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1886.
Montag, dm 24. Mai
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Inserate: Die
(Schluß.)
Die beiden Freunde begrüßten sich kalt und zu« gleich trübe. Herzlichkeit war bei dem gegenseitigen Mißtrauen ja überhaupt nicht möglich. An eine Unterhaltung war ebenso wenig zu denken. Doch fragte der Kommiflar den Rendanten, ob es nicht möglich sein könnte, daß er das Packet mit dem Papiergeld verlegt habe.
Der Rendant starrte mit ausdruckslosen Augen zum Fenster hinaus und schüttelte nur leise mit dem Kopfe.
Inzwischen erschien der an der Thür postrrt ge« wesene Polizeisergeant, welcher seinen Vorgesetzten hatte in das Haus treten sehen und machte dem« selben die Meldung, daß während der Nacht zwei« mal jemand versucht habe, den Garten zu betreten, sich jedoch entfernt habe, sobald er den Beamten erblickt. Der im Garten postirte Kollege hätte übrigens unter dem einen Fenster des Kaffenlokals ein in Wachstuch geschlagenes, versiegeltes Packet gefunden. , „ „ . .
Hätte irgendwo eine Explosion stattgefunden, oder wäre der Blitz zwischen den beiden Herren niedergefahren, e» hätte die Wirkung nicht hervor« bringen können, wie diese kurze Meldung. Wie
willigt und hier, wo es sich um eine produktive Anlage handle, mache man Sparsamkeitsrücksichten geltend. Abg. Eickenscheidt (Centr.) sprach aus landwirthschaftlichen Gründen gegen Die Vor« läge, Abg. v. Rosenberg-Gr uszcynski (frei» kons.) aus wirthschaftlichen Rücksichten dafür. Abg. Tramm (nat.-lib.) erklärte sich gegen die Vorlage^ weil dieselbe die Weiterführung des Kanals nach der mittleren Elbe ausschließe. Hierauf wurde die Weiterberathung auf Dienstag vertagt. Montag: Nordostsee-Kanalvorlage.
* Die Motive zur Branntweinsteuer-Vorlage umfassen nur neun Quartseiten. Es wird darin hervorgehoben, daß die Regierung auch jetzt noch die Einführung des Monopols als das beste betrachte. Bemerkenswerth ist die Andeutung, daß die neue Konsumsteuer „nicht ganz ohne nachtheiligen Einfluß auf die inländische Branntweinproduktion sein würde". Darum und „um die unleugbar mit der Maischraumsteuer verbundenen Unzuträglichkeiten zu vermindern", werden sechs Millionen Mark von der Maischraumsteuer (zehn Prozent) erlassen. Die Einführung einer fakultativen Fabrikatsteuer werde nicht abgelehnt; aber die dazu erforderlichen Vorarbeiten hätten es nicht thunlich erscheinen laffen, bezügliche Bestimmungen schon in den vorliegenden Gesetz Entwurf aufzunehmen. Die unveränderte Beibehaltung der Ausfuhrvergütung trotz Herabsetzung der Maischraumsteuer um zehn Prozent wird gerechtfertigt als Vergütung für die Leccage bis zur Ausfuhr. Den landwirthschaftlichen Brennereien, welche nur 25 Pfg. Steuer für 20 Quart Maischraum bezahlen, wird gestattet, vom 1. Oct. bis zum 1. Juni zu brennen, statt bisher vom 1. Nov. bis 16. Mai mit Rücksicht auf etwaige Kartoffelkrankheit oder Futtermangel. Der Gesammtbe- trag der Branntweinsteuer in Norddeutschland wird für das dritte Jahr auf 2641/« Millionen Mark berechnet, wovon 29,600,000 Mark aus Ausfuhr» Vergütungen abgehen, so daß ein Netto-Ertrag von 234,900,000 Mark verbleibt. Dies würde eine künftige Mehr-Einnahme von 188,900,000 Mark darstellen.
