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staatlicher Anstalten tu Bezug auf Drensteinkommen und Pension mit denen der Staatsansialten gleich­gestellt werden sollen. Abg. v. Huene erklärte sich Namens des Centrums, Abg. Hobrecht (nat.-lib.) für feine Person gegen den Entwurf als einen un­berechtigten Eingriff in die Selbstbestimmung der Gemeinden. Dagegen traten die Abgg. Schmidt- Stettin (frf.), Dr. Kcopatscheck (kons), Dr. Lan- gerhans (frf.) und Seyffardt-Magdeburg (nat.-lib.) für die Vorlage ein. Minister v. Goßler äußene sich sympathisch zu derselben, ohne indeß eine be­stimmte Erklämng abzugeben. Der Entwurf wurde schließlich unverändert in der Fassung der Kom­mission angenommen. Endlich fanden zwei Reso­lutionen Annahme, in denen die Regierung aufge­fordert wird, in nächster Session ein Reliktengesetz für die nichtstaatlichen Lehrer vorzulegen und fer­ner Gemeinden im Unvermögensfalle zu subventio- niren, um ihnen die Ausführung des Gesetzes zu ermöglichen. — Dienstag: Dritte Lesung des An­trags Kcopatscheck, dritte Lesung des Nachtragsetats, kleinere Vorlagen.

* Die Besprechungen über die Aufstellungen eines neuen Branntweinsteuerentwurfs, welche zwischen den Deutschkonservativen, Reichs­parteilichen und Centrumsmitgliedern der Brannt- weinsteuerkommission stattgefunden haben, sollen zu einem Ergebniß geführt haben, so daß am Montag die Verhandlungen auf neuer Grundlage weiter­geführt werden. Dem vereinbarten Entwürfe soll die Einführung von Zwangsgenoffenschaften zur Grundlage haben, die Consumabgabe soll beim ersten Uebergang in den Verkehr erhoben und die Maischraumsteuer nach bayrischem Muster reformirt werden.

* Der ,Vossischen Zeitung' wird aus München gemeldet: Zwischen dem Prinzen Luitpolt und dem Gesammtminisierium besteht eine feste Abmachung für die Regenschaft Luitpold's. Der Letztere forderte die Minister auf, auch unter seiner Re­gentschaft im Amte zu bleiben. Der Eintritt der Regentschaft ist für die nächste Zeit schon zu erwarten! Man glaubt, daß durch eine Proclama- tion des Prinzen Luitpold und des Ministeriums, welche der Landtag billigt, König Ludwig und Prinz Otto als derzeitig nicht in der Lage erklärt werden, die Regierung des Landes zu führen. Die Zustimmung des Reiches dürfte schon einge­holt sein. — Die Münchener ,Allgemeine Zeitung' weist dagegen auf die sensationslüsternen, tagtäglich neuen Versionen einer gewissen Tagespresse über die königliche Kabinetskaffe hin, durch welche die schon ohnehin großen Schwierigkeiten der Lage in wenig patriotischer und taktvoller Weise noch ver­mehrt würden. Das Blatt ist aus bester Quelle ermächtigt, die neuerliche Münchener Meldung eines Wiener Blattes, daß der Plan einer Regentschaft des Prinzen Luitpold am 25. d. für reif zur

Jetzt stand er vor dem Hotel zum „Silbernen Spieß" und trat wie andere Stutzer mit etwas affektirter Miene ein. Er scheute sich nicht vor dem glänzenden Boden und dem schneeigen Linnen; denn er war ja ein „Gebildeter", ein Dichter sogar, und hatte auch noch einige Mark in der Tasche.

In dem ziemlich großen Raume saßen spora­disch alte und junge Herren. Der Verfasser der „gelben Kravatte" betrachtet sich zuerst flüchtig die verschiedenen kahlen Häupter, die sich über die Zeitungen neigten; dann setzte er sich an eine Tischecke, die bei einer kleinen Gesellschaft frei war, spreizte die Beine auseinander und gab sich das Ansehen eines Menschen, den sehr wichtige Gedanken beschäftigen.

Niemand störte ihn darin; denn Niemand hätte sie zu würdigen vermocht, und unser kleiner Held hatte Zeit genug zu bedauern, daß nur ein ein­zelner alter Herr an seinem Tische das „Jntelli- genzblatt" las, aber offenbar blos dem politischen Theile seine Aufmerksamkeit zuwandte und häufig den Kopf schüttelte, was ja stereotyp eigentlich zur Lektüre der politischen Zeitungen gehört. Niemand schien das neuerstandene Genie zu kennen; nur die Kellnerin lächelte ihm zu, denn er war immer­hin ein leidlich hübscher Mensch und hatte ihr das Herausgeben erspart.

Jetzt öffnete sich geräuschvoll die Thüre und ein wohlbeleibter Mann wälzte sich herein. Er trug ländliche Kleidung: tätigen Rock mit silbernen Knöpfen, rothe Weste mit SechSbätznern, während

Ausführung erklärt worden sei, für unwahr zu erklären.

