Einzelbild herunterladen
 

J\£ 110.

Sonnabend, den 15. Mai

1886.

Sic ,Fuldaer Leitung" erscheint t«glich, «cmn- und Feiertage oulgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brmgerlohn und Bestellgeld- 1 Mk. 50 Pfg., - mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die rdispaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Griechenland

hat stets den Grundsatz befolgt, bei jeder orienta­lischen Verwickelung für sich irgend einen Vortheil zu erringen, dem keine Anstrengung voraufgegangen war. Der Krieg zwischen Rußland und der Tür- kei von 1876/77, der durch den Frieden von San Stefano und den Berliner Vertrag beendigt wurde, war der blutige Schlußakt langer, erbitterter Kärn,ffe gewesen, welche die Pforte mit Montenegro, Ser­bien und Rumänien zu bestehen hatte. An allen diesen Kämpfen, die ebensoviel Blut als Geld ge­kostet hatten, nahm Griechenland keinen Antheil. Es hatte also auch keine Verluste zu beklagen. Nun behauptete Griechenland, es muffe Belohnung dafür erhalten, daß es dem Kampfe so ruhig zugesehen und der Versuchung, sich hineinzumischen, so mann­haft widerstanden habe. Diese Belohnung sollte in Gestalt eines Zuwachses an Land und Leuten er- theilt werden. Der Berliner Kongreß hörte grie­chische Bevollmächtigte an, die ihm die Wünsche des Landes vortrugen. Er gab diesen Wünschen auch nach. Das Protokoll der 13. Sitzung des Berliner Kongreffes enthält die Bestimmungen über die türkisch-griechische Grenze, welche nach dem Vorschläge des ersten französischen Bevollmäch­tigten, Waddington, im Allgemeinen dem Thalwege der Flüffe Kalamas unv Salamorias vom Jonischen zum Aegälschen Meere' folgen sollten. Artikel 24 des Berliner Vertrages bestimmt dann, daß die Mächte bereit seien, zwischen der Türkei und Grie­chenland zu vermitteln, falls diese sich nicht selbst über die in dem vorbezeichneten Protokoll angeoeu- tete Grenze zu einigen vermöchten. Daß eine direkte Einigung zwischen der Türkei und Griechen­land nicht zu Stande kommen werde, war damals schon mit ziemlicher Bestimmtheit vorauszusehen. Die türkischen Bevollmächtigten hatten nämlich so­fort gegen jede Festsetzung der Grenze Protest ein­gelegt. In Griechenland hingegen hatte man die Bestimmung nicht ungünstig ausgenommen, obwohl die öffentliche Meinung in ihrer Erregung vorher ganz Epirus gefordert hatte. Man sah aber in Griechenland doch schließlich ein, daß man am Kriege nicht theilgenommen, folglich auch keine Siege errungen hatte und somit eigentlich zur For­derung eines Kampfpreises gar nicht berechtigt war. Als es aber an die praktische Absteckung der Grenze gehen sollte, entstanden neue Schwierigkeiten zwischen

s Die gemeinschaftliche Taute.

Humoreske von Hildegard Froelich geb. Gräfin v. Bocholtz.

(Schluß.)

Ec schlug den Weg zum Kurhaus ein, in der großen Allee begegnete ihm Hermann. Schon von weitem fragten alle seine Blicke nach der Unter­redung. So konnte Barnau doch wenigstens einen Glücklichen machen, und er that es.

Ganz beseligt und mit leichten Schritten eilte Hermann, die geliebte Braut, aufzusuchen. Er wurde in den Salon geführt und, o Wonne! seine Editha befand sich allein darin. Run hielt ihn auch nichts mehr zurück:

„Du liebst mich, mein Engel!" rief er jubelnd, „also das war Dein Haß! Sage nur, daß Du mich liebst, denn ich weiß es ja nun doch!"

„Ja!" stammelte Editha, hoch erröthend. „Aber woher wissen Sie?"

„Nicht Sie, das klingt so hart, so kalt un- würdig unserer alten Liebe!" Und sich an ihren Wunsch erinnernd, sank er wirklich dabei auf die Kniee.

