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zu Domaine Neuenberg, Kreises Fulda, das Allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen geruht. — Gleichzeitig finden wir daselbst die amtliche Mit­theilung verzeichnet, daß der etatsmäßige Gerichts- schreibergchülfe, Assistent Rössing in Fulda, zum Gerichtsschreiber in Biedenkopf ernannt ist.

♦ Das städtische Mädchenschulgebäude am But- termarkt dahier ist von Herrn Fabrikant Jos. Hohmann hier gekauft worden, welcher dasielbe als Geschäftshaus verwenden will.

* In der gegenwärtigen kühlen Jahreszeit bringt das Sitzen auf steinernen Bänken, Schwellen, Treppenstufen und bergt, große Gefahren für Gesundheit und Leben bei Kindern und Erwachsenen mit sich. Darm- und Magenkatarrh, Brechruhr, UnterlnbSentzündung, rheumatisches Fieber, und wie die unheimlichen Feinde der Menschheit sonst «och heißen, können durch kurzes Verweilen auf einem solchen Steinsitz hervorgerusen werden. Schon das längere Niedersitzen auf hölzernen Bänken kann in kühler Jahreszeit unangenehme Erkäl­tungen zur Folge haben; allein die steinernen Bänke sind wahre Todesfeinde für jugendliche Menschenleben. Ein Kind darf auf solchem Stein­sitz nur 10 bis 15 Minuten sitzen, und es kann sich eine Krankheit zuziehen, die den Tod zur un­mittelbaren Folge hat.

* Die Frage: „Sind die im Handwerk und Gewerbebetrieb ihres Vaters thätigen Söhne ohne Weiteres verpflichtet, den Ortskrankenkassen als Mitglieder beizutreten", wurde vom König!. Amtsgericht Ahrweiler in einem am 3. ds. ver­handelten Fall dahin entschieden, daß es unbedenk­lich zuzugeben sei, daß auch die Söhne der Ge­werbetreibenden der Versicherungspflicht unterliegen, wenn und sobald ihre Beschäftigung im Gewerbe­betrieb auf einem mit dem gewerbetreibenden Vater abgeschlossenen Arbeitsvertrag sich gründe. Die verklagte Ortskrankenkasse in Ahrweiler wurde, da ein solcher nicht bestand, zur Zurückzahlung der von dem Kläger beigetriebenen Krankenkassen-Bei- träge nebst Zinsen, sowie zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurtheilt.

— ^Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armee-Korps.] Altena (Westfalen), Landrathsamt, Gehalt steigt bis 1168 M. jährlich. Apolda, Postamt, Briefträger, 800 M. Gehalt und 108 M. Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Arnsberg, Oder-Postdirektion, Postschaffner, 960 M. Gehalt und 144 M. Wohnungsgeldzuschuß. Blankenhain, Großherzoglich sächsiches Direktorium des Karl-Friedrich-Hospitals, Hilfs­wärter, 18,50 M. bis 25 M. monatlich bei vollkommen freiher Station. Coburg, Postamt, Briefträger, 800 M. Gehalt und 144 M. Wohnungsgeldzuschuß. Eisenach, Postamt, Postschaffner, 800 M. und 144 M. Wohnungs­geldzuschuß. Grünberg (Hessen), Postamt, Landbriefträger, 450 M. Gehalt und 72 M. Wohnungsgeldzuschuß. Neu­stadt (Orla). Amtsgericht, Diener, 800 M. jährlich. Probst­zella, Postamt, Landbriefträger, 450 M. Gehalt und 60 M. Wohnungsgeldzuschuh. Saalfeld (Saale), Postamt, Briefträger, 800 M. Gehalt und 108 M. Wohnungsgeld­zuschuß. Siegen, Postamt, Packetträger 750 M. Gehalt und 108 M. Wohnungsgeldzuschuß. Weimar, Postamt,

Briefträger 800 M. Gehalt und 144 M. Wohnungsgeld- zuschuß.

