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Montag, den 17. Mm

1886

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Deutsches Reich.

Berlin, 16. Mai.

**Das Abgeordnetenhaus, dem der zwischen Preußen, Oldenburg und Bremen über die Aus­dehnung des Staatsvertrags betreffend die Unter­haltung ber*für die Weserstrecke von Bremen ab­wärts bis Vegesack erforderlichen Schifffahrtszeichen abgeschloffenen Vertrag zugegangen ist, berieth in 2. Lesung die Kreis- und Provinzialordnung für Westfalen. Abgeordnete v. Schorlcmer-Alst er­klärte sich vom westfälischen Standpunkte aus gegen die Vorlage, welche die ständische Gliederung be­seitige, die Selbstverwaltung beschneide und in Westfalen auf Mißtrauen stoße. Minister von Puttkamer erwiderte, daß die bewährten Verwal­tungsorgane auch nach der neuen Organisation bestehen blieben, daß die Behauptung von einer Beschneidung der Selbstverwaltung eine Hyperbel sei und daß die Vorlage keinen anderen Zweck habe, als eine einheitliche Verwaltungsorganisation zu schaffen. Abg. Büchtemann erklärte, daß die Freisinnigen der Vorlage nur zustimmen könnten, wenn ihreAbändemngsanträge angenommen würden. Die Bestimmungen über die Grundlagen der Kreis- verfaffung wurden unverändert nach den Kom- missionsanträgen angenommen. Zu den Bestim­mungen über die Vertretungen und Verwaltung der Kreise beantragten Abgeordnete Richter und Springorum, . die Amtsversawmlungrn nur aus gewählten Amtsverordneten bestehen zu lassen und die Amis- und Gemeindeversammlungen öffentlich abzuhalten. Diese Anträge wurden von Minister v. Puttkamer und den Abg. v. Schorlemer, v. Liebermann und v. Heede bekämpft und schließlich abgelehnt. Bei § 25 wurde die Berathung ab­gebrochen und auf Montag vertagt.

* Der Bundesrath hat in seiner heute Nach­mittag stattgefundenen Sitzung den neuen Brannt­weinsteuervorlagen sowie dem Gesetzentwurf betreffend die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen feine Zustim­mung ertheilt.

* Der erste Ankauf eines Gutes in Posen auf Grund des Kolonisationsgesetzes hat statt- gefunden. Das Gut Komorowo, Kreis Gnesen, ist gestern in der Zwangs - Versteigerung für den Preis von 165,500 Mark für den Staat ange-

Ejue unerwartete Kaffen-Revision.

(Nachdr. verb.)

Der Herr Kriminal- und Polizei-Kommissarius Werner war recht verdrießlich. Die letzte Woche hatte ihm sehr viele Sorgen gemacht und heute, am Quartalsschluß, der zugleich den Schluß des Rechnungsjahres bildete, stand jedenfalls auch Wieder allerlei unangenehmes bevor.

Die gute Stadt H., welche seinem Schutze unterstellt war, durfte zwar nicht groß, kaum mittelgroß nach landläufigen Begriffen genannt werden; aber sie hatte sich durch Einführung ver­schiedener Jndustrieen schnell emporgeschwungen und infolge dessen durch Zuzug stark an Einwohnern zugenommen.

Damit war eine Menge leichtlebigen, zuni Theil rohen Volkes in die Stadt gekommen, welches feine Sonn- und Feiertage nicht anders als unter wüstem Lärm zu begehen verstand, wodurch es denn den Polizeibeamten des Ortes viel zu schaffen machte. Herr Werner durfte daher mit Recht sagen, daß die Festtage für andere Leute ihm selbst nur vermehrte Mühen und Plagen brachten.

Herr Werner war, wie gesagt, recht verdrießlich, als er sich mit Einbruch der Dunkelheit anschickte, seine Wohnung zu verlassen, um einen Rundgang

kauft worden. Das Gut war bisher in polnischen Händen. Es liegt 6 Kilometer von der Eisen­bahnstation Weißenburg und hat ein Areal von etwa 300 Hektar.

