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JM 84

Dienstag, den 13. April

1886

eitung

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Deutsches Reich.

Berlin, 12. April.

*• Das Herrenhaus trat heute vor über- füllten Tribünen in die Berathung der kirchen­politischen Vorlage ein. Es lagen dazu vor die bekannten Anträge des hochw. Herrn Bischofs Kopp, ein Antrag des Hrn. v. Zoltowski betr. die Ausdehnung gereifter Bestimmungen der Vor­lage auf die Diözese Posen -Gnesen, sowie eine Resolution der Herren v. Bernuth u. Gen., der Regierung die Bereitwilligkeit zu erklären, bei einer abschließenden Revision der kirchlichen Gesetz­gebung, soweit die Rechte des Staates dieselbe zulaften, behufs Herbeiführung des kirchlichen Frie­dens mitzuwirken und die Vorlegung eines ent­sprechenden Gesetzentwurfs anheimzugeben. Der Referent der Kommission, Hr. Adams, hob her­vor, daß die Ablehnung der Anträge Kopp in der Kommission zu einer Zeit erfolgte, da man von dem neuen Zugeständniß der Kurie betreffs der Anzeigepflicht keine Kenntniß hatte. Herr Bischof Kopp, der als zweiter Redner austrat, schilderte die Lage, in welche wir durcb den Kulturkampf gekommen sind, indem er hervorhob, daß wir uns des großen Aufschwungs, den das Vaterland ge­nommen, nicht erfreuen können in Folge des Kulturkampfs, der die besten Kräfte lahm legt. Die unselige einseitige Regelung de» Verhältnisses zwischen Kirche und Staat habe in ein Labyrinth geführt, und seit 6 Jahren mühe sich die Staats« regierung ab, au» demselben herauszukommen. Er erkenne das an, aber reit sind noch weit ent­fernt vom Ziele. Das aus zwei Gründen: Die Staatsregierung hat die unberechtigte Furcht, zu rasch zum Ziele zu gelangen, und ferner will man noch immer kirchliche Angelegenheiten von Staats- wegen regeln. Die jetzige Regierungsvorlage ist ein Fortschritt, aber nur ein formeller, kein ma­terieller. Wenn nur die Regierungsvorlage an­genommen würde, dann seien wir vom Frieden weit entfernt. Redner führte das im Einzelnen aus und betonte namentlich, daß Gymnasialkonvikte auch schon vorher erlaubt waren, ehe die Vorlage es bestimmte. Die Fassung der allgemeinen Staats­aufsicht ohne bestimmte Grenzen führe zu neuen Konflikten. Vom kirchlichen Gerichtshof ist nur der Name verändert, die Sache bleibt. Herr Bi­schof Kopp berührte dann die von der Vorlage

= Air letzte Sräßll von Mauderschnd. 41

Roman von Antonie Haupt.

„Sie sind zu ängstlich, Herr von Anethan", rief der Offizier heiter. „Was könnte Mademoi- felle Eugenie denn widerfahren? Jedermann weiß, daß sie Ihre Nichte ist, und wenn man sie, im schlimmsten Fall, vor Oberst Martell brächte, so würde er sie sicherlich nicht für die Komtesse ver­haften."

„Ihnen sowohl wie mir", fuhr Herr von Anethan ruhig fort, „wird es bekannt sein, daß man sich erzählte, der Oberst habe bei der Komteffe ohne Erfolg um ihre Hand geworben; fein Zorn und seine Verfolgungswuth seien hauptsächlich ver­schmähter Liebe entfprungen. Wenn meine Nichte nun wirklich große Aehnlichkeit mit der Kom­tesse hat, wäre es alsdann nicht möglich, daß auch sie Eindruck auf das Herz dieses Mannes machte, daß" —

„Mille tonnerres!" rief der Offizier. „Sie haben Recht! Das ist nicht allein möglich, das ist wahr­scheinlich. Wir wollen schweigen, Herr von Ane­than, schweigen wie das Grab."

