrend, „wie magst Du nur so sprechen? Du, der viel beneidete, junge Fürst, für dessen bevorzugte Lebensstellung tausend andere minder begünstigte Menschenkinder Jahre ihres Lebens geben würden, freust Dich derselben nicht nur nicht, son« bern scheinst sie sogar als Unglück zu betrachten! Daß kann Dein Ernst nicht sein, ich zweifle ernst­lich, ob Du zum Beispiel mit mir, bem schlichten Försterssohne, tauschen würbest."

„Der aber," fiel Ebgar schnell ein, „nach glätt« zenb bestandenem Forstexamen in bie Heimath zu­rückkehrt, wo er gewiß sein barf, von ben Seinen mit offenen Armen empfangen zu werben, ber," fuhr er mit steigenber Erregung fort, „Herr seiner Schicksal» ist, bem bie Welt offen steht, in ber er fich burch eigene Kraft einen Platz erobern kann. — O, Du Glücklicher, Beneidenrwerther! für ein