* Düsseldorf, 15. Mai. Kürzlich lief Vie Nachricht durch die Blätter, Hr. Kaplan Dr. Schmitz solle katholischer Feldpropst werden. Jetzt wird der .Köln. Ztg.' verfichert, daß die Angabe jeder festen Grundlage entbehre, und bei­gefügt: „Ohne Zweifel würde die Regierung auch Bedenken tragen, ein so wichtiges Amt einem Manne anzuvertrauen, der seine Studien bei den Jesuiten gemacht hat und der fanatisch ultramontanen Richtung angehört." Ob Hr. Schmitz (nebenbei gesagt geborener Kölner) bei den Jesuiten studirt hat, sagt die .Köln. Vztg.', wissen wir nicht! desto genauer aber, daß jeder ehrenhafte und seiner Kirche ergebene Geistliche gegenwärtig in der dringendsten Gefahr schwebt, von der ,Köln. Ztg.' verlästert zu werden, sobald seine Ernennung in Frage kommt. Beispiele sind schon in Masse dagewesen, lieber seinen „Fanatismus" wird Niemand herzlicher lachen, als Hr. Dr. Schmitz selbst. Uebrigens, wozu denn ein neuer Feldpropst? Hr. Namszanowski ist ja noch da, und nach der großen Lobrede der ,Nordd. Allg. Ztg.' kann die Regierung sich doch keinen bessern Feldpropst wünschen.

* Karlsruhe, 15. Mai. Der „altkatholische" Herr Professor Dr. Michelis in Freiburg ist mit feiner 'feer ipäpstktHen GrrcyKikü öviii tfc J r». hergeleiteten Privatklage gegen den Redakteur dieses Blattes jetzt auch beim hiesigen Amtsgericht abgeblitzt, nachdem er sich vorher in Freiburg in zwei Instanzen einen abweisenden Bescheid geholt hatte. (Bad. Beob.)

Ausland.

* Wien, 15. Mai. Das insolente Auftreten der „schärferen Tonart" veranlaßt einen alt­liberalen Abgeordneten nach dem andern von der parlamentarischen Tribüne abzutreten. Be­kanntlich hat v?r Kurzem der dem deutsch-öster­reichischen Klub angehörige Abgeordnete Pacher sein Mandat niedergelegt. In einer Rede vor seinen Klagenfurter Wählern motivirte er diesen Schritt mit dem Hinweise auf die trostlose Lage der liberalen Partei in Oesterreich, lieber die ex­tremen Elemente derselben fällte er ein scharfes

durch die Stadt anzutreten, der voraussichtlich bis zum nächsten Morgen dauern mußte. Es war Sonnabend, an welchem die Arbeiter Löhnung erhielten.

Der Kommissarius hatte eben die Schwelle des Hauses überschritten, als ihm ein Kellner des Hotels „zum rothen Adler" entgegentrat, um ihn im Namen seines Herrn zu ersuchen, sofort in jenes zu kommen, wo zwei soeben mit Extrapost angelangte Herren ihn zu sprechen wünschten.

Herr Werner fertigte den Boten etwas barsch ab, folgte jedoch der Richtung, welche derselbe nach bestelltem Auftrage einschlug und langte bald im „rothen Adler" an, dessen Besitzer ihn zuvor- kommend, fast unterwürfig empfing und sofort zu den gedachten beiden Herren, welche sich als Be­amte aus der Hauptstadt des Regierungsbezirks bezeichnet hatün, führte.

Der Kommissarius ward von den beiden fremden Herren höflich begrüßt. Einer derselben stellte sich ihm als Regierungsrath von Mefferschmidt und seinen Gesellschafter als den Rechnungsrath Regel vor. Sodann überreichte der erstere dem Kom« missariu» ein Papier, welches dieser mit einer tiefen Verbeugung in Empfang nahm und mit scheuem Respekt überflog. Endlich gab er dasselbe mit einer neuen Verbeugung zurück, i

Urtheil und geißelte die „plumpe Derbheit" der Männer der „schärferen Tonart". Er erklärte, die ganze Haltung derselben habe in ihm das Ge­fühl tiefsten Ekel« erzeugt. Redner schloß seine Ausführungen mit den Worten: „Ich bin ein Alt-Oesterreicher. Die Zeiten jenes Alt-Oesterreichs, welche» ich meine, sind vorüber im Wiener Parla­ment, wie sie wohl bald auch in der Weltgeschichte vorüber sein werden."

