welcher monatlich mindestens ein Mal eine Unter'
Deutsches Reich.
Berlin, 21. April.
* Der Kaiser ertheilte heute dem Gesandten beim Vatikan, v. Schlözer, Audienz. — Der Kronprinz ist soweit wiederhergestellt, daß Bulletins über sein Befinden nicht mehr ausgegeben werden. — Das Befinden des Erbgroßherzogs von Baden hat sich in den letzten Tagen recht befriedigend gestaltet.
* Der deutsche Gesandte v. Schlözer hat heute Abend die Rückreise nach Nom angetreten.
* Wie die ,Vofs. Ztg.' meint, ist es nicht als ausgeschlosien zu betrachten, daß auch der Reichstag in seiner Nachsesiion sich noch mit einer kirchenpolitischen Vorlage zu befasien haben wird. Diese Vorlage würde die Aufhebung des „Expatri- irungsgesetzes bezwecken, die vom Neichstag bereits zu wiederholten Malen mit großer Mehrheit beschlossen, vom Bundesrath aber bisher regelmäßig abgelehnt worden ist. Abwarten!
* Der Bundesrath hat heute beschloffen, die Verlängerung der Frist für die Entrichtung kre- ditirter, im laufenden Monat fälliger Rüben- zuckerst euer um 3 Monate zu gestatten. — Dem Bundesrath ist eine Vorlage, betreffend den Abschluß einer Uebereinkunft mit Großbritannien zum gegenseitigen Schutz der Rechte an Literatur und Kunstwerken, zugegangen.
* Der Reichskanzler veröffentlicht die vom Bundesrathe beschlossenen Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb der Bleifarbe n- und Bleizuckerfabriken. Danach darf unter Anderem jugendlichen Arbeitern die Beschäftigung und der Aufenthalt in Anlagen, welche zur Herstellung von Bleifarben und Bleizucker dienen, nicht gestattet werden. Arbeiterinnen dürfen innerhalb derartiger Anlagen nur in solchen Räumen und nur zu solchen Vorrichtungen zugelaffen werden, welche sie mit bleiischen Produkten nicht in Berührung bringen. Zur Beschäftigung in Räumen, in welchen Bleifarben oder Bleizucker hergestellt oder verpackt werden, dürfen nur solche Personen zugelaffen werden, welche eine Bescheinigung eines approbirten Arztes darüber Beibringen, daß sie weder schwächlich, noch mit Lungen-, Nieren- oder Magenleiden oder mit Alkoholismus behaftet sind. Der Arbeitgeber hat die Überwachung des Gesundheitszustandes der von ihm beschäftigten Ar-
suchung der Arbeiter vorzunehmen hat.
* Die Eisenbahntarif-Kommission und der Ausschuß der Verkehrsintereffenten tritt am 6. k. M. in Berlin zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um eine Vorlage des preußischen Eisenbahnministeriums, betreffend Einführung einer ermäßigten Stückgutklasse, für eine Anzahl landwirthschaftlicher Produkte und für Artikel der Eisenindustrie zu berathen.
* München, 21. April. Wegen Regelung der Verhältniffe der bayerischen Kabinets- Kasse wird unter Zustimmung der Agnaten mit einem bekannten Finanzmann in einem Kleinstaat verhandelt. Die Verhandlungen versprechen ein gedeihliches Resultat.
— Die von der Fürstin Sophie zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg in Kleinheubach mit einem Kapitale von 10,000 Mk. zur Gründung einer Kranken- und Kinderbewahranstalt in der Gemeinde Großheubach errichtete Stiftung wurde landesherrlich bestätigt.
Ausland.
♦ Brüssel, 21. April. Die Frau des Depu- tirten van der Smissen ist den ihr durch ihren Gatten beigebrachten Verwundungen erlegen.
* Die französische Deputirtenkammer hat mit 331 gegen 214 Stimmen beschlossen, in die Einzelberathung der Vorlage über die i. I. 1889 in Paris abzuhaltende Weltausstellung einzugehen. Damit gilt die Annahme der Vorlage sowie die Ausstellung selbst für gesichert.
* Die italienische Deputirtenkammer wird nun doch aufgelöst. Die Neuwahlen sollen am 23. Mai stattfinden, da die Regierung den Umfang des Auftretens der Cholera für einen beunruhigenden nicht hält. — Die Cholera macht jedoch in Italien weitere Fortschritte. Sie greift sowohl im Süden, wo sie in Brindisi, wie im Norden, wo sie in Venedig zuerst austrat, immer mehr um sich. Die Zahl der amtlich gemeldeten Cholerafälle ist gering; bei dem bisher geübten Vertuschungssystem dürfte sie sich aber tn Wirklichkeit größer stellen als sie angegeben wird.
