JM 86.
Donnerstag, den 15. April
1886.
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® * ■ 4eti*tn Kolenbeilaae .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. .0 Pfg., auswärts 1 Mk. 7ö Ptg.
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* Aus dem Herrenhause.
Die gestern in unferm Blatte auszugsweise mitgetheilte Rede, welche unser hochwürdigster Herr Bischof am Dienstag den 13. ds. bei Spezialberathung der kirchenpolitischen Novelle im Herrenhause hielt, hat folgenden Wortlaut:
Ich will nur einige Worte knüpfen an das, was Herr Kollege Mquel gestern ansgeführt. Es hat mich außerordentlich schmerzlich berührt, ans dem Munde des Herrn Kollegen zu hören, welche Stellung die liberale Seite des Hauses zu der Frage einnehmen wolle, die uns beschäftigt. Es ist um so schmerzlicher für mich gewesen, als mich seine Rede aus allen Hoffnungs- und Friedensträumen aufgeschreckt hat. Ich habe mit dem größten Jntereffe und der größten Dankbarkeit die Erklärung des Herrn Ministerpräsidenten vernommen, daß die Regierung bereit sei, die Zusicherung zu einer weiteren Revision der Gesetze dem heiligen Stuhle zu ertheilen, und diese Zusicherung hat mich nicht allein in materieller Beziehung erfreut, sondern noch mehr in formeller. Ich erblicke in derselben das gegenseitige Vertrauen zwischen meiner Landesregierung und dem Oberhaupte meiner Kirche, und in diesem Vertrauen liegt die einzige Hoffnung, zu einem dauernden Frieden und zu friedlichen Verhältnissen zu gelangen; und so werden auch alle katholischen Landeskinder, davon bin ich überzeugt, diese Worte des Herrn Ministerpräsidenten ausgenommen und gelesen haben und sie werden mit mir in den innigen Dank eingestimmt haben, der mich bei seinen Worten erfüllt hat. Nun kommt mein lieber Herr Kollege und übergießt mich mitten bei diesen Friedensträumen und Friedenshoffnungen mit einem vollen Eimer eiskalten Wassers. Ich will Ihnen nicht die Empfindungen schildern die mich dabei betroffen haben, sondern nur an die Ausführungen des Herrn Kollegen einige Worte knüpfen, um sie zu widerlegen. Ich halte mich an die Rote des Kar- oinals Facobini. wie sie uns mitgetheilt ist am 4. April. Herr Miquel hat mir gestern dos Zeugniß der Loyalität ertheUt. Ich danke ihm dafür und werde ihm bei nächster Gelegenheit dieses Zeugniß zurückgeben. Ich bitte aber, die Erklärungen, welche ich jetzt hier abgebe, als die Erklärungen eines vollkommen loyalen Mannes anzunehmen. In dieser Note hat der h. Stuhl die ständige Anzeigepflicht gewährt; daran ist nicht weiter zu deuteln. Ich bitte, zu Überlegen, was das bedeutet. Der h. Stuhl hat sich anfangs gesträubt und Weitläufigkeiten gemacht, die Anzeige zu gestatten, und zwar aus einem Grunde, der ihm nur Ehre macht. Wenn derselbe jetzt die ständige Anzeige zusichert, dann kann man der Ueberzeugung sein, daß er sie auch halten wirb. Darin liegt ja die Verschiedenheit des Standpunttes. Wenn der h. Stuhl ein lieberem» kommen eingegangen ist, dann hält er sich daran gebunden, selbst wenn von der anderen Seite davon abgewichen wird. Er hält sich an die Bestimmungen des Concordats gebunden, selbst wenn diese von anderer Seite verletzt werden. Ein Blick auf ein Nachbarland kann dieses beweisen. Nun meint Herr Miquel, diese Zusicherung hätte rund und klar abgegeben werden können; so hätte man erwarten können und erwarten muffen nach allen Konzessionen, die die Regierung schon gemacht und die von ihr noch ver-
— Alk letzte Geiß» m Manderscheid. 43
Roman von Antonie Haupt.
„Hinaus mit Dir, Du Satan!" herrschte der Fremde den demüthig vor ihm Stehenven an, indem er nach dem Fenster deutete. „Schämst Du Dich nicht, eine wehrlose Dame anzugreifen? Ich dachte es, daß Ihr Hallunken wieder etwas Schlimmes im Schilde führtet, und Dir, schwarzer Peter, traute ich erst recht nicht, deshalb bin ich Euch nachgegangen. Das sage ich Euch: Ich dulde es nun und nimmermehr, daß meine Untergebenen schutzlosen Frauen anch nur ein Haar krümmen. Marsch, hinaus! Oben am Steinkreuz mögt Ihr mich erwarten."
Ohne Widerrede schlich der Verbrecher davon.
„Beruhigt Euch, meine Dame, es wird Euch nichts zu Leide geschehen," wandte sich der Fremde in mildem Tone an Erika, indem er sie zugleich von dem Knebel befreite.
