Einzelbild herunterladen
 

99. Montag, ben 3. Mai 1886.

tH» ,Fuldaer Zeitung' erscheint tSalich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Sochenbeilage ,Sterne und Blume«' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Dir einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Die Generalversammlung der west­fälischen Handw erkervereine,

welch- am zweiten Ostertage zu Münster statt­fand, kann weit über Westfalen hinaus auf Be­achtung Anspruch machen, und zwar nicht bloß wegen des trefflichen Geistes, von dem die Ber- sainmlung beseelt war, sondern auch ihrer prak­tischen Beschlüsse wegen. Was zunächst den in der Versammlung herrschenden Geist angeht, so herrschte bei den westfälischen Handwerkern kein Pessi­mismus, keine Verzweiflung, obwohl man den Handwerkern, namentlich seitens der Sozialdemo­kratie, täglich zuruft: laßt alle Hoffnung fahren, ihr werdet doch von der Großindustrie verschlungen. Anderseits war man in Münster auch weit entfernt von dem ebenso gefährlichen Optimismus, denn die Theilnehmer der Versammlung hatten das volle Verständniß für die schlimme Lage des Hand­werks und ein offenes Auge für die Gefahren, die ihm drohen, und für die Schäden an denen es leidet. Aber bei dem Muthe und der Energie, die den Westfalen auszeichnen, legen die westfälischen Hand­werker angesichts der schlimmen Lage nicht die Hände in den Schooß, sondern sie weisen auf praktische Mittel und Wege zur Besserung hin. Wie immer, wo es sich um wahres Volkswohl handelt, nahmen auch Mitglieder der Centrumspartei an der Handwerkerversammlung aktiv Theil. Es waren das, der ,D. Rztg.' zufolge, Freiherr v. Schorlemer-Alst und der Landtagsabgeordnete für Münster, Rechtsanwalt Würmeling. Erfreu­lich war es, daß auch der Oberpräsident von Westfalen, v. Hagemeister, sowie der Regierungs­präsident v. Lieberman, durch ihr Erscheinen, ersterer auch in einer Ansprache das Interesse der Regierung an den Bestrebungen des westfälischen Handwerker­bundes betätigten. Die Erklärung des Oberpräsi- denten, daß die Staatsregierung in jedem Regie­rungsbezirk eine Handwerkskammer zu schaffen ge­denke, zeugt dafür, daß die Negierung den Wün­schen der Handwerker Rechnung zu tragen beginnt. Anderseits aber war der Tadel zutreffend, den Frhr. v. Schorlemer-Alst über die Forderung des Ber­liner Handwerkertages, betreffend die Schaffung eines „Reichs-Jnnungsamtes", aussprach. Mit Recht forderte der Centrumsredner einen organi­schen Aufbau der Handwerker-Organisation von unten auf, dessen Krönung erst das Reichs-Jn-

— Die letzte SrSjm osn Manderscheid. 55

Roman von Antonie Haupt.

„Bei all meinen Wanderungen über Berg und Thal, inmitten des Pulverdampfes und Donners der Geschütze schwebte das einsame Mädchen mit den bleichen Zügen und den schmerzlich geöffneten dunkeln Augen vor meinem ©lief; ich sagte mir, daß Ihre Liebe meines Lebens Seligkeit umschlösse und der qualvollen Sehnsucht gegenüber zerfiel mein Stolz in Nichts. Ich wollte zurückkehren, wollte Ihnen meine heiße Liebe gestehen, zu ihren Füßen Vergebung, ach, nur ein beruhigendes Wort erflehen. Ich kam nach Manderscheid, ver­gebens — es war zu spät. Alle Mittel, etwas über Ihr Schicksal zu erfahren, blieben erfolglos, und mich packte eine wilde Verzweiflung. Wenn Sie dem grauenvollsten Elend, dem Tod verfallen waren, so trug ich die Schuld daran. Warum hatte ich Sie nicht in meine Arme genommen, Sie meinen Eltern zum Schutz übergeben, so lange ich meine Kraft dem Vaterlande weihen mußte? — Täglich, unablässig flehte ich zu Gott, daß er Sie nicht untergehen lassen, daß er mir die Gnade schenken möge, Sie noch einmal ge«

