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JV 71.

Montag, dm 29. März

1886.

Ste ,Fuldaer Zeitung* erscheint täglich, Sonn» und Feiertage eu•genommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der »elletristischen Wochenbeilage ,6teme und Blumen* in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 28. März.

• Die gestrige Sitzung des Herrenhauses wurde durch den Präsidenten Herzog von Ratibor 12I/< Uhr eröffnet. Am Ministertische: Fürst Bismarck, v. Goßler und mehrere Kommissare. Hau- und Tribünen sind gut besucht. Gegenüber verschiedenen kritischen Benierkungen der Presse er« klären die Herren Oehlschläger, v. Kleist« Retzow, v. Schöning und Graf Udo Stol« berg vor Eintritt in die Tagesordnung, daß ihre Unterschriften unter dem Bericht der kirchenpoli- tischen Kommissionen nur durch Zufall weggeblieben seien. Auf der Tagesordnung steht lediglich der Bericht der 11. Kommission über den Gesetzent­wurf betr. Abänderungen der kirchenpolitischen Gesetzgebung. Präsident HerzogvonRatibor theilt dem Hause mit, daß inzwischen voni Herrn Bischof Kopp die bereits bekannten Abände» rungsanträge eingegangen seien und stellt die Unter­stützungsfrage. Die Anträge finden hinreichende Unterstützung. Herr Prinz zu Schönaich. Carolath (zur Geschäftsordnung): M. H.! Ich beantrage mit Rücksicht auf die hohe Bedeu­tung des Gegenstandes der