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J\g 121.

Freitag, den 28. Mai

1886.

Bit -Fuldaer »«trag' erscheint t L g Uch, «onn. und Ferertage «.«genommen. Vierteljährlicher Abonnemenlspreis ohne Brmgerlohn und Bsstelloeld: velletrynichen Wochende.lage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Znleratr: Die emspaltige Zeit- oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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* Das Gesetz, betreffend Abänderungen der kirchenpolitischen Gesetze

ist am Dienstag publizict worden. Es steht in dem am 25. Mai ausgegebenen Stücke der „Gesetzsamm­lung", tritt also 14 Tage nach diesem Datum, am 8. Juni, in Kraft.

Von diesem Tage an, so schreibt die ,Corr. Nienk.' u. A., werden sich allmählich die Wirkun­gen des Gesetzes zeigen, wie schnell und in welchem Umfange, das hängt vielfach von der Haltung der Regierung ab, von deren Wohlwollen manche Be- stimmung dieses Gesetzes die kirchlichen Interessen abhängig sein läßt.

Aitlket 1, welcher das Kultur-Eramen formell aufhebt, wird sich in der Praxis nicht bemerklich machen, da das Kultur-Examen niemals thatsäch- lich geworden und durch die Bestimmungen der letzten Novellen schon staatlicherfiits aufgegeben war.

Artikel 2, welcher die wissenschaftlich theologischen Seminare betrifft, erfordert die Erfüllung einer Reihe von sachlichen Vorbedingungen und eine Be­kanntmachung des Ministers über „die zur wiffen- schaftlichen Vorbildung geeigneten Seminare." Es hängt also vom Minister ab, wenn die betreffenden Diözesen ihre theoretischen Seminare eröffnen wer- den können. Jedoch ist sestzuhalten, daß das Ge­setz ihm nicht das Recht gibt, nach Erfüllung der hier vorgeschriebenen Bedingungen die Bekanntmachung zu versagen. Bloß für die Diözesen Gnesen-Posen und Eulm ist die Wiederherstellung der Seminare von einer besonder» (leider zur Zeit noch nicht zu hoffenden) Erlaudniß abhängig gemacht.

Leichter und schneller werden sich die Artikel 3 und 4 verwirklichen lassen, welche die Eröffnung i von bischöflichen Konvikten und praktischen Priester, seminaren ermöglichen sollen, ebenso Artikel 8, der : die Staatsaufsicht über die Dementen-Anstalten einschränkt. Es dürfte wohl am Platze sein, darauf hinzuweisen, daß mit Wiedereröffnung dieser kirch- lichen Anstalten sich für alle mit Glücksgütern ge- segneten Katholiken die Gelegenheit bietet, mitzuwir- ken an der Ausbildung der Arbeiter im Weinberge des Herrn. Namentlich die Konvikte, welche aus den eingezogenen Kirchengütern keine Zuschüsse be­ziehen, seien der Opferwilligkeit empfohlen; eine Freistelle für einen armen Jüngling ist eine dauernde Segens quelle.

Die gelbe Kravatte.

Novelle von August Butscher.

Sollte er seinen Gram immer mit stillem Grimm gemischt in seinem übervollen Herzen verschließen? So fragte er sich endlich, fand aber lange keine Antwort. Rosinen, die ihn so fremd und traurig ansah, konnte er sich unmöglich anvertrauen: ihre ' Eltern waren Leute, die kern Fünkchen von Poesie ' besaßen, sein Prinzipal war so prosaisch wie schimm- ! liges Leder, ferne Freunde schadenfroh wie alte Jungfern. Wer blieb ihm übrig?

Ah — der Redakteur des Jntelligenzblattes, ! den er so lange vernachlässigt hatte, da er ge- i wöhnt, seiner eigenen Intelligenz folgen und sich hoch stellen zu können, wie eine Sonnenuhr. Nun i sollte er zu seiner Beschämung erfahren, daß man ' wohlwollende Freunde nicht vernachlässigen darf; ! denn der Redakteur sammelte glühende Kohlen j auf sein Haupt, dessen Flachshaare sich im Kum- j mer bedenklich lichteten.