Die Wirkung dieser Schreckensbotschaft war

unberührten Punkte der maigesetzlichen Bestim­mungen. Er stellte alsdann die Frage: Kommen mir mit dieser Vorlage zum Frieden? und gab die Antwort: Ich muß diese Frage absolut ver­neinen. Der hochwürdigste Herr Redner bat als­dann um Annahme seiner Anträge, um Genehmi­gung dieses absolut Nothwendigen. Seine Amen­dements seien kein vollständige» Revisionswerk; es bleiben immer noch genug Dinge zurück, die be­seitigt werden müssen. Aber diese Anträge sind die Garantie für eine bessere Zukunft. Die Mai­gesetze haben der Kirche unveräußerliche Rechte genommen, es handelt sich also nicht um Kon­zessionen, sondern um Restitutionen. Die Ehre des Staates drücke die Devise au«: Suum cuique. Nach Herrn Bischof Kopp sprach Professor Bese- ler, der ganz unglücklich war, daß seine geliebten Maigesetze in Trümmer sinken sollen. Er empfahl seine Resolutton dahin gehend: der Regiemng die fortdauernde Bereitwilligkeit auszudrücken, zur Re­vision der kirchlichen Gesetzgebung, soweit die un­veräußerlichen Rechte des Staates nicht in Frage kommen, mitzuwirken behufs Herbeiführung eines Frieden» mit der römisch-katholischen Kirche und unter dieser Voraussetzung die Staatsregierung zu ersuchen, zu diesem Zweck einen anderweitigen Gesetzentwurf vorzulegen. Hierauf ergriff Fürst Bismarck, der 5 Minuten vor 1 Uhr, während der Rede des Herrn Bischofs Kopp, eingetreten war, das Wort. Derselbe will nur al» Mitglied des Hauses und nicht als Vertreter der Staatsregie­rung Zeugniß für die Absicht der Regiemng ab­legen, welche diese Gesetze von vornherein als Kampfgesetze und nicht als dauernde Institution betrachtet habe. Von einem Ehrenpunkt, der dabei in Frage tarne, wie man heute vielfach behaupte, könne keine Rede sein. Stets sei die Hoffnung auf einen friedliebenden Papst ausgesprochen und dieser Zeitpunkt sei jetzt gekommen. Der Regierung läge daran, die äußerste Grenzlinie kennen zu lernen, bis zu der die Majorität des Parlaments zu gehen Willen» sei. Hr.v.Kleist-Retzowbittet, die Vor­lage nebst Anträgen Kopp anzunehmen; nachdem die Anzeigepflicht von der Kurie concedirt sei, handle es sich doch nur um Nebendinge. Man müsse die Mai­gesetze wegen des Schadens, den sie dem Staate gemacht, beseitigen. Fürst Bismarck bestreitet, daß der Staat mehr Schaden von den Maige­setzen gehabt als die Kirche; die Vorlage sei der

begreiflicherweise auf die ganze Familie eine äußerst niederschlagende. Was ist zu thun? fragte man rathlos, als man unter sich allein war. In Erikas kaum beruhigtes Gemüth drängte sich wieder eine Fülle von Sorgen und Schmerzen, von Ängst und Zagen. Die schrecklichste Aufregung bemäch­tigte sich ihrer, sie hätte noch in derselben Stunde einen Versuch gemacht, aus der Stadt zu ent­kommen, wenn nicht Herr von Anethan sich dem aufs Ernstlichste widersetzt hätte.

„Nur ruhig Blut, liebes Kind, und den Kops oben behalten," tröstete er freundlich. „Bei reif­licher Ueberlegung werden wir schon Rath schaffen. Die Gefahr ist noch nicht auf das Höchste gestie­gen; wir werden Dich daher nicht eher ziehen lassen, bis wir reiften, daß es in völliger Sicher­heit geschehen kann."