* Leipzig, 23. Mai. Heute fand hier die feierliche Grundsteinlegung der deutschen Buchhändlerbörse statt.
elektrisirt sprang der Rendant von seinem Stuhle auf. Der Kommiffar eilte zum Fenster und öffnete daffelbe mit ungestümer Hast. Der Sergeant stand schon da, machte seine Meldung und überreichte dann das Packet. Daffelbe war völlig un» versehrt.
Ein tiefer Seufzer entrang sich der Brust des Rendanten beim Erblicken des Packetes und „Gott sei Dank, es ist mein Geld!" entstürzte es seinen Lippen. Krampfhaft hielt feine linke Hand das Packet, während die rechte fein Gesicht strich, als wollte sie alle Zeichen, welche die verfloffene Nacht nur zu deutlich in daffelbe gegraben, verlöschen.
„Gott sei Dank!" rief auch der Kommiffar mit Freude glänzendem Gesicht und reichte dem Rendanten beide Hände dar, die dieser auch ergriff und kräftig schüttelte. ,
Die Herren ergingen sich dann in Vermuthung darüber, wie das Packet in den Garten gekommen. Schnell genug kamen sie vermöge der ^Beobachtungen der Unterbeamten auf die rechte Spur und damit zu der Ueberzeugung, daß der Streich in böswilliger Absicht von den Revisoren ausgeführt sein muffe. Es galt jetzt für den Kommiffarius diese fest zu nehmen.
Eben wollte derselbe zu diesem Zwecke aufbrechen, al» ein Kellner de» rothen Adler» athemlo« an- langte.
Ausland.
* Von der Moldau schreibt man der .Oesterr. Corresp.': Mit welch' kleinlichen Mitteln unsere Patentliberalen die Bestrebungen der österreichischen Wirthschaftspartei zur Organisirung )e§ Bauernstandes zu bekämpfen suchen, geht aus ölgendem Stückchen hervor. In Plan sollte kürzlich eine Versammlung des Bauernbundes lattfinben. Trotz der milchendsten Gegen-Agitation >er extremen Hetzpreffe sind für die Planer Bauern« Versammlung schon allem in den ersten Tagen über 2000 Eintrittskarten verlangt und ausgegeben worden. Da wurde den liberalen Herren ein Bischen bange, und da sie einen voraussichtlich glänzenden Erfolg der Versammlung voraussahen, griffen sie zu einem nichts weniger als loyalen Mittel. Sie erwirkten nämlich ein Verbot des Bürgermeisters, dahin gehend, daß der vom Bauernbunde gemietete Saal „aus bau« und feuerpolizeilichen Rücksichten" nicht benützt werden dürfte. Tags vorher miethe- ten sie alle anderen verfügbaren Säle in Plan, so daß also mangels an einem Lokale die Versammlung unterbleiben mußte. Die Bauern, welche von weiter Umgebung her zu dieser Versammlung kamen, waren über diese extremliberale H-ldenthat nicht sehr erbaut und machten ihrer Entrüstung laut Lust. Sie sahen darin zugleich, wie sehr die Herren Extremliberalen jede freie Meinungsäußerung fürchten und dem Bauernstände keine selbstständige politische Thätigkeit zuerkennen wollen. Das bringt den Liberalen keine Lorbeeren und so hat ihr kleinliches Vorgehen ihnen nur ge» schadet, während die Wirthschaftspartei noch mehr erreichte, als durch die Abhaltung der Versammlung.
* Haag, 22. Mai. Der Generalgouverneur von Niederländisch-Jndien telegraphirt, daß der Resident in Batavia am 20. d. M. genöthigt gewesen ist, einen Aufstand in Tjomas, einer Privatbesitzung im Distrikt Buitenzorg, mit bewaffneter Hand zu unterdrücken. Von den Ruhestörern, die bewaffnet waren und etwa 500 Mann zählten, sind 50 theils getödtet, theils verwundet worden. Die Ruhe ist wiederhergestellt und es wird angenommen, daß die Bewegung durch die Anforderungen des Eigenthümers der Besitzung hervorge» rufen sei.__
„J h suche Sie schon überall, Herr Kommiffarius," stotterte derselbe ängstlich. „Die beiden Herren, mit denen Sie gestern im Hotel gesprochen, sind nach einem späten Abendessen davongegangen und nicht wieder gekommen. Sie haben die Rechnung nicht bezahlt und ihre zurückgelaffenen Koffer enthalten nichts als Lumpen."
