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82. Sonnabend, den 10. April

1886.

Fuldaer

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Erstes Blatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. April.

• Die Abteilung des Staatsrat Hs für das Schul« und Unterrichtswesen hielt am 5. und 6. April eine mehrstündige Sitzung in Gegenwart des Kronprinzen. Am ersten Tage nahmen der Reichskanzler und der Kultusminister Dr. v. Goßler an der Berathung Theil. Der hochw. Herr Bischof Kopp von Fulda war an beiden Tagen zugegen. Heute (Freitag) Nachmittag um 1 Uhr wird wieder eine Sitzung dieser Abtheilung stattfinden.

— Dem Herrenhause ist ein Gesetzentwurf, betreffend das Bergwerkseigenthum in den ehemals Großherzoglich und Landgräflich Hessischen GebietStheilen der Provinz Hessen-Nassau, zugegangsn.

** Das Abgeordnetenhaus berietst heute in erster Lesung das Offizier-Kommunalsteuergesetz. Abg. Frhr. v. Huene (Centr.) wandte sich gegen die Forderung der Freisinnigen nach einer reichs- gesetztichen Regelung dieser Frage, die Kommunal­steuergesetzgebung sei Sache der Landesgesetzgebung. Er äußerte ferner Bedenken gegen die Befreiung des bei der Nachsuchung des Heirathskonsenses er­forderlichen außerdienstlichen Einkommens und bean- lmgte schließlich Verweisung der Vorlage an eine 21gliedrige Kommisfion. Abg. Dr. Langerhans (frs.) bemängelte, daß da» Gesetz noch immer Autz nahmen gegenüber den Beamten schaffe. Abg. v. Cum) (nat.-lib.) trat für den Entwurf ein, deffen beschleunigte Regelung er wünscht, da mit diesem Gesetze noch das Schicksal zwei anderer Gesetze im Reichstage Zusammenhänge. Abg. Oertzen-Jüter- bog befürwortete die Vorlage. Kriegsminister Bron- sart v. Schellendorff führt aus, daß die Stellung der Offiziere zum Staate eine andere sei als zu den Kommunen, an deren Einrichtungen fie nur wenig partizipirten. Abg. Hänel (freis.) bekämpfte diese Ausführungen unter Berührung auf Aeuße- rungen von Offizieren. Minister Bronsart von Schellendorff erwiederte, die Offiziere hätten keine Politik zu treiben. Die Vorlage wurde darauf an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Zum Schluß wurden Rechnungssachen erledigt und der Gesetzentwurf, betreff, die Errichtung letztwil­liger Verfügungen im Bezirke des Overlandesge-

— Die letzte Gräfin oou Manderscheid. 39

Roman von Antonie Haupt.

Während des Liedes hüllte man die Götttn in dichte Weihrauchwolken, und man konnte sich beim Anblick der Szene recht gut in altheidnische Zeiten zurückversetzt fühlen. Hierauf betrat der französische Volksrepräsentant die Redner­bühne und schilderte in sprühenden Farben die Glückseligkeit und die Segnungen unter den re­publikanischen Institutionen. Um die Abschaffung der alten Regierung recht drastisch zu versinn­bildlichen, stürmten nach Beendigung des redne­rischen Schwulstes die Soldaten zu Fuß und zu Pferd gegen den am Ende des Gartens errichte­ten Thron. Sie schoflen ihre Gewehre gegen den­selben los, bis er zusammenstürzte, worauf sie ihn mit Kolben vollständig in Stücke schlugen. Der Zertrümerung folgte eine Freuden - Salve. Nach dem rohen theatralifchen Akte las der Volksrepräsentant aus einem umfangreichen Gesetz­buchs vor, was indeflen Niemandem große« In­teresse einzuflößen schien, zumal da die Vorlesung in französischer Sprache gehalten wurde. Desto größere, ungeteilte Ausmersamkeit schenkten jetzt

richtS zu Frankfurt a. M., unverändert nach den Kommissions-Beschlüssen angenommen. Morgen: Interpellationen über die Weichselüberschwemmun­gen und über die Preise der landwirthschaftlichen Produkte.

