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JV 118

Dienstag, den 25. Mai

1886

Di» ,Fuldaer Zeitung' »rfcheint täglich, Soun- und Feiertag« aulgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne rmd Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Di« einspaltig« Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

dem 1. Juni eröffnen wir ein Monats-Abonnement auf die ,Fuldaer Zeitung' zum Abonnements­preise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld). Bestellungen werden von den Postanstalten und den Landbriesträgern, sowie von unfern Stadtboten und der Expedition entgegen­genommen.

• Die deutschen Schutzgebiete in Afrika, eingeschlosien diejenigen Länderstrecken, welche von deutschen Gesellschaften erworben worden, aber noch nicht durch kaiserlichen Schutzbrief unter den direkten Schutz des Reiches gestellt sind, haben bereits einen erstaunlichen Umfang erreicht. Die deutschen Be­sitzungen werden in ihrer Ausdehnung nur von den französischen und portugiesischen Besitzungen in Afrika übertroffen und kommen den englischen un­gefähr gleich. Das erste deutsche Schutzgebiet in Westafrika, Lüderitzland oder Angra Pequenna, hat nach den späteren Abmachungen eine Küsten­ausdehnung von mehr als 1000 Kilometer (von 19° 40' bis 29° füdl. Breite). An dieser Strecke reicht das vertragsmäßig gewonnene Land noch mehrere hundert Kilometer in das Innere hinein. Darauf folgt nordwärts Kamerun mit einer Küstenausdehnung von ungefähr 400 Kilometer (2° 48' bis 5° nördl Breite und 8° 36' bis 10° östl. Länge). Als nördlichste Schutzkolonie in West­afrika ist noch Tongoland mit einer Küste von etwa 60 Kilometer (unter 6° nördl. Breite zwischen 1 und 2° östl. Länge) zu erwähnen. Die letzteren beiden sind, wie die meisten afrikanischen Besitz­ungen europäischer Mächte, nach dem Innern des Kontinents ganz unbegrenzt. Bon viel größerem Umfange sind die Erwerbungen in Ostafrika. Südwärts vom Aequator zwischen 0° 30' bis weiter zum 12° südl. Breite ist Landgebiet auf mehr als 1100 Kilometer in deutschem Besitz. Hiezu gehört Usagara, das erste deutsch-ostafci- kanische Schutzgebiet, welches mehrere hundert Kilo­meter nach dem Innern genau abgegrenzt ist; ferner Usuromo, Khutu rc., welche sich nach

Gin Lebenszeichen brr deutschen Trappisten

zu Mariannhill in Südafrika.

Von den Trappisten aus Mariannhill in Afrika erhalten wir mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Zuschrift:

Hier in Südafrika sind wir ganz und gar am rechten Bestimmungsorte. Unser Orden hat es sich stets zur Aufgabe gemacht, ein beschauliches Leben mit einem Leden harter, angestrengter Arbeit zu vereinigen. Wenn man sich ein Trappistenkloster im Geiste vorstellt, so denkt man sich in eine Ein­öde hinein, woselbst bei Gebet und harter Arbeit die Mönche manchen Tropfen Schweiß vergießen. Arbeit nun haben wir hier in Hülle und Fülle, ja, wir haben hier dem armen Kaffernvolke gegen­über dieselbe Aufgabe, die einst unsere Väter, die Benediktiner, deren Regel wir haben, während der Name „Trappisten" von der Reformation dersel­ben herrührt, für unsere Voreltern, die alten Ger­manen, sich gestellt hatten. Durch ihr Beispiel, durch jedweden Beistand haben sie die Deutschen iu einem soliden, arbeitsamen Volke herangebildet, so daß es heute anderen Völkern in Fleiß und Ausdauer in der Arbeit voransteht. Wer machte Deutschland urbar, wer schuf herrliche Getreidefel­der und lachende Fluren an der Stelle von Sümpfen und Urwäldern? Es waren Mönche, Benediktiner und Ordensritter. Wer lehne die Deutschen Wiffenschaften, Künste, Handwerke? Wie­

