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j\g 83. Montag, den 12. April 1886.

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DK .Fuldaer Reitend* erscheint titalich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher RbonnementspreiS ohne «ringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilag« .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Crzbischof Dr. Johann Baptist Orbin f

Der erzbischöfliche Stuhl in Freiburg ist aber­mals verwaist. Am letzten Donnerstag, Vormittags 9 Uhr, hat der Herr über Leben und Tod den greisen Erzbischof Dr. Johann Baptist Orbin von i seinen langen und schmerzlicheri'Leiden erlöst. Er war geboren am 22. September 1806, stand also in seinem 80. Lebensjahre. Seine Heimath war Bruchsal, woselbst sein Vater Meßner an der Hofkirche war. Seine Gymnasialstuvien begann er in seiner Heimathstadt Bruchsal und vollendete sie in Rastatt. 1826 bezog er die Univerfität, an» ■ 6. August 1830 erhielt er die heil. Priesterweihe, 1839 wurde er Pfarrverweser und 4 Jahre später (Dezember 1843) Pfarrer der obern Pfarrei in Mannheim. Als solcher wurde er dem hochseligen Erzbischof Hermann v. Vikari anläßlich einer Fir­mungsreise desielben genauer bekannt und Anfangs : 1847 zum Mitglied des Domkapitels ernannt. Als solcher war er 8 Jahre lang zugleich Münsterpsarr- Rektor. Als 1868 der erzbischöfliche Stuhl ver­waist wurde, stand der Verewigte aus der Kandi­datenliste und fand allein Gnade vor dem Mini- ster Jolly. Von 7 Kandidaten sind bloß noch De­kan Weickum und Weihbischof Baudri von Köln am Leben. Jolly's Behandlung der Kandidaten­liste machte die Verwaisung des erzbischöflichen Stuhles zu einer dauernden. Es war ein wahres Glück, daß der Tod keinen Einlaß begehrte in den Reihen der Domherren. Der selige Haiz war der Einzige, welcher während der 14jährigen Vakatur starb; und glücklicher Weise hatte die Wiederbe­setzung der Stelle gerade durch Wahl des Dom­kapitels zu erfolgen. Bald nach Erledigung des erzbischöflichen Stuhles wurde der Verewigte zum Offizial ernannt. Als einfacher Domherr, wie als Pfarr-Rektor und Offizial war er ein ungemein fleißiger, gründlicher und pünktlicher Arbeiter. Nach dem Tode des feligen Weihbischofs und Domdekans v. Kübel wurde er einstimmig zum Erzbisthums- verweser und Domdekan erwählt. Bald nachher kam die Frage der Wiederbesetzung des erzbischöf­lichen Stuhles in Fluß. Da der Verewigte in hohem Maße das Vertrauen des Landesherrn und der Regierung genoß, lenkten sich von Rom, wie namentlich auch von Karlsruhe aus alsbald die Blicke auf ihn. Nach langen Verhandlungen zwischen

— Sie letzte SrSß« von Mauderschei-. 40

Roman von Antonie Haupt.

„Was ist geschehen?" ries Frau von Anethan voll banger Ahnung dem so srüh heimkehrenden Paare zu.

Erika berichtete, was vorgefallen war: „Ich bin nun in Ihrer trauten Familie keinen Augenblick mehr sicher. Martell wird mich durch seine Sol­daten suchen lasien, und mir bleibt Nichts übrig als noch in dieser Stunde zu entfliehen," schloß sie traurig ihre Erzählung.

Mit tiefer Bestürzung vernahmen Mutter und Sohn diese Schreckens-Nachricht. Weinend um­armte Frau von Anethan das arme Mädchen; hatte sie doch Erika so liebgewonnen, wie ihre eigene Tockter.

„Du siehst zu schwarz, liebes Kind," versuchte sie dennoch zu trösten, indem sie liebreich ihre Hand auf Erika's dunkeln Scheitel legte. „Es wird Oberst Martell nicht leicht sein, Deine Spur zu verfolgen. Während der nächsten Tage bist Du noch vollkommen sicher hier bei uns, und wenn es nöthig wird, so wollen wir schon Hilfe schaffen."