„Dank, tausendmal Dank!" waren die ersten Worte, welche das junge Mädchen aussprach. Ihr Retter hob die Laterne und schaute ihr wohlwollend in« Angesicht:
„Gott im Himmel, Gräfin von Manderscheid!"
langt würben. Diese Zusicherung sei für ihn gleichsam das Siegel gewesen, um bas Friebenswerk zu bestätigen. Was ist nun geschehen? Ich glaube, es ist noch mehr vom heiligen Stuhle geschehen. Der h. Stuhl hat nicht allem das Siegel darunter gedrückt, nein, er hat es dem Herrn Reichskanzler in die Hände gegeben, und ich freue mich, daß der Herr Ministerpräsident daffelbe benutzen und gebrauchen will. Nun findet Herr Miquel in den verschiedenen Klauseln, die dabei ausgesprochen sind, manche Bedenken. Diese Klauseln sind, daß in nächster Zukunft eine weitere Revision vorgenommen wird, welche zum vollen Frieden führt. Ich bitte zu bemerken, daß hier der Zeitpunkt durchaus nicht bestimmt ist, daß ferner her heilige Stuhl auch die Materie nicht bezeichnet hat, welche reoibirt werden soll und ich bitte, darin ein großartiges Zeichen des Vertrauens zu finden, welches bet h. Stuhl der preußischen Regierung entgegenbringt. Ich glaube, daß keine Veranlassung vorliegt, Mißkauen daran zu knüpfen. 'Jiun findet Herr Miquel die Worte, „eine Revision, welche zum vollen Frieden führen soll", bedenklich und meint, diese könnten eine sehr verschiedene Deutung zulassen. Welche Absicht haben wir denn überhaupt? Wir alle wollen ja zum vollen Frieden kommen und ich berufe mich auf Herrn Mquel zum Beweise dafür, mit welcher Absicht die Kommission gearbeitet hat. Wir Alle waren in der Kommission bemüht, den vollen Frieden herbeizuführen (Zustimmung), wir Alle waren bemüht, alle Wege zum Frieden frei zu legen und alle möglichen Hindernisse zu beseitigen. Das ist unsere Absicht schon in der Kommission gewesen, da« allein ist das Ziel gewesen, dem wir zustteben: und ich bin fest überzeugt, wenn unsere Arbeiten die Allerhöchste Sanktion finden, dann werben mir auf dem Friedenswege fein. Nun habe ich in ber Kommission selbst gesagt, daß hier und da noch einzelne Puntte zurückbleiben würden, welche sich ordnen laffen müßten. Ja, eben in friedlichen Verhältnissen, in welchen wir demnächst sein werden, wirb sich ja Herausstellen, ob hier und da ein Punkt ist, welcher geändert werden muß, und wenn es sich herausstellt, daß oieser Punkt dem Frieda entgcger.^irkt, dann r trb*n wir alle drei bereit sein, ihn zu beseitigen. Allerdings meint Herr Kollege Miquel, wenn wir eine umfassende Revision vornähmen, dann wiffe man, was man thäte. Wenn nun Herr Miquel die Frage beantworten könnte, was er revi- diren will, dann ließe sich daraus eingehen. Ich bin aber der Meinung, daß er sie nicht beantworten kann. Ich wenigstens bin nicht im Stande zu sagen, welche Materie sofort reoibirt werben sollte, wenn man nicht die Abschaffung ber ganzen Maigesetze will. Dieser Weg affo würde uns durchaus nicht zum Ziele führen, et würde uns nur viel weiter davon entfernen. Es werde sich um die Frage handeln, welche Materien in Angriff genommen werden sollten und in welche Fassung sie gebracht werden sollten. Ich möchte da erinnern, wie schwer es in der Kommission gehalten hat, sich über die Fassung zu einigen. Ich bin deshalb der Meinung des Herrn v. Kleist, daß die Annahme der Resolutton das ganze Friebenswerk erschüttern ober auf unbestimmte Zeit hinausschieben hieße. Herr Miquel hat bann weiter bemängelt, baß die materielle Konzession des hl. Stuhles nicht weit genug sei. Auch in dieser Beziehung kann ich seiner Ansicht nicht sein. Es ist in der Note vom 4. April auf die Note vom 26. März Be
rief er in höchstem Erstaunen. „Nun bin ich doppelt froh, daß meine Ahnung mich hierher getrieben."
„Ihr kennt mich? Wer seid*Jhr?" rief Erika bestürzt.
„Ihr wollt reiften, roer ich fei?" lachte der Fremde in selbstbewußter Haltung. „Jedes Kind in dem weiten, ausgedehnten Gebiet des Huns- rückens, des Soonwaldes und des Oberrheines wird Euch meinen Namen verrathen können. Fragt nur danach. In Furcht und Schrecken wird man Euch entgegnen: Dies ist der berüchttgte Räuberhauptmann — der Schinderhannes. Euer Gnaden brauchen nicht zu erschrecken," setzte er in gutmüthigem Tone hinzu, indem er zugleich die Laterne hob und sein von wildem, dunklem Ge- locke umrahmtes, nicht unschönes, aber scharf mar- kittes Gesicht hell beleuchtete.
