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Montag, den 31. Mai

1886,

DK ,Fuldaer Bettung* erscheint täglich, 6mm» und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zelle oder deren Rau« 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

jTiilharr

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J.-C. Sammlungen für das Papstjubiläum in FamUie, Schulen und Vereinen.

Das für die Vorbereitungen zur Secundizfest- feier in Deutschland bestellte Äomite hatte unter seinen Aufgaben auch die Sammlung einer Jubi» läumsfestgabe in's Auge gefaßt und zwar im Anschlüsse an das von der italienischen Central» förderungrkommiffion aufgestellte Programm, in welchem die Sammlung eines einmaligen außer­ordentlichen Peterspfennigs als „Meßstipendium" sigurirt. Die italienische Förderungskommiffion hat für diesen Zweck einen eigenen Verein ins Leben gerufen, welcher die Billigung des heil. Vaters gefunden hat. Das deutsche Äomite glaubte indeß, es fei nicht feine Sache, einen derartigen Verein zu organisiren, sondern es muffe das viel» mehr den kirchlichen Autoritäten überlasten bleiben. Nachdem nun dem Äomite Seitens mehrerer hochwürdigsten Herren Bischöfe die Mittheilung geworden war, daß dieselben die Sammlungen de« einmaligen außerordentlichen Peterspfennigs selbst in ihren Diözesen anzuordnen vorhaben, hat das Äomite durch seinen geschästs führenden Aus­schuß beschlossen, diese Sammlungen in allen Diözesen den hochw. Bischöfen anheimgestellt fein zu lassen und, wo die Mithilfe der Laien ge­wünscht wird, die Dienste des Äomites zur Ver­fügung zu stellen. Dem Äomite ist inzwischen bekannt geworden, daß üöraüSstchtlicy'der deutsche Episkopat einmüthig, wahrscheinlich in einer ge­meinsamen Äundgebung in dieser Frage vorgehen wird. Jedenfalls steht soviel fest, daß im künf­tigen Jahre allen deutschen Äatholiken durch Auf­forderung ihrer Oberhirten Gelegenheit gegeben werden wird, sich an einer außerordentlichen Kol­lekte für die Bedürfnisse des heiligen Stuhles zu betheiligen.

Da dürfte es denn schon jetzt an der Zeit sein, sich darauf so vorzubereiten, daß Deutschland unter den Spendern mit einer seiner Größe und seiner Liebe zum hell. Stuhle und dessen jetzigem In­haber entsprechenden Summe vertreten ist. Jeder gute Hausvater, der weiß, daß an einem bestimm­ten Zeitpunkte von ihm eine Ausgabe gefordert werden wird, bereitet sich ja hierauf zeitig vor; wenn er aber weiß, daß eine außerordentliche Ausgabe bevorsteht, so verdoppelt er seine Vor­sicht und zieht mit doppeltem Eifer seine Hilfs«

Die gelbe Kravatte.

Novelle von August Butsch er.

Alle die lustigen Äameraden drängten sich lachend um das Zeitungsblatt, und der „kluge Hausvater", ein magerer Junggeselle, setzte den Zwicker auf, um den sonderbaren Titel anzusehen. „Was du doch für verrückte Einfälle hast!" sagte einer zu dem Dichter.

Etwas indignirt erwiderte dieser: „Es wäre besser, wenn Du die Novelle lesen würdest, als daß Du schlechte Witze darüber machst."

„Warum nicht gar!" replizirte er. Ein solches Pflaster zu lesen! Die ganze Beilage ist ja voll, wirklich eine riesige Äravatte!"

