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112. Dienstag, den 18. Mai 1886.

Fuldaer

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Deutsches Reich.

Berlin, 17. Mai.

* Der Reichstag hat heute nach den Oster­ferien feine Thätigkeit wieder ausgenommen. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung, die gegen l/z3 Uhr begann, stehen Gegenstände untergeord­neter Bedeutung.

* * Das Abgeordnetenhaus setzte die zweite Berathung des Entwurfs der Kreisordnung für Westfalen fort. Zu einer längeren Debatte gab die Frage der Amtmänner Anlaß. Nach den Kommissionsvorschlägen soll das Amt de« Amt­manns in der Regel ein Ehrenamt fein und die Amtmänner auf Grund von Vorschlägen der Amts­versammlungen durch den Oberpräsidenten ernannt werden. Die Freisinnigen beantragten dagegen, daß die Amtmänner gewählt und besoldet werden sollen. Auch sollen sie nicht vorzugsweise aus den größeren Grundbesitzern entnommen werden; das Centrum will in der Regel Ehrenamtmänner, wo aber besoldete Amtmänner angestellt werden, sollen dieselben auf 12 Jahre gewählt werden. Minister v. Puttkamer sprach gegen diese Anträge, durch welche das Gesetz gefährdet werde. Nach längerer Debatte, in der die Abgg. Uhlendorff und Träger für die Anträge der Freisinnigen, Abgg. v. Heere- mann und v. Eilenscheidt für die des Centrums und die Abgg. vom Heede (nat.-lib.), v. Lieber­mann (konf.), v. d. Reck (konf.) und Schmieding (nat.-lib,) für die Kommifsionsvorfchläge,eintraten, wurden die Anträge der Freisinnigen, gegen die Stimmen der Freisinnigen und der Polen, die Anträge des Centrums in Namensabstimmung mit 147 gegen 113 Stimmen abgelehnt (dafür stimm­ten Centrum, Polen, Freisinnige) und der Kom- mffsionsantrag angenommen. Auch im Uebrigen fanden allenthalben die Kommifsionsbefchlüffe An­nahme. Zur Erledigung gelangte der zweite Titel „Von den Bestandcheilen des Kreises, von der Vertretung und Verwaltung derselben und von dem Landrathe." — Weiterberathung morgen.

* Die Eröffnung der Berliner Jubiläums- Kunstausstellung findet nächsten Sonntag um 121/2 Uhr in feierlicher Weise in Gegenwart des Kaisers, des Kronprinzen und des gefammten Hofes, sowie der ersten Repräsentanten der Be­hörden statt. Der Kronprinz selbst, umgeben von den Mitgliedern des Komitee'«, wird den Kaiser

Sme »»ervartrtr Krffru-Kerlßov.

n.

Der letzte Tag des Rechnungsjahres sowie der darauffolgende bringen für einen Kreis-Kaffen- rendanteu stets doppelte Arbeit und Anstrengung. Der Jahres-Abfchluß ist zu machen und viele Beamten-Gehälter und Pensionen zu zahlen. Beide Geschäfte lassen sich selten ohne verschiedene größere oder kleinere Verdrießlichkeiten abwickeln.

Doch dies war es eigentlich nicht, was heute die Stimmung des Rendanten Wöhlert trübte. Mit seinen Amtsverrichtungen und feinem Amts­ärger war er durch langjährige Uebung hinläng­lich vertraut, um sich durch sie nicht dauernd die Laune verderben zu laffen.

Was ihn heute niederbeugte, waren häusliche oder besser Familienforgen.