Nun war sofort alles klar; man hatte es mit einem raffinirten Gaunerpaar zu thun gehabt, welches auf Grund gefälschter Dokumente, mit unerhörter Frechheit den Inhalt der Kreiskaffe an sich zu bringen suchte, und fast wäre dies auch gelungen, fast wäre der ehrliche Rendant das Opfer der Schwindler geworden. Es lag auf der Hand, daß auch der Mensch, welcher den Ren- danten gestern hatte sprechen wollen, um ihm eine höchst unbestimmte Mittheilung zu machen, mit den andern beiden Gaunern in Verbindung stehen mußte. ,
Der Kommiffar schickte seine beiden Leute mit dem Kellner fort. Gerade al» sie gingen, erschien ein Briefbote, welcher eine Depesche au» London brachte, in welcher der Sohn des Rendanten seinem Vater die Ankunft daselbst meldete.
„Jetzt ist alle» gut!" rief der Rendant freudig au». „Da» war eine schreckliche Nacht!"
„Desto besser ist der Morgen", erwiderte der Kommiffar, „hier haben Sie den Schlüffel zur
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Mai.
* Die Eröffnung der Jubiläums-Kunstausstellung hat programmäfrg statt gesunden.
* Der Maatsanz.iger' publizirt eine Bekanntmachung des Oberpräsidenten von Posen vom 20. d. M., mittelst welcher zur öffentlichen Kennt- niß gebracht wird, daß, nachdem durch Allerhöchste Urkunde vom 26. März d. I. der seitherige Ehrendomherr bei der Kathedralkirche des Bis» thums Ermeland zu Frauenberg Propst Julius Din der zu Königsberg in Preußen die landesherrliche Anerkennung als Erzbischof von Gnesen» Posen erhalten, derselbe seine Amtsthätigkeit begonnen hat, und daß die Amtsthätigkeit des Königl. Kommiffarius für die erzbischöfliche Vermögens- Verwaltung in den Diözesen Gnesen und Posen, Negierungsrath Perkuhn, am heutigen Tage erlischt.
•* DasAbgeornetenhaus begann heute die erste Berathung der Kanalvorlage. Der Abgeordnete Stephanus-Linden erklärte sich gegen die Vorlage, da es an einem einheitlichen Plane für die Herstellung eines sich über die ganze Monarchie erstreckenden Kanalnetzes fehle. Abg. von Rauchhaupt (kons.) erklärte, daß seine politischen Freunde für den Oder-Spreekanal und ein Theil derselben für den Rhein-Emskanal stimmen würden, aber mit Ausschluß des von der Korn» mission beschloffenen Zusatzes, welcher die Weiter- sührung des Kanals nach der untern Elbe und die Herstellung einer Waffelstraße im oberen Laufe der Oder vorfchreibt. Minister für öffentliche Ar- beiten, Maybach, verwandte sich in längerer Rede für die Vorlage. Die Verstaatlichung der Eisen» bahnen dürfe kein Hemmniß für die weitere Entwickelung unseres Verkehrswesens bieten. Gerade der gegenwärtige Augenblick sei für die Ausführung günstig, da Geld billig und Angebot von Arbeitskräften vorhanden sei. Die Vorlage sei übrigens nur ein Stück des geplanten Kanalnetzes. Abg. Graf K anitz (kons.) bekämpfte die Vorlage, gegen die er finanzielle und wirthschastliche Beden» ken vorführte. Er erklärte indeß, keine negirenbe, fonbern nur eine abroartenbe Stellung zu ber Vorlage einzunehmen. Abg. Dr. Winbthorst wies bie Siebenten bes Vorredners zurück. Man habe 100 Millionen und mehr für unproduktive Anlagen be«
Eine unerwartete Kasseu-Reoistou. 7