Rabenhorst erröthete vor Zorn; denn diese Aeußerungen sahen nichts weniger als einer Ova­tion ähnlich. Ein Nomanleser ans der Gesellschaft bemerkte sogar mit einer Färbung von Mitleid in der Stimme: „Das hätte ich von Dir nicht geglaubt, daß Du Deine poetischen Erzeugnisse in unserem Wurstblatte ablagern würdest; ich will ja glauben, daß „Die gelbe Äravatte" ganz gut gemeint ist, aber das nimmt ihr gleich von vorn­herein für ästhetisch gebildete Leute allen Werth."

mittet zu Rathe. Der Peterspfennig ist ja keine Steuer, die gezahlt werden muß; aber er ist für jeden treuen Äatholiken eine Pflicht, für uns Deutsche aber gewiß eine angenehme, durch die besondere Fürsorge des heil. Vaters für unser Vaterland bictirte Liebespflicht. Unsere Liebe muß den Stenerbogen, unsere Verehrung den Steuer­einnehmer ersetzen — eines Exekutors bedarf es nicht.

Wenn wir im Nachstehenden einige Winke an« geben, auf welche Weife schon von jetzt ab die möglichst reiche Sammlung des Jubiläums-Peters- Pfennig vorbereitet werden kann, so stützen wir uns hierbei auf Beispiele, wie sie uns aus Frank­reich, Italien, Holland und anderen Ländern be­kannt geworden sind, welche — mutatis mutandis, unsere deutschen Eigenthümlichkeiten in Rücksicht genommen — wohl Nachahmung verdienen.

In diesen Ländern haben sich alsbald nachdem die Intentionen der italienischen Förderungskom« missio» bekannt geworden waren, in Instituten, Schulen und Vereinen kleine Sammelvereine ge­bildet, bereit Mitglieder sich verpflichten, wöchent­lich oder monatlich'einen ganz geringfügigen Be­trag, der in unserem Gelbe zwischen 2 unb 40 Pfennigen schwankt, beizusteuern. Auf biefe Weise kommen recht artige Summen zusammen; davon haben wir in Deutschland hinlängliche Beweise. Am Rhein sind mancher Äirche auf diesem Wege Altäre und Glocken giftet worben, unb eine Stadt ist uns bekannt, in welcher arme Fabrik­arbeiter durch solche Pfennigsammlungen für eine Äirche, welche einen großen Schatz hervorragender Heiligthümer besitzt, eine große Anzahl kostbarer silberner und goldener Gefäße angeschafft haben.

Bedenkt man, daß durch diese Sammlungen für den heiligen Vater in den Kindern frühzeitig die Liebe und Hingebung an den heiligen Stuhl ge­weckt wird, so darf man das in den genannten Ländern gegebene Beispiel gewiß der eifrigsten Nachahmung werth erachten.

Ein Theil der spontan in's Leben getretenen derartigen Vereinigungen verbindet mit den Samm­lungen noch weitere Zwecke: theils gehen neben­her Gebetsvereinigung für die Äirche und den heiligen Vater, theils auch haben sich derartige Vereinigungen das Ziel gesetzt, in diesem Jubel­jahre besondere Woylthaten an Armen zu thun. So hat sich in Bologna ein Verein gebildet, der

Ein Blick der tiefsten Verachtung war die Antwort.

„Und das Honorar wird auch mager genug ausgefallen fein", bemerkte ein Dritter, „wenn Du nicht gar noch Jnsertionsgebühren berappen mußt."

Das war zu viel. Mit blitzenden Augen erhob sich Winfried und rief: „Ihr redet, wie ihr's ver­steht! Was das Honorare anlangt, so kann ich Euch sagen, daß ich „Die gelbe Äravatte" um dreißig Thaler verkauft habe."

Allgemeine Sensation. „Der Redakteur muß dann rein verrückt geworden sein", sagte etwas malitiös der Romanleser. Der erste Sprecher aber faßte diese Thatsache rasch von einer anderen Seite auf und rief fröhlich: „Alle Achtung vor diesem Honorar! Da unser kleiner Rabenhorst nun plötz­lich so reich geworden ist, schlage ich vor, daß er sofort für feine theilnehmenden Äameraden ein Faß Bock auflegen läßt. Keine Widerrede wird angenommen!"

Allgemeines Halloh war die Antwort, und unser Honorarmann mußte mit sauersüßer Gönnermiene die Stimme des Volkes anerkennen und feinen erlogenen Reichthum zur Schmelze tragen.

