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JM 82.

Sonnabend, den 10. April

1886.

DU Fuldaer ßtitung' erscheint t# Inserat«:

,(l* Bonn, uns Friertaze ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., >«lletüstisch«:i Wochrnbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

— mit der

Zweites Blatt.

Ab Bestellungen auf unsere Zeitung pro II. Quartal 1886 werden fortwährend von den kaiserl. Postanstalten, von den Landbriefboten und Zeitungsträgern, sowie in der Expedition entgegengenommen.

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* Die katholische presse.

Ja einem bemerkenswerthell Artikel des .Salz­burger Kirchenblattes' „Die Tagespresse und unsere katholischen illustrirten Zeitschriften" heißt es: Ohne katholische Tagespreise wäre die katholische Kirche in Deutschland schon ganz geknechtet und schon vom Kulturkämpfe zertreten, und ohne eine katholische Presse wäre Oesterreich im Moraste des Unglau­bens und de« Materialismus schon längst unter­gegangen; die katholische Presse war — dort wie hier — der Retter, der Lehrer, der Arzt; denn sie ist's, welche die Worte der katholischen Volks­vertreter in's Land hinaus, in Stadt und Dorf, in Palast und Hütte erschallen und wirken läßt und überall das Volk aufrüttelt zum Kampfe für das Kreuz, zum Kampfe gegen Lüge, zum Opfer- muth und zur Glaubenstreue. Gleichen Muth er­rang die noch kleine, aber in ihren Leistungen ge­wichtige Zahl unserer katholischen illustrirten Jour­nale. Diese haben die Abonnenten der illustrirten Pestjournale dezimirt; ohne sie wäre die.Garten­laube' noch eine Weltmacht auch im kathol. Volke; denn wir wissen, wie dieses Organ vor wenigen Jahren in katholischen Gegenden verbreitet war. Aber die Journale desselben Geistes zählen ilach Hunderten, kleine und große, künstlerisch oder roh ausgestattete Organe. Was ist dagegen die Zahl unserer illustrirten Central-Journale, des .Deut­schen HauSjchatz' und der .Alten und Neuen Welt' ? Ihrer sind nicht multa, aber was sie leisten ist multum, und daß sie noch mehr leisten und ihre Leistungen den Bedürfnissen immer mehr entspre­chen, dafür sind die katholischen Eltern, wie die selbstständigen Einzelpersonen, die Laien wie die Priester verantwortlich. Je mehr Abonnenten, um so mehr kann ein Journal leisten unb um so er­folgreicher mit den feindlichen Journalen konkur- riren. Klerus und Volk sind durch Gott verpflich­tet, die katholische Preße zu unterstützen, weil diese nach den Worten des hochseligen Pius IX. heut­zutage nothwendiger ist und mehr wirkt, als die Kanzel. Nur eine religiöse Preffe gewinnt und be­lehrt das Volk, wenn sie, den lokalen und provin­ziellen Bedürfnisien entsprechend, weise redigrrt und reichhaltig unterstützt wird.

Die katholische Presie, sei sie nun politischer Natur ober unterhaltenb, illustrirt ober nicht illustrirt, hat einen harten Stand; für sie finden sich fast keine Lesekasino'S, keine Kolporteure und fliegende Buchhändler, keine Kafv's und dergl., und warum nicht? Weil der katholische Besucher von Kafö's, Restaurationen rc., das katholische Mitglied von Lesekabinets, der katholische Badegast, der kathol. Reisende nur sehr selten den Muth hat, ein katho- lischeS Blatt zu verlangen. Nur das immer unb immer roieber erneute Verlangen nach einer auch katholischen Lektüre kann ben Kolporteur, den Bahn­hofsbuchhändler, den Gastwirth, den Inhaber von Lesekasino'S, die Babeverwaltungen enblich zwingen, auch katholische Blätter jeglicher Richtung aufzu- legen, anzubieten ober zum Vertrieb zu unterneh­men. Unb bann finben sich auch hier bie Käufer ober bleibenbe Subskribenten unb Abonnenten unb bort bie Leser; unb mit bent Kaufen kommt das Lesen, mit dem Lesen hier das Nachdenken unb

Erwägen unb bieses vermittelt bie gegenseitige Aufklärung zum Heile bes ChristenthumS wie ber Gesellschaft. Aber — wo nichts verlangt wirb, ba wirb auch nichts geboten. Das Gute kommt nicht in'S Haus geflogen; es will gesucht unb ehr« gelaben unb freundlich empfangen sein. Das Schlechte dagegen kommt durch die Fenster und Schlüffellöcher in's Haus hinein, d. h. es findet so viele Verbreiter und Mithelfer, daß man es gar nicht zu rufen braucht; es kommt schon von selbst. Böse Saat wächst ja ohne Pflege, gute Saat gedeiht nur bei guter und opferwilliger Ar­beit und emsiger Wachsamkeit.