„Aber woher weißt Du?" und sie wurde noch röther.

„Vom Papa, alles vom lieben, guten Papa!"

der Türkei und Griechenland, und schließlich mußte eine besondere Botschafter-Konferenz in Berlin die Grenze festsetzen, welche Griechenland ganz Thessalien und außerdem einige südliche Be­zirke von Epirus zutheilte. Griechenland nahm diese Entscheidung sofort an, die Pforte aber, welche sich benachtheiligt glaubte, ließ ein Jahr darüber verstreichen, ehe sie ihre Zustimmung er­klärte. Dann vollzog sich allerdings die Absteckung der Grenze rasch und glatt, und seitdem war das Verhältniß zwischen der Türkei und Griechenland äußerlich vollständig zufriedenstellend. Griechen­land, welches etwas bekommen hatte, ohne dafür etwas geleistet zu haben, schien befriedigt.

Jahre verstrichen, endlich kam der Sommer 1885 ins Land. Die Bewohner der türkischen autonomen Provinz Ostrurnelien fanden es für angezeigt, ihren türkischen Statthalter und ihren tückischen Militärgouverneur foctzujagen und sich mit Bulgarien zu vereinigen. Die Serben, von dem Grundsätze ausgehend, daß der Fürst von Bulgarien nichts bekommen dürfe, wenn der König von Serbien nicht auch etwas erhielte, suchten diesen Grundsatz zur Geltung zu bringen, rückten mit großer Heeresmacht und vielem Geschrei ins Feld, erhielten von den Bulgaren tüchtige Schläge, wurden dadurch zur Vernunft gebracht und sind jetzt eben­so ruhig, als früher. Die Griechen hatten ganz denselben Grundsatz, wie die Serben, wallten dieSacheaber schlauer anfangen. Unter bedrohlichen Reden fingen sie an zu rüsten, machten chabei viel unnützen Lärm, stießen allerlei Redensarten von unveräußerlichen Rechten auf Kreta und Epirus aus, nöthigten die Türkei zu kostspieligen Rüstungen, zwangen alle Großmächte zu einer Monate schon dauernden diplomatischen Aktion, zu theueren Flottenkund­gebungen, die schließlich die europäischen Steuer­zahler bezahlen müssen, und endlich zur gegen­wärtigen B l o k a d e.

Zur Giltigkeit einer Blokade sind zwei Dinge nothwendig: erstens die Ankündigung derselben und zweitens die thatsächliche Absperrung der Orte, gegen welche die Blokade gerichtet ist. Da die Blokade sich nur gegen die Schiffe richtet, welche unter griechischer Flagge segeln, so ist die sonst übliche Ankündigung der Maßregel gegenüber den neutralen Mächten überflüssig. In Betreff der thatsächlichen Absperrung eines Ortes gilt als

Da öffnete sich die Thür und hochroth im Ge­sicht blickte Eoitha's Vater herein: „Was geht hier vor? Herr, wie können Sie sich unterstehen?"

„O, Papa!" rief Editha erschrocken und ver­wundert.

Ziemlich entsetzt sprang Hermann aus seiner knieenden Stellung empor. „Editha ist das wirklich Dein Vater?"

„Natürlich!"

„Herr wollen Sie wohl gleich meine Tochter Sie nennen! Da soll doch das —" und er brach ab, von Hermanns flehenden Blicken bewegt.

Dieser aber sprach: „O, welches Mißverständ- niß! Ich habe wirklich geglaubt, Sie wären es nicht, das heißt, Sie wären es doch, ich meine Sie wären nicht Sie, aber wohl Editha's Vater!"

„Mein Himmel, er ist irrsinnig!" sagte jetzt Herr von Barnau bestürzt.

„Hermann, o Hermann!" rief Editha und sank schluchzend in den zunächst stehenden Sessel.

Es klopfte und Baron Roderich von Barnau trat ein. Sein Bruder ergriff ihn sogleich beim Arm: „Hilf mir ohne Aufjehen diesen armen Irrsinnigen fortbringen, er lag vor meiner Tochter auf den Knieen und macht schreckliche Geschichten!"

