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Montag, dm 7. Juni
1886
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Fuldaer
eitimg.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Juni.
* Gestern fand ein Diner beim Kultusminister zu Ehren des Erzbischofs Dinder statt. Einladungen waren ergangen an den hier anwesenden Staatsminister, die Prästdenten des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses, den Hosmarschall Grafen Radolinsky, Unterstaatssekretär Grafen Berchem und die Abg. Tiedemann-Bromberg, Stands, v. Colmar, Unterstaatssrkcetäc Lucanus, mehrere Räthe des Kultusministeriums, Domprobst Aßmann und Geh. Rath Rottenburg.
* Die ,Franks. Ztg.' will wissen, Bischof RooS von Limburg beabsichtige, die auf ihn gefallene Wahl zum Erzbischof von Freiburg abzulehnen.
* DasHerrenhauS nimmt am Montag seine Sitzungen wieder auf und wird bis Freitag tagen. Am Donnerstag findet wegen der Feier der Enthüllung des Denkmals Friedrich Wilhelm IV. keine Sitzung statt. Auf der Tagesordnung stehen am Montag folgende Gegenstände : Abänderung der Kirchengemeinde- und Synodalordnung für die Provinz Preußen rc., Beitrag zu den Kosten des Zollausschustes der Stadt Altona, Vertrag mit Oldenburg und Bremen über die Unterhaltung der Schifffahrtszeichen auf der Weser, und die Vorlage über die Errichtung letztwilliger Verfügungen in dem Bezirke des Oberlandesgerichts zu Frankfurt a. M.
* Im Abgeordnetenhause fand gestern die voraussichtlich letzte Sitzung in dieser S ffion statt. Wie zu erwarten war, wurde auch in der verfaffungsmäßig nothwendigen, zweiten Abstimmung das antipolnische Lehreranstellungsgesetz für die Provinzen Posen und Westpreußen durch die geschloffene Majorität der Konservativen und Nationalliberalen angenommen. Eine Diskuffion wurde nicht beliebt. Der polnische Abgeordnete Szuman bestieg das Redmrpult, um Namens seiner Partei ausdrücklich gegen das Gesetz Verwahrung einzulegen und zu erklären, daß durch die Maffenaus- Weisungen seiner Landsleute, sowie den aggreffiven polenfeindlichen Antrag Achenbach ein Unterdrückungssystem inaugurirt werde, das, ohne in irgendwie begründet zu sein, nicht allein den Wortlaut der Verfaffung verletze, sondern auch allen
Die gelbe Kravatte.
Novelle von August Butscher.
„Oder wollen Sie leugnen", fuhr der Stuhlrichter fort, „daß Sie dieses unflätige Ding, das den hirnverbrannten Titel „Die gelbe Kravatte" führt, geschrieben und sogar in Druck gegeben haben?"
„Keineswegs!" war die gepreßte Antwort; „aber ich glaubte, Ehre zu ernten und nicht Tadel — mein Herz ist rein."
„Ja, ja, das Herz, das Herz, das spielt eine große Rolle in dieser verrückten Geschichte, meinte höhnisch der Stuhlrichter, während der Apotheker den Angeklagten mit seinen Blicken sörmlich spießte. Frau Schwapper aber rang die Hände; sie hatte sehnliches im Theater gesehen.
„Wer Wind säet, wird Sturm ernten", sagte gewichtig Herr Schwapper, der dieses Diktum einmal irgendwo aufgeschnappt hatte, und ein gewisses Behagen an seiner Stelle zu empfinden ^ien. „Ja, ja, der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht", fuhr er fort, weil ihm dieses Sprichwort eben einsiel. „In diesem Stück äußert sich eine ganz verdorbene jugendliche Seele."
„Leichtsinn sondergleichen!" setzte der Apo- thrker bei.