Aber was lassen wir Katholiken uns nicht Alles gefallen! Viele Katholiken in bürgerlichen und adeligen Kreisen, da und dort sogar Geistliche, lesen vielfach bie liberale Presse, sonst müßie man­ches katholische Blatt mehr Abonnenten haben.

Ist bie Unterstützung ber katholischen Presse etwas Gleichgültiges, Unbedeutendes, Unnöthiges? Oder ist sie eine Pflicht, ebenso heilig und schwer­wiegend wie das offene Glaubensbekenntniß?

Vermischtes.

• Das jüngste Verkehrsmittel zur Begleichung der Baarzahlungen im wirthschaftlichen Leben bilden die Po st aufträge; sie haben schnell eine weite Verbreitung gewonnen und beliefen sich schon im Jahre 1884 nach der unlängst erschienenen Statistik im Reichspostgebiete auf 4,301,700 Stück über 376,912,127 Mark einzuziehender Beträge. Die Postaufträge bilden bekanntlich nicht allein ein bequemes Inkasso-, ein wirksames Mahn-Mittel rc., sie gestatten auch die Einholung von Wechsel- accepten, die bequeme Begleichung von Bücher­rechnungen (Bücherpostaufträge). Die Aufträge zur Geldeinziehung bilden natürlich den überwiegenden Bruchtheil dieses Verkehrs, im genannten Jahre 3,715,799 Stück über 354,853,948 Mk. inner­halb des Reichspostgebietes, 233,900 Stück 22,058,179 Mark aus fremden Ländern, welche die gleiche Einrichtung zuließen (z. B. Bayern, Württemberg, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Frank­reich, Helgoland, Luxemburg, Niederland, Rumänien und die Schweiz) und 292,077 Stück nach diesen fremden Ländern. — Aufträge zur Einholung von Wechselaccepten kamen 55,258 im Reichsgebiet und 4666 Stück im Verkehr mit Bayern und Würt­temberg vor. — Von der Gesammtzahl der obigen Aufträge zur Geldeinziehung konnten nicht eingezogen werden 1,075,120 Stück oder 27,2% im Betrage von 87,645,896 Mk., und wurden von diesen letzteren 121,623 Stück (11,3%) im Betrage von 17,232,721 Mk. zur Protesterhedung weitergegeben. — Von Postaufträgen zur Wechsel- accept-Einholung konnten nicht ausgeführt werden 14,884 Stück, davon gelangten 1011 Stück zur Protesterhebung.

§ Krupps Etablissement in Essen ist, wie .Halper's Magazine' mittheilt, das bedeutendste der Welt. Als Alfred Krupp, der „Stahlkönig", seine Laufbahn be­gann, übernahm er von seinem Vater eine kleine Schmiede mit drei Gesellen; am 1. September 1881 befanden sich 19,605 Männer in seinen verschiedenen Unternehmungen beschäftigt, die mit ihren Fsamilien die Kopfzahl eines Fürstenthums, nämlich 68,381, repräsentiren. Rach den neuesten Angaben soll die Arbeiterzahl 24,000 überschreiten; von dieser Zahl sind 12,800 in der eigentlichen Fabrik in Esten thätig, während die anderen in den verschiedenen Bergwerken Krupps in Neuwied, Sage und Bilbao in Spanien, von welch' letzteren er sein bestes Erz bezieht, beschäftigt sind. Sein Reich, dessen Einwohnerzahl jetzt wohl 80,000 beträgt, verfügt über 4 große Dampfer, 42 Meilen Eisenbahn mit 29 Lokomotiven und 888 Waggons, 40 Meilen Telegraphenlinien mit 33 Stationen und 50 Morse-Apparaten. Wie kolossal selbst die Nebenbetriebe in diesem Riesen-Etabliffement sind, die mit der Fabrikation selbst gar nichts zu thun haben, diene als Beispiel, daß für die Druckerei-Arbeiten allein drei Rotationsmaschinen

und, 6 Handpressen nothwendig sind. 439 Dampfkessel und 450 Dampfmaschinen entwickeln in diesem Etablissement die erstaunliche Summe von 18,880 Pferdekräften. Der Tagesverbrauch von Koakes und Kohlen beträgt 3100 Tonnen, der des Wassers, das von der Ruhr in die Fabrik geleitet wird, 24,700 Kubikmeter. Diese Zahlen genügen, um sich einen Begriff von der Leistungsfähigkeit des Krupp'schen Etablissements und dem Absatzmärkte zu inachen, ivelchen daffelbe, um unausgesetzt, wenn auch nicht immer in gleicher Intensität, in Thätigkeit zu bleiben, nothwendig hat.

