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in der österreichischen ReichSiagssitzung zu Anfang voriger Woche, er ging von der nationalen Be­wegung in Oesterreich aus, wie» darauf hin, daß es sich nie in der Weltgeschichte ereignet, daß zwei große Ideen auf einmal die Geister mächtig be­herrschen. „Die Parlamente Europas werden, ob sie wollen oder nicht, soziale Reformen durchführen muffen. Wir werden dabei mit kostbaren aber gefährlichen Stoffen hantiren und von unserer Einsicht und Erfahrung wird es abhängen, ob sich die Elemente zu einem schönen Krystall vereinigen, oder ob sie in ein förmliches Chaos zerfallen werden. Groß wird unsere Verantwortung sein; aber größer unser Erfolg im Falle des Gelingens, als jener war, den die Alchymisten sich erträumt haben; denn wenn wir dem Volke seine Zufrieden­heit und der Arbeit ihren gerechten Lohn geben, dann haben wir aus Steinen Gold gemacht."

Deutsches Reich.

Berlin, 29. März.

• Die kirchenpolitische Kommission des Herrenhauses hält morgen eine Sitzung ab und die Plenarberathung des Geietzes soll noch in dieser Woche, wahrscheinlich Freitag, stattsinden. — Die polnischen Mitglieder des Herrenhauses beantragen Streichung derjenigen B-stiinmungen der kirchenpolitischen Vorlage, wonach die Wieder­eröffnung der Seminare für die Erzdiözese Gnesen- Posen und die Diözese Kulin durch Königliche Verordnung bestimmt werden, sowie, wonach in der Erzdiözese Gnesen-Posen und in der Diözese Kulm die Regelung im Wege Königl. Verordnung erfolgen soll.

** Das Abgeordnetenhaus berieth heute die Sekundärbahnvorlage. Zum Bau von 20 Sekundärbahnen und zur Beschaffung der erfor­derlichen Betriebsmittel sind 52,907,000 Mark, zur Betheiligung an dem Bau mehrerer Sekundär­bahnen 550,000 Mk., zur Anlage eines zweiten Geleises auf 3 Bahnen 1,235,000 Mk. und zu einigen anderen Bauausführungen 3,050,000 Mk. eingestellt, insgesammt also 57,742,000 Mk. Die Kommission beantragt unveränderte Bewilligung. 20 der beantragten Sekundärbahnen wurden ge­nehmigt, darunter auch die Linien Fulda-Tann (3,250,000Mk.) und Sarnau-Frankenberg (1,950,000 Mk.) Die Linie Fulda Tann über Hilders soll den nördlichen Theil des Rhöngebiets aufschließen. Mit diesem Vorschläge hat die Re­gierung den früheren Plan einer Bahn von Hün­feld über Tann nach Hilders aufgegeben, weil die Verkehrsbeziehungen der Rhön vorwiegend nach Fulda gerichtet seien. Die Kommission beantragt zum Bau der Bahn Fulda-Tann die geforderten 3,250,000 Mark unverändert zu bewilligen. Abg. Seyfarth (Rothenburg) befürwortet die Linie Hünfeld-Tann-Hilders und beantragt, diesen Theil der Vorlage an die Budgetkommiffion zur nochmaligen Prüfung zu verweisen. Abg. Goeß-

Erika vermochte kaum zu sprechen, alle ihre Glieder bebten.

„Sie irren," sagte sie leise; „ich habe gar nicht darüber nachgedacht."

Der Oberst schien eine Weile betroffen, dann rief er stürmisch: „Verkennen Sie meine guten Absichten nicht länger, glauben Sie an meine Aufrichtigkeit! Wenn meine Werbung auch eine ungestüme ist, so bedenken Sie, daß der Soldat im Sturme erobern, daß er die flüchtige Gunst des Augenblicks benutzen muß. Erika, ich liebe Sie mit aller Gluth meiner Seele. Sagen Sie mir, daß Sie mein Weib werden, daß Sie mir angehören wollen." Er ergriff ihre Hand und sah ihr liebedurstig ins Auge.

Sie entzog ihm die Hand, und mit dem Aus­druck der Verzweiflung stieß sie hervor: „Das ist unmöglich, ich kann es nicht."

