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Sonnabend, den 24. April
1886.
vt» ,Fulda« Stttung' «scheint täglich, tfomu tu* MBtaft auägenommen. Bierteljithrlich« Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld-. 1 Ät 50 Pfg.. — mit der belletristischen Wucheubeilug« »Lstmre m»d Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Ml. 75 P>g.
Inserate: Di« ckstzawg, ZÄe oter deren Strom 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechend« Habntt.
Erstes Blatt.
(C Ostern.
Seit undenklicher Zeit hat sich da» hl. Osterfest nicht so spät eingestellt, wie in diesem Jahre. Schon ist die Auferstehung der Natur, der Lenz mit sei» ner Verjüngung und Wiedergeburt, seinem Knospen und Sprießen, dem Feste der Auferstehung de» Herrn eine gute Weile vorausgeeilt, Wald und Flur und Auen haben sich in ihr Frühlingtgewand gehüllt, und wohin das Auge blickt, wird e« gesättigt von dem frischen Grün der Wälder und Felder, von den lachenden Erstlingsblumen auf Wiese und Anger; nur die kälteren Höhen umfängt noch der starre Bann des Winter», doch auch hier schon beginnt der ungestüme Lenz sein Recht zu fordern. — Am sonnigen Frühlingsmorgen steigt die Lerche zum blauen Aether empor und schmettert in herzerquickenden Läufen ihr frohes Jubellied auf den Herrn, den Allumfasienden, den Unendlichen und Gütigen, der da» ganze Weltall mit gleicher Liebe umfängt und nicht den winzigen Halm vergißt, nicht den unscheinbaren Käfer, der dem denkenden Geiste in seinem Organismus ebensowohl die Größe der Schöpfung wiederspiegelt wie die herrlichsten Wunder der Erde. Ja, die hehre Majestät der Gottesschöpfung wird dem beschränkten Menschengeiste durch nichts näher gerückt, al» durch den wunderbaren Prozeß der Wiedererstehung der Natur nach langem Winterschlaf, und wenn mit der Auferstehung de» Herrn der gläubige Christ auch seine eigene geistige Wiedergeburt feiert, wenn er sich hineinversenkt in die erhabenen Geheimnisse der heiligen Leidenrzeit und ihres Abschlusses im ftöhlichen Allelujah der Auferstehung, dann ist der Geist mehr als je empfänglich für den so naheliegenden Vergleich zwischen der Auferstehung des Gottmenschen mit der sinnlichen Wiedergeburt der Natur und der geistigen Wiedergeburt de» sündigen Menschenherzens.
Allelujah, der Herr ist erstanden, so flüstert es geheimnißvoll über Berg und Thal in alle Lande, so jubelt es in den Freudengesängen der Kirche und zittert wonnig nach in der Brust des Christen, der sich auf'» Neue mit seinem Gotte wieder versöhnte, der dem Rufe der Kirche folgend das Lamm Gottes in sich aufnahm, um ihm nach seinen schwachen Kräften eine würdige Wohnung
— Die letzte Srißu mm Manderscheid. 49
Roman von Antonie Haupt.
15. Kapitel.
Keine Hoffnung, die ihr bliebe! — Namenlos ist ihre Liebe, Unnennbar ist ihre Pein.