* Der Belgrader Korrespondent der .Norddeutschen Allgemeinen Zeitung', welcher am 13. d. M. von der serbischen Regierung aus dem Lande verwiesen worden, gibt jetzt in der ,N. A. Z.' eine eingehende Darstellung des Vorgehens gegen seine Person. Es geht daraus hervor, daß die Ausweisung erfolgte, weil man ihn für den Urheber der „feindseligen Stimmung der deutschen Preffe gegenüber der serbischen Finanzlage" betrachtet, und weil er durch Berichre und Notizen an die ,N. A. Z.' eine Serbien nachtheilige Meinung bezeugt haben soll.
begrüßt. Eine Irländerin bahnte sich den Weg . beiter einem approbirten Arzte zu übertragen, zu dem Koupee des Premierministers und tief: nrnnnHiA mindestens ein Mal eine Unter«
„Vergessen Sie nicht das theure alte Irland, Herr Gladstone!" „Nein", erwiderte er lächelnd, „ich werde Irland nicht vergeffen." Die Frau fügte hinzu: „Gott segne Sie für das, was Sie für Irland thun." Am 3. Mai kehrt Gladstone wieder nach London zurück.
sende, zum Beistand im Kampfe gegen ihn. Aber . Du mußt auch kämpfen wollen, Ulrich; nur ! wenn Du redlich das Deine thust, wird Gottes Engel im Kampfe mit Dir fein!" — — —
Ihr Auge leuchtete von Liebe und Zuversicht, ; indem sie also sprach. — Arme Rose! Das muß ! gar ein starker, mächtiger Engel sein, der einen i Spieler von dem Dämon seiner Leidenschaft befreit! — Weißt Du nicht, daß es nur einen gibt, der das vermöchte? und dieser eine ist gar ernst und > schaurig anzusehen; ruft ihn nicht herbei, fein i Odem ist eisig kalt, und die Blüthen, die er an- : haucht welken dahin! — —
Der Mann an ihrer Seite lachte hart und bitter auf. ;
„Spar Dir die schönen Worte", höhnte er, • „mich bekehrst Du nicht damit! Wer einmal vom Teufel befeffen ist, den läßt er nicht wieder los. Warum hast Du auch den wilden Ulrich geheirathet? Bist ja genug gewarnt worden damals vor dem schlimmen Gesellen." s
„Weil ich Dich liebte, Ulrich," entgegnete sie ; mit fünftem Vorwurf, „und so lieb’ ich Dich noch, und es kann auch noch Alles wieder gut werden mit uns. Heute Nachmittag bekommst Du ja Deinen Wochenlohn. Versprich mir um der beglückenden Hoffnung willen, die Gott uns hat aufgehen laffen in dem lheuern Pfand unserer Liebe, das ich unter dem Herzen trage, daß Du ihn nicht wieder verspielen willst. Dar Geld schützt uns vorläufig vor Entbehrung, und einmal befreit von dem Dämon des Spiels, wirst Du bald die alte, rüstige Kraft und mit ihr auch die alte Freudigkeit zur Arbeit
wiederfinden; denke nur, wie sie Dir von der Hand gehen wird, wenn Du erst für zwei geliebte Wesen zu sorgen hast! Dann wirst Du den Hammer wieder so fröhlich schwingen, wie einst in der schönen Zeit unserer Liebe, wo keiner der Burschen es Dir gleich that und alle Mädchen mich beneideten um meinen fröhlichen eisenstarken Schatz. Nicht wahr, mein Ulrich, so soll es sein? Das Auferstehungsfest unseres Heilandes soll auch für uns ein Auferstehungsfest werden: Du versprichst mir's, gelt?"
Sie hatte immer beweglicher, immer eifriger gesprochen; hochathmend kniete sie neben ihm und blickte unter Thränen lächelnd zu ihm auf. Die Erregung des Augenblicks hatte auf ihre blaffen Wangen die Rosen zurückgezaubert, die sie damals geschmückt, als der junge Hammerschmied das blonde Gärtnerkind hinweggeholt aus dem Blumengarten ihres 'Valers, in dem sie selber die schönste Rose gewesen. —
De» Mannes finsteres Antlitz hatte stch aufgehellt bei den sanften, ermuthigenden Worten. Es schien fast, als wolle er sich den dadurch geweckten weichern Regungen überlassen, aber da bäumte er sich wieder auf in seiner leidenschaftlichen Seele, der alte, unbändige Trotz, der schon früher des Knaben schlimmster Feind gewesen, und der es nimmer litt, daß der Mann sich demüthige vor ftinem Weibe. Was? er, der Ulrich Hartmuth sollte dastehen wie ein reuevoller Verbrecher und zerknirscht Besserung geloben? — Nimmermehr! Die Röthe falscher Scham stieg ihm siedend in’s Antlitz, und mit der geballten Hand auf den Tisch
* Madrid, 20. April, lieber den Gesundheitszustand der Königin-Regentin sind in der letzten Zeit beunruhigende Gerüchte verbreitet worden. Es wird u. A. behauptet, es hätten sich bei ihr die ersten Ansätze der Krankheit gezeigt, die ihren Gatten dahingerafft hat. Ihr Leibarzt Dr. Riedel, den sie aus Wien mitgebradjt hat, behauptet indeß bestimmt, daß sie vollkommen gesund sei. Ihre Entbindung wird für den Anfang Mai erwartet.
