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wahrend das Unterhaus 670 Mitglieder zählt.) Ein großer Theil von Deputirten hatte sich schon in der Frühe eingefunden, um sich Plätze zu sichern. In der Diplomatenloge befand sich u. A. auch der deutsche Botschafter, Graf Hatzfeldt. Die Tribünen waren überfüllt. In den Straßen in der Näh« des Parlaments drängte sich eine unge­heuere Menschenmenge. Die irischen Clubs hatten Aufstellung genommen, um Gladstone auf dem Wege zu begrüßen. — Gladstone entwickelte die Vorlage und wies darauf hin, daß die Zwangs­maßregel» für Irland nicht eine Ausnahme sondern zur Gewohnheit geworden seien. Er glaube indeß, England und Schottland seien nicht geneigt zu fortgesetzten Zwangsmaßregeln, so lange nicht alle anderen Mittel der Versöhnung erschövt seien. Gladstone machte den Vorschlag, in Dublin ein besonderes Parlament zur Erledigung von legis­lativen und administrativen Angelegenheiten Ir­lands, gegenüber den das ganze Reich angehenden Fragen, zu errichten. Irland solle, wenn in I Dublin ein besonderes Parlament errichtet sei, weder im englischen Oberhause noch im Unterhause vertreten sein, außer wenn eventuell materielle Aenderungen des jetzigen Projektes vorgeschlagen werden. Die fiskalische Reichseinheit wird aufrecht erhalten. Das irische Parlament soll aus zwei Klaffen von Abgeordneten bestehen. Die erste Klaffe soll aus den jetzigen 28 repräsentativen Pairs und aus 75 von der Bevölkerung nach einem neuen Wahlmodus zu wählenden Vertretern bestehen, die zweite Klaffe aus 103 nach dem jeßigen Wahlgesetze zu wählenden Vertretern. Beide Klaffen sollen zusammen sitzen uud be- rathen, können aber getrennte Abstimmung verlangen. Das irische Parlament hat kein Recht sich in Fragen betreffend die Prärogative der Krone oder bezüglich der Armee, Flotte, kolonialen und der auswärtigen Angelegenheiten einzumischen, es kann ferner keine besondere Kirche zur Staatskirche machen oder dotiren und hat keine Jurisdiction in Fragen, welche den Handel, die Schifffahrt, die Münze oder den Notenumlauf betreffen. Die Frage wegen der Postverwaltung wird offen ge­lassen. Der Vizekönig soll nicht einer bestimmten Partei angehören, er darf Katholik sein. Die Richter werden von der irischen Regierung ernannt: die Polizei bleibt vorläufig unter englischer Kontrole. Der Beitrag Irlands zu den Reichslasten wird auf Vis reduziert. Zu den Kriegskosten trägt Irland nicht bei, eine Kontrole über Zölle und Äccise steht ihm nicht zu. — Die Rede Gladstone's dauerte 31/» Stunden. Parnell erklärte, die Bill sei im Allgemeinen befriedigend, bedürfe aber einiger Abänderungen. Die Debatte über die Bill wurde auf heute vertagt.

♦ Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit ist auch in den Vereinigten Staaten auf der ganzen Linie entbrannt. Zu blutigen Kon­flikten ist es noch nicht gekommen, doch scheinen die „Ritter der Arbeit," welche jetzt die Strikes maffenhaft organisiren, zum Aeußersten entschlossen zu sein. In Milwaukee legten die Schuhmacher die Arbeit nieder und setzten ihre Forderungen

ihr die Besinnung wieder und erinnerten sie, daß sie momentan noch nicht in der Gewalt des schrecklichen Mannes sei, daß vorläufig noch ein Bollwerk von lebenden Menschen sie vor ihm schirme, ja, daß es vielleicht noch eine Rettung, eine Flucht vor ihm gebe. Scheu blickte sie um sich her. a j

„Sie haben Recht, mein Fräulein, es wird draußen besser für mich sein. Ich danke tausend­mal," flüsterte sie hastig. Damit hatte sie sich erhoben und eilte, ehe ihr Jemand folgen konnte, flüchtigen Fußes der Hinteren Ausgangsthüre zu. Wohin? Sie wußte es selber nicht, nur fort, fort aus dem Bereiche seiner fürchterlichen Augen! Sie flog die Stiegen hinunter und befand sich in der nächsten Sekunde im Freien.

Allmächtiger Gott! Da stand er schon. — Er hatte sein auserkorenes Opfer nicht umsonst beo­bachtet und war ihrer Flucht zuvorgekommen. Mtt einem unbeschreiblichen Ausdruck von wilder, leidenschaftlicher Freude und höhnischem Triumph verbeugte er sich vor dem unglücklichen Mädchen, dessen starre Augen in Todesangst zu breche» schienen.

