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Montag, den 19. April

1886.

Fuldaer

Di» ,Fulda« Bettung1 erscheint tii-lich. Sonn, und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher «bonnemnüspreiS> ohne d^rlohn und »estellgeld: I Mk. 3') Pfg-, mtt ber bÄletrMchen Wochenbeilage .Sterne «n» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 W, auswärts 1 Mk. <t> Pfg.

Inserate: Diee^paMge Beile ob« deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin. 18. April. i

• lieber die Frühjahrsreisen des Kaisers sollen, der .Kreuzztg.' zufolge, noch keine Bestim- ! mungen getroffen und die darüber verbreiteten i Nachrichten falsch sein

• Das Befinden des Kronprinzen ist fort« ; dauernd zufriedenstellend.

* Der deutsche Botschafter von Schweinitz : ist gestern von Petersburg hier eingetroffen [ und hat schon mehrere Konferenzen mit dem Reichs- ; kanzler gehabt.

* Die parlamentarische Session wird nach dem Calcül der Magdeb. Ztg.' erst zu Pfingsten zu Ende gehen. Sie schreibt: Das Abgeordneten­haus hat vor allen Dingen außer dem kirchen- politischen Gesetz, welches wahrscheinlich im Ple­num verhandelt und daher verhältnißmäßig wenigZ.it in Anspruch nehmen wird, in der zweiten Lesung der Kanalvorlage und der westfälischen Kreisord­nung, sowie in dem Lehreranstellungsgesetz wichtige und zeitraubende Aufgaben vor sich. Das letzt­genannte Gesetz bedarf, da es eine Verfassungs­änderung in sich schließt, zweimaliger Abstimmung. Zwischen beiden Abstimmungen müsien 21 Tage liegen. Alsdann erst kann die Vorlage an das Herrenhaus gelangen, woselbst ebenfalls zwei Ab­stimmungen mit einer Zwischenfrist von 21 Tagen nothwendig sind. Aus diesem Grunde.ist der Schluß der Laudtagssesstou vor dem Pfingstseste überhaupt ausgeschloffen. Er kann vielmehr günstigsten Falls erst kurz nach jenem Feste er- folgen. Dazu kommt, daß, wie die Erfahrung lehrt, bei einer so langen Ausdehnung der Session immer noch weitere, wenn auch nicht besonders bedeutsameRegierungsvorlagen zu erscheinen pflegen. Wie sich die Dinge im Reichstage gestalten werden, ist vorläufig noch gar nicht abzusehen; der Reichstag hat mindestens zwei Steuergesetz­entwürfe und das Militärrelictengesetz zu erledigen. Jedenfalls ist auch hier ein Schluß der Session vor dem Pfingstfeste kaum anzunehmen.

* Der Bundesrath wird doch noch vor den Ferien, und zwar nächsten Mittwoch, eine Plenar­sitzung abhalten und sich dann aus kurze Zeit ver­tagen, da die Berathung der Zucker- und Bräunt- roeinfteu.r bald nach Ostern Sitzungen nothwendig macht.