* Mainz, 29. Mai. Wie der ,R. M. A.' mitzutheilen weiß, hat sich die Spaltung der hie­sigen sozialdemokratischen Partei jetzt tatsächlich vollzogen. Die Sezessionisten gründeten einen eigenen Verein, den „Arbeiter-Wahlverein", welcher bei dem Schneider und Wirth Leyendecker tagt.

Ausland.

* Das Hausierunwesen hat in Wien einen solchen Umfang erreicht, daß nicht bloß da« Publi­kum durch die Schaaren gleich den Stechfliegen zu­dringlicher Hausirer sehr belästigt, sondern auch der ansässige solide Geschäftsmann auf das Schwerste geschädigt wird. Es kommt sogar häufig vor, daß Spekulanten Schaaren von Hausirern, unter denen sich sehr zweideutige Individuen befinden, engagiren, um Schund- und Pofelwaare auf solche zudring­liche Weise dem Publikum anzuhängen. Einzelne Gastwirthe haben es versucht, selbst Polizei zu machen und die Hausirerschaaren abzuweisen, aber sie mußten ihr Beginnen einstellen, denn wenn sie heute hundert abwiesen, kamen morgen dafür zwei­hundert dieser zudringlichen Gesellen wieder. Auch die Polizei thut ihr Möglichstes, aber ihr Kampf gegen da» Hausirerthum wird sehr erschwert durch die geringe Strenge der gesetzlichen Bestimmungen, die einer Abänderung dringend bedürfen. Nun haben die Vorstände sämmtlicher Wiener Genossen­schaften durch den antisemitischen Abgeordneten Dr. Pattei eine Petition im Reichsrathe einreichen las­sen, die dahin geht, es sei der Hausirhandel in den größeren Städten gänzlich zu verbieten und auf dem Lande entsprechend einzuschränken. In jedem Falle aber sei an Sonntagen jedwedes Hausiren gänzlich zu untersagen. Die Petition bezweckt radikale Ein­dämmung des zur förmlichen Landplage gewordenen Hausirerthums.

* Rom, 29. Mai. Die Frage, betreffend das französische Protektorat über die chinesischen Mis­sionen und die Errichtung einer Vertretung der Papstes am Hofe zu Peking, soll aufgeschoben sein in Folge der günstigeren Haltung der französischen Regierung und des französischen Parlamentes.

* In I t a lien nimmt die sozialistische Strömung noch fortgesetzt zu. In dyl Provinzen Faenza und Forli herrscht tiefgehende Gährung. Aus Turin sind 3000 Sozialisten ausgewiesen worden, trotz­dem gibt die dortige Bewegung zu ernsten Befürch­tungen Anlaß.

* Der Graf von Paris ist nach Frankreich zurückgekehrt. Wie lange er noch auf heimatlichem Boden verweilen darf, läßt sich zur Zeit noch nicht beurtheilen. Die radikalen Freunde des Kabinets dringen auf sofortige Landesverweisung der Prinzen, ein Schritt, den die Mehrheit des Kabinets für unpolitisch erachtet. Es wird sich

der Rock Kronenthaler aufwies, kurze Lederhosen, Wasserstiefel und einen Dreimaster, den er in eine Ecke warf. „Wie kam denn Saul unter die Propheten?" fragte sich unser kleiner Held; „dieser Landkoloß unter die Geschniegelten der Stadt?" Aber der Ankömmling machte sich nicht viel aus dem menjchgewordenen Modejournal, sondern be­stellte, nachdem ihn die Kellnerin devot als „Herr Schultheiß" begrüßt hatte, eine Flasche Rothwein und vier Paar Knackwürste.

Ein neugieriger Schreck durchrieselte die kleine Gesellschaft, der sich Winfried Rabenhorst zugesellt, und auf die auch der Landschultheiß breitspurig zusteuerte. Es war nur noch ein kleiner Raum übrig; aber unser Schriftsteller machte keine Miene, zu rücken. Da drückte der Schultheiß seinen Stuhl kurzweg in die Lücke und drückte auch unseren kleinen Helden bei Seite, indem er sagte: „Rucket a bissel nauf, Junger!".

Halb verhaltenes Gelächter erhob sich die Tafel­runde entlang, während Winfried bei Seite ge­schoben wurde. Er war fassungslos vor Ent­rüstung, und seine Zähne knirrschten vor Wuth. Am liebsten wäre er dem unverschämten Bauern an den Hals gesprungen, aber ein kurzer Blick auf die wuchtigen Fäuste desselben brachte ihn auf andere Gedanken; allein ein Blick, in welchem sich die unsäglichste Verachtung förmlich krystalli- sirte, traf den Verwegenen; dieser jedoch machte sich merkwürdigerweise gar nichts daraus, sondern vertilgte ruhig Wein und Würste.