• Hersfeld, 21. April. Se. Exzellenz Herr Staatssekretär «.Stephan, welcher zur Auerhahn- Jagd in hiesiger Gegend weilte, schoß gestern Morgen im Meckbacher Forst einen prächtigen Hahn. — Herr Lieutenant v. Enkevorth hier hatte heute Morgen ebenfalls das Glück, in demselben Forst einen Auerhahn zu erlegen. (H. Ztg.)

* Hanau, 20. April. Die Dislocirung des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 von Metz mit dem Regimentsstabe und zwei Bataillonen nach Braunschweig, mit dem dritten Bataillon nach Blankenburg ist für den 31. März 1887 angeordnet worden. Das bisher in diesen Städten garnisonirende 4. Magdeburgische In­fanterie-Regiment Nr. 67 wird zu diesem Zeit­punkt aller Wahrscheinlichkeit nach die Garnisonen Göttingen, Northeim, Einbeck erhalten, das dort seit dem Feldzuge garnisonirende 2. Hesiische In­fanterie-Regiment Nr. 82, bisher zum X. Armee­korps kommandirt, in den Verband des XI. Armee­korps zurückt r>eten und die Garnisonen Cassel und Hanau erhalten.

* Gießen, 20. April. Hierselbst ist gestern Rechtsanwalt Justizrath Dr. Karl Dornseiff, Mit­glied der ersten hessischen Kammer, im 75. Lebens­jahre in Folge von Herzlähmung gestorben.

* Vom Knüll, 19.April. Nachdem es meh­rere Tage lang bei Nordwind recht empfindlich kalt gewesen, trat gestern plötzlich, nachdem der Wind nach Westen umgesprungen war, Schwüle ein. In Folge dessen entwickelten sich in unseren Bergen mehrere Gewitter mit warmem erquicken­dem Regen — die ersten in diesem Jahre. Ge­witter im April sollen bekanntlich eine gute Vor­bedeutung für ein fruchtbares Jahr abgeben. Der sehr gute Stand der Wintersaaten läßt dies auch erhoffen.

* Kassel, 19. April. Die sonntäglichen „Früh- schoppen-Concerte", welche seit Jahren, polizeilich unbeanstandet, von der Kapelle des hier garnisoniren- 83. Infanterie-Regiments im Winter im Saale des Stadtparks und während der Sommermonate in letzterem selbst abgehalten wurden, mußten als­bald nach dem Amtsantritt des neuen Polizei- Direktors von Kassel, Herrn Keßler, mit Rücksicht auf die Sonntagsheiligung eingestellt werden. Auch die königliche Regierung, an welche sich das durch dies Verbot geschädigte Musikkorps beschwerde­führend gewandt hatte, soll dem Vernehmen nach jetzt im Sinne der Verfügung des Polizeidirektors entschieden und dieselbe auf Grund der kurheffischen Sabbath-Ordnung vom Jahre 1801 gutgeheißen haben. Die qu. Concerte fanden jedesmal erst eine Stunde nach dem Vormittagsgottesdienste — von 12 bis 1 Uhr statt — und dienten Einheimischen und Fremden als „Stelldichein", wo man gemein­same Ausflüge für den Nachmittag rc. zu verab-

zusammengebissenen Zähnen. „Weib, willst Du mich rasend machen? laß ab, sag' ich!"

Aber sie sieht nichts als den Dämon, den un­sichtbaren Feind, mit dem sie ringen will um die Seele des Geliebten — hört nichts als das wilde Pochen ihres eig’nen Herzens. —

„Laß ab!" wiederholt er dumpf; es klingt wie das Grollen fernen Donners.

„Erst das Versprechen!"

„Laß ab!"

„Nein!"

„Nun denn bei allen......." Ein Stoß —

ein Schrei — sie taumelt, wankt —

Hat er wirklich die eiserne Faust erhoben wider das zarte Weib — sein Weib, das gerade jetzt so sehr der Schonung bedurfte?

Er weiß es fficht; wie blutiger Nebel schimmert es vor seinen Augen; ihm ist, als hätte er sie finken sehen, aber er blickt nicht zurück, wie von Furien gejagt, stürmt er hinaus aus dem Hause in's Freie.