Herr Wöhlert hatte einen Sohn von einund- zwanzig Jahren, welcher vor drei Jahren die Universität bezogen. Die Erziehung de» Sohne» hatte viel Geld gekostet, und die Eltern fetzten große Hoffnungen auf die Zukunft desselben. Nun «ar aber vor cirka 14 Tagen die Nachricht ein- gelaufen, daß der Studertt da» Unglück gehabt,

am Eingang des Ausstellungspalastes empfangen. Nach kurzen Ansprachen de» Kronprinzen und de» Kultusministers von Goßler wird mit einem Hoch auf den Kaiser die Ausstellung eröffnet. Unmittel­bar daran schließt sich ein Rundzang des Kaisers durch die Ausstellung und ein Besuch des Kaiser- Dioramas. Der Kaiser, der Kronprinz und der Hof verlaffen hieraus die Ausstellung, welche nun­mehr auch dem großen Publikum zugänglich ist. Etwa um 2 Uhr wird im Restaurations-Pavillon das Festdiner servirt, an welchem etwa vierhundert Personen, darunter die hervorragendsten Künstler und Gelehrten Berlins, sowie zahlreiche offizielle Persönlichkeiten theilnehmen werden.

* Der Unterstaatssekretär Graf Herbert Bismarck ist zum Staatssekretär des Auswär­tigen Amts ernannt worden, an seine Stelle ist der Wirkliche Geheime Legations-Rath, Direktor der zweiten Abtheilung des Auswärtigen Amt», Graf von Berchem getreten.

* Die Haltung des Cent rums gegenüber der Kirchenvorlage hat selbst von der ,Nordd. Allgem. Ztg.' als in aller und jeder Hinsicht korrekt an­erkannt werden müffen. Wer aber nun glaubte, das Blatt würde demgemäß auch sein Verhalten einrichten, der würde daffelbe schlecht kennen. An»- nahmslor mehr, als irgend ein anderes deutsches Blatt, sammelt gerade die,Nordd.' alle möglichen Sttmmen, welche das Verhalten der Centrum«- fraktion gegenüber den kirchenpolitischen Ausnahme­bestimmungen für die Polen als einen „Ver­rätst" an den Polen, als eiiuilnbanlbaueit gegen dieselben („Dank vom Hause Oesterreich") und dergl. hinstellen, ferner sich mehr ober weniger darüber „freuen", daß das Centrum „gewußt" habe, in vinculis gewesen sein u. f. w. Demokratische und linksliberale Blätter, sonst der .Nordd.' so verhaßt, find ihr doch gut genug, dem Centrum Unangenehmes sagen zu laffen, und die liberal!- sirenden und liberalen Polenblätter werden von ihr mit Eifer citirt.

* Die Ankunft des neu ernannten Erzbischofs von Posen, Din der in Posen wird dem dortigen .Tageblatt' zufolge, wahrscheinlich erst im Herbst erfolgen, da der Herr Bischof, von Rom zurück­kehrend, sich zunächst behufs einer mehrwöchigen Kur nach Karlsbad begiebt.

* Aus Breslau wird gemeldet: An die Oberpräsidenten von Schlesien, Brandenburg und in einem Pistolenduell seinen Gegner tödtlich zu verwunden.

Die Mutter des jungen Mannes ward durch diese Mittheilung so erschreckt, daß sie erkrankte und die Krankheit nahm recht schnell eine böse Wendung.

Einige Tage später lief ein längere» Schreiben des Sohnes, welcher die Flucht ergriffen hatte, an den Vater ein. Der flüchtig gewordene Student setzte darin auseinander, wie er zu dem Handel gekommen und wodurch er zu dem Duell ge­zwungen worden. Ferner, daß feine Zukunft durch Verbüßung der gesetzlichen Duellstrafe ruinirt werde, weshalb er den Entschluß gefaßt habe, sich eine Existenz jenseits des Ozean» zu begründen. Er bat Eltern und Geschwister um Verzeihung und den Vater um Uebersendung einer Geldsumme unter einer näher angegebenen Adresse nach Hamburg.

Der Rendant fand die Ansichten de» Sohnes richttg und deffen Wünsche, wenn auch nicht be- rechttgt, so doch nach der Lage der Sache nicht abweisbar; er rafft» das für ihn disponible Geld zusammen und sendete e» an die bezeichnete Adresse ab, um die Absichten feine« Sohnes für die Zu­kunft zu unterstützt. Gestern war jedoch ein Schreiben de» jungen Manne« eingelaufen, au»

Pommern sind bereits die ersten Listen zu prüfen- : tirender katholischer Geistlichen abgegangen. Die Privatpatrone sollen zur Beschleunigung der Prä­sentationen veranlaßt werden.