Er hörte ihn — sie saßen im beginnenden \ Maien in einem Wirthschaftsgarten — ruhig an, ' dann begann er laut zu lachen und sagte: „Ich ! begreife recht wohl Ihre Sorgen und Schmerzen, । mein junger Freund, muß Ihnen aber sagen, daß '

। Der zweite Theil des Gesetzes, welcher über die ■ kirchliche Jurisdiktion handelt, ist von eminenter ■ Bedeutung, da er eine unerläßliche Vorbedingung i des vom hl. Vater tolericten Entgegenkommens bil- ; det. In der äußeren Erscheinung der Zukunst wird । nichts weiter auffallen, als daß man keine Berichte über den „kirchlichen Gerichtshof" und seine Küster­prozesse mehr liest. Es muß aber hierbei gleich ; festgestellt werden, daß nunmehr der Absetzungs- i Paragraph seine Anwendbarkeit verloren hat. Es ! ist juristisch unhaltbar, die Anwendung dieses Para- ' graphen ohne Weiteres den ordentlichen Gerichten zuzuweisen; wenn die Regierung eine „Absetzung"

• bezw. „Unfähigkeits-Erklärung" ausspcechen lassen - wollte, müßte sie erst durch ein neues Gesetz eine i gerichtliche Kompetenz wiederherstellen.

Durch Artikel 11 ist die Einsetzung von staat­lich anerkannten Bisthumsverwesern wieder mög« lich, und zwar sofort, vom Verkündigungstage ab.

! Artikel 12 beseitigt die skandalösen Prozesse ■ wegen Versagung kirchlicher Gnadenmittel. Der ! „Gensdarm im Beichtstuhl" gehört nun hoffentlich der Vergangenheit an.

> Von großer praktischer Bedeutung sind die drei letzten Artikel: Erweiterung der Thätigkeit der krankenpflegenden Orden, Vorsitz des Pfarrers im Kirchenvorstande, Freiheit der stillen Messe und der Sterbesakramente. Leider ist der Artikel 13 über die Thätigkeit der Pflegeorden so gffaßt, daß Alles vom Wohlwollen der Minister abhüngt. An der Ausführung dieses Paragraphen wird man besonders ermessen können, in ipie weit ein neuer Geist des Friedens und Vertrauens eingezozen ist.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Mai.

* Die Branntweinsteuerkommission des Reichstags ist auch in der heutigen, fast fünf« stündigen Sitzung über die Generaldebatte nicht hinausgekommen. Es läßt sich nun, nachoem Redner aller Parteien mehrfach zu Worte gekommen sind konstatiren, daß die jetzige Vorlage allseitig für unannehmbar erklärt wird. Die Konservativen arbeiten einen Gesetzentwurf aus; bekannt ist der­selbe noch nicht. Es scheint auch mit dem Centrum darüber verhandelt zu werden. Wahrscheinlich ist j dies der Grund, weshalb die Kommission ihre

Sie selbst die meiste Schuld an Ihrem — viel­leicht nur vermeinten — Unglücke tragen. Man muß nicht mit dem Schwersten beginnen, sondern hübsch langsam vorwärts schreiten. Schreiben Sie eine kleine, frische Novelle. Das geht jetzt und wird Ihnen bei Ihrer lebhaften Phantasie leicht gelingen. Ist der erste Versuch etwas nütze, wenn auch nur halbwegs, so drucke ich ihn in unferm Unterhaltungsblatt ab und honorire Sie auch. Es ist freilich nur ein kleiner Anfang, aber die größten Meister haben nicht anders be­gonnen" .

Das war ein Lichtstrahl nach langer Nacht, und unferm Winfried war es, als ob ihn die Musen umtanzten, so rasch kreiste sein leichterreg- bares Blut. Ec konnte seinem Gönner, den er geradezu Erretter nennen mußte, nur stumm die Hand drücken und stürmte dann hinaus in die frische, neu im Frühlingsschmuck erstrahlende Natur.

„Heureka!" murmelte er und war in diesem Moment glücklicher als der große Archimedes, — unser kleiner Provisor.

