109.
Freitag, den 14. Mai
1886.
Fuldaer
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Die preußische Kirchenvorlage.
(Schluß.)
Damit ist auch der politischen Vertretung der preußischen Katholiken der fernere Weg klar vor. gezeichnet. Die von der Regierung in Aussicht gestellte Revision noch weiterer, mit der Freiheit der Kirche nicht im Einklang stehender Gesetzes- Bestimmungen muß, selbst wenn es der Regierung damit aufrichtiger Ernst ist und sie den Umfang dieser Revision gebührend weit ausdehnt, auf dem verfassungsmäßigen Wege der Gesetzgebung erfolgen. Schon für diesen Zweck bleibt also dem Centrum ein wichtiges Feld fruchtbarster Thätigkeit, denn es ist klar, daß die Opposition, welche trotz aller Bitten des leitenden Staatsmannes und seines „freiwilligen" Organs, der .Rordd. Allg. Ztg.', dem jetzt vorliegenden Gesetzentwürfe sich in der schärfsten Weise entgegenstemmte, einer beabsichtigten weiteren Abänderung bezw. Aufhebung der Mai- gefttze noch weit leidenschaftlicher sich widersetzen wird. Es ist daher thörricht, wenn einzelne gou» vernementale Organe heute schon eine Art von Abrüstung der Centrumspartei und insbesondere der Parteipresse fordern und die Hilfe des Papstes und der Bischöfe hierfür anrufen. Ein gut Stück Weges ist zurückgelegt, aber bis zum ersehnten Zrele, zum Abschluß und gesetzlichen Ausdruck des definitiven religiösen Friedens zwischen Staat und Kirche, ist noch ein weiter Weg, auf dem den Katholiken, wenn sie nicht wachsam und einig bleiben, noch mancherlei Zufälligkeiten und Gefahren begegnen können. Der Kampf gegen den kultur- kämpferischen Nationalliberalismus wird in ungeschwächtem Maße fortdauern müssen, so lange ein Gneist im Abgeordnetenhause Namens der Partei die alten maigesetzlichen Theorien von der unver- äußerlichen Staatshoheit über die Kirche vortragen wird. Dieser Kampf gegen den Nationalliberali«. mus erstreckt sich weit über das Parlament und sein Gesetzgebungsrecht hinaus, er erstreckt sich auch fort und fort auf diejenigen Personen und Beam- ten, welche etwa aus ihrer kulturkämpferischen Gesinnung heraus in Anwendung der Gesetze die nöthige Loyalität uud Gerechtigkeit vermissen lassen und auf dem Verwaltungswege anzustreben suchen, was mit der Legislative nicht zu erreichen war. Aber auch nach dem Zustandekommen des vollen religiösen Friedens wird es für die Katholiken nicht
s Pie gemeinschaftliche Taute. 3 Humoreske von Hildegard Froelich geb. Gräfin v. Bocholtz.
Er kam spät Abends an und ließ sich sogleich die Kurliste bringen; ja da stand der geliebte oder gehaßte Name, groß gedruckt schwarz auf weiß, und er wiederholte es leise vor sich hin mit seligem Lächeln: „Mit Tochter, mit Tochter!"
Am anderen Morgen war er früh aus den Federn und im nagelneuen Zivil, das ihm gar nicht stand, auf der Promenade. Jener alte Herr dort, richtig das mußte er sein, der Vater dieser Tochter. Wie ähnlich doch die Photographien waren, die die gemeinschaftliche Tante von ihm besaß.
Hermann trat elegant grüßend an ihn heran: „Herr Baron, Sie gestatten, daß ich mich Ihnen selbst vorstelle." Und so ging es weiter. Freundliches Entgegenkommen vom Herrn Baron und die beiden wandelten selbander wie alte Freunde die Promenade".
„Bei Ihrem Aeußern hätte ich kaum gedacht, daß Sie Ems brauchten!" meinte Herr von Barnau lächelnd.