„Ah, welch ein Glück, Mademoiselle Erika, Sie wiederzufinden!" Er trat rasch vor und suchte ihre Hand zu erfassen. Sie machte eine Bewe-

durch. Seit dem 6. März striken die Angestellten der Gouldffchen Bahnen, seit dem 8. März 15,000 Kohlengräber in Pittsburg, 5000 in Cumberland, 4000 Schreiner in Newyork u. a. mehr. Von den Arbeiteraufftänden ist der bedeu­tendste derjenige, welchen die von der Texas- und Pacisic-Eisenbahngesellschaft, sowie die zum Gould- scheu System im Südwesten des Landes gehörenden Bahnen beschäftigten, zum Orden der „Knighta of Labor" (Ritter der Arbeit) gehörenden Ar­beiter in Szene gesetzt haben. Einen ungefähren Begriff von der Ausdehnung des Strikes, durch welchen der Handelsverkehr in vier Staaten fast vollständig lahm gelegt worden ist, kann man sich machen, wenn man hört, wie viele verschiedene Eisenbahnen von demselben betroffen werden. Es gehören nämlich zu dem Gould'schen System fol­gende Bahnen: die Missouri-Pacific, deren Haupt­linie von St. Louis nach Kansas City läuft, mit Zweigbahnen; die Missouri, Kansas and Texas von Hannibal, Mo., nach Denison, Tex., führend; die St. Louis, Iran Mountain and Southern, welche von St. Louis nach Texarkana läuft, mit Zweigbahnen nach dem Rio Grande. An diesen Bahnen sind zusammen 30,000 Personen beschäf­tigt, von welcher Zahl 9000 Mitglieder des Or­dens der „Knights of Labor" sein sollen. That- sächlich am Aufstande betheiligt soll im ganzen nur die letztere Zahl sein. Die Streikenden bei Fort Worth griffen am 3. d. die Beamten an, welche die Abfahrt eines Güterzuges zu bewirken suchten. Es wurden hierbei sieben Personen ge- tödtet und viele verwundet. Hunderte von be­waffneten Bürgern patroullirten durch die Straßen. Um Mitte März bezifferte sich die Zahl der Ar­beiter, die allein in den bedeutendsten Industrie­zweigen ani Strike waren, auf nahe an 60,000 Köpfe. Darunter befanden sich: 21,480 Kohlen­gräber , 10,300 Weber und Spinner, 4000 Schuhmacher, 4000 Nagelschmiede; ferner Glas­bläser, Korbmacher, Maschinenarbeiter und ähn­liche Gewerkschaften; zum Schluß kamen noch die 10,000 Eisenbahn-Bediensteten. Dazu kommt, daß seit den großen Krisen von 1857 und 1873 Handel und Industrie in den vereinigten Staaten noch niemals so vollständig darnieder lagen, die Zahl der Verdienst- und Beschäftigungslosen so groß, die Preise für Bodenprodukte und Fabrikate so niedrig, das Mißtrauin so Älgemein die Un­lust zu jeglicher Art von Unternehmung so weit verbreitet und der Nothstand unter den Massen so groß war, als gerade jetzt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 10. April.

* Auf Grund der mit dem 1. April in Kraft getretenen Provinzialordnung für die Provinz Hessen-Nassau hat der Regierungsbezirk Cassel mit einer Einwohnerzahl von 793,662 — 55 Abge­ordnete zum Kommunal-Landtag zu wählen und zwar:

gung, als wolle sie zurück nach der Tribüne ent­fliehen. Der Offizier aber hielt ihren Arm fest und lachte höhnisch:

„Halt! Diesmal habe ich Sie sicher, Sie sollen mir nicht noch einmal entwischen."

Ohne zu wissen, was sie that, sank sie vor ihm auf die Kniee und hob die Hände bittend empor: „Erbarmen!" flehten ihre zitternden Lippen.

Er wich zurück und weidete sich augenscheinlich mit diabolischem Vergnügen an dem Anblick der Verzweifelnden. —

Vivatrufen, Kanonendonner, Hörnerschmettern — rechts und links scheue Pferde! Ein toller Satz des feurigen Rappen — ein Schrei — Oberst Martell liegt unter den Hufen des rasenden Thieres. Seine Leidenschaft hatte ihn alle Vorsicht vergessen lassen.

Man drängt herbei von allen Seiten, man um­ringt den Verunglückten. Niemand beachtet die bleiche Dame, welche mit scheuer Hast von dannen eilt. Doch nein, es gibt auch Menschen, welche sich des schutzbedürftigen Mädchens annchmen. Die treuen Augen eine« Freundes haben ebenso aus­harrend über sie gewacht, wie die von Liebe und Haß erfüllten Blicke des Feindes. Das plötzliche Erbleichen und Verschwinde» der Komtesse war Johannes von Anetha» nicht entgangen. Rasch

Stadtkreis Gaffet mit Landkreis Saffet .

Kreis Eschwege

„ Franken berg

„ Fritzlar . .

