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H Großindustrie, Maschinen- und Hausindustrie.

(Schluß.)

Ueberall sehen wir also ein recht dunkles Bild unserer wirthschaftlichen und industriellen Verhält- nisse. Woher kommt diese traurige Situation? Als die Schwindelperiode nach dem Milliar­densegen alle Kapitalisten erfaßt hatte, da wollte jeder Großindustrielle spielen und schnell reich wer­den. Fabriken aller Art schossen wie Pilze aus dem Boden. Der Krach und die Reaktion trat ein, aber die Werke blieben und halfen die Krisis nur verschlimmern. Dazu kam der Kul­turkampf, der die Gemiithec verbitterte, das Band zwischen Brodherrn und Arbeitern lockerte und deshalb den Wohlstand dcs Landes nicht ge­rade heben konnte. Die Roth macht erfinderisch; die Technik vervollkommnete sich in allen Betrie­ben in ungeahnter Weise, um durch billigere Her­stellung und Massenproduktion Verlusten vorzubeu­gen. Selbst die Schntzzollmauer konnte so dem Rückgänge keine dauernden Schranken setzen; denn nicht von außen her ist die Kalamität allein ge­kommen — der Stachel sitzt jetzt auch im eigenen Fleische und was in der Zeit der Verblendung nach dem Kriege am Kapital gesündigt worden ist, darunter müssen wir noch heute und vielleicht noch lange leiden. Leider zeigt sich noch nirgends ein Ausweg, ein Schimmer der Besserung. Auf das Ausland kann sich Deutschland keine Hoffnung mehr machen,' und es scheint, als müßten fast ge­waltsame Katastrophen eintreten, bevor wieder ge« sündere Verhältnisse sich Bahn brechen können, wenn nicht die überflüssigen Werke zum Erliegen kommen, oder die gesammte Industrie die Mah­nung der Thronrede zu weiser Beschränkung der Erzeugniffe ernstlich in's Auge fassen will.

In einem Berichte Düffeldorfer Fabrikinspektoren ist kürzlich die Lage der Hausindustrie in recht ungünstigem Lichte dargestellt worden. Die Ma­schine drängt die Arbeit der Hände immer mehr zurück. Gewebe, die man bisher für immer der schaffenden Menschenhand reservirt glaubte, sie werden jetzt fast ebenso solid und sauber und da­bei schneller und billiger von der Maschine berge- stellt. Die Webstühle im Hause verschwinden von Jahr zu Jahr mehr; die Handweber stehen jetzt in der Fabrik und bedienen die Maschine, ihre

= Air lrtzte Graß« nou Manderscheid. 31 Roman von Antonie Haupt.

Noch war Erika in andachtsvolles Beten ver­tieft, als das Schloß derThüre knarrte und zwei Soldaten mit Lichtern eintraten, denen auf dem Fuße Margarethe mit Tafelgeräthschaften und dem Abendbrode folgte.

„D, meine theure gnädige Gräfin," rief sie, und Thränen des Mitleids stürzten ihr aus den Augen, „seien Sie nur nicht traurig und muthlos, es wird sicher noch Alles besser werden."

Erika versuchte zu lächeln: „Wenn der liebe Gott mir in meinem Leid theilnehmende Freunde sendet, so darf ich nicht verzagen. Ich bin ja, wie ich sehe, nicht verlassen. Du gute, treue Seele bringst mir Stärkung und Erquickung.

„Mehr noch, als das," versicherte Margarethe geheimnißvoll, indem sie die Sachen auf dem Tische ordnete. „Ich hoffe, Ihnen Mittel zur Flucht verschaffen zu können."

Die Gräfin sah zweifelnd und erschreckt über die unvorsichtige Aeußerung zu ihr empor.

„Wegen den Menschen hier brauchen Eure Gnaden" sich keine Sorge zu machen," sagte die Bäuerin, indem sie verächtlich mit dem Daumen nach den Franzosen an der Thüre hinwies. „Die

74.

Donnerstag, den 1. April

1886.