(Fortsetzung folgt.)

zeigen, ob Herr Freycinet so viel Autorität besitzt, um die Kammer vor einem auf sofortige Aus­weisung gerichteten Beschlüsse abzubringen. Es heißt übrigens, daß Freycinet die Gelegenheit war- nehmen wolle, um sich der Bürde der Staats­geschäfte zu entledigen.

•* Vollständige Ruhe ist auf der Balkan­halbinsel noch nicht eingekehrt. Bisher haben an der griechisch-türiischen Grenze immer noch kleinere Zusammenstöße stattgefunden, wobei e» Todte, Verwundete und Gefangene gab. Die Türken bemessen ihre Verluste auf 180 Todte, die griechischen Verluste sollen nach türkischen Quellen noch viel größer fein, außerdem sollen 300 griechische Gefangen ein Salonichi eingetroffen sein. Die Zusammenstöße sind hauptsächlich von den Griechen provozirt worden, es scheint, daß ein Theil der griechischen Truppen auf eigene Faust eine Politik betreibt, die bestimmt ist, die Stellung Trikupis zu gefährden. Trikupis hat auf eine Interpellation in der Kammer, wegen der noch nicht erfolgten Aufhebung der Blokade, erwidert, daß ihm die Absichten der Mächte gegenüber der jetzigen Regierung nicht bekannt feien, jedenfalls habe die Regierung in Betreff der Entwaffnung keinerlei Verpflichtungen übernommen, welche die souveränen Rechte Griechenlands verletzen. Trikupis gehorchte mit dieser Erklärung einem Gebote der Vorsicht, das ihm vorschreibt, die Empfindlichkeit seiner Landsleute nach Möglichkeit zu schonen. Wenn es ihm, wie es den Anschein hat, gelingt, Griechenland aus den Klippen zu bringen, in die es durch die fanatische Politik Delyannis geworfen wurde, wird man ihm das Zeugniß eines bedeu­tenden Politikers nicht versagen können. Es soll übrigens die Absicht bestehen, Delyannis seitens des Parlaments in den Anklagezustand zu versetzen. Wie lange ist's her, daß Delyannis das Volk be­jubelte, während es Trikupis Katzenmusiken brachte? Die Griechen sind heute noch dieselben, die sie zur Zeit des Alcibiades waren.

* In dem Prozeß gegen den Anarchistenhäupt­ling Johann Most und zwei seiner Genossen hat der Rewyorker Gerichtshof das Schuldig ge­sprochen. Das Uctheil wird erst später gefällt. Most hat gegen den Wahrspruch des Gerichts Ap­pellation eingelegt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 31. Mai.

* Mit dem morgigen Tage, 1. Juni er., treten auf den deutschen Bahnen die Sommerfahr- pläne in Kraft. Die Züge der Frankfurt-Bebraer Bahn haben nur geringe Abänderungen erfahren. Auf der Linie Fulda-Gießen der Oberhessischen Eisenbahn treten gar keine Veränderungen ein.

• In dem vorgestern Nachmittag halb 2 Uhr aus der Richtung Berlin—Cassel hier eingelaufe­nen Schnellzuge gerieth die Axe eines Wagens erster und zweiter Klaffe dadurch, daß sie des nöthigen Oeles entbehrte, in Folge der schnellen Rotation in eine derartige Gluthhitze, daß zuletzt beim Einlaufen in den hiesigen Bahnhof Flammen beobachtet wurden. Der Wagen wurde daselbst ausraugirt.

* Der Central-Ausschuß des Rhönklubs ist von der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Frankfurt a. M. in Kenntmß gesetzt worden, daß die ge­wünschten Rhön-Rundreise-Billets vom 1. Juni d. I. ab zur Verausgabung gelangen.

* Die Diphteritis, dieser gefürchtete, heim­tückische Feind namentlich der Kinderwelt, hat in der letzen Zeit wieder einige Opfer, auch unter den Erwachsenen, gefordert. Bei der jetzigen ver­änderlichen Witterung erscheint es darum räthlich, vor diesem gefährlichen Gaste etwas auf der Hut zu sein.

* Von einem hochgeschätzten Freunde unseres Blattes wird uns aus Würzburg Über ein Fest, weites vorige Woche zwar in engerem Kreise dortselbst gefeiert wurde, des allgemeinen Inter­esses aber keineswegs entbehrt, Folgendes mitge- theilt: Dem liebevollen Drängen seiner Alumnen folgend gab Prof. Dr. Gutberlet seinen Ent­schluß, in aller Stille das 25jährige Priesterjubi­läum zu begehen, insoweit auf, als er sich zu einer Feier im engsten Familienkreise verstand. Am Vor­abend brachte das Fuldaneum seinem verehrten und geliebten Vorstand die herzlichsten Glückwünsche dar und übergab zugleich im Namen Aller, welche