(Unheimliche Ledersorte.s Ueßer die Verwendung einer eigenen Lederiorte zu Büchereinbänden erzählt die ,Pap.-Ztg.' unter der Spitzmarke „Menschenleder Einbände" Folgendes: In der Bibliothek von Mexborough House bei Methler, in Uorkshire, England, befanden sich, wie The Br. u. Col. Pr. u. St. mittheilt, vordem 2 Bücher, welche in Leder aus der Haut der Dorkshirer Hexe Mary Bateman gebunden waren, die 'zu Anfang unseres Jahrhunderts wegen Mordes hingerichtet wurde. Die Bücher verschwanden, als die Grafen von Mexborough die Bibliothek zu Geld machen inußten. Ilehnlich gebundene Bücher gibt es in Paris. Neuerdings hat Meister Zaehnsdorf in London zwei Elzevirs in Menschenleder gebunden, und ein anderer Londoner Buchbinder hat auf Bestellung Holbeins Todten- tanz mit derselben grauenerregenden Ledersorte gebunden.

(Die Rache der Manufakturisten.s Die Frau eines Hotelbesitzers in einem sehr frequenten Ort pflegte ihren großen Bedarf an Manufaktur-Waaren rc. nicht von den Kaufleuten ihres Ortes zu kaufen, sondern sie bezog ihre Kleiderstoffe rc. aus der nahegelegenen Groß- stad t. Eines Tages kam zu einem Kaufmann des Ortes eine junge Dame, um einen Stoff zu wählen. Der Laden- inhaber legte Proben in reicher Auswahl und auch sehr preiswerth vor, der Kundin gefielen die Muster sehr gut und sie nahm einige Proben mit, um erst nach dem Rath ihrer Freundinnen eine Wahl zu treffen. Als sie mit letzteren berathschlagt und sich für das eine Muster schon entschieden hatte, trat die den jungen Damen befreundete, oben erwähnte Hotelbesitzerin ins Zimmer, um einen Besuch zu machen. „Ach, Frau X., Sie haben so guten Geschmack, bitte, was sagen Sie zu diesen Mustern? Ist dieses nicht schön? Ich habe mich für dieses entschieden." — Mit kritischem Blick prüfte die Hotelbesitzerin und sagte dann zu der jungen Fragestellerin: „Liebes Fräulein ich fahre morgen nach B., da will ich Ihnen ganz andere Proben mitbringen. Man hat doch dort mehr Auswahl und es ist auch in der Großstadt immer billiger." Die junge Dame wickelte ihre Proben wieder ein und brachte sie dem Kauf­mann dann zurück, indem sie vorgab, sich anders besonnen zu haben. Als der Kaufmann bemerkte, die Proben hätten doch vorher so sehr den Beifall des Fräuleins gefunden, da erzählte die junge Dame den Grund ihrer Verzicht­leistung. „Das stößt dem Faß den Boden aus", ries der Ladeninhaber aus, griff nach seinem Hut und ging von einem Geschäftsmann der Stadt zum andern, um die Ge­schichte zu erzählen. Alle theilten, wie das ,Hoyaer Wochen­blatt' erzählt, seine Entrüstung und sie beschlossen, sich zu rächen. Man wird bald sehen auf welche Weise. Am nächsten Morgen erhielten sämmtliche Geschäftsreisende, welche zu den Kaufleuten des Ortes kamen, die Frage vorgelegt: „Wo wohnen Sie?" — „Bei X.“ — „So? Nun dann können wir Ihnen nichts abkaufen. Wenn Sie drüben ins andere Hotel ziehen, und von jetzt ab immer da wohnen, dann wollen wir Ihnen einen Auftrag geben." — Nicht lange dauerte es, da war das letztbezeichnete Hotel bis zur Dachkammer gefüllt und im X'schen Hotel herrschte Kirchhofsstille. — Das war die Rache der Manu- fakturisten.

* Das Lied von dem „Manne mit dem Coaks", das jetzt in Berlin an der Tagesordnung ist, lautet voll­ständig: „Mutter, der Mann mit dem Coaks ist da, — Schweige man stille; bet weeß ick ja! — Hast Du denn Geld? — Hab ick denn Geld? — Wer hat den Mann mit dem Coaks denn bestellt? — Ach, lieber Coaksmann, ich hab' kein Moos! — Aber, Madamchen, er kost' ja blos — Ne halbe Mark — So'n bisken Quark — Haben Sie nich? Det fft stark! — Thun Sie denn nich borgen? — Nee, Borgen macht Sorgen! — Borgen det kann ick nich, thu ick nich, will ick nich — Borgen ist mir fürchterlich. — Und seinen Coaks dann — nimmt der Coaksmann — Eilt aus dem Haus dann — Mit furchtbar schnellem Schritt — Schnaubt Wuth, sein Blut, es kocht ihm zur Stund' — Er stürzt zur Destille mit durstigem Mund — Herr Wirth, 'nen großen Kümmel mit Rum — Er trinkt ihn und fällt — um! — Und die Moral von der Ge- schicht' — Trink nie ’nen Rum mit Kümmel nicht — Er frißt Dir ab sonst das Gebein — Du sinkst in's Grab hinein!"

§ (Nach der Schulprüfung.s Kind (Erstcläffer): Juhe was’n Weck! — Vater: Der ist wirklich groß — Kind: Ich hab’ „mei Sach'" aber auch gut gekonnt. — Vater: So — was wurdest du denn gefragt? — Kind: Ei — nix. —