Grundprinzipien des Christenthums, der Humanität und Duldung zuwiderlaufe. Seine Partei werde mit ungebrochener Kraft festhalten an den Verträgen, welche das Bestehen ihrer Nation gewährleisteten und dem Gesetze jeden gesetzlich zulässigen Widerstand entgegensetzen. Auch diesen Sturm würden sie überdauern und die Verantwortung für denselben falle auf diejenigen zurück, die ihn unnöthiger Weise heraufbeschworen hätten. Der Gesetzentwurf Seer, betreffend die Radfelgenbreite der Lastwagen, welche auf den Kunststraßen verkehren gelangt in dritter Berathung, und zwar wie er aus der zweiten Lesung hervorgegangen ist, nach längerer Diskuffion zur Annahme, d. h. für das Gebiet der Provinzen Westpreußen, Schlesien und Posen. Zwei Anträge auf Ausschluß der beiden ersten Provinzen wurden nach längerer Diskuffion verworfen. Hierauf wird die Sitzung geschloffen.
* Der Reichstag soll am 24. d. M. zusammentreten. Es wird behauptet, daß die Regierungen auf einer Durchberathung der Branntweinsteuervorlage im Plenum des Reichstages bestehen würden. Von anderer Seite wird ein Branntwein- steuer-Nothgefetz in Aussicht gestellt. Es fehlt in- deß an Angaben über die Grundlagen eines solchen; wahrscheinlicher ist, daß die Sache bis zum Herbst überhaupt ruht, und daß dann der von den Regierungen schon diesmal eingebrachte, aber wieder zurückgezogene Eoentualentwurf in veränderter Fassung unter Berücksichtigung des in der Kommission eingebrachten Antrag» vorgelegt wird.
* Die Vermehrung der Loose der preußischen Klassenlotterie bedingt naturgemäß eine wesentliche Abänderung des bisherigen Lotterieplanes. Dem Vernehmen nach soll derselbe nun dahin beabsichtigt sein, daß in Zukunft statt der bisherigen 95,000 Loose, entsprechend der beschloffenen Verdoppelung, 190,000 Loose in fortlaufenven Nummern ausgegeben werden. Demnach würden sich auf sämmtliche vier Klaffen 95,000 Gewinne vertheilen. Es soll in der Absicht liegen, den höchsten Gewinn der vierten Klaffe auf 600,000 M. zu normiren und dem entsprechend auch die übrigen Gewinne zu gestalten; so soll die erste Klaffe mit je einem Hauptgewinn von 30,000, 15,000 und 10,000 M., die zweite Klasse mit je einem Hauptgewinn von 45,000, 30,000 und
„Eine Wüstlingsnatur!" jammerte Fr. Schwapper. Auch Rosine jammerte, aber sie sprach nichts, sondern begann den armen Winfried zwischen >en vor die Augen gelegten Fingern zu betrachten.
Der Verfertiger der „gelben Kravatte" mußte ich setzen, denn seine Kniee schlotterten. „Ich ^greife von all dem nichts", murmelte der Gefolterte, der sich in den Armen der „eisernen Jungfrau" zu befinden wähnte.
„Pfui mit dieser Heuchelei!" sagte grimmig der Unerbittliche. „Sie haben nicht nur die leichtfertigsten Grundsätze in diesem Dingsda ausgesprochen, sondern dieselben sofort ins Leben übersetzt!"
„Man sehe ihn nur an!" höhnte der .Apotheker. „Gesträubte Haare, schmutzige Kleider! Und in solchem Zustande macht er Besuche! Und dann am Halse das Wappen des Leichtsinnes und der Selbstverblendung! Die dicke Trine hat schon herausgefunden aus der verrückten Geschichte, daß er sich einbildete, eine Gräfin sei in ihn verliebt, und er dürfe mit dem Erkennungszeichen am Halse vor ihrem Fenster Parade machen. Welche Einbildung von so einem Gelbschnabel! Wenn das die Gräfin Bocksbart erfährt, kaust sie kein Quentchen bei mir, oder wird am Ende gar nicht mehr krank." Da« Letztere schien ihm das Aergste zu
15,000 M., die dritte Klaffe mit je einem Hauptgewinn von 60,000, 45,000 und 30,000 Mark dotirt werden. In der vierten Klaffe würden außer dem oben schon erwähnten ersten Hauptgewinn von 600,000 Mk., noch zwei Gewinne zu je 300,000 M., zwei zu je 150,000 M. zwei zu je 100,000 M., zwei zu je 75,000 M., zwei zu je 40,000 und zehn zu je 30,000 M. gezogen werden. Auch soll es im Plane liegen, einen Theil der Loose in Achtelabschnitten auszugeben.
