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Freitag, den 30. April

1886.

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Deutsches Reich.

Berlin, 29 April.

* Dis Mitglieder des Centrums des Abge­ordnetenhauses sind auf Montag, 3. Mai, Abends 8^2 Uhr, zu einer Fraklionssitzung behufs Be­sprechung der kirchenpolitischen Vorlage eingeladen.

• Zu dec gestern mitgetheilten Nachricht, daß Dr. Haffner Bischof von Mainz werde» soll, bemerkt die .Germania':

Wir können nur wünschen, daß diese Nachricht sich be­stätigt, denn Dr. Haffner wäre nach Wissen und priester- Uchen Eigenschaften würdig des hohen Amtes. Dr. Paul Leopold Haffner ist geboren 1829 zu Horb in Württem­berg, empfing 1852 die Priesterweihe und ist seit 1855 Professor der Philosophie in Mainz, seit 1866 Domkapi­tular. In der aufstrebenden katholischen Wissenschaft ist er ein mächtiger Faktor, der nicht allein durch seine eigene Schaffenskraft, sondern auch durch Anregung bei Anderen vortrefflich wirkt. Dr. Haffner stand bekanntlich 1882 auf der Kandidatenliste für den erzbischöflichen Stuhl von Frei­burg und war von der badischen Regierung nicht gestrichen worden. Das Freiburger Domkapitel hatte dainals die Wahl zwischen Domkapitular Behrle, Dr. Haffner und Domdechant Dr. Orbin, von denen am 2. Mai 1882 Letz­terer gewählt wurde. Es läge nun nahe, daß Dr. Haff­ner wieder auf die Kandidatenliste des Freiburger Dom­kapitels gesetzt würde, wovon ja auch bereits gesprochen wird. Es wäre nach Allem auch nicht unmöglich, daß die Nachricht der,Köln. Volksztg.' sich auf Freiburg bezöge.

* Der ,Germ.' zufolge ift das dem Papste als Geschenk unseres Kaisers zur Anerkennung für die erfolgreiche Vermittlung in der Karolinen- frage durch Herrn v. Schlözer überreichte kunstvoll gearbeitete Pectorale in Berlin angefertigt und repräsentirt einen Werth von 10,000 Mark.

* Prinz Wilhelm von Preußen hat sich am zweiten Ostertage zu den Vermählungsfeierlichkeiten des Prinzen Wilhelm von Württemberg nach Stuttgart und von dort zu eintägigem Auf­enthalt nach Karlsruhe begeben und trifft am Sonnabend in Berlin wieder ein.

* Der .Reichsanzeiger' publizirt die vom Reichs­tage beschloffene Novelle zur Gewerbeord-

— Dir letzte Sräßn von Mau-rrscheid. 53

Roman von Antonie Haupt.

„Dürfte ich noch über meine nächste Zukunft verfügen, so würde ich sofort Ihre großmülhige Einladung annehmen", sagte Erika weich. „Doch ich erwarte von Stunde zu Stunde meinen Vetter Sternberg, den ich gebeten habe, mich hier abzu- holen und nach Böhmen zu bringen. Mit meiner Familie werde ich indessen auch nicht zusammen bleiben. Ich bin des Herumtreibens müde und sehne mich aus dem Tumult dieser Welt nach vollständiger Ruhe und Einsamkeit. Vielleicht ist dieser Drang meines Herzens nach Ruhe und Ein­samkeit, hervorgegangen aus so bitteren Erfahrungen, ein Fingerzeig des Himmels, daß er mich zum Ordensleben berufen, zu einem Leben, das nur Gott und dem Dienste der Kranken und Sterben­den gewidmet ist."

Der junge Mann war, während sie diese letzten Worte sprach, tief erbleicht, und sein Blick ruhte auf ihr mit einem Gemische von schmerzlicher Trauer und inniger Zärtlichkeit. „Mein Gott, Komtesie", sagte er tonlos, „Sie hegen solche Gedanken doch nicht im Ernste?"