nungsamt sein könne. In Bezug auf die oft ven- tilirte Streitfrage, ob obligatorische ober fakulta­tive Innungen, bezeichnete der Centrumsredner die obligatorische Innung natürlich als das prinzipiell zu erstrebende Ziel, dem man sich jedoch etappen­weise nähern müsse, indem man die fakultative Innung ruhig und sachlich weiter zu entwickeln suche. Auch an durchaus praktischen Winken ließ es der im Bauernverein geschulte Centrumsführer nicht fehlen. Dahin gehört vor Allem die Auffor­derung zur Errichtung von Spar- und Darlehen- kaffen durch die Innungen. Darin liegt ein um so glücklicherer Gedanke, als sie die Vorbereitung zu weiteren Aufgaben auch auf finanziellem Ge­biete sind, die der Innungen in Zukunft harren. Im Besitze solcher Kassen würde die Innung auch bei Bauten und Submissionen mit großen Kapita­lien konkurriren können und wie es Tischlermeister Mertens wünschte, eher Berücksichtigung finden. Besonders interessant war die Verhandlung über das Wanberbuch und die Legitimationspflicht der Gesellen. Mit Recht wurde der gegnerische Vor­wurf, als ob es sich dabei um Beschränkung der Gesellenfreiheit handle, entschieden zurückgewiesen und der Nachweis geliefert, daß es sich bei dieser Forderung um eine Einrichtung handle, die eben so sehr, wenn nicht noch mehr, im Interesse der Gesellen als in dem der Meister liege. Der mög­liche Mißbrauch eines Meisters kann ja auch, wie Herr v. Schorlemee chervorhob, recht gut durch Be­stellung der Innung als Rekursinstanz beseitigt werden. Höchst erfreulich auch als Stütze für die Forderungen des Centrums im Reichstage ist das Eintreten der westfälischen Handwerkervereine für die obligatorische Sonntagsruhe. Ganz am Platze war auch die Mahnung des Redakteurs des Hand- werkerblattes .Innung', Herrn Eulers, fortan besser die Handwerker-Presse durch Abonnement zu unterstützen. Was dann schließlich die auf der Versammlung gefaßten Beschlüsse angeht, so wurde zur Bildung weiterer Innungen aufgefordert, die Absendung einer Petition an den Reichstag um Annahme des Befähigung« - Nachweises beschlossen, den Innungen Vorschläge über die Legitimations­pflicht unselbstständiger Handwerksgesellen anempfoh­len und die Erwartung ausgesprochen, daß die Ge­setzgebung für die Durchführung der Sonntagsruhe eintreten werde. Man sieht, der westfälische Hand- werkertag beschränkte sich in weiser Mäßigung auf

sichert und geborgen wiederzusehen. Dann wollte ich gerne sterben, ja ich wollte das Glück meines Herzens und die Gesundheit meiner Glieder freu­dig dafür zum Opfer bringen. Mein Gebet wurde erhört, doch auch das Opfer wurde ange­nommen. Ich sah Sie vollendeter, hehrer, be­zaubernder denn je, doch ich war — ein Krüppel. Wie hätte ich Ihnen, nun, ohne vor mir selbst zu erröth n von den Gefühlen meines Herzens reden dürfen, nachdem ich im Uebermuth Ihre Siebe mit Füßen getreten hatte? So verschloß ich die wild aufbrausenden Empfindungen tief in das Innere meiner Brust. Was ich an Ihnen ge­sündigt, das wurde mir reichlich vergolten in jenen furchtbaren Stunden, als ich Sie mit En­gelsmilde an meinem Lager walten sah und nichts von den Gefühlen verrathen durfte, welche mein In­neres erfüllten. Vielleicht bin ich Ihnen in dieser verzweifelten Seelenstimmung unfreundlich und schroff erschienen; weiß ich doch selbst nicht, woher ich die Kraft nahm meine wahren Gefühle zu verbergen l Rach endlosen düsteren Stunden kam endlich eine Zeit, in welcher mir ein Morgenroth der Hoffnung leuchtete und ich wiederum zagend an ein Glück zu glauben wagte. Da — als ich bereit« die Hand ausstreckte um es zu erfassen —

die Betonung des Wuchtigsten, auf die Forderung von Erreichbarem, und er will so wenig etwas überstürzen, daß er z. B. die Frage der Legiti­mationspflicht vorher einem gründlichen Studium empfiehlt und praktische Vorschläge darüber einfor­dert. Das ist der richtige W'g, der das ehrsame Handwerk zum ersehnten Ziele führen muß.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Mai.