„Ich brauche es auch nicht!" sagte Hermann anzüglich.
an der Zeit sein, wieder in die alte Traumseligkeit zu verfallen, aus der der Kulturkampf sie einst so schrecklich geweckt hat. Der moderne Zeitgeist sucht alle Gebiete des öffentlichen Lebens mit ungläubigen und gottvergessenen Ideen zu durchtränken; solchen Versuchen energisch zu wehren, muß eine Hauptaufgabe der Katholiken bleiben. Wenn übrigens auch nur die Möglichkeit vorgelegen hätte, daß das Centrum sich nach und nach hätte auflösen und die Wahrung der religiösen Interessen im Staate dem „Wohlwollen" der Regierung und der übrigen politischen Parteien überlassen können, so würde diese Möglichkeit jetzt Dank der Offenherzigkeit der nationalliberalen Kulturpauker vereitelt. Von der Tribüne des preußischen Abgeordnetenhauses ist den Katholiken für die Zukunft auf's Neue der Fehdehandschuh hingeworfen worden, die nationalliberalen Wortführer haben die Wiederaufnahme des erbitterten Kulturkampfes in bestimmte Aussicht gestellt, und daß es ihnen an der Lust hierzu nicht fehlen würde, wenn sie wie» der über eine entsprechende Mehrheit verfügten, hat ihre Abstimmung gegen die Friedensvorlage klar genug bewiesen. Darum wird es für die Katholiken in Preußen auch fernerhin heißen: toujours en vedette!
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Mai.
* Das Herren Ern n a wird die erste Abstim. mung über das Volksschullehrergefitz jedenfalls vor Pfingsten vornehmen, so daß die nothwendige zweite Abstimmung und mit ihr der Schluß der Landtagssession in den letzten Tagen des Juni statt» finden könnte.
** Das Abgeordnetenhaus nahm heute in zweiter Berathung die Vorlage einstimmig an, welche die Bewilligung eines Staatsbeitrags von 6 Vz Millionen Mark zu den Zollanschlußkosten der Stadt Altona ausspricht. Abg. Hänel dankte hierbei der Regierung für da« der Stadt Altona bewiesene Entgegenkommen. Dann wurde eine Petition des Gemeinderaths von Rheinbrohl um Entbindung von der Verpflichtung zur Zahlung der Kosten für die außerordentlichen polizeilichen Maßregeln in Rheinbrohl im Februar 1882 be- rathen. Es handelt sich um die bekannten Vorkommnisse, die sich an die Verweigerung des
„So, also nur zum Vergnügen find Sie hier, ja das ist freilich besser!"
„Frisch gewagt ist halb gewonnen." — dachte Hermann und entgegnete: „Auch das eigentlich nicht, ich verbinde mit meinem Hiersein einen ganz besonderen Zweck!"
„So," sagte der alte Herr und wollte leicht darüber hinweg gehen, aber Hermann ließ ihn nicht dazu kommen.
„Ich suche hier etwas, dessen Besitz mich sehr glücklich machen würde; Sie gerade, Sie können es mir geben! Einmal so weit gekommen, ist es besser ich rede gleich em offenes Wort mit Ihnen: ch liebe Ihre Tochter, Herr Baron, wollen Sie ie mir zur Frau geben? Es soll mein stetes Betreben fein, sie glücklich zu machen!"
„Sie kennen sie ja gar nicht."
„O, doch, ich hatte diesen Winter das Glück."
„Ja, richtig, mein Stanzchen war ja zum Besuch fort. — Ich habe viel Gutes von Ihnen gehört, junger Mann, und nichts gegen Sie einzuwenden, aber ich muß doch erst mit dem Kind sprechen. Liebt fie Sie denn?"
„Jawohl, dieser Engel liebt mich. Da» heißt einmal schien e» auch, als ob er mich hasse," — setzte er zögernd hinzu.