Fuldmr

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unerbittliche, Alles besiegende Konkurrentin - sie sind vom selbstständigen Meister zum Handlanger geworden. Altehrwürdige Hauseinrichtungen muß­ten dem Großbetrieb weichen. Dieselben Klagen hört man aus der Kleineisenzeug-Jndustrie. Auch hier hat die Maschinenarbeit die Handarbeit fast ganz verdrängt. Nehmen wir ziemlich alle Gewerbe — überall gewahren wir dieselbe entmuthigenbe Erscheinung, daß die schaffende Menschen­hand durch sinnvoll konstruirte Maschinen mehr und mehr überflüssig, die Hausindustrie durch die hochentwickelte Technik im Maschinenbau und den Großbetrieb lahm gelegt und vernichtet wird.

Unter diesen Verhältnissen ist die Hoffnung aus ein neues Aufleben, Blühen und Gedeihen des deutschen Handwerks noch eine sehr geringe. Wenn die Arbeit fleißiger Hände ihren Werth ver­liert und durch die Maschine ersetzt wird, bann kann von einer Gesundung des Handwerks wenig die Rede sein. Es ist deshalb auch nicht zu ver­wundern, wenn aus manchen Jndustrieorten Kla­gen kommen, daß die dort gebildeten Innungen sich nicht bewähren und den gehegten Erwartungen nicht entsprechen. Was sollen die Innungen, wenn Handwerk und Hausindustrie von der Maschine und dem Großbetrieb erdrückt werden? Neben der Konkurrenz sind auch der Entwerthung bet Hand- arbeit durch die Maschine die Hunger löhne zuzuschreiben, welche zumal in der Bekleidungs­industrie und für weibliche Arbeitsleistungen gezahlt werden. Wie wollen auch ermüdende Menschen­hände'mit der" Mckfthine-den Kampf aufnehmen?

Wohin die geschilderten Verhältnisse schließlich führen werden, läßt sich noch gar nicht absehen; eine erfreuliche Perspektive auf die Zukunft eröff­nen sie gewiß nicht, und doch gibt es kaum ein Mittel zur Abstellung dieser bedenklichen Uebelstände.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. März.

* Fast mehr Interesse als die längst feststehende Entscheidung über das Sozialistengesetz erregte heute der Stand der Kirchenpolitik im Herrenhause. Die Kommission desselben hat, — so schreibt man der ,Frkf. Ztg.' u. A. ans Berlin — sämmtliche Anträge des Bischofs Kopp mit 13 gegen 5 Stimmen abgelehnt und zwar ohne Dis-

verrathen nichts. Vom lieben Deutsch verstehen sie außer W.in, Schnaps, Fleisch und Gelb keinen Buchstaben, bauen habe ich mich überzeugt. Essen Sie nur recht langsam unb sehr viel, damit ich Zeit habe, Ihnen Alles zu erzählen; ich weiß nicht, ob wir wieder so mit einander sprechen können."

Erika befeuerte lächelnd, daß sie versuchen wolle, ihren Rath zu befolgen.

„O, wie froh bin ich," rief Margarethe, „daß ich heute die Liebe und Sorge, welche Sie mir armem Weibe haben angedeihen lassen, ein klein wenig vergelten kann. Sehen Sie, als ich von den Nothmänteln gehört hab', daß Eure Gnaden eingeschlossen und gefangen seien, da bin ich schnur­stracks zu meinem Bruder, dem Philipp, gelaufen und hab' dem das erzählt und ihm auch gesagt, daß er unserer Gnädigen aus der Patsche helfen müsse. Der war denn auch gleich mit mir ein­verstanden und hat bei dem lieben Gott und all' feinen Heiligen geschworen, daß er nicht eher ruhen wolle, bi« er Sie aus den Klauen der Franzosen gerettet habe. Wir haben dann mit einander einen Plan ersonnen, der nicht dumm ist; und Eure Gnaden können jetzt auch sehen, wie gescheidt es war, daß der Philipp zum Schein sich so gut Freund mit den Franzosen gemacht