* Der Kaiser begab sich heute Vormittag nach Potsdam zur Besichtigung des ersten Garderegi­ments z. F. Es gehört siit Jahren zu den Ge­pflogenheiten Se. Majestät, daß er am Tage von Großgörschen, dem Ehrentage des Regiments, die Vorstellung der Bataillone desselben befiehlt. Da der 2. Mai diesmal auf einen Sonntag fällt, so war die Besichtigung auf heute angesetzt. — Prinz W i l h e l m ist heute von seiner Reise nach Stuttgart zurückgekehrt und nahm an der Truppenbesichtigung in Potsdam Theil.

* Der Kultusminister theilte dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses mit, daß die Regierung durch die vom 23 Avril an die päpstliche Kurie, ihre Bereitwilligkeit zu einer weiteren Revision der kirchenpolitischen Gesetze ausgesprochen habe. Die Regierung habe darauf zu ihrer lebhaften Befriedigung folgende Note Jacobini's vom 25. April erhalten:

Aus ben Gemächern des Vatikans, 25. April. Nachdem der unterzeichnete Kardinalstaatssekretär die ihm von der preußischen Regierung als Antwort auf die letzte Note des heiligen Stuhls übergebene Note vom 23. April zur Kenntniß Sr. Heiligkeit gebracht hat, beeilt sich, Ew. Ex- cellenz Folgendes mitzutheilen: Mit wahrer Genugthuung hat der heilige Vater vor allem erfahren, daß der Vor­schlag des heiligen Stuhles, eine weitere Revision der in der gegenwärtigen Vorlage nicht in Betracht gezogenen Gesetzbestimmungen vorzunehmen, seitens der preußischen Regierung als ein Akt der Versöhnung aufgefaßt worden ist, welcher dazu dient, den religiösen Frieden vollständig herzustellen. Die dem hl. Stuhl gemachte Zusicherung, zu dieser Revision zu schreiten und in solchem Sinne eine neue Gesetzvorlage an die Kammern zu bringen, konnte daher Sr. Heiligkeit nicht anders als erfreulich sein. Die Amendements im Herrenhause für die neue Gesetzesvorlage und der mit den Betroffenen Amendements erzielte Erfolg sind Gegenstand der Befriedigung für die erhabene Absicht Sr. Heiligkeit gewesen. Deshalb und um seine hohe Werth­schätzung der oben angegebenen Vorgänge zu konstatiren, wie auch um der preußischen Regierung einen neuen und besonderen Beweis seines Vertrauens und seiner Will­fährigkeit zu geben, hat der hl. Vater den unterzeichneten

erschien ein Anderer und drohte, mir mein Kleinod zu entreißen. Soll ich Ihnen beschreiben, was ich empfand, als ich Sie gestern so stürmisch und zärtlich den „Vetter" begrüßen sah, welcher, wie ich wußte, Ihnen nicht näher verwandt war als ich Ihre liebevolle Vertrautheit beobachtete? Ich hatte bereits Hebung in der Selbstverleugnung, ober eie schrecklichste der Qualen, die wahnsinnig machende Eifersucht, ließ sich nicht länger ver­bergen. Ich mußte hervortreten, mußte dem Zwiegespräch ein Ende machen, mußte von dem „Vetter" Aufklärung verlangen über die Be­ziehungen, in welchen er zu Ihnen stehe. Der edle Mann sagte mir zu meinem unaussprechlichen Tröste, meiner Beruhigung, daß er keine Hoffnung hege, andere als freundschaftliche Gesinnungen bei Ihnen erweckt zu haben. Von ihm erfuhr ich endlich die merkwürdigen Fügungen Ihres Schick­sals, worüber ich nicht den Muth hatte, mit Ihnen selbst zu sprechen. Heute ist die Stunde der Erlösung gekommen, ich darf ohne Rückhalt zu Ihnen reden, denn heute stehe ich nicht mehr als siecher, elender Krüppel vor Ihnen, sondern ich fühle wieder die ganze ungeteilte Kraft des Manne«, welchen Sie einst Ihrer Liebe würdig hielten. Rückhaltlos habe ich nun meine Schwächen