Mit ironischer Würde feierte ihn der Senior der Gesellschaft, der Dichter aber drückte sich, Un-

e8 sich zur Aufgabe macht, neben Sammlungen an Geldgaben und der Anfertigung von Para­menten, Ausstattungen für Kinder zu fertigen, die im Jubiläumsjahre geboren werden und auf die Namen Leo Joachim Maria, wenn Knaben, und Leonie Maria Anna, wenn Mädchen getauft wer­den sollen. Derartiger ebenso sinniger Nebenzwecke, welche bewirken, daß Alle sich so recht eifrig mit dem Jubiläum beschäftigen und die durch dasselbe gebotene Freude auch Anderen, Unbemittelten mit- zutheilen bestreben, lassen sich unschwer eine ganze Reihe finden.

Awas, was besonders für Deutschland geeignet zur Einführung sein dürfte, ist die Veranstaltung von Sammlungen in der Familie. In jedem katholischen Hause sollte jetzt eine geschlossene Sam­melbüchse im Wohnzimmer ausgestellt werden, in welche Jeder von Zeit zu Zeit ein Scherflein hin­einwirst. Jeder nehme sich vor, dem heil. Vater zu Liebe sich hie und da eine Luxusausgabe zu versagen und da» dafür bestimmte Geld in diese Büchse zu werfen. Und wenn dann unsere Ober- Hirten zur Sammlung des Peterspfennig auffor­dern, da braucht nicht erst lange überlegt und berathen zu werden, wieviel man geben wolle — die Büchse wird gestürzt und mit Freude wird dann konstalirt werden, daß der Wetteifer in der Versagung kleiner Vergnügungen eine Sammlung veranstaltet hat, die das weit übertrifft, was die einzelne Familie sonst auf dis momentane Auf­forderung hin gegeben haben würde.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Mai.

* Die direkten kirchenpolitischen Verhandlungen zwischen dem Vattkan und dem Großherzog- thum Hessen sind, wie aus Rom gemeldet wird, dem Abschlüsse nahe.

♦* Das Abge ordn et en Haus nahm heute in dritter Lesung den Gesetzentwurf betreffend die Heranziehung von Militärpersonen zu Gemeinde­personen en bloc an und berieth dann in zweiter Lesung den Antrag Kropatscheck betreffend die Gleichstellung der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Lehranstalten mit denen als Anstalten staatlichen Patronats. Der Antrag ist von einer Kommission vorberathen worden, die einen Entwurf eingebracht hat, wonach die Lehrer öffentlicher nicht­

wohlsein infolge geistiger Ueberanstrengung vor­schützend, so bald als nur tyunlich.

Es war ihm seltsam zu Muthe, und das Weinen stand ihm näher als das Lachen. Uebrigens ver­wünschte er nur den Unverstand dieser oberfläch­lichen Welt und nicht etwa das Schicksal, das ihn zum Dichter gestempelt.

„Drum soll der Sänger mit dem König gehen, Denn Beide wohnen auf der Menschheit Höhen." So zitirte er, als er wieder seine Straße zog, den Kops eingenommen von dem ungewohnten Bier­genuß und die sonst so leichten Füße schwer wie Blei. Aber er ermannte sich bald wieder. Er be­schloß, in ein feines Restaurant zu gehen, wo die Intelligenz der Stadt verkehrte, — dort fand er gewiß die gebührende Würdigung.

Die (Situation auf den Straßen erschien ihm trotz der sorgfältigsten Beobachtung unverändert. Niemand nahm besondere Notiz von ihm, als die Magd seines Priiqipal», die ihm begegnete und mit einem, wie es ihm vorkam, schier imper« Hnenten Lächeln begrüßte.

Wie kam diese« ordinaire Wesen zu dieser Frechheit? So fragte er sich, um gleich nachher sich mit den Worten des Wanderers zu sagen:

„Von wem wird der Bursch wohl zuerst ernannt ?"