den Angaben ihrer Erwerber bis zum Nyassa- See, etwa 300 Kilometer von dec Küste, erstrecken. NordwäNs vom Aequator ist Küstengebiet von 2° 30' bis 12° nördl. Breite, also auf eine Aus­dehnung von etwa 1000 Kilometer, von Deuschen erworben. Auf eine kurze Strecke beim sog. Reiche Witu greift dieses Gebiet, den Kilima-Noscharo einschließend, etwa 200 Kilometer ins Innere hinein, das Uebrige (Somali-Land) ist zunächst nur Küstenbesitz. D .s ist zusammen eine Küsten­ausdehnung von 3500 Kilometer. Vergleichsweise sei bemerkt, daß die deutsche Ostseeküste von Holstein an bis an die russische Grenze ungefähr 600 Kilo­meter Ausdehnung hat. Abgesehen von Algier in Nordafrika, hat Fcankr.ich in Westafrika einen sich allerdings jetzt mehr ausdehnenden Besitz non etwa 1500 Kilometer Küste. Portugal hat zwischen dem Congo und dem deutschen Schutzgebiet Angra Pequenna eine Küste von 1200 Kilometer und in Ostafrika von 11 bis 28" füll. Breite eine solche von 1700 Kilometer.

Zur Vervollständigung sei noch hinzugefügt, daß das deutsche Schutzgebiet Neu-Guinea mit den Inseln genau abgegrenzt etwa 230,000 Quadrat- Kilometer umfaßt. Bis jetzt freilich bieten diese Kolonieen nicht mehr als einen großen Rahmen. Das Bild muß erst gemalt werden.

> Deutfehes Reich.

Berlin, 24. Mai.

• Das neue kirchenpolitische Gesetz ist am 21. d. Mts. vom Kaiser vollzogen worden. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' knüpft an die Mittheilung dieser Thatsache folgende Bemerkung: „Unserer Mitthrilung, daß das neue kirchenpoli­tische Gesetz, welches am 21. d. von Sr. Majestät vollzogen wurde, nach der Annahme durch das Abgeordnetenhaus ohne Verzug die weitern erfor­derlichen Stadien durchlaufen hat, ist mit Zweifeln begegnet worden. Der Entwurf gelangte am 10. d. von dem Präsidium des Abgeordnetenhauses au das Staatsministerium, und von diesem an dem­selben Tage an das Kultusministerium. Demselben lag als Reffortbehörde die Anfertigung des Jm-

ber die Mönche. Was nun in allen Zeiten die Mönche unserem Volke gethan, das wollen wir dem armen, verachteten schwarzen Kaffernvolke thun, das in der That vollständig mit Unrecht als dumm und uncivilisirbar verschrieen ist. Wir haben im Gegentheil bei diesem Volke viel Talent und In­telligenz gefunden, oft in ganz erstaunlichem Maße.

Segnet Gott unsere Arbeiten wie bisher, schickt Ec uns ferner großmüthige Freunde, dann dürfen wir hoffen, unsere Aufgabe za lösen. Dieser Hoff­nung schließen wir eine weitere an, nämlich, daß einst das bekehrte und civilisirte Volk der schwar­zen Koffern sich den Mönchen, die seinem Heile und seiner Rettung sich geweiht, dankbarer erzeige als Deutschland.

Vor 3-/2 Jahren kamen wir hierher und erwar­ben eine Fläche Land (von über 6000 Acres oder 2500 Hektaren), das gänzlich wild war. Etwa 1000 Kaffern fanden sich auf unserer Farm, die den Namen Zrekoegat (seekuhgrube) trug.

Seitdem haben wir mehrere Hundert Hektar er­tragsfähig gemacht und mit bestem Erfolg ein­heimische Früchte: Zuckerrohr, Kaffee, Reis, Ana­nas, Ecdnüfle, Arrowroot angebaut. Auch Knol­len-, Hülsen-, Gartenfrüchte gedeihen ziemlich gut, die Halmfrüchte (Hafer ausgenommen) aber nicht, da der heiße Nordwind für dieselben häufig ge­fährlich wird. Auch auf Weinbau- und Obstbaum­zucht haben wir uns verlegt. Alle dies« Früchte gedenken wir mit der Zeit abzusetzen und in den

mediatberichtes ob. Dieser war am 14. d. fertig gestellt und hatte bei Den Ministerien zur Unter­schrift zu cursiren. Der Umlauf war am 16. beendet, und an diesem Tage wurde er auch an das Civil-Kabinet abgesandt.''