•* Der Reichstag berietst heute in zweiter Lesung den Gesetzentwurf betreff enb die Unzu­lässigkeit der Pfändung von EisenbahnfahrbetciebS- mttteln. Die Pfändung ausländischer Eisen­bahnfahrbetriebsmittel soll dann unzulässig sein, wenn die Gegenseitigkeit verbürgt ist. Abgeordneter Schrader bekämpfte im Interesse der Prioritäten­besitzer die Vorlage, für die kein Bedürfnis vor­liege. Abgg. Klemm (kons.), Spahn (Centr.) und Dr. Windthorst, sowie der bayrische Bundes- bevollmächtigte Frhr. v. Lerchenseld befürworteten dagegen die Vorlage im Interesse des Verkehrs. Das allgemeine Interesse müsse vor dem Privat­kapitalisten den Vorrang haben. Die Vorlage wurde angenommen, dann wurde in die 3. Be­rathung des Gesetzentwurfs betr. die Unfall- und Krankenversicherung der land- und forstwirthschaft- lichen Arbeiter eingetreten. Abg. Blos (Soc.) erklärte Namens der Sozialdemokraten, daß sie nach der Verschlechterung, welche der Entwurf in der Kommisfion erfahren, dagegen stimmen würden. Auf Antrag der Abgg. Dr. Buhl, v. Maltzahn- Gültz und v. Frankenstein wurde beschlossen, daß die beiden Beisitzer der Schiedsgerichte, welche nach den Beschlüssen der 2. Lesung von den Gemeinde­vertretungen berufen werden sollten, seitens der Vorstände der OctS- und Betriebsklankenkassen aus den Arbeitern gewählt werden sollen. Im Uebrigen wurde noch eine Reihe von redaktionellen Ab­änderungen beschlossen. Vor der Gesammtab- stimmung wurde der Gesetzentwurf betreffend den Anspruch des Statthalters in Elsaß-Lothringen auf Pension und Wartegeld angenommen und Wahlprüfungen erledigt. Die Wahl der Abgg. Dr. Haarmann, Dr. Frege, v. Maltzahn-Gültz, v. Wurmb und Lohren wurden für gültig erklärt, die Wahlen der Abgg. v. Puttkamer-Plaut und Funke beanstandet. Die definitive Abstimmung über das Unfallversicherungsgesetz ergab dessen Annahme gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozial­demokraten. — Morgen: Dritte Lesungen.

* Zu der Tragödie der Ausweisungen bringt der .Kuryer Poznanski' folgende Nachricht: In diesen Tagen hat die dem russischen Staats­

die jungen Herren der Damentribüne, welche sich wie ein riesiger bunter Blumenkorb aus­nahm.

Schon bei Beginn der Feier hatte Erika den Schleier zurückgeworfen und zeigte unverhüllt ihr von edler Entrüüung glühendes Antlitz. Kein Wunder daher, daß manches Auge entzückt aus ihrer herrlichen Erscheinung ruhen blieb. Die Komtesse jedoch bewerkte nicht das Aussehen, wel­ches ihre Schönheit erregte; ihr Blick richtete sich auf den Palast nach dem Saale, wo fie an jenem Abend — dem Wendepunkt ihres Lebens — den hohen Mann zum ersten Mal gesehen, der ihrem ganzen Denken und Fühlen eine andere Richtung gegeben hatte. Wo mochte er jetzt weilen? Wie mochte es ihm ergehen? —

Die Stimme der in seligem Mißverständniß verschämt erglühten Furie weckte sie aus ihren Träumen:

„Nein, sieh einmal, Mutter," rief die ältliche Schöne der harthörigen alten Dame an ihrer Sette zu, „wie sich die Herren doch wieder mit mir beschäftigen!" Ich glaube, man beachtet mich heute mehr, al« die lächerlich aufgeputzte 3E. Sieh nur, wie fie zu mir emporblicken! Nein nun wird es mir aber doch zu arg! Der schlanke, interessante

verband angehörige K. L. Breszczerska die preußisch- russische Grenze pasfirt. Dieselbe ist 98 Jahre alt, stocktaub und fast vollständig erblindet, hat volle zwanzig Jahre bei ihrem Enkelkind in der Nähe von Gnesen zugebracht und ist jetzt gezwungen worden, ihre Familie zu verlassen, alle Bande, welche sie noch an die Welt knüpften, zu zerreißen und in Warschau, wo sie jetzt weder Verwandte noch Bekannte hat, in einer vollständigen Jsolirung den Tod zu erwarten.

* Trier, 9. April. Das Oberlandesgericht in Köln hat anerkannt, daß da« hiesige Priester­seminar Eigentümer der vom preußischen Fiscus im Jahre 1874 beschlagnahmten Güter sei.

* München, 7. April. Die Kammer der Abgeordneten setzte heute die Berathung des An­trags Soden aus Einführung einer staatlichen Mobiliarversicherung fort. Der Minister des Innern v. Feilitzsch erklärte, die Regierung erachte in Anbetracht ihrer mit den in Baiern zu- gelassenen Privatfeuerversicherungsgesellfchaften ge­troffenen Vereinbarungen die Errichtung einer staatlichen Anstalt für nicht angebracht und lehne deshalb den Soden'schen Antrag ab. Die Be­rathung wurde vertagt.

"Freiburg, 9. April. Die Beerdigung des seligen Erzbischofs Dr. Orbin findet Dienstag V29 Uhr statt.

Ausland.

* Paris, 9. April. Nach hier eingegangenen Mttheilungen ist der Unterpräfekt des J-öredepar- tements, Latourdupin, welcher sich nach Lacombe begeben hatte, um dort eine Kapelle eines Privat­besitzers schließen zu lassen, mit Steinwürfen und Revolverschüssen empfangen worden; es kam zu einem Zusammenstoß, wobei drei Gendarmen ver­wundet und eine Frau getödtet wurden.

* Rom, 9. April. Die Munizipalität von Padua macht bekannt, daß gestern in dem dort garnisonirenden Infanterieregiment fünf Cholera­fälle vorgekommen sind.

* London, 9. April. Gestern hat Gladstone im Unterhause seinen irischen Homerule-Plan entwickelt. Die Sitzung war außergewöhnlich zahl­reich besucht, in der Mitte des Saales waren Stühle aufgestellt, um noch Sitze für die Depu- tirten zu schaffen. (Der Sitzungssaal des Unter­hauses hat nur Raum für ungefähr 450 Personen,

Offizier dort, treibt es ein wenig bunt. Seine Blicke werden ordentlich lästig. Eigentümlich— ich sah ihn bisher niemals hier in Trier. Liebes Fräulein/' wandte sie sich an Erika, „kennen Sie vielleicht jenen dunkellockigen Offizier, er steht rechts gerade neben der Bühne und schaut zu mir herüber."

Die Komtesse wandte sich gefällig nach der be­zeichneten Richtung, im nächsten Augenblick aber zuckte sie zusammen wie vom Blitzstrahl getroffen. — Gott im Himmel, das war ja der Mann, welcher mit der furchtbarsten Erinnerung ihres Lebens eng verknüpft war! Das war Oberst Martell, ihr Todfeind, dem sie unmittelbar in das leidenschaftlich glühende Ange schaute. Eis­kalt drang der Todesschrecken zu ihrem Herzen. Sie war unfähig ein Glied zu rühren, und starrte regungslos und bleich die furchtbare Erscheinung an. So war denn alle Vorsicht, alle Mühe ver­geben« gewesen, es war um sie geschehen, sie war rettungslos verloren.

„Was ist Ihnen, Fräulein von Anethan? Sie werden auffallend bleich. Soll meine Mutter Sie vielleicht hinaus in den freien Garten ge­leiten ?"

Diese Fragen ihrer besorgten Nachbarin gaben