Glockengeläuts durch den katholischen Kirchenvorstand bei der Beerdigung eines evangelischen Kindes knüpften und welche das Einschreiten von Polizei und Militär erforderlich gemacht haben sollen. Die Kommission beantragte: Ueberweisung der Petition an die Regierung zur Erwägung, ob die fraglichen Kosten der Gemeinde Rheinbrohl nicht ganz oder theilweise erstattet werden können. Abg. van Bleuten beantragte dagegen Berücksichtigung. Regierungskommiffar Geh. Ober-Reg.-Rath von den Brincken konstatirte, daß bereits nach Möglichkeit Billigkeitsrücksichten Rechnung getragen sei und empfahl demgemäß Uebergang zur Tagesordnung, wofür auch die Abgg. Berger (nat.-l.) und Jordan (nat.-l.) eintraten, während sich die Abgg. v. Lyncker und Barth (kons.) für Erwägung, Abgg. Zelle (freif.) und Rintelen (Centr.) dagegen für den Antrag Bleuten aussprachen. Auf Antrag des Abg. v. Zedlitz (freikons.) wurde schließlich Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Ueber Petitionen von Einwohnern der Provinz Ostpreußen um anderweite Regelung des deutschen Sprachunterrichts in den von Kindern polnischer und litthauischer Zunge besuchten Volksschulen und der Oberin und mehrerer Schwestern des aufgehobenen geistlichen Unterrichts- und Erziehungs - Instituts zu Münstereifel um Entschädigung wurde zur Tagesordnung übergegangeii. Morgen dritte Lesung des Lehreranstellungsgesetzes, schwebende Schuld.
* Der Bundesrath berieth heute die Vorlage über die Abareyrnng i>»„ d.tttsch.n my- lischen Mrchtsphare,' über den Antrag Preußens wegen Erlaß des Gesetzes über die Pflichten der Handelsmakler und den Ausschußbericht über das Zuckersteuergesetz. — Die mit der Berathung der Branntweinsteuervorlagen betrauten Bundesrathsausschüffe sind gestern mit ihren Arbeiten nicht zum Abschluß gelangt, die Beschlußfassung dürfte am Sonnabend erfolgen.
* Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Nordostsee-Kanalvorlage (50 Millionen Beitrag Preußens zum Kanalbau) hat gegen eine Stimme die Vorlage angenommen. — Die Kommission für die nafsauische Städteordnung hat die erste Berathung des Entwurfs beendet und denselben im Wesentlichen in der Herrenhausfaffung angenommen. Eine zweite Berathung ist vorbehalten.
* Der ,Vossischen Zeitung' zufolge hat sich eine Gesellschaft von rheinischen und westfälischen
„Ach," lachte der alte Herr, das macht nichts. Liebe und Haß ist oftmals dasselbe." — Er hatte wohl aber auch seine Erfahrung gehabt.
„O, bitte bitte, dann sprechen Sie bald mit ihr!"
Eine Zusage, ein Händedruck und ein warmer Blick von beiden Seiten und man trennte sich. -
— „Stanzchen ist eigentlich ein häßlicher Name, — dachte Hermann — „ich werde diese süße Editha niemals so nennen." — Dann eilte er nach Hause; er wollte still über das Glück der Liebe nachdenken, dabei frühstücken und dann Toilette machen, zu Barnau's eilen und nochmals um sein Glück bitten.
Zehn Minuten später erschien Editha mit Konstanze am Arm auf der Promenade. Der Vater ging mit einem Bekannten vorauf tmd die beiden Mädchen folgten. Editha blickte zum blaum Himmel auf und seufzte.
„Wenn ich nur wüßte," sagte Koastanze, ,,we»- jttlb Du immer zum Himmel aufblickst und eufzest."
„Ich habe meinen Kummer, Konstcmz«, den Du nicht errathen kannst."
„Hälft Du mich wirklich für so dumm, daß