Er sprang auf. „Unmöglich!" widerholte er heftig. „Dieses Wort hat nur die eine Wirkung auf mich, daß es meinen Muth anstachelt und entflammt." Er schaute auf sie nieder und er­blickte sie vor sich bleich und gebrochen, ein Bild stumpfer Trostlosigkeit. „Erika," flehte er mit glühenden Worten, „stoßen Sie Ihr Glück nicht von sich. Ich verlange nicht, daß Sie Ihr Loos an das wechselreiche, unstete Leben eines Soldaten fesseln, nein, ich werde meinen Abschied fordern, um ein Schutz und Hort an Ihrer Seite bleiben zu können. Als meine Gattin werden Sie in

manu empfiehlt dagegen die Linie Fulda-Tann, welche dann auch unter Ablehnung des Antrags Seyfarth vom Hause mit großer Majorität ange­nommen roirx Zum Bau einer Eisenbahn von Wiesbaven nach Langeuschwalbach werden 1,210,000 Mk. gefordert. Die Kommission bean­tragt Bewilligung. Die Abgg. Dr. Lottichis und Dr. Lieber beantragen Ablehnung der Position, dagegen soll die Regierung aufgefocdert werden, die Erbauung einer normalspurigen Eisenbahn unter­geordneter Bedeutung von Eltville über Schlangen­bad nach Langenschwalbach in erneute Erwägung zu nehmen. Der Antrag w rd von den Antrag­stellern motivirt, von Minister Maybach und den Abgg. Körner und Wißmann bekämpft und hierauf auf Annahme des Kommissionsantrages beseitigt. Hieraus wird die Weiterberalhung auf morgen 11 Uhr vertagt. Tagesordnung: Rest der heu­tigen Berathung.

•* Der Reichstag nahm heute die erste Be­rathung des Gff-tzentwurfs, betreff, den Serois- tarif und die Klaffeneintheilung der Ölte vor. Abg. Richter (dfc.) beschwerte sich darüber, daß diese Vorlage, die eine Mehrausgabe von circa l Million für das Reich mit sich bringe und die Kommunen beunruhige, erst so spät an das Haus gelange. Staatssekretär von Bötticher erwieverte, daß die Vorlage durch das Quartierieistungsgesetz bedingt sei und daß etwa störende Einflüffe dabei nicht ganz zu vermeiden waren. Abg. Wüt (dfr.) bedauerte, daß Charlottrnburg nicht in eine höhere Klaffe gestellt worden. Abgg. Racke (Centr.), v. Kardorff (Reichsp.) und v. Köller (kons.) erklärten sich für Kommissionsberalhung, Abgg. Dr. Windt- horst und Dr. Meyer Jena (nat. lib.) bemängelten einzelne Veränderungen der bisherigen Emtheilung. Schließlich wurde die Vorlage der Budgetkommis­sion zur Vorberathung überwiesen. Es folgt die zweite Berathung der Gewerbeordnungs-Novelle (Korporationsrechte für Innungen). Abg. v. Kleist- Retzow (kons.) beantragt in Gemeinschaft mit dem Abg. Ackermann, daß dre Befu^niß zur Ectgeilung von Korporationsrechten nicht dem BundeSrath, sondern denjenigen Behörden ertheilt werde, welche die Jnnungsstatuten zu prüfen und zu genehmigen haben. Nachdem sich die Abgg. Dr. Baumbach (freis.) und Meyer-Jena (nat.-lib.), sowie Staats­sekretär o. Bötticher gegen den Antrag ausge- iProchen, wurde die Vorlage unverändert angenom­men. Morgen: Sozialistengesetz.

* Pelplin, 29. März. Heute Nachm. 2^ Uhr ist der Bischof von Kulm, Johannes von der Marwitz, nach zweitägiger Krankheit, wohl ver­sehen mir den heiligen Sterbesakramenten, an der Lungenentzündung gestorben. Der hochwürdigste Herr ist am 20. April 1795 geboren, empfing die Priesterweihe am 10. April 1836, wurde vom Domkapitel am 14. Januar 1857' gewählt, von Pius IX. am 3. August desselben Jahres prä- conisirt und am 8. November in der Kathedrale zu Pelplin consecrirt.

ungestörtem Besitze all Ihrer Güter, von Hul­digungen umgeben, Ihre glückliche Existenz weiter­führen. Verschmähen Sie mich aber, so gehen Sie einer Zukunft entgegen, deren grauenhafte Aussicht ich Ihnen in diesem Augenblick noch nicht eröffnen will."

Für manches schwache Mädchen wäre diese Ver­suchung eine überwältigende geworden, die junge Gräfin aber blieb standhaft.

„Das ganze Elend meiner Zukunft steht vor mir," sagte sie leise, „aber lieber will ich die Heimath, alles mir Theuere verlaffen, als daß ich meine Hand dem räuberischen Feinde meines Vaterlandes reiche."

Er prallte zurück und alle Farbe wich aus seinem Antlitz.

„Dem räuberischen Feinde meines Vaterlandes!" rief er aus. „Das also sind Ihre wahren Ge­sinnungen , Mademoiselle! Glauben Sie denn wirklich," höhnte er, „ich sei schwachköpfig und gutmüthig genug, Sie aus meiner Gewalt ent­fliehen zu laffen? Ich schwöre Ihnen, nicht eher werden Sie frei diese Schwelle überschreiten, bis Sie einwilligen, meine Gattin zu werden." Seine Augen funkelten vor Wuth, und seine Züge ver­zerrten sich vor Zorn.