• Dec Geschichtsforscher Leopold v. Ranke ist gestern Abend gestorben.

* Die Ernennung des Grafen Herbert Bismarck zum Stratsseccetaic wird nach der Münchener ,Allg. Ztg.' in gewissen Kreisen als Vorläufer der Ernennung des Grafen Herbert Bismarck zum Generalstellvertreter des Reichskanzlers betrachtet.

• * Der Reichstag trat heute in die erste Be- rathung der Bcanntweinsteuervorlage ein. Finanz­minister v. Scholz begründete die Vorlage und be­merkte, daß die jetzigen Verhandlungen nur als Fortsetzung der Verhandlungen über das Monopol­projekt zu gelten Haden könnten. Aus den früheren Verhandlungen hätten die verbündeten Regierungen den Fingerzeig für den in dieser Vorlage einge« schlagenen Weg erblickt. Durch die Verbindung der Verbrauchs- mit der Maischraumsteuer werde eine Ausgleichung der Bedenken gegen die ersteren erzielt. Die Verbrauchsabgabe werde eine erheb­liche Konsumverminderung im Gefolge haben, einen Nachtheil für die Produzenten, der durch Erleich­terung der Verwendung von Spiritus zu gewerd- lichen Zwecken ausgeglichen werden solle. Der Mi­nister schloß mit der Bitte, noch in dieser Session zu einem. positiven Ecgebniß zu kommen. Abg. Richter (Hagenh bekämpfte die Vorlage, deren Folge eine Verschlechterung des Branntweins und dem­gemäß eine Zunahme der Trunksucht sein würde. Es handle sich bei dieser Vorlage um einen in die­ser Weise bisher noch nie dagewesenen Versuch von Plusmacherei. Es sei kein Bedürfniß für neue Einnahmen vorhanden. Die Steuecerhöhnng würde nur die Ueberweisungen an die Einzelstaaten stei­gern, er wolle aber diese Verflechtung der Einzel­budgets mit dem Reichsbudget überhaupt nicht. Die Konsumsteuer würde gerade die landwirthschaft« lichen Arbeiter am härtesten treffen. Ganz entschie­den sei die etappenmäßige Erhöhung der Steuer zu bekämpfen. Das Ungeheuerlichste an der Vor-

Handel zu bringen zum Besten der jungen schwar­zen Kaffern in unseren stets wachsenden Kinder- Instituten.

Wir sahen uns auch genöthigt, mehrere Straßen zu bauen, von denen die eine 6 Meilen Länge hat, und mehrere Brückenbauten vorzunehmen, um die uns umgebenden Flüsse passiren zu können. An massiven Gebäuden haben wir errichtet: zwei Er­ziehungs-Institute, eins für Knaben, eins für Mäd­chen. Letzteres wird von Schwestern geleitet. Eines dieser Häuser hat eine Länge von 150 Fuß, mit zwei Seitenflügeln von 80 Fuß, das andere ist 200 Fuß lang. Auch eine Mühle und Sägemühle ist fertig und bereits im Gange. Diese beiden letz­teren Bauten sind aus Steinen und Ziegeln, 3 Stock hoch, aufgeführt.

Die Kirche, die Abtei und unsere Schlaf- und Speisesäle sind noch höchst primitiv, denn es liegt uns eben die Civilisation und Christianisirung der Kaffern mehr am Herzen, als die Herstellung an­sehnlicherer, besserer Räume für uns. Alle die primitiven Bauten bestehen aus Blech (galoani- sirtem Eisen), und getrockneten Backsteinen.

Gott sei Dank ist es uns bereits gelungen, eine große Anzahl Kaffern zu bekehren und an ein arbeitsames, christliches Leben zu gewöhnen.

Die Zahl der Zöglinge in unseren Kinderhäusern beträgt augenblicklich 150, nimmt aber von Tag zu Tag zu.

Zum weitaus größten Theil find es Kaffernkin-