* Minister v. Puttkamer scheint, wie er es auch kürzlich im Reichstage angedeutet hat, den Strikebewegungen seine ganz besondere Auf­merksamkeit zuzuwenden. Offiziös wird darüber geschrieben: Wiederholte Erfahrungen haben dar- gethan, welche bedenkliche Folgen Arbeitsein­stellungen für Staat und Gesellschaft haben können. Denselben vorzubeugen, ist eine Verfügung des Ministers des Innern vom 11. April d. I. bestimmt, welche die Aufmerksamkeit der zustän­digen Behörden auf dieses Gebiet hinlenkt und ihnen bestimmte Handhaben für die Behandlung der ihnen hierbei erwachsenden Aufgaben gibt. Darnach sollen die Polizeibehörden sich zwar der gesetzlich bestehenden Koalitionsfreiheit gegenüber jeder Maßregel sorgfältig enthalten, meld'e als eine Parteinahme für die Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer ober umgekehrt erscheinen könnte, auf ber anberen Seite aber zur Aufrechterhaltung ber öffentlichen Ruhe und Orbnung streng barüber wachen, baß ber Lohnkampf ausschließlich auf friedlichem Wege und mit gesetzlichen Waffen zum Austrage gelangt. Jedem von ber einen ober ber anderen Seite ausgehenden Versuche, anläßlich der aus dem Gebiete der Lohnbewegung entstehenden Streitigkeiten den legalen Boden zu verlassen, soll daher nachdrücklich und mit allen gesetzlichen Mitteln entgegengetreten werden. Von den strafrechtlich zu verfolgenden Vergeh' n abgesehen, gehören zu den Ausschreitungen, welche den Charakter widerrecht­licher Gewaltsamkeit tm sich tragen, namentlich die Versuche, einheimische und auswärtige Arbeiter daran zu hindern, als Ersatz in die entstandenen Lücken einzutreten; ferner namentlich die Agitationen auf den Bahnhöfen, sowie dir Verhöhnung und Belästigungen ber weiter arbeitenden Arbeiter. In allen solchen Fällen sollen die Polizeiorgane dem betroffenen Theile Schutz und Beistand ge­währen. Ganz besonderer Üeberwachung sollen indeß diejenigen Arbeitseinstellungen unterworfen werden, welche durch die sozialdemokratische Agitation angestiftet worden sind ober auch nur in ihrem weiteren Fortgänge ber Leitung derselben verfallen, die somit ihren wirthschastlichen Charakter abstreifen und einen revolutionären annehmen. „In dem Augenblicke", heißt es in der ministe­riellen Verfügung, „wo durch Thatsachen jene den Umsturzbestrebungen dienende Tendenz bei einer Arbeitseinstellung zu Tage tritt, wird auch die

— Bit letzte Sräßu m Manderscheid. 46

Roman von Antonie Haupt.

Gigantische Gestalten mit phantastischen Gliedern ichienen die verworrenen Dunstgebilde vor sich her zu schieben. Feine Feen mit wehenden Schleiern schwebten wie angsterfüllt vorüber, ihnen nach ritten auf Sturmrossen wilde Hexen mit fliegen­dem, zerzaustem Haar und grimme Recken mit fabelhaften Gliedern und dräuend geschwungenen Waffen. Es wogte uud wallte, kämpfte und ver­schlang sich in wirbelndem Reigen, bis man aus den Fenstern von Waldeck weder die Waldeswipfel der Berge noch die Tiefe der Schluchten erkennen konnte, und ein dichter Nebelvorhang, hinter dem nur die nächststehenden Bäume des Parkes wie gespenstige Schatten sichtbar waren, unerbittlich jede weitere Aussicht verdeckte.

Einen um so behaglicheren Kontrast gegen die rauhe, unwirthliche Herbstlandschaft bildete das traulich erwärmte Gemach mit besten damast- befleibeten Wänden die Ahnen des Hauses Boos- Waldeck theils ernst, theils freundlich auf die beiden Damen am lustig flackernden Kaminfeuer herniederschauten.

Erika von Manderscheid hatte ihren ganz be­stimmten Wirkungskreis, ihre streng abgegrenzte Pflicht, welche nicht schwer zu erfüllen war, ihr aber das angenehme Bewußtsein verschaffte, daß sie kein überzähliches Mitglied des Haushaltes sei, daß man ihre Gegenwart nicht als eine Last em­pfinde. Der draußen tobende Sturm verursagte ihr teilte Unruhe, vielmehr eine Art von Entsticken; er erschien ihr wie ein Bild ihres bewegten Lebens, vor dessen Aengsten und Sorgen sie hier auf dem festen Stammsitz der Reichsgrafen von Boos ge- fchützt war.

Es war noch früh in den Nachmittagsstunden, und die Komteste beschäftigte sich, der gewohnten Tagesordnung gemäß, damit, der alten Dame vorzulesen. Die Beiden hatten sich das Marmor­tischchen, welches als Lesepult diente, in die Nähe des Kamins gerückt, und während Erika las ruhten die Augen der stattlichen Matrone mit wahrem mütterlichen Wohlgefallen auf dem jungen Mädchen. Oesters unterbrach sie die Lektüre durch Fragen ober Belehrungen, welche Erika immer anregten unb ihr Interesse in hohem Grabe sestelten.