Die nächsten Tage, so sonnig und wonnig sie auch waren, sahen unseren kleinen Helden mit etwas bewölktem Gesicht. Er trieb sich in seinen Freistunden meist außerhalb der Stadt umher, und er sah aus, als ob er botanifire. Den Elfenbein­

nächste Sitzung erst Montag abhält. Die Debatte drehte sich heute hauptsächlich um die Frage, ob ein Bedürfniß für neue Reichseinnahmen oorliege. Die Konservativen und Naiionalliberalen hallen dies für erwiesen. Der Abgeordnete Buhl behauptet, daß auch Bayern Ueberweisungen aus dem Reich brauche, um oen Druck der direkten Steuern zu vermindern. Auch Graf Chamaro vom Centrum gab zu, daß ein Bedürfniß für neue Steuern vor­handen fei. Die Freisinnigen brachten durch Rickert einen Antrag ein, durch welchen sie ganz genaue, ziffermäßige Angaben verlangen, welche Beoürs- nisse im Reich, namentlich für Manne- und mili­tärische Zwecke, vorliegen, welche Beträge an die Einzelstaaten überwiesen werden sollen, welche Kommunalverbände bedacht werden sollen, nach welchem Maßstabe und zu welchen Zwecken dies geschehen solle. Gleichzeitig erklärte der Adg. Dr. Barth, daß die Freisinnigen, wenn ihnen in solcher Weise das Bedürfniß nachgewieftn werde, auf eine höhere Besteuerung des Branntweins eingehen. Der Finanzminister weigert sich jedoch, die Be­dürfnisse zu spezialisiren und die Verwendungs­zwecke festzulegen; das werde sich später finden, es sei jetzt keine Zeit dafür. Auch Die Konserva­tiven wollen auf den Antrag Rickert nicht eingehen, so daß dessen Annahme fraglich ist.

** Das Abgeordnetenhaus erledigte heute seine umfangreiche Tagesordnung in der kurzm Frist von anderthalb Stunden. Der Gesetzent­wurf betreffend die Kommunalbesteuerung der Offiziere wurde auf Antrag des Adg. Zelle (freif.) «n- bloc angenommen. Die dritte Lesung der Kanalvorlage rief eine kurze Debatte hervor, in welcher die Abg. Vopelius (freif.) Jmwalle (Centr.) und Graf Canitz (kons.) ihre ablehnende Haltung begründeten, während Staatsminister v. Bötticher und Abg. Dc. Natocp (n.-l.) für die Vorlage ein» traten. Die Vorlage wurde wie in der zweiten Lesung auch diesmal mit großer Mehrheit ange- nommen. Annahme sand gleichzeitig eine Resolu­tion, die dem Wunsche auf Beschleunigung der Kanalisirmig der oberen Oder Ausdruck giebt. Ministerialdirektor Schulz hatte erklärt, daß die Regierung im Fall der Annahme der Vorlage die Vorarbeiten für die Regulrrung der oberen Oder auch ohne die Resolution beschleunigen werde. Debattelos wurden endlich in dritter Lesung an« Griff seines winzigen Stöckchens an der Nase, be« trachtete er unverwandt die verschiedenen Pflanzen die frischkeimend zum Lichte der Sonne äugten, oder er starrte in Sumpf und Teich und bear­beitete das Röhricht mit der Scheinstütze feiner Hände. Wer hätte wohl dem harmlosen Winfried Rabenhorst angesehen, daß er auf der Suche nach einem Novellen-Stoff war! Es wollte ihm absolut nichts Rechtes einfallen, und etwas Alltägliches wäre ihm — zu alltäglich gewesen. Aus Himmel und Erde suchte er mit allen seinen Sinnen den Stoff hervorzuzwingen, und nach allen Elementen streckte er seine Fühler aus. Er vernachlässigte sogar feinen Beruf und feine Rosine, und bedenk­lich schüttelte diese das Köpfa en bei dem Anblick des Verehrers, der so lässig wurde und so tief« finnig. Auch sie begann zu grübeln, allerdings nicht über einen Novellen-Stoff, aber über ver­meinte Untreue und andere schreckliche Dinge, die ja so viele taufeno ungeschriebene Novellen reprä- sentiren, und in ihrem jungen Herzen erwachte die giftig züngelnde Flamme dec Eifersucht.

Winfried Rabenhorst indeß, der Novellist im Ei, achtete dessen nicht, — der Grausame! Er bemerkte es nicht einmal; denn fein Sinnen und Denken war nur auf Einen Punkt gerichtet, der leider immer wieder wie Nebel zerfloß. Ader