' Ems, 5. Juni. Dem Vernehmen nach erfolgte die Ankunft Sr. Maj. des Kaisers in unserem Bade am 19. Juni.
* Mainz, 6. Juni. Die Präconisation des künftigen Bischofs, Dr. Haffner, findet laut einer Privatdepesche der ,Frkf. Ztg.', in dem bevorstehenden Konsistorium statt. Dr. Haffner ist zur Eivesleistung vor dem Nuntius heute nach München abgereift.
Ausland.
* Aus der Schweiz, 4.Juni. Zwei „urchige" Waadtländer, die am vorigen Sonntag einen Ausflug durchs Joux-Thal machten und unversehens auf französisches Gebiet und in die Nähe des Forts von Rouffes kamen, wurden dort als preußische Spione festgenommen. Nur mit großer Mühe gelang es ihnen, nach mehrstündigen Verhandlungen mit dem Platzkommandaten, ihre Freilassung wieder zu erwirken. Das französische Spionengesetz fängt an zu wirken.
* In Decazeville herrscht noch keineswegs Ruhe. Dynamitattentate gegen das Eigenthum der Gesellschaft und nichtstrikende Arbeiter find an der Tagesordnung.
* Rom, 5. Juni. Der Moniteur de Rome' meldet aus Cettinje, der Fürst von Montenegro habe einen Bevollmächtigten nach Rom gesandt behufs Abschluffes eines Konkordates mit dem Vatikan, welches bezweckt, die Diöcesan-Au- tonomie der montenegrinischen Katholiken zu sichern.
— 6. Juni. In dem Morgen stattfindenden Konsistorium wird der Papst sieben Kardinäle ernennen und neue Erzbischöfe und Bischöfe für Italien, Spanien und Oesterreich-Ungarn prä- conisiren.
* Athen, 5. Juni. England theilt offiziell
fein; denn feine Stimme schnappte förmlich über, und er piepte nur noch wie eine überfütterte Gans: „Entlasten muß ich Sie, faktisch entlasten, — trotz Ihrer achtbaren Eltern!"
„Welche Unterstellungen!" konnte der arme kleine Winftied endlich erwidern. „An so etwas hat mein Herz nie gedacht. Bedenken Sie doch, hochverehrter Herr Prirzipal", — der Apotheker wuchs und der Provisor schrumpfte zusammen — „es ist ja nur eine Geschichte, eine Erfindung meiner Phantasie! Die ehrlichsten Absichten, lediglich das Streben nach Anerkennung, nach Ruhm und Verdienst hat meine Einbildungskraft —"
„In meiner Apotheke braucht man keine Einbildungskraft!" fiel ihm Herr Mais um einen Grad gedämpfter in die Rede.
Aber sofort unterbrach ihn Frau Schwapper, die das stärkste Register zog: „Freilich eine Geschichte !" Nur keine Lügen zu all dem Gräßlichen! Oder wollen Sie etwa leugnen, daß sie heute ein wahres Lasterleben geführt haben? Sie reden vom Verdienen: das Gegentheil ist richtig! In aller Gottesfrühe schon haben Sie Ihre säubern Kameraden regalirt, sind von einem Wirthshause in das andere gezogen, haben mit ehrbaren Bürgern Händel angefangen und schließlich in der „Krone" noch Uhr und Kette versetzt. O, man hat un«