* Die schialreformerische Bewegung im öster­reichischen Handelsstande macht täglich Fortschritte. Selbst in jenen Kaufmannskreisen, welche vermöge ihrer Geschäfte an gewisse man- chcsterliche „Hebungen" und „Gepflogenheiten" ge­bunden sind, verkennen nicht mehr die Gefahr, welche die allgemeine Konsumtionsunfähigkeit der Bevölkerung auch für den Handelsstand in sich birgt. Die Nothwendigkeit einer wirthschaftlichen Reform wird aber auch angesichts der schlimmen Folgender schrankenlosen Handel«- und Gewerbe­freiheit in diesen Kreisen mehr und mehr einge­sehen. So wurde bei der Neuwahl des Vorstandes der Wiener Kaufmanns-Genoffenschaft darauf ge­sehen, daß in die sog. neue Genossenschaftsleitung Männer hineingewählt wurden, von denen bekannt ist, daß sie den gesunden christlichen Reformideen huldigen. Das Organ der Reformpartei ,Die kaufmännische Post' vertritt schon obengenannte . Reformprinzipien. Das Organ der Gehilfen,.

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mehrfach genannten sozialpolitischen Schriftsteller I. Blaschek in's Leben gerufen wurde, tritt gleich­falls entschieden dafür ein. Ein Erfolg der Re­formpartei ist es auch, daß der bisherige Präsi­dent des „Wiener kaufmännischen Vereins", der Hofrath und Central - Gewerbe - Inspektor Dr. Mikerga, auf seine Stelle refignirte. Mikerga war die Seele der alten manchesterliberalen Tendenzen, die mit dem Scheiden des Präsidenten nunmehr auch aus dem Vereine verschwinden dürften.

• Aus Niederösterreich, 15. Mai. Der Rechen­schaftsbericht des kath. St. V i n c e n z o e r e i n s für Niederöfterreich pro 1885 stellt das reiche charitative Wicken des Vereins ins beste Licht. Im abge­laufenen Jahre wurden zwei neue Konferenzen ge­gründet (in Simmering und in Rodaun) und besitzt der Verein jetzt im Ganzen deren 36, davon 19 in Wien selbst, 10 in den Vororten und 7

„Ich stehe ganz zu Diensten, meine Herren," sagte er in devoter Haltung, „Sie dürfen nur über mich befehlen."

„Sehr verbunden," erwiderte der Negierungs­rath höflich, „wir wollen wünschen, daß es Ihres Eingreifens gar nicht bedarf; doch mußten wir uns Ihrer Mitwirkung für den gebotenen Fall versichern und Sie deshalb vorher aoertiren. Sie kennen jedenfalls den Rendanten der Kreiskasse, Herrn Wöhlert?"

Der Kommissarius machte ein ziemlich langes Gesicht.,

„Jawohl — gewiß!" stotterte er, „freilich kenne ich den Rendanten Wöhlert!"

„Sind vielleicht gar mit ihm befreundet?" fragte der Regierungsrath mit scharfer Betonung.

„Ich kann nicht leugnen," erwiderte der Kom­missarius in peinlicher Verlegenheit „daß ich dem Rendanten näher stehe —"

Der Rechnungsrath nahm mit großem Geräusch eine Prise. Der Regierungsrath machte ein sehr ernstes Gesicht.

„Das höre ich mit gerne," sagte der Letztere mit wichtiger Miene, „doch Sie find Beamter und besitzen sicher genügendes Pflichtgefühl —"

Der Kommissarius reckte sich empor.

„Ich versichere Sie, Herr Regierungsrath," rief