„In vollem Ernste", versicherte sie ruhig.

nung, mittelst welcher den Jnnungsverbänden die Fähigkeit beigelegt wird, die Rechte der juri­stischen Person zu erwerben. Das Gesetz trägt das Datum 23. April.

* Die nächste Sitzung des Bundesrathes findet Donnerstag den 6. Mai statt. Die Aus- schüffe nehmen indeß schon zu Beginn der nächsten Woche ihre Arbeiten wieder auf. Die neue Branniweinsteuervorlage ist an die Mit­glieder des Bundesraths zur Versendung gelangt.

* Den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses ist das Verzerchniß der unerledigten Vor­lagen zugegangen. Danach sind noch zu erledigen die kirchenpolitische Vorlage, deren erste Berathung auf die Tagesordnung vom 4. Mai d. I. gestellt ist; die Kreis- und Provinzialordnung für West­falen und der Bericht über die Verhandlungen des Landeseisenbahnraths im Jahre 1885, worüber die Kommissionsberichte bereits vorliegen. Das Volksschullehrer-Anstellungsgesetz für Westpreußen und Posen, das Gesetz über die Anstellung der Jmpfärzte, die Kanalvorlage, das Osfiziersteuer- gesetz. die Nordostseekanalvorlage, die Vorlage betreffend den Zollanschluß von Altona, der Nach­tragsetat. die Vorlage detr. die rheinischen Kanton­gefängnisse und die Einführung der Städteordnung im Neg.-Bez. Wiesbaden, das Gesetz für Heffen- Naffau über die Dienstpflichten des Gesindes und einige Rechnungssachen, die sich sammt und sonders noch in den Kommissionen befinden, endlich eine Reihe von Petitionsberichten. Im Herrenhause noch unerledigte Regierungsvorlagen sind: Gesetz­entwürfe über das Bergwerkseigenthum in Heffen- Naffau und betreffend Abänderungen der Kirchen- gemeinde und Synodalordnung für die alten Provinzen.

* Die allmonatlich im Reichseisenbahnamt er­folgende Zusammenstellung der Betriebsergeb- nisse deutscher Eisenbahnen hat in ihrer Gesammtheit an Uebersichtlichkeit dadurch nicht ge­wonnen, daß denselben theilweis das Etatsjahr vom 1. April ab, theilweis das Kalenderjahr zu Grunde gelegt ist. Nach der neuesten Zusammen­stellung stellte sich die Einnahme der deutschen Hauptbahnen (mit Ausschluß der bayrischen) auf denjenigen Bahnen, deren Etatsjahr mit dem 1. April abschließt, im Etatsjahre 1885/86 auf 729,269.954 Mk. (13,350,775 Mk. weniger als im Etatsjahre 1884/85) und auf denjenigen Bahnen,

„Ich beschwöre Sie, theueres Fräulein", rief er mit dem Ausdruck wirklicher unbezähmbarer Angst, „lasien Sie sich nicht durch Ihre augen­blickliche trübe Seelenstimmung zu einem Schritte verleiten, welchen Sie später vielleicht bereuen würden. Sie sind es sich selbst und Ihrem wah­ren, aufrichtigen Freunde schuldig, daß Sie in, so wichtiger Sache nicht der ersten Eingebung fol­gen. Versprechen Sie mir, wenigstens noch ein Jahr zu warten, ehe Sie einen festen Entschluß fasten."

Es dauerte lange, ehe ihm eine Antwort zu zu Theil wurde; endlich sah das junge Mädchen unter Thränen lächelnd zu ihm empor: „Ich will Ihnen das Versprechen geben," sagte sie leise.

„Wirklich, Eugenie?" rief er erfreut. „So reichen Sie mir Ihre Hand zur Bekräftigung dar."

Sie that, wie er wünschte, und legte ihre Rechte in die seine.

„Nun habe ich Hoffnung, Sie noch einmal im Leben wiederzusehen," sagte er mit strahlendem Auge.