kussion, nachdem Bischof Kopp bei Beginn der auf seinen Wunsch so lange verzögerten Sitzung erklärt hatte, er sei nicht in der Sage, die Bereit­willigkeit des Papstes zur Erfüllung bet Anzeige­pflicht zu erklären. Das Einzige, was er zur Zeit in Aussicht stellen könne, fit die Mittheilung der Namen derjenigen Geistlichen, welche für die gegen­wärtig vakanten Pfarreien ernannt werden sollen. Alsdann wurde von einer Seite beantragt, nun­mehr nochmals über die gesammte Vorlage, wie sie sich durch die Kommissionsbeschlüsse gestaltet hat, abzustimmen. Es waltete bei diesem Anträge die Absicht ob, die Vorlage im Ganzen zu ver­werfen. Die Mehrheit war indeß der Meinung, daß eine solche Abstimmung nicht zulässig sei, da schon vor der Erstattung des Berichtes an das Plenum eine Gesammtabstimmung ftattgefunben und nicht die früher gefaßten Beschlüsse an die Kommission zu nochmaliger Berathung zurück-, sondern nur die neuen Kopp'schen Anträge ihr überreichen feien. Bischof Kopp, der gestern Nach­mittag noch vom Kaiser empfangen wurde, wollte nach biefem Resultat der Kommission sofort nach Fulda abreifen, hat sich aber bewegen lassen, zu bleiben. Aus Centrumskreifen verlautet, daß die Unterhandlungen mit Rom noch fortbauern. Auch eine Aeußerung des Kultusministers unb bie Thatfache, baß man bie Plenarberathung auf nächste Woche verschiebt, deuten auf Fort­setzung der Verhandlungen hin. Der ,Kreuz-Ztg." wird aus Rom depeschirt, daß der preußische Gesandte von Schlözer eiligst nachBerlin ab gereist sei. Inzwischen hatte Bischof Kopp zu den Verhandlungen mit der Regierung durch einen Vertrauten des Bischofs von Trier, Dr. Komm, nämlich Geistlichen Rath Dr. R e u ß, einen höchst sprach- und gefchäftsgewandten Herrn, welcher ebenfalls direkt aus Rom gekommen war, neue Instruktionen des Papstes erhalten.

** Das Herrenhaus genehmigte nach Ver­eidigung des neueingetretenen Mitgliedes Grafen Bohndorff bie Gesetzentwürfe betr. bie Erweiterung des Staatsschulbenbuchs unb betr. bie Landes- branbtaffe in Cassel. Dann folgte bie 1. Be­rathung des Staatshaushaltsetats für 1886/87. Beim Etat der Lotterieverwaltung bcbauerte Ober­bürgermeister Struckmann die vom Abgeordneten­haufe beschlossene Vermehrung der Lotterieloose.

hat. Sobald es ganz dunkel ist, will er mit seinem Tragkorb in das schloß kommen, was ja Keinen wundern kann, daß er morgen seinen Botengang nach Trier macht, und er allemal vorher hier anfragt, ob nichts zu bestellen fei. In dem Korb bringt er mir die Kleider von einem Burschen Ihrer Größe, damit ich sie Ihnen zustecke, und Sie als Mann verkleidet fliehen können. Das Schwerste ist freilich für Sie, ohne Aufsehen aus dem Schlosse zu kommen. Der Philipp will darum in dieser Nacht den Wachen einen Trunk zum Besten geben, und während die trinken unb 'er ihnen lustige Faxen vormacht, sollen Sie in

einen Soldatenmantel gehüllt, den er ihnen eben­falls verschaffen will, zum offenen Thore hinaus schleichen. Daß die Zugbrücke niedergelassen ist, dafür will der Philipp auch sorgen. Es ist ein schweres Wagniß, doch wir wollen hoffen, daß es gelingt."

„Du gutes, liebes Geschöpf," sagte Erika ge­rührt, „wie danke ich Dir und Deinem Bruder für Euren thätigen Antheil an meinem Ssticksal. Von diesem Zimmer aus weiß ich sicher und ge­fahrlos auf geheimem, unterirdischen Wege zu ent­fliehen. Aber wie wird es mir draußen ergehen, wohin soll ich mich wenden?"

„Gott sei Dank'" rief Margaretha freudig.