P. A. Wolff.
Es ist Christnacht. In makelloser Reinheit breitet sich der weiße Hermelin des Winters über Höhen und Thäler, und der Mond gießt sein ge» heimnißvolles Licht darüber aus, daß sie strahlen und schimmem in magischer Pracht. Die Fenster der Kirche zu Dommershausen find hell erleuchtet, an der heiligen Stätte wird zu mitternächtlicher Stunde das Andenken an die gnadenreiche Menschwerdung Christi gefeiert. Als jetzt das Portal fich öffnet, entströmt in weihevoller Stimmung eine große Zahl von Andächtigen dem Gotteshause. Man Der» theilt sich rasch nach allen Seiten, denn es ist bitter kalt und der Aufenthalt unter freiem Himmel nicht geeignet, um Plauderstündchen zu halten. Ein kleiner Trupp von Menschen wandert querfeldein über dm knisternden, hartgefrorenm Schnee. Das sind die Waldecker Schloßbewohner. Bei dem Hellen Lichte der Laterne, welche der voranschrei- tende Diener trotz der Mondbeleuchtung angezündet
zu bereiten. Allelujah, der Herr ist erstanden, dieser Jubelruf der Kirche am hl. Osterfeste läßt vor unferm geistigen Auge alle die Trübsale und Widerwärtigkeiten de» Alltagslebens in den Hintergrund treten, er weist uns mahnend hin zu dem endlichen hohen Ziele unserer irdischen Pilgerfahrt, zu der eigenen Auferstehung und Wiedergeburt dereinst am Throne Gottes; denn neben diesem unserem Lebenszwecke müssen alle Sorgen und Hoffnungen des irdischen Lebens weit, weit zurücktte- ten. Und doch haben sie ihrm großen Werth als Mittel zur Erreichung unseres dereinstigen Zieler, zur Prüfung und Läuterung, sie sollen uns an- treiben zur strengen Pflichterfüllung gegen Gott, gegen dm Nächsten und gegen uns selbst. Aber nicht ein Jeder vermag sich im täglichen Leben aus diesen hohen, idealen Standpunkt zu erschwingen und ihn mit klarem Bewußtsein festzuhalten. Darum wohl dem, der wenigstens an dm hohen Festen de« Herm, wmn der Geist so gerne einen Augenblick rastet und Umschau hält nach vorwärts und zurück, sich diese echte Lebensweisheit von dem einzigen wichttgen Ziele, dem Alles auf Erden sich unterordnen soll, recht klar vor die Seele führt und daraus neue Kraft schöpft für Alles, was da kommen mag.
Die katholische Kirche in Preußen feiert in diesem Jahre hosfnungsfreu- diger als seit Langem ihr Osterfest. Ost schon hat e» scheinen wollen, al» sollten die Oster- glockm den prmßischm Katholiken frohe Kunde bringen von dem Anfang eine« ernstlichen Friedens zwischm Staat und Kirche. Doch diesmal sind es in der ThatFriedensklänge, welche im öfter- lichm Festgeläute den preußischen Katholiken entgegenhallen. Der hl. Vater selbst hat e» uns gesagt, daß die der Kirche in Preußen in Aussicht stehenden gesetzlichen Erleichterungen wesentliche und wichtige Verbesserungen sind, welche zwar noch nicht den vollen religiösen Frieden, wohl aber einen vielversprechenden Anfang desselben bedeu- ten. Wir zweifeln nicht daran, daß diese Verbesserungen im schönen Monat Mai, der als Ausgangspunkt der häßlichsten aller Gesetze für die deutschen Katholiken eine trübe Nebenbedeutung erlangt hatte, Gesetzeskraft erhalten werden. Möchte die Entwickelung der weltgeschichtlichen Ereignisse und ihrer treibenden Ursachen alsbald auch in den übrigen deutschen Kulturkampfsstaaten den vollen religiösen
hat, erkennen wir deutlich den breitschultrigen Herm Amtmann, seine stattliche Gemahlin und da» schlanke, leichtfüßige Sophiechen; auch die junge Hausgenossin, Fräulein von Annethan, mit ihrer unnachahmlich vomehmen Haltung ist nicht zu verwechseln.
„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden!" wiederholte die kraftvolle Baßstimme des alten Herrn. „Möge der Herr un« als Weihnachtsgabe dm Frieden schenken, welchen wir so sehnsüchtig erhoffen."
„Dazu sage ich Amen aus ganzem Herzen," fügte die Frau Amtmann bei. „Wie traurig verbringen wir in diesem Jahre das heilige Fest! Der Joseph steht noch immer im Felde, und die gräfliche Familie weilt in der Feme bei dem zu Tod verwundeten jungen Herm."