„ Fulda . .

„ Gelnhausen .

„ Gersfeld

Stadtkreis Hanau Landkreis Hairau . Kreis Hersfeld

„ Hofgeismar.

„ Homberg „ Hünfeld . .

„ Kirchhain

„ Marburg „ Melsungen .

„ Rinteln . .

„ Rotenburg .

„ Schlüchtern

„ Schmalkalden

„ Witzenhausen „ Wolfhagen .

„ Ziegenhain .

. 60,475 Ein«. 4 Aigg.

. 47,118 „ 3 ,

. 42,429 „ 3 „

. 23,832 „ 2 „

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. 48,078 „ 3 „

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. 21,248 „ 2 „

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. 36,724 „ 2 „

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. 39,931 „ 2 „

. 30,180 „ 2 „

28.982 „ 2 „

• O1,1W ff

. 39,327 „ 2 „

. 23,962 „ 2 „

. 33,090 „ 2 „

Was Die Wahl der im Stadtkreise Cassel zu wählenden Abgeordneten betrifft, so hat der Herr Oberpräsident die Vornahme derselben Seitens des

großen Bürger-Ausschusses in Gemeinschaft mit dem Stadtrath angeordnet. Dieselbe erfolgt am 9. Mai d. I.

* Soeben er chien im Druck der „Jahresbericht über das Königliche Gymnasium zu Fulda", womit zugleich zu den am 13. und 14. April stattfindenden öffentlichen Prüfungen eingeladen wird. Derselbe enthält in diesem Jahre keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern nur die vom Direktor der Anstalt Herrn Dr. Goebel zusammen­gestellten Schulnachrichten, welche jedoch in Folge des darin enthaltenen Berichts über die am 21. Mai v. I. stattgefundene Feier des 50jährigen Jubi­läums der "Anstalt, sowie des Verzeichnisses der sämmtlichen Geber zu der als bleibendes Andenken an diese Jubelfeier gegründeten Jubiläums-Stiftung etwas umfangreicher wie gewöhnlich sich gestaltet haben. Den Nachrichten über das Schuljahr 1885/86 entnimmt das ,F. K' folgende Angaben: Die Gesammtzahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden betrug 272, welche sich in verschiedenem Verhält- niß auf 19 Lehrer vertheilen, so daß das Maxi­mum 25, das Minimum 5 Stunden die Woche betrug. Das Lehrerkollegium bestand im abge­laufenen Schuljahre aus dem Direktor, einem Prorektor, 3 Oberlehrern, 6 ordentlichen Lehrern, 1 etatsmäßigen Hülfslehrer, 2 Probekandidaten, 1 Gymnasial-Elementarlehrer, 1 evang. Religions­lehrer, sowie je 1 Lehrer für den Zeichen-, Turn- und Gesangunterricht. Die Schülerzahl betrug im Sommersemester 245 im Wintersemester 241. Hievon waren 127 katholischer, 86 evangelischer, 24 israelit. Konfession, während 68 aus Fulda

gebürtig, 121 sonst im Inland geboren und 48 Ausländer sind. Das Durchschnittsalter betrug am 1. Februar 1886 in Oberprima 19,9, Unter­prima 18,0, Obersekunda 17,82, Untersekunda 17,25, Obertertia 15,7, Untertertia 15, Quarta 13,56, Quinta 11,96, Sexta 10,85. Im Winter­semester gingen 6 Schüler ab, die Frequenz am 1. Februar 1886 betrug 237. Das Zeugniß für den einjährigen Militärdienst haben erhalten 16,

entschlossen hatte er sich Bahn durch die Menge gebrochen und erschien in dem Momente hinter der Tribüne, als die Katastrophe erfolgte. In der nächsten Minute stand er schützend an ihrer Sette.

„Geben Sie mir Ihren Arm, verehrte Kousine, und schauen Sie, bitte, nicht gar so entsetzt in die Welt" — sagte er, sanft tröstend.

Erika überließ sich stillschweigend seiner Führung.

„Glauben Sie denn wirklich, Komtesse," seine Hand umspannte leise und ehrerbietig die ihre, „Hans von Anethan werde jemals zugeben, daß seiner edlen Kousine ein Leid zugefügt werde? Sagen Sie mir, was Sie erschreckt, was Sie so jäh die Flucht ergreifen ließ."

„Vor allen Dingen führen Sie mich nach Hause," bat Erika athemlos. „Hier ist mir die Kehle zu­geschnürt."

Der Assessor fragte nicht mehr. Ohne Zögern geleitete er die junge Dame dem heimischen Hause zu. Kein Mensch begegnete ihnen auf den öden Straßen; der Theil der Bevölkerung, welcher dem Feste nicht beiwohnte, hatte seine Thüren geschloffen, die Fenster verhangen und brütete zu Hause i» nutzlosem Grimm über seine Trübsal.

(Fortsetzung folgt.)