* Der Meinungsaustausch zwischen den Mächten über die Maßnahmen, welche zur Vermeidung des Ausbruchs eines griechisch-türkischen Krieges ergriffen werden sollen, haben noch immer zu keinem Ergebniß geführt. Einig ist man darüber, daß es zum Kriege nicht kommen soll; aber weiter ist das Einverständniß offenbar noch nicht gediehen. Berichten aus Canea zufolge sind gegenwärtig in der Sudabucht 62 Kriegsschiffe und 25 Torpedoboote zur eventuellen Aktion gegen Griechenland vereinigt.
Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 22. April.
* Die hl. Charwoche, in der wir uns z. Z. befinden, ist die bedeutungsvollste Woche der ganzen hl. Zeit. Das Gepräge der Feier dieser Woche war von jeher im Aufblick zu dem hocherhabenen Schmerzens-Mysterium des bitteren Leidens und Sterbens unseres Heilandes ein gegen die sonstige Zeit hervortretender größerer Ernst und eine tiefere Stille. Der katholische Christ feiert demgemäß auch die letzte Woche im hl. Geiste der Kirche mit Andacht und Stille, ist sie doch zugleich die ernste Mahnung, daß es auch für uns die letzte Charwochenfeier fein kann. Benutzen wir darum die hl. Charwoche als die Zeit geistlicher Hebungen und als Vorbereitung zu der darauf im Lichte der himmlischen Ostersonne anbrechenden Triumphwoche.
* Den jüngst auf dem Michaelsberg verübten schändlichen Kirchenraub betreffend enthält der Jnseratentheil gegenwärtigen Blattes eine Bekanntmachung, welche wir der allgemeinen Beachtung angelegentlich empfehlen, damit die Thä« ter der verdienten Strafe nicht entgehen. Soviel wir noch in Erfahrung brachten, find die beiden in der Bekanntmachung näher beschriebenen Jndi- viduen identisch mit zwei Herren, welche sich als Alterthumsforscher ausgaben und sich Tags zuvor das Innere der Michaelsberger Kirche hatten zeigen lassen.
♦ Laut Amtsblatt der Königl. Regierung zu Cassel vom 21. ds. habe» Se. Maj. der Kaiser und König dem Schäfer Peter Hilarius Schmitt schlagend, daß das morsche Holz in allen Fugen krachte rief er zornig aus:
„Jetzt ist's genug! Meinst Du, Du könntest mir Moral predigen wie einem Schulbuben? Ich hab nichts Anderes gUhau, als was Taufende thun, nur mit weniger Glück — das ist Alles; als ich zuerst die Würfel angerührt, geschaht in guter Absicht, um unfern Wohlstand zu mehren, kann ich dafür, daß das Glück sich von mir ge» wandt? Das Glück klage an, nicht mich! es ist eine treulose Dirne, aber" — er knirschte mit den Zähnen — „ich zwing es doch zu mir zurück, oder ich will nicht der Wilde Ulrich heißen, das schwör' ich bei —"
Halt' ein, Ulrich, schwör’ nicht," fiel die thränen- erstickte Stimme des jungen Weibes dem Aufgeregten ins Wort; „ersticke nicht mit gottlosen Reden die mahnende Stimme deines Innern. Ich lasse Dich nicht, bis Du mir versprichst, heute nicht zu spielen — nur heute nicht, hörst Du?"
Sie wollte sich an ihn Kammern, aber er drängte sie unsanft weg. „Hör' auf mit dem Gewäsch," rief er mit dem Fuße stampfend. „Es ist Zeit jetzt, ich muß zur Fabrik."
Er riß die Mütze von der Wand, und wollte hastig fortstürmen, aber Rosa warf sich ihm in den Weg. Mit der Kraft der Verzweiflung um- klammerte sie seinen Arm und stammelte in abgebrochenen, angstgepreßten Lauten: „Du darfst nicht gehen, Ulrich, Du darfst nicht, bis Du mir versprochen, nicht zu spielen; hab' Erbarmen mit meinem Schmerz!"
„Gewalt?" tont es zischend hervor aus Ulrich’«