Die Thüre wurde mit einem Male rasch ge­öffnet, und mit allen Zeichen der Erregung trat

Nothwendigkeit gegeben fein, gegen die mit ihr zusammenhängenden öffentlichen Kundgebungen auf dem Gebiete der Presse, sowie des Vereins- und Versammlungswesens die Vorschriften des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen ber Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 mit der­selben Strenge in Anwendung zu bringen, wie gegen jene Bestrebungen überhaupt. Insbesondere wird nach Befinden der Umstände in denjenigen Bezirken, innerhalb deren die im § 28 des oben angeführten Gesetzes vorgesehenen außerordentlichen Maßregeln in Wirksamkeit gesetzt sind, von letzteren auch gegen Führer von Strikebewegungen Gebrauch zu machen fein, sobald die Behörde die begründete Heberzeugung gewinnt, daß von diesen Personen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung zu besorgen ist." Zum Schluß der Ver­fügung wird auf bas Recht unb bie Pflicht bes Verwaltungschefs des betreffenben Bezirks hinge­wiesen, im Falle eines durch Arbeitseinstellungen veranlaßten Aufruhrs sofort bei dem obersten Militäcbefehlshaber bie Erklärung des Belage­rungszustandes in Gemäßheit des Gesetzes vom 4. Juni 1851 zu beantragen.

• Wie bie .Köln. Ztg.' vernimmt, hat bas Aus­wärtige Amt den Antrag bes Herrn Paul R ei« charb, bie von ihm in Ostaf rika angeblich erworbenen Gebiete unter deutschen Schutz zu stellen, zurückgewiesen, weil der Antrag „offen­bar weit über b-e Grenz-»- ber bisherigen KoGnial- politik hinausgeht." Der Offiziosus bemerkt ferner:

„Das' deutsche Reich kann seinen Schutz erst dann ver­leihen, wenn der Einzelne das Land, das er angeblich in Besitz genommen hat, auch zum Vorlheil des deutschen Mutterlandes, vor allem des deutschen Handels auszunutzen und zu verwalten sich anschickt und im Stande ist, die für eine ungehinderte und regelmäßige Ausnutzung erforder­lichen Verwaltungseinrichtungen zu treffen. Dafür, daß Herr Reichard in diesem Sinne den Willen und die ent­sprechenden Geldmittel besitzt, ist bisher nichts beigebracht, sein Antrag kann also nur dazu führen, daß ihm einst­weilen an amtlicher Stelle das Recht des Vorsprungs be­wahrt und gesichert wird."

* Der Realschullehrertag in Dortmunb hat mit überroiegenber Majorität folgenbe Thesen angenommen: 1) Die Bildungselemente, welche bas Realgymnasium im Unterschieb vom Gymna­sium besonders pflegt (neuere Sprachen, Mathe­matik, Naturwissenschaft, Erdkunde, Zeichnen) sind für die allgemeine Bildung von höchstem Werthe. 2) Bezüglich der sachlichen Vorbiloung gewähren Graf Boos zu den Damen in's Zimmer. Heber« rafcht schauten diese zu ihm empor, aber schon ehe die Gräfin eine Frage stellen konnte, rief der Gemahl ihr entgegen: „Ich bringe Neuig­keiten !"

„Von Antonius? Hoffentlich nur gute, Lud­wig ?" fragte Gräfin Boos.

Seine Exzellenz zuckte die Achseln. „Wie man es nimmt. Am 29. Oktober erfochten die Unfrigen einen glänzenden Sieg. General Clairfayt er« stürmte die Linien ber Franzosen vor Mainz unb schlug sie nach allen Seiten in bie Flucht; ber größte Theil floh in grenzenloser Verwirrung nach bem Hunsrücken auf Kreuznach unb Strom- berg zu. In bem ausführlichen deutschen Be­richt, welchen ich soeben las, heißt es wörtlich: Mit großer Kaltblütigkeit hielten die Franzosen Stand, unsere ersten Heeressäulen waren schon zurückgeworfen worden, und es schien, als ob der Feind triumphiren solle; da zeigte der jugendliche Major Graf Antonius von Boos, ^vas Muth und Begeisterung vermag. An der Spitze seines Bataillons warf er sich in bie Verwirrung, er rief, er feuerte die Seinen an, er drängte sie vorwärts, und Stück für Stück ward bem Feinde die Palme entrißen, die er schon ergriffen zu