Die Komtefle schüttelte ungläubig den Kopf.

Karlsruhe und einem Spezial-Delegaten des heil. Vaters wurde von Seiten des Domkapitels eine Kandidatenliste mit den Namen Behrle, v. Galen, Haffner und Orbin aufgestellt. Der Verewigte wurde von allen Seiten gedrängt, eine Wahl an- zunebmen. Der hl. Vater selbst, der Landesherr, die Regierung, das Domkapitel, Alles drang in ihn, sich nicht länger zu sträuben. Er wehrte sich bis zum letzten Augenblicke; noch am Vorabend der Wahl glaubte man nicht, daß er annehmen werde. „Ich bin zu alt," sagte er, „und kann mich nicht dazu entschließen, ein Amt anzunehmen, dem ich nicht in vollem Maße selber vorstehen kann." In der allerletzten Stunde ließ er sich be­wegen und wurde am 2. Mai 1882 einstimmig gewählt. Am 12. Juli erfolgte die Inthronisa­tion. Er selber war im vollsten Maße von der vielfach gehegten Hoffnung erfüllt, daß es seinen Bemühungen gelingen werde, die Abschaffung der drückendsten kirchenpolitischen Gesetze zu er­wirken, und wandte sich deshalb in der zwei­ten Hälfte des Landtages 1883/84 und wieder vor Beginn des Landtages 1885/86 in diesem Sinne an die großherzogl. Regierung, leider ohne Erfolg. Es bestand zwar fortgesetzt ein freund­licher persönlicher Verkehr zwischen ihm und den Vertretern der großh. Negierung. In minder wichtigen Angelegenheiten wurden ihm auch zu ver­schiedenen Malen Konzessionen gemacht, denen übrigens auch entgegengesetzte Erfahrungen neben­her gingen. Nur höchst ungern und schwer konnte er sich dazu entschließen, feine einfachen Verhält- niffe zu verlassen. Wenn er dennoch die erzbischöf­liche Würde annahm, so that er es im Geiste des Opfer» und in der Meinung, der Kirche zu dienen und zu nützen. Die Würde war chm vor allem eine Bürde, die namentlich in den letzten Monaten ihn schwer drückte. Monatelang war er von körperlichen Schmerzen gequält, dazu kam der plötzliche Tod einer seiner beiden Schwestern, die Jahrzehnte hindurch mit ungemeiner Sorgfalt den theuern Bruder gepflegt batte. Und zu all' dem nagte das Gefühl bitterer Enttäuschungen an seinem Herzen. Wiederholt hat er seine Umgebung inständig ersucht, für ihn zu beten, damit der liebe Gott ihn erlöse. Er ist al» frommer Dulder gestorben. Er hat im Leben reichlich Anerkennung gesunden, ohne sie zu suchen. Möge nun auch der liebe

„Hast Du das Vertrauen auf die erbarmende Allmacht, jede Zuversicht auf die göttliche Vor­sehung denn ganz verloren?" fuhr die alte Dame fort. „Glaube mir, mein Kind, der Herr, welcher Dich durch alle Gefahren glücklich hierher zu uns geführt hat und Dich heute auf wahrhaft wunder­bare Weise beschützte, wird Dich auch fernerhin vor dem Untergange retten."

Dieser fromme liebreiche Zuspruch gab Erika Trost und Beruhigung. Sie sah es endlich ein, daß keine augenblickliche Gefahr ihr drohte.

Hans, welcher sogleich auf Kundschaft ausging, brachte gegen Abend die überaus tröstliche Nach­richt, daß der Vorfall kein Aufsehen erregt und Niemand von dem Zusammenhang« der Dinge etwa» wiffe. Den verletzten Offizier, welcher nur zu dem Feste nach Trier gekommen, habe man besinnungslos in den Palast getragen. Ob er schwer verwundet sei, wisse man nicht.