„Herr von Anechan, so leid es mir thut, muß ich Sie dennoch Ihrem interestanten Zwiegespräch

deren Etatsjahr mit dem 1. Januar abläaft, in der Zeit vom Beginn des Etatsjahres bis Ende März d.J. auf 32,619,792 Mk. (2,243,619 Mk. weniger als im gleichen Zeiträume des Vorjahres). Die Einnahme der preußischen Staatsbahnen be­trug im Etatsjahre 1885/86 655,332,388 Mk. (12,406,019 Mk. weniger als im Elatsjahre 1884/85).

* Wie die ,Schles. Volksztg.' aus Beuthen meldet, ist der Gymnasial-Religionslehrer Profestor Dr. Flöckner zum Profestor der kath. Theologie in Bonn berufen.

* Der Geographentag in Dresden hat be- schloffen, den nächsten Geographentag in Carls- ruhe abzuhalten.

Ausland.

* Rom, 26. April. Gestern Vormittag hatten zahlreiche Fremde von verschiedenen Nationalitäten das Glück, der vom hl. Vater celebrirten Meffe beizuwohnen und aus seiner Hand die hl. Kom­munion zu empfangen. Es befanden sich darunter auch mehrere deutsche Herren und Damen, von denen einige auch schon am 21. d. M. von Sr. Heiligkeit in Privataudienz empfangen worden waren, bei welcher Gelegenheit zwei Herren Hoch- demselben den Pcterspfennig der Diözese Münster, eine sehr ansehnliche Summe, zu Füßen gelegt hatten.

* Athen, 29. Ayril. In Beantwortung der Ansprache einer Deputation von Bürgern soll gestern Delyannis erklärt haben, er habe keiner­lei Versprechen, datz Griechenland abrüsten werde, abgegeben — weder Frankreich noch einer anderen Macht gegenüber. Die Mediation Frankreichs habe er nur unter der Bedingung angenommen, daß die griechische Frage in naher Zeit geregelt werde. Delyannis fügte hinzu, wenn die griechi­schen Forderungen nicht baldigst befriedigt würden, werde die Regierung einen Krieg nicht scheuen und den Mächten erst nachgeben, nachdem deren Schiffe die griechische Flotte in den Grund ge­bohrt ober griechische Städte bombardirt haben würden. — Auf dem Konstitutionsplatze fand gestern eine Kundgebung statt, welche in großer Ruhe verlief. Es wurden mehrere Reden gehalten, worin die Regierung aufgefordert wurde, dem Drucke der Mähte nicht nachzugeben. — Der Kriegs­minister hat demissionirt.

entziehen, da ich mit Ihnen zu reden habe," er­klang plötzlich ganz nahe eine fremde Stimme.

Hastig wandten Beide sich um, und vor Ihnen stand Antonius, mühsam athmend, bleich, mit finsterm Ausdruck.

Schweigend stand Johannes einen Augenblick dem Grafen gegenüber, und der Blick, welchen er ihm zurückgab, deutete durchaus nicht auf freund­schaftliche Gefühle. Dann sprach er nicht ohne Schärfe: „Wenn meine verehrte Kousine mich gütigst auf einige Zeit verabschieden will so stehe ich zu Diensten, Herr Graf."

„Die gewünschte Entlassung sei Ihnen hiermit feierlichst ertheilt," versetzte Erika in einem Tone, der scherzhaft klingen sollte. Die seltsam düstere Haltung der kieiden Männer befremdete sie, und ehe diese sich zurückgezogen, hätte sie gern noch eine heitere Saite angeschlagen.

Was die Beiden besprachen, sollte sie nicht er­fahren. Sie sah Herrn von Anethan nur mehr im Familienkreise. Als er bald darauf abreiste, war der Abschied ein inniger und schmerzlich be­wegter ; Erika sowohl wie Johannes dachten daran, daß dies das letzte „Lebewohl" von ihrer lieber« fiedelung nach Böhmen sei. Das junge Mädchen trug ihm tausend Grüße an Vater, Mutter und