Die Komtesse erinnerte sich sehr wohl, diesen charakteristischen, energievollen Kopf gesehen zu haben, sie wußte jedoch nicht, wo er ihr begegnet war.
„Entsinnt Ihr Euch denn nicht jenes armen, halb verhungerten Landstreichers, den Ihr im vorigen Jahre so mitleidig auf Manderscheid beherbergt habt? Ihr gewähttet ihm Obdach und
zug genommen. Darin ist doch zugestanben: die geistlichen Oberen, die Bischöfe, bürfen nicht eher eine definitive Besetzung des Pfarramtes vornehmen, bis sie erstens von der Staatsregierung die Beweggründe kennen gelernt haben, welche dieselbe gegen die Anstellung des Priesters hat und bevor sie zweitens diese Differenz mit ber Staatsregierung beglichen haben. Wir stehen vor einem welthistorischen Abschluß eines langen Streites. Wir sehen, wie ber große Staatsmann, der unsere politischen Geschicke leitet, dem Oberhaupte der katholischen Kirche die Hand zum Frieden reicht: und da sollen wir an den einzelnen Worten herumdeuteln und mäkeln und nicht so viel Vertrauen auf die loyale Unterstützung und Ausführung der Friedensbestimmungen zu beiden Theilen haben? Ich muß Herrn Mquel und seine Freunde dringend bitten, nochmals zu erwägen, ob die Befürchtungen, die sie an die Note angelnüpft haben, wirklich gerechtfertigt sind. Ich rufe vielmehr Ihren ganzen Patriotismus, Ihre eigene Friedensliebe, die Sie in Wort und That bekundet haben, ich rufe den Herrn Miquel in der Kommission im Gegensätze zu dem Miquel, der gestern gesprochen, an, und ich bitte ihn, ja zu überlegen, daß er einen verhängmßvollen Schritt thut. Sie werden den Verdacht erwecken, daß Sie den Kulturkampf verewigen wollen, wenigstens für sich. (Zustimmung.) Das Volk wird Ihre Gründe nicht begreifen können, aber folgendermaßen aus Ihrem Verhalten schließen: also haben Diejenigen doch Recht, welche in diesen Herren die Väter und die Träger des Kulturkampfs immer erblickt haben. Ich bitte also die Herren von der liberalen Seite, diesen Ruf nicht zu,Massen, sondern durch Zustimmung zu dem Gesetze und zu meinen Amendements zu beweisen, daß Sie ihn energisch von sich weffen und mit uns zum Frieden arbeiten wollen. (Lebhaftes Bravo!)
Deutsches Reich.
Berlin, 14. April.
* Der Kronprinz ist an den Masern erkrankt.
* Gestern Abend nach hat Fürst B»5 m a r 2 feinen Einfluß auf die maßgebenden Perfönlichketten im Abgeordnetenhause dahin geltend gemacht, daß die kirchenpolitische Vorlage noch vor Ostern durch alle drei Lesungen durchgedrückt werde. Die Führer der Fraktionen waren aber imdj Schluß der heutigen Sitzung darüber einig, daß die Berathung erst nach Ostern statt- ftnden und das Haus sich morgen vertagen solle. Ganz ausgeschlossen ist aber noch nicht, daß morgen noch ein neuer Versuch gemacht wird, die Berathung vor Ostern durchzusetzen. Eine kommissarische Berathung der Vorlage wird übrigen» von keiner Seite beabfichttgt. — In den Kreisen der Nationalliberalen und Freikonservativen des Abgeordnetenhauses macht man aus der Mißstimmung über die neueste Wendung der Kirchenpolitik und die Abstimmung des Herren- Pflege, gabt ihm Arbett auf Eurern Gütern, und mehr nod) als das: Ihr schenktet ihm liebreiche Worte und herzliche Ermahnungen. Das hat der Landstreicher Euch nicht vergessen. Ihr wart die einzige hochgestellte Dame, welche sich freundlich zu ihm heradließ, und wer weiß, ob unter den warmen Sonnenstrahlen Eurer Huld das Gute und Evele in ihm nicht zur Reife gediehen, ob nicht ein tüchtiger, braver Mensch aus ihm geworden wäre, wenn nicht die mörderischen Franzosen wieder alles Gute vernichtet und die wilden Gesellen, unter welche er gerieth, die besseren Regungen des Herzens völlig erstickt hätten. Es ist wahr, ich bin ein liederlicher Bursche, der seine Zeit und Kräfte vergeudet, statt fie zu diesen edleren Zwecken zu verwenden. Aber, gnädige Gräfin, zum Vagabunden bin ich nun einmal geboren, und es ist ein gar zu lustiges Leben in den Wäldern. Die Bande hat mich zu ihrem Hauptmann gewählt, und ich will diesem Namen wenigstens Ehre machen. Schändlichkeiten werden unter meinem Kommando nicht ausgefühtt. Den Franzosen die Pferde zu stehlen, reiche Geizhälse von ihren Schätzen zu befreien und habsüchtige Juden zu züchtigen, betrachte ich al« verdienstliche Wette. Doch trotz alle dem wird das Gefühl der