„Ich kann nun allerdings nicht dafür stimmen, daß die Komtefle den Ball besuche," fuhr er fort, „und hoffe, daß ihr Wegbleiben unfern Offizieren nicht auffallen wird. Was mich betrifft, so darf ich mich leider den Festlichkeiten nicht entziehen. Wir müffen jetzt doppelt vorsichtig sein und Alles vermeiden, was wie eine unfreundliche Demon­stration aussehen könnte.

Gott die ewige Ruhe und reichlichen Lohn ihm schenken' Am Vorabend seines Todes hatte der Hochselige noch den Trost, vom hl. Vater Papst Leo XIII. telegraphisch den apostolischen Segen zu empfangen. Die Beerdigung findet morgen (Dienstag) statt.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. April.

* Mit der in unserer letzten Nummer im Wort­laut mitgetheilten Note Jacobini's ist der hl. Vater nunmehr bis an die äußerste Grenze ent­gegengekommen. Wird jetzt die Regierung in den kirchenpolitischen Fragen endlich das Verstecken­spiel hinter den parlamentarischen Kouliflen auf­geben? Der .Kreuzzeitung' erscheint die Möglich­keit einer Ablehnung der kirchenpolitischen Vorlage durch Die beiden Häuser des Landtages auSge- schloffen und der kirchliche Frieden gesichert, da die Staatsregierung bereit sei, die von dem Aposto­lischen Stuhle gestellte Bedingung zu erfüllen. Es ist jedenfalls gut, daß die Unklarheit der augen­blicklichen Situation nicht lange mehr aufrecht er­halten werden kann; bei den unmittelbar bevor­stehenden Herrenhaus-Verhandlungen muß sich doch wohl zeigen, was die Regierung denn eigentlich will. — Die neueste Nummer der .Köln. Vztg.' bringt folgende Berliner Privat­depesche: „Die neue Kirchen-Vorlage soll mit den Anträgen des Hrn. Bischofs Kopp das Herrenhaus kurz und glatt passtretf. Ob vor Ostern noch das Abgeordnetenhaus die Vorlage erledigt, wird theils behauptet, theils bestritten."

** Der Reichstag hielt heute seine letzte Sitzung vor den Feiertagen ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte Abg. v. Schalscha (Centr.), daß seine Angabe, wonach zwei größere Berliner Firmen in bet Schweiz preußische THaler ausprägen ließen und in Deutschland in Kours setzten, auf falscher Information beruhe. Die Uebersicht der Reichs-Einnahmen und -Ausgaben für 1884/85 wurde mit nachträglicher Genehmigung der vor­gekommenen Elatsüberschreitungen erledigt. Der Gesetzentwurf betr. die Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten wurde in dritter Lesung angenommen, nachdem Staatssekretär Dr. v. Schelling Namens der verbündeten Regierungen die Erklärung abge-

Er verabschiedete sich, und die beiden Damen saßen noch lange, Hoffnungen und Befürch­tungen austauschend, im traulichen Wohnzimmer beisammen. Schlafen konnte man ja doch nicht, dafür sorgten schon der Lärm und die wilden Melodien, welche von dem Kornmarkte herüber drangen.

Um den dortigen Freiheitsbaum hatte man eine Anzahl Pechpfannen entzündet, bei deren röthlichem Schein die Soldaten mit einem nicht gerade sehr respektablen Theil der Trierischen Be­völkerung die Carmagnole tanzten, während auf dem Rathhause die französischen Offiziere und die Elite der Trierischen Bürgerschaft sich bei Diner und Tanz vergnügten.

12. Kapitel.

Herr Ritter, eilt! Die Dam' ist in Gefahr; Zum Teufel; soll ein Schurke sie ermorden?

B allade.

Frau von Anethan hatte richtig prophezeit. Tage reihten sich an Tage und wurden zu Wochen, ohne daß etwas geschehen wäre, was gegründete Befürchtung für Erikas Sicherheit hätte hervor- rufen können. Das erregte Gemüth der Komtesse hatte sich allmählich beruhigt, an eine Flucht dachte sie immer weniger, zumal da Herr von