• * * ♦

Durch die weiche Frühlingsluft klingt friedliches Abendgeläute. Singend kehren die Arbeiter heim von dem Hüttenwerk, den Wochenlohn in blanken Geldstücken in der Tasche. Ulrich Hartmuth ist unter ihnen, aber er stimmt nicht ein in den fröh­lichen Gesang: ihm ist's beklommen zu Muth wie noch nie. Immerfort während des Tages hat ihm bei der Arbeit der letzte wehe Jammerlaut seines mißhandelten Weibes in den Ohren geklungen, hat er den schmerzlich anklagenden Blick vor sich

gesehen, der ihn getroffen, ehe sie taumelnd zu Boden sank, und wie laut er auch den Hammer schwang, wie er die Augen schloß er konnte Ton und Blick nicht bannen, sie begleiteten ihn und ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Wie war es nur möglich, daß ihre sanften Worte ihn so hatten zu reizen vermocht? Das Zukunftsbild, das sie ihm vorgemalt, war ja fo friedlich und so traut gewesen, und so lieblich hatte sie dabei ausgeschaut, seine arme, blaffe Rose! — ihm wurde ganz warm um's Herz, wie er es dachte. — Aber rote wird er sie roiederfinden? Und wird sie ihm vergeben können, wenn er ihr nun sagt — ja was denn? Daß er Unrecht gehabt und sich belfern will? nein! der Stolz ist doch noch mächtig in ihm.

Ein neckender Schlag auf die Schulter weckte ihn aus feiner Versunkenheit. Sie waren, ohne daß er es gerne»kt, vor der Schenke angelangt, in der er nur allzu oft die Abende beim Würfel­becher mit einigen liderlichen Kameraden zuzu­bringen pflegte.

Einer derselben, ein wüster Geselle mit tückisch lauerndem Blick hatte sich an ihn gedrängt, und rief mit grinsendem Spott:

„He, Ulrich! Du träumst wohl mit offenen Augen? Läßt ja plötzlich den Kopf hängen wie ein Duckmäuser! Wie steht's? kommst' nicht hinein mit uns zu würfeln? he?"

„Ich? nein — dar heißt — heute nicht . . ." wollte Ulrich erwidern, im Andenken an Roses flehende Bitte, ober die Worte waren noch nicht über seine Lippen gegangen, als ihm schon der

reden pflegte. Wie man hört, wollen sich die Musiker bei dem Regierungsbescheide nicht beruhigen, sondern höhere Entscheidungen herbeiführen.

Vermischtes.

* In Berlin ist ein originelles Restaurant eröffnet worden, welches sich „C. Schülers Faktorei" nennt und in einer der verkehrsreichsten Straßen der Stadt liegt. Die originelle Kneipe stellt im Innern eine deutsche Faktorei in Kamerun dar und dementsprechend sind die Einrichtungen ziemlich primitiv.

* Mainz, 19. April. Verhaftet wurde am Samstag der Hausbursche einer Druckerei, welcher den Kaffeschrank seines Prinzipals mit einem nachgemachten Schlüffe! öffnete und daraus über 4000 Mark entwendete, die er sammt Schlüssel im Keller seines Hauses vergrub. Der Verdacht lenkte sich sofort auf ihn und nach einigem Zögern gestand er die That und bezeichnete den Ort, wo er die Sachen ver­borgen hatte. Nachdem sie daselbst gefunden waren, kam der Dieb (der noch jung, aber schon verheirathet ist) in Haft.

§ (Eine hübsche Scheffel-Anekdotes ist in der .Züricher Ztg/ enthalten: Scheffel erzählte einst bei einem Besuche dem Verfasser: „Ich spazierte einst mit meinem Sohne auf den Hohentwiel. Am Grenzpfahl unterhalb des Berges stand eine Bude mit Photographien und die Verkäuferin streckte mir ganz harmlos mein eigenes Bild hin und forderte mich auf, es zu kaufen.— „Was ist denn das für ein Kerl?" fragte ich. — „O bitte," versetzte sie eifrig, „das ist kein Kerl! Das ist ja der Herr Dr. von Scheffel, der uns das Buch über den Hohentwiel geschrieben hat." — „So," sagte ich, „was ist denn aus dem geworden?" — „Ach", sagte sie, „der ist schon lange tobt, aber es war ein sehr guter Herr!"