* Eisenach, 17. Mai. Die hier stattgehabte thüringische Ministerkonferenz beschäftigte sich dem Vernehmen nach mit der Frage der Heranziehung der Eisenbahnen zur Kommunalsteuer.

* München, 15. Mai. In unserer Situation ist vorerst noch keine Aenderung eingetreten. Auf die Vorstellung de» Gesammtministeriums ist auch jetzt noch keine Antwort erfolgt. Der König ver­ließ gestern Schloß Berg, um sich in die Vorderriß zu begeben. Am 24. Mai wird er wieder in Hohenschwangau eintreffen. In die Residenzstadt wird er demnach wenigsten« nicht kommen. Die Nachricht, daß da» Ministerium seine Entlassung eingereicht, hat sich bisher nicht bestätigt, sie ist aber auch nicht geradezu dementirt worden, da nur konstatirt wurde, daß Aenderungen im Ministerium nicht bevorstehen. Trotzdem erhält sich das Gerücht, daß die Stellung des Herrn von Feilitzsch er­schüttert sei. Da zugleich da» etwas seltsame Gerücht auftaucht, daß der Minister des Aeußeren, Baron Crailsheim, auf Seite der Prinzen Luitpold und Ludwig stehe, so möchte ich, schreibt der Korrespondent der ,Germ.', fast annehmen, daß die Stellung des Herrn v. Feilitzsch nicht dem Könige, sondern seinen Kollegen gegenüber er­schüttert sei.

* Konstanz, 16. Mai. Die Gründung eine» neuen katholischen Blattes steht unmittelbar bevor.

Ausland.

• In Wiener Blättern taucht wiederholt die Nachricht auf, daß das ö st e r r e i ch i s ch e Kaiser­paar dem russischen in diesem Jahre einen Ge­genbesuch abzuhalten gedenke.

• Um die wirksame Durchführung der B l o k a d e der griechischen Küste nicht zu beeinträchtigen ist nicht gestattet worden, daß griechische Packet- boote die nach Athen einberufenen Abgeordneten dorthin bringen. Zu diesem Zwecke ist daher ein Britischer Dampfer gechartert worden. Mit der Rückgängigmachung der kriegerischen Maßregeln wird fottgefahren. Ein Bataillon des jüngst nach der Grenze abgegangenen Regiments ist nach Athen zurückbeordert worden. Die beiden anderen Re­gimenter bleiben vorläufig in Theben.

welchem hervorging, daß derselbe das Geld noch nicht erhalten, sondern in seinem Versteck in Halder Verzweiflung noch immer auf Nachricht warte. Das Geld schien also verloren gegangen — unter­schlagen zu sein, und eine zweite derartige Sen­dung stand dem Rendanten nicht zu Gebote.

Außerdem waren zwei kleine Kinder des Rendan­ten an den Masern erkrankt und endlich drohte die älteste Tochter desselben, ein Mädchen von sechzehn Jahren, unter der auf ihre schwachen Schultern gewälzten Last der Haushaltung und Krankenpflege jeden Augenblick zusammenzubrechen.

Ja, e» hatte traurige Tage für die Familie und besonders für das Oberhaupt derselben ge­geben. Mit Bangen sah der Rendant der Zu­kunft entgegen.

Herr Wöhlert hatte bei Beginn der Dämme- rung nach seiner Kranken gesehen und war dann in das Kassenzimmer zurückgekehrt. Er zündete seine Arbettslampe an und war eben im Begriff, seine Rechnungen wieder vorzunehmen, als die beiden Herren der Revisionskommisfion das Kaffen­lokal betraten.

Oberflächliche Begrüßung ; Frage nach dem Be­gehr der Herren; Vorstellung derselben; Vorzei­gung ihrer Ordre — nahmen nur wenige Sekun-