„Und diesen Morgen hat er um Konstarye

Regel, daß die blokirte Küste derart von dort stationirten oder kreuzenden Schiffen beobachtet sein muß, daß kein Schiff ohne augenscheinliche Gefahr in einen Hafen ein- oder auslaufen könne. Nach Ansicht der englischen Prisengerichte sind drei bis vier Kriegsdampfer ausreichend zur Blokade einer Küstenstrecke von hundert englischen Meilen (150 Kilometer). Die Pariser Konvention vom Jahre 1856 hat diese Bestimmung noch verschärft, indem sie den Grundsatz aufstellte, daß eine Blo­kade wirklich durchgeführt werden, also „effektiv" sein müsse, um giltig zu fein, das heißt, es muß eine für die wirkliche Absperrung der in Blokade- zustand erklärten Objekte hinreichende Macht vor­handen sein. Die Anforderungen sind in dieser Beziehung so streng, daß, wenn zum Beispiel das Blokadegeschwader durch einen Sturm oder durch andere Umstände gezwungen ist, die hohe See zu gewinnen, und die Blokade später wieder ausge­nommen wird, dem eine neue Notifikation voran­gehen muß. Da Griechenland ohne die Inseln eine Küstenlänge von ungefähr 1000 englischen Meilen haben dürfte, so wären gegen 40 Dampfer zur thatsächlichen Absperrung nothwendig. Weil aber eine so große Anzahl Kriegsschiffe nicht zur Stelle ist, so haben die Mächte sich daraus beschränkt, nur die Ostküste und im Westen den Meerbusen von Korinth in Blokadezustand zu erklären. An der blokadefreien Küste und auf Den ebenfalls frei bleibenden Inseln sind nur die Häfen von Korfu, Navarin und Syra von Bedeutung. Die griechische Handelsflotte zählt 3224- Schisse langer Fa)rt mit einem Tonnengehalt von 250,143, darunter freilich blos 60 Dampfer. Nicht weniger wie 28,000 Matrosen, asio fast drei Procent der männlichen Bevölkerung Griechenlands, bilden die Bemannung dieser Handelsflotte. Aber ungleich stärker noch ist die Zahl derjenigen, welche die bauchigen Tartanen, d.e oft abenteuerlich geformten Tcadakeln, die tausende von Schaluppen bevölkern, auf denen die Schiffer Messeniens und Achajas längs der Küsten und in dem tiefeingeschnittenen Golfe das Meer durchfahren.

Ueber die Stärke der internationalen Blokade- Flotte werden folgende Angaben gemacht: Zu­nächst kommt England mit 13 Schiffen und 5 Torpedobooten. Italien mit 4 Panzersregatten, 2 Schraubenavisos, 1 Torpedoschiff und 6 Stück Torpedoboote. O sterreich mit 1 Schraubenfregatte,

angehalten! Armer junger Mann! Wir müssen ihn fortschaffen!"

„O, mein Herr, da find Sie ja wieder," rief Hermann fassungslos, „welches Unglück, daß Sie nicht Eoitha's Vater sind! Mit wem habe ich denn aber die Ehre, wenn nicht mit dem Baron von Barnau, Sie haben sich doch den ganzen Morgen so von mir nennen lassen!"

Wie Fcühlingssonnenschein blitzte es jetzt über Editha's Gesicht, sie errieth den Zusammenhang. „Onkel Du mußt helfen," sagte sie kurz ent­schlossen", er hat nicht Konstanze, er hat mich gemeint, ich nehme ihn ihr jetzt fort, gerade wie damals das Stück Kuchen.

Nachdem sich Baron Barnau genügend über­zeugt hatte, daß der Freier Editha's kein Irr­sinniger war, sondern eine gute Partie, gab er augenblicklich seine Einwilligung: „Ja, Kinder, das hättet Ihr doch nur gleich sagen sollen, wer da vor meiner Tochter auf den Knieen lag!"

„Diesen Freier wären wir wieder los," sagte sich Baron Roderich und dachte dann ein wenig besorgt, wenn es nur mit dem jungen Halderndorf nicht auch ein Mißoerständniß ist.

Während dem saß nun Konstanze mit ihrer Mutter und wartete auf den Bräutigam, der