Es ist dies gewiß recht traurig, liebe Frau," entgegnete der Amtmann, „doch wir wollen dm Muth nicht sinken laflm und unsere Sorgen Dem anheimgeben, der heute in seiner Menschwerdung unser Vermittler und Versöhner geworden ist. Auf bauerbeit Frieben ist allerbings noch wenig Hoffnung, obgleich bie fortgesetzten glänzenden Siege der Unserigen auf dem Hunsrücken einen Waffenstillstand herbeigeführt haben. E« ist sehr
Frieden anbahnen, möchte «ch « dm romanischen Ländern, welche heute bie Kirche bedrängen und in Fesseln zu schlagen fnchm, namentlich in Frankreich und Italien, in nicht zu ferner Zukunft wieder die Eckenntniß sich Bahn brechen, baß außerhalb der Kirche kein Heil ist, und daß der Staat, welcher da« Papstthnm befehdet, sich selbst ben Boden unter den Füßm roeggräbt.
Andererseits fehlt e» nicht an Besorgnissen, welche unsere Osterfestfreude beeinträchtigen. Die soziale Reform warf in ben letzten Wochen ihren unheimlichen blutigen Schein über Belgien und Italien, in dem letzteren unglücklichen Lande zeigt sich wieder da« grauenvolle Gespenst der Cholera, um vielleicht im nächsten Sommer einen mmschm- morbenben Gang durch die Nachbarländer anzutreten, in der spanischm Hauptstadt erhob ein abtrünniger Priester die Mörderhand gegen seinen eigenen Bischof, in der südöstlichen orientalischen Ecke Europa'« ist bie Kriegsfackel zwar vorläufig erloschen, jedoch ist noch Zündstoff genug übrig geblieben, der jeden Augenblick wieder in Flammen aufgehen kann, und allmthalben, wohin man blickt, gährt die Unzufriedenheit der niederen arbeitenden Klassen, nur nothdürftig verschleiert durch die Zwangsmaßregeln der Regierungen. Aber gottlob zeigt sich auch ein Heller, lichter Hoffnungsstrahl am fernen Horizont: Der Einfluß der Kirche auf die Geister der Menschen beginnt allmählig auch von denen erkannt und gewürdigt zu werden, bie bisher zu ihren Feinden zählten ober gleichgütig bei Seite standen. Gott weiß auch da« Unbewußte und Widerstrebende in seinem Weltenplan zu ver- werthen, und so darf man hoffen, daß auch die neuerdings eingetretene Papstfreundschaft des mächtigen deutschen Kanzlers in ihren Konsequenzen zur Stärkung der großen kirchlichen Ideen und somit zur Wiederaufrichtung der schwer kranken sozialen Gesellschaftsordnung, zur Auferstehung der Menschheit beitragen werde. In dieser Hoffnung fingen wir mit der Kirche freudigeren Sinnes: Sille» lujab, der Herr ist erstanden.
deutsches Reich.
Berlin, 23. April.
* Da auch für dieses Jahr die Gefahr der Cholera-Einschleppung in Deutschland nicht ausgeschlossen ist, so sind bereit« regierungsseitig die 1883 zur Abwendung der Choleragefahr ge»
zu beklagen, daß Clairsapt sich just in dem Moment mit einem Waffenstillstand begnügt hat, al« das ganze linke Rheinufer wieder in seine Gewalt gegeben schien. Ich kann es den Freiwilligen nicht verdenken, wenn sie bei dieser Art von Kriegsführung sich endlich mißmuthig zurückziehen, da sie trotz aller persönlichen Tapferkeit, trotz allen Kämpfens feinen Erfolg erzielen."
„So dringe doch energisch daraus, daß Joseph seiner rnllitärischen Laufbahn entsage," sagte seine Gemahlin, den Augenblick de« Mißvergnügen« zu einer Bitte benützend.
„Du hast Recht; es ist ein unnütze» Blutvergießen," nickte der Amtmann. „Ich werde meinen ganzen Einfluß aufbieten, um Joseph zurück« zurufen. E» wird mir jetzt leichter gelingen, da unser junger Herr Graf fich nicht mehr an ben Kämpfen beteiligt, sondern hoffnungslos darnieder liegt." Er seufzte. „Ich kann e» nicht fassen, daß der Allgütige dieses jugendfrische Menschenleben sollte elend zu Grunde gehen lassen. Doch, seine Rathschlüsse find unersorschlich, und er ordnet Alles zu unserem Besten."
„Dort geht der Amtmann, da könnt Ihr Euem Auftrag sogleich bestellen," vemahm man in diesem Augenblick eine Stimme. Der Ebengenannte