§ [Up Satin.] Zu einem Pfarrer kam ein Land­mädchen, um sich behufs ihrer Verheirathung einen Tauf­schein zn holen. Pfarrer: „Von welchem Jahrgang?" Mädchen: „So ungefähr anfangs der Dreißiger bin ich." Der Pfarrer sucht und findet endlich, daß das Mädchen bereits 48 Jahre zählt. Als er ihr dieses mittheilt, erwiderte sie ganz bestürzt: „O, Herr Pastor, wat iS de Tid so rasch vorbigangen, dann sin Se so gut und schriewet bat Oller up Latin."

* Ein treffendes Epigramm finden wir in einer ameri­kanischen Zeitung:

Die Kosten hoch — Proz sie kann

Nur führen noch ein reicher Mann.

Mann kann mit vollem Rechte sagen:

„Wie es mir geht? — Ich kann nicht klagen!"

Gottesdienst-Ordnung in Fulda.

Charfreitag.

Dom: Um 6 Uhr Aussetzung des Allerheiligst-» zur Anbetung in der Grabvorstellung; um 8 Uhr die kirchlich vorgeschriebene Andacht zum leidenden Heilande (Prozession); um 4 Uhr wie gestern. — Stadtpfarrkirche: Der Gottesdienst beginnt um 8 Uhr. — Michaelsberg: Nachmittags 5ViUhr Andacht. — Severikirche: 8 Uhr Gottesdienst, 5i/3 U. Abendandacht. — Hospitalkirche: 6 Uhr Aussetzung des Hochwürdigsten Gutes, 5i/e Uhr Abendandacht. — Frauenberg: 7 U. Stationen-Andacht mit Predigt, Abends 6i/$ U. Betstunde.

Charsamstag.

Dom: Um 6 Uhr Aussetzung des Hochwürdigsten Gutes zur Anbetung in der Grabvorstellung; um 8 Uhr Feier der Ostervigil und Vorfeier der Auferstehung; um 4 Uhr Weihe des Taufwassers. - Stadtpfarrkirche: Der Gottesdienst beginnt um 7 Uhr. — Michaelsberg: Anfang 5i/s Uhr, Hochamt gegen 7 Uhr. — Severi­kirche: um 6 Uhr Anfang, um 7 Uhr Hochamt. — Hospitalkirche: 5 Uhr Beginn der Benediktionen, Vs7 Uhr Hochamt.

Versucher einen andern lockenden Gedanken eingab. — Wie, wenn er nur auf einen Augenblick ein­träte — nur um zu versuchen, ob ihm das Glück heute nicht vielleicht einmal hold gesinnt sei? Wenn er gewann, konnte er vielleicht seinen Verdienst verdoppeln, und dann wüßte er schon, was er thäte: Vom Fleck ging er zu dem Trövler, der Ro es Brauttruhe erstanden, um die sie so bittere Thcänen gemeint, die könnte er dann zurückerwer­ben und damit zu ihr eilen, und dann würde sie auch nicht mehr zürnen, und sie würden ein fröh­liches Osterfest feiern.

Sobald er das erste Mal Unglück hätte, würde er sofort aufhören, das wußte er ganz gewiß. Dieses Mal würde er fest bleiben.

Ulrich, Ulrich, den Gedanken gab dir nicht dein guter Engel ein! Geh vorüber, geh, fliehe die Versuchung, sie ist stärker als dein Wille, geh!

Aber er hörte nicht auf die mahnende Stimme in feinem Innern, er würde schon rechtzeitig auf­hören. Man dürfte doch dem Glücke die Thüre nicht verschließen und wie um sich selber die Mög­lichkeit weiteren Ueberlegens abzuschneiden, trat er hastig über die Schwelle, mit ihm unter lärmendem Beifall die gewöhnlichen Spielgenaffen.

Der Dämon hat abermals gesiegt. Wo bleibt dein Engel, arme Rose? Hast du ihn umsonst gerufen? Nein, er kommt, er rauscht heran mit dunklem, mächtigem Schwingenpaar, schon ist er nah, ganz nah, arme Rose.

(Schluß folgt)