„Lieber gehe ich in den Tcü>, der mich nicht entehrt, wie es das Leben in einer Verbindung mft Ihnen thun würde," sagte Erika.

(Fortsetzung felgt)

• Freiburg, 29. März. Der Erzbischof Orbin ist an einer Rippenfellentzündung schwer eickrankt.

Ausland.

• Tournai, 29. März. Die Sinkenden au« den Steinbrüchen ziehen gegen Creve Coeur, ohne Plünderungen zu begehen. Sie erklären, sie seien nur gegen diejenigen Industriellen erbittert, welche die Löhne herabgesetzt. Es ist starkes Regenwetter eingetreten

* Mon», 29. März. 3000 Strikenve griffen das Kohlenwerk Mariemont an. Die Truppen feuerten. 14 Menschen wurden getödtet ooer verwundet.

* Charleroi, 29. März. Splingaro, ein Anarchistenführer, wurde verhaftet. Außerdem fanden noch andere zahlreiche Verhaftungen statt. Aus Tournai wird gemeldet: Die Arbeiter in den Steinbrüchen von Allair dis Antoing striken und rücken gegen Tournai vor. Die Bürgergarde marschirt gegen sie. In Barges fand ein blutiger Zusammenstoß zwischen Gensdarmerie und Striken­den statt.

* Paris, 29. März. Den Abendblättern zufolge würde Audiffret-Pasquier die Regierung interpelliren, welche Maßregeln sie zu ergreifen gedenke, um zu verhindern, daß die sozialistische Bewegung in Belgien auf die benachbarten französischen Departements sich ausbreite.

* Konstantinopel, 29. März. Die Mächte ertheilten übereinstimmend dem Fürsten von Bul­garien den dringenden Rath, das Abkommen, wodurch der Fürst von Bulgarien gemäß dem Artikel 17 des Berliner Vertrages zum General­gouverneur von Ostrumelien ernannt wird, anzu­nehmen.

* London, 29. März. Unterhaus. Gladstone theilte mit, er werde am 8. April die Bill über die Abänderung der Verwaltung in Irland ein­bringen. Das Budget hoffe er am 12. April vor- zulegen. Am 15. April werde dann die Bill, be­treffend die Abänderung über den Ankauf und Verkauf des Grundbesitzes in Irland dem Hause zugehen.

* Aus Montevideo wird über Buenos Ayres gemeldet: Es ist Revolution in Uruguay aus- gebrochen. Tausend M-nn unter.General Acre- donto sind gelandet. In Montevideo herrscht panikartige Erregung.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 30. März.

• Wie noch gestern Abend einem Theil unserer Leser durch Extrablatt mitgetheilt wurde, hat das Abgeordnetenhaus bei der gestrigen zweiten Be­rathung der Sekundärbahnvorlage die Eisenbahn­linie Fulda-Tann angenommen. (Vergl. den Landtagsbericht.)

* Am hiesigen Lehrerseminar begann heute unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulraths Dr. Kannengießer die mündliche Abgangsprüfung, der sich 17 Zöglinge genannter Anstalt und ein Externer unterziehen. Die Seminaristen Michael Stein­hauer von hier und Georg Ebel aus Unge­danken bei Fritzlar wurden auf Grund ihrer schrift­lichen Leistungen von der mündlichen Prüfung befreit.

* Der heute und morgen Hierselbst abzuhaltende Waarenmarkt ist von Budenbesitzern sehr stark frequentirt. Die Witterung ist, wenn auch nicht schlimm, so doch weniger einladend, al» in den letzten Tagen.

t1- Max van de Sandt, der jungetalentirte Pianist, den wir gelegentlich des Tua-Concertes hier hören werden, ist von Geburt Holländer, seine Studien machte er in seiner Heimat, wo er, als sehr talentvoll erkannt, zu Fran; Liszt gesandt wurde, um die höchste Ausbildung zu erhalten. Der Altmeister der Tonkunst nahm ihn auch bereit« willigst in die Reihen seiner Kunstjünger auf, und es war dem jungen van de Sandt gegönnt, zwei Jahre lang bei Liszt zu weilen. In einem erst kürzlich in Berlin stattgefundenen Concert des Künstlers erntete er großen Beifall und die Berliner Kritiken stellen den jungen Mann ebenbürtig an die Sette unserer großen Pianisten. Somit haben wir auch hinsichtlich de» pianisttschen Theile» de« ConcerteS Vorzügliches zu erwarten.