Hiergegen ließ sich nichts einwenden und Erika fügte sich, so gut sie es vermochte. Trotz der Sorglosigkeit, welche der väterliche Freund seiner Schutzbefohlenen gegenüber zur Schau trug, ver­wendete er insgeheim alle Zeit und Kräfte daran, ihr eine sichere Flucht zu ermöglichen. Schon am folgenden Tage wurden seine Bemühungen mit Erfolg gekrönt. Strahlenden Antlitze» kam er nach Hause:

Versuch, den Monarchen seinen katholischen Unter« thanen näher zu bringen. Herr Miquel ist für die Regierungsvorlage. Von der Gegenseite seien keine Garantieen gegeben, daß im Falle der Annahme der Vorlage emstliche Versuche zum Frieden gemacht werden würden. Man dürfe nicht alle Waffen aus der Hand geben, ohne die Sicher­heit zu haben, daß auch die Kirche ernstlich bereit sei, Frieden zu schließen. Graf zur Lippe ist für Annahme der Kopp'schen Anträge. Die Regierung verlange eine klare Antwort und diese müsse man ihr geben. Die Generaldiskussion wurde darauf geschloffen. Weiterberathung morgen.

— Die Berathung der kirchenpolitischen Vor­lage im Herrenhause soll morgen bestimmt zu Ende geführt werden; es sind Vorkehmngen ge­troffen, daß die Beschlüsse noch im Laufe des morgenden Tages dem Abgeordnetenhause zugestellt werden, damit dieses die Vorlage schon nächsten Donnerstag berathen kann. Nach dem Verlauf der heutigen Debatte, namentlich nach der Rede des Fürsten Bismarck, nimmt man an, daß mindestens die Kommissionsbeschlüfte, wahrscheinlich aber auch noch die Kopp'schen Anträge zur An­nahme gelangen werden.

•* Das Abgeordnetenhaus erledigte in dritter Lesung die Gesetzentwürfe betr. Abänderung des Gesetzes betr. LandeskreditkasseinCass et sowie über die Errichtung letztwilliger Verfügungen in dem Bezirke des Oberlandesgerichts zu Frank­furt a. M. Dann begann der Abg. Dr. Wehr- Dtsch.-Crona seine Interpellation betr. die Ueber« schwemmungen im Weichsel gebiete. Vizepräsi­dent des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer erwiderte, daß die zuständigen Be­hörden angewiesen werden, alle Vorkehrungen zur Begegnung der Gefahren zu treffen, welche der diesjährige Eisgang dec Weichsel befürchten ließ. Ein übersichtliches Bild der eingetretenen Schäden lasse sich im Augenblick noch nicht geben. Menschen­leben seien zum Glück nicht zu beklagen, dagegen sei der Schaden an den Saaten und an den Ge­bäuden erheblich. Mehrere hundert Familien seien obdachlos und in Danzig untergebracht worden. Der Regelung der Weichselmündung wende die Regierung fortgesetzt ihr Interesse zu und sei be- müht eine Verständigung herbeizuführen. Geh. Baurath Kozelowski äußerte sich über die Wieder­herstellung der zerstörten bezre. beschädigten Schleusen

„Nun hat alle Noth ein Ende," sagte er freudig; „ich habe ein vortreffliches Asyl für Dich gefun­den. Auf der Steipe traf ich Seine Excellenz unseren verehrten Herrn Oderhofmarschall Grafen Boos von Waldeck — Bürger Boos dürfte ich in diesen verwünschten Zeiten eigentlich nur sagen. Der Herr Graf erzählte mir, daß er unseren allergnädigsten Kurfürsten in Augsburg besucht habe und von ihm in einer Vertrauensangelegen­heit hierher gesendet worden sei. Seine Mission in Trier sei beendet, er wolle nun, um das Eigen- thumsrecht nicht zu verlieren, wieder auf dem linken Rheinufer bleibenden Wohnsitz nehmen, und sich mit seiner Gemahlin und einiger Dienerschaft nach dem abgelegenen Stammschloß zurückziehen. Die Franzosenwirthschaft in Koblenz wolle und könne er nicht mit ansehen, auch fei sein Haus daselbst ihm gründlich verleidet durch die fort­währende Einquartirung. Fast sämmtliche Ge­neräle, welche in Koblenz standen, hatten nämlich im Boos'schen Hause Quartier genommen, nach und nach den kolossalen Keller geleert und alle übrigen Vorräthe vertilgt, übrigens in bestem Einvernehmen mit dem dortigen Verwalter gelebt, namentlich fei der jetzt dort wohnende jugendliche General Marceau ein Muster von Liebenswürdig«