Einzelbild herunterladen
 

gekommen sei, alle Bemühungen, ein dauerndes gutes Verhältniß mit Frankreich herzustellen, seien vergeblich, Frankreich wolle den dauernden Frieden nur um einen Preis, den Deutschland nicht zahlen kann und nicht zahlen will, um den Preis von Elsaß-Lothringen, und Deutschland müsse deshalb eines Angriffes von Frankreich gewärtig sein, sobald die Lage sich so gestaltet habe, daß die Franzosen hoffen könnten, aus einem Kampfe mit Deutschland als Sieger hervorzugehen. Als Momente, welche zu dieser Ansicht geführt haben, werden bezeichnet: das vor Kurzem in Paris erschienene Buch „Avant la Bataille“, das auf Grund offi­zieller Mittheilungen veröffentlicht worden sein soll; die Thatsache, daß die Regierung gewiffer- maßen eine Prämie auf den Chauvinismus gesetzt hat, indem sie hervorragende Mitglieder der Pa­triotenliga, Männer wie Paul Bert und den Ab­geordneten Thiessen, mit guten Stellungen bedacht hat; gewisse Aeußerungen des Kriegsministers General Boulanger und anderer hoher Offiziere, welche die Runde durch die französische und durch die ausländische Preffe gemacht haben; zahlreiche Anzeichen endlich dafür, daß alle Parteien in Frankreich, von der äußersten konservativen jbis zur extrem radikalen, in einem G-fühle, dem des Haffes gegen Deutschland, innig verbunden sind. Der Bericht schließt: „Als Besorgniß erregend" ist indeß diese Stimmung, insofern Deutschland in Betracht kommt, nicht zu bezeichnen. „Besorgniß erregend" dürfte nur sein, daß diejenigen, die derselben fortwährend neue Nahrung geben, sich schließlich soweit vordrängm könnten, daß auch die offiziellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich darunter zu leiden haben würden."

Besorgnißerregender, schreibt die ,Köln. Vztg.' wiederholt, sind die provisorischen Zustände auf der Balkan-Halbinsel: das die Bulgaren in keiner Weise befriedigende europäische Abkommen, das Mißvergnügen Serbiens, die kriegerische Hal­tung Griechenlands und vor allem Rußlands ver­letzte Empfindlichkeit. Als auf dem Berliner Kongreß der kurz vorher im Abkommen von San Stefano geschaffene bulgarische Staat halbirt wurde, be­trachtete Rußland es als eine ihm gemachte Konzession, daß e« den bulgarischen Thron wenig- stens einem nahen Blutsverwandten des Czar überantworten konnte. Die russische Diplomatie gab sich der sichern Erwartung hin, daß der Prinz von Battenberg ihr die Wege nach Konstantinopel offen halten werde. Bekanntlich hat der Bulgarenfürst diese Erwartung vollständig getäuscht. Indem er statt einer russischen Politik eine nationale inaugurirte, sich mit der Pforte verband und seine Anlehnung an Deutschland und Oesterreich suchte, somit den Russen den Weg nach Konstantinopel möglichst versperrte, hat er sich den Haß Alexander's III. und der ganzen panslavistischen Partei in einem Grade zugezogen, daß von St. Petersburg alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, ihn zu stürzen. Der russffche Kaiser

und sein Minister rechneten dabei ganz besonders auf den Beistand des Berliner Kabinets. Dieses hat aber nicht bloß den erhofften Beistand versagt, sondern im Gegentheil den Fürsten von Bulgarien unter seinen Schutz genommen. Eine so leiden­schaftliche Natur, wie es diejenige Alexanders III. ist, kann uns diese Haltung nicht verz-ihen. Damit ist der Schlüssel zu der Lockerung der deutsch­russischen Beziehungen und zu all' den Dingen gegeben, über welche unsere Regierungs- preffe sich neuerdings Rußland gegenüber zu be­klagen hat.

Der ,Pester Lloyd' hatte vor Kurzem die alberne Behauptung in die Welt gesetzt, daß die deutsche Regierung durch ein Angebot eines „ Tri nk- geldes" von 2 Millionen versucht habe, das ser­bische Ministerium zur Bestellung Krupp'scher Geschütz: anstatt französischer zu bewegen. Diese Meldung fand nur Beachtung, weil der .Pester Lloyd' Beziehungen zur ungarischen Regierung hat und weil man in der Schwindelnachricht einen Ver­such, Deutschland zu verhetzen, erblicken mußte. Ais die ,Nordd. Allgem. Ztg.' dem .Pester Lloyd' auf die Finger klopfte, berief sich dieser auf einen Mar­quis de Flors als seinen Gewährsmann. Jetzt widerruft nun das ungarische Blatt seine Tartaren- nachricht in aller Form und erklärt gleichzeitig, mit dem Marquis de Flors jede Verbindung ab­gebrochen zu haben.

Ausland.

* Wien, 18. April. Prinz Alexander von Hessen ist heute zurückzereist, zunächst nach München. (Fr. Z.)

* Paris, 18. April. Zufolge Nachrichten aus Roubaix, Armentieres und Tourcoing ist da­selbst eine sozialistische Bewegung bemerkbar. Die j erforderlichen Maßregeln zur Aufrechterhaltung der ! Ordnung sind ergriffen. Die an der Grenze stehende Gensdarmeriebrigade ist verstärkt, auch i sind aus Lille Truppen dorthin gesandt worden. ■ * Die Redakteure des ,Jntransigeant', Duc

1 Qurcy und Roche, welche zur Einstellung der Ar- ' beit in Decazeville aufgereizt haben, sind zu ! je 15 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Den i sozialistischen Abgeordneten, die dasselbe gethan haben, : kan man leider nichts anhaben. Die Verurthei- . lung der beiden Leute, die allerdings wohlverdient ist, erinnert einigermaßen an das Wort von den kleinen und großen Dieben.

; * Brindisi, 19. April. Vom 18. bis 19.

j Mittags sind drei Cholera-Eckrankungen vorgekom­men. Von den früher Erkrankten sind zwei i gestorben.

■ ♦ Auch in Venedig sind in den letzten Tagen

mehrere Cholerafälle vorgekommen, darunter einige mit tödtlichem Verlauf. Leider scheinen auch die venetianischen Behörden das in Brindisi geübte ! Vertuschungssystem eintreten zu lassen, um den ! gerade jetzt zunehmenden Fremdenbesuch nicht zu : verscheuchen.

„Wir dürfen den Mann hier nicht liegen lassen Sophie, vielleicht ist er noch nicht tobt," sprach sie leise. „Willst Du nicht allein ins Dorf eilen — Dorweiler kann nicht weit mehr sein — und veran­lassen, daß die Leute mit einer Tragbahre, oder, wenn keine vorhanden, etwa mit einer Matratze hierher kommen, um ihn ins Schloß zu trans- portiren. Auch soll jemand schleunigst nach Dom­mershausen zu dem Herrn Pastor und zu Meister Pies laufen; wenn letzterer ihn nicht zum Leben erwecken kann, so wird kein Mensch auf dieser Welt ihm mehr helfen." Der Ebengenannte war ein sehr geschickte Wundarzt, dessen Name lweit und breit an der Mosel und am Rheine in hohem Ansehen stand.

Nachdem Sophie von dannen geeilt war, kniete die Komtesse bei Martell nieder. Das Blut floß, wie sie jetzt bemerkte, unaufhaltsam aus einer Wunde im Rücken, welche offenbar mit einem scharfen Instrumente beigebracht war. Sie legte ihr Tuch darauf und band die Schärpe der Ossi- ziers fest darum. Dann setzte sie sich auf einen umgestürzten Baum und richtete den leblosen Körper etwas in die Höhe, so daß der Kopf Mar- tell'r auf ihren Knieen ruhte. In dieser Situation wollte sie die Ankunft der Männer erwarten. Ein Rauschen in den Zweigen veranlaßte sie, em­porzusehen, ihr Blick fiel auf den Räuberhaupt- mann Schinderhanne«, welcher mit finsterem Aus­druck auf die Gruppe niederschaute.

„Nach diesem Bild zu schließen," sagte er mit eigenthümlicher Betonung, „hätte ich meine Sache nicht gut gemacht."

„Was wollt Ihr damit sagen?" forschte das junge Mädchen.

„Nun, ich glaubte, Euer Gnaden einen Ge- sallen zu erweisen, als ich den Burschen, den Ihr da so zärtlich behandelt, in's Jenseits be­förderte."

„Das thatet Ihr, Mensch, wegen meiner!" rief Erika entsetzt. „Wie konntet Ihr einen Mord auf Euere Seele laden?"

„Einen Mord?" Der Räuberhauptmann lächelte spöttisch.

„Wohlgemerkt, Euer Gnaden: Wenn ich im Kriege meinen Feind niederstoße, so ist dies kein Mord."

„In ehrlichem, offenem Kampfe gewiß nicht," entgegnete die Komtesse ernst. „Ihr aber gabt dem Oberst meuchlings den Todesstoß in den Rücken."

„Das hatte seinen guten Grund: Wenn ich ihm offen gegenübertrat, so konnte ich so gut fallen wie er; und blieb er am Leben, so war er um Euer Gnaden Sicherheit geschehen. Der Bursche hatte Lunte von Eurem Aufenthalt und war im Begriff, Euch einen freundschaftlichen Besuch auf Waldeck abzustatten."

„Gott, wie schrecklich ist das Alles!" stöhnte Erika.

* Der Sultan von Sansibar hat sich mit Portugal wieder versöhnt und die portugiesische Flagge salutiren lassen. Portugal hatte bereits seine Beziehungen zu Sansibar abgebrochen und seine Staatsangehörigen unter deutschen Schutz gestellt.

* Nach Konstantinopler Meldungen herrscht vollständige Uebereinstirnrnung unter den Mächten über die Nothwendigkeit, eine Abrüstung Griechen­lands herbeizuführen. Hoffentlich ist diese lieber« einstimrnung auch über das Wie vorhanden. Vor­läufig denken die Griechen nicht an's Adrüsten, vielmehr verlautet, daß die in Athen garnisoni- renden Truppen nach der Grenze abrücken sollten. Auch sollen griechische Truppen an der türkischen Grenze einen Ort besetzt haben, der auf keiner Karte verzeichnet steht.

* Madrid, 18.April. In der hiesigen Kathe­drale wurden heute auf den Bischof, als er eben die Palmzweige einsegnete, von einem Priester drei Schüsse aus einem Revolver abgefeuert. Der Bi­schof ist nach Empfang der Sterbesakramente an den erhaltenen Verletzungen verschieden. Der Mör- der ist verhaftet. Die Leiche des Bischofs ist in der Sakristei niedergelegt. Die Kathedrale ist ge­schlossen und von Gendarmerie umgeben. Der Mörder des Bischofs heißt Galeotte, war früher Pfarrer in einem Kloster und wurde wegen schlech­ten Verhaltens seines Amtes entsetzt. Verschiedene Anzeichen deuten auf seine Geistesgestörtheit hin.

• Im russischen Gouvernement Smolensk sind am Sonntag mehrere Hundert Häuser den Flammen zum Opfer gefallen, wobei ebenfalls mehrere Menschen umkamen.

* Warschau, 18. April. Mehrere Fabrik- besitzer im Gouvernement Siedlce haben ihren deutschen Arbeitern gekündigt, weil sie Reibungen zwischen einheimischen und den deutschen Arbeitern befürchten. Spekula ioe Arbeitgeber benützen die gegenwärtige Situation, um die Löhne der von ihnen beschäftigten deutschen Arbeiter herabzudrücken. Daß diese Herren aus praktischer Rücksicht immer mehr Nachahmer finden, darf nicht erst hinzugefügt werden.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 20. April.

** Nachdem vor etwa 8 Tagen tue Nachricht aufgetaucht und auch von hiesigen Blättern ver­zeichnet worden war, daß unser hochwürdigster Herr Bischof Erzbischof von Freiburg werden solle, wird jetzt neuerdings von mehreren Seiten gemeldet, der Bischof von Fulda habe die Erzbischofsstelle in Freiburg abgelehnt. Während wir die Mittheilung jener erstgenannten, uns nicht hinlänglich verbürg­ten Nachricht damals nicht für zweckdienlich und über dem offenen, bezw. kaum geschlossenen Grabe des hochwürdigsten Herrn Erzbischofs von Freiburg auch nicht für opportun erachten konnten, so ent-

„Gelt, es war doch nicht so schlimm, daß ich ihm den Garaus gemacht habe? Ich hätte nur gehofft, wärmern Dank dafür zu empfangen. Wenn oer Franzose, wie Ihr zu vermuthen scheint, noch nicht ganz todt ist, so warne ich Euch. Ihr wärmt alsdann, wie man zu sagen pflegt, eine Schlange am Busen. Laßt ihn liegen und be­kümmert Euch nicht um das Weitere." Der Räuber schwenkte grüßend seinen mit R^iherfedern gezierten Hut und verschwand im Nebel.

Der Gedanke, das Martell um ihretwillen ge- tödtet, vielleicht der ewigen Verdarnmniß anheim- gegeben sei, erfüllte Erika mit Verzweiflung. Es war ihr, als müsse sie den Sterbenden wieder zum Leben erwecken. Sanft lehnte sie ihn an den Baum, nahm aus dem mitgebrachten Korbe eine Flasche starken alten Weines, kniete dann wieder vor ihn hin, befeuchtete seine blauen Lippen mit dem edlen Naß und versuchte ihm einige Tropfen davon einzuflößen. Mit einem Male war es ihr, als ob seine Brust leise, ganz leise sich hebe und senke, und nach einigen Minuten — schlug er die Augen auf. Es war ein matter, umflorter Blick welcher allmählich mit dem Ausdruck des höchsten Staunens zu ihr emporsah.

„Sie bei mir, Erika?" flüsterte er kaum ver­ständlich.

Das junge Mädchen sandte einen innigen Dankes - blick gen Himmel. „Gott sei Dank, Sie leben!" rief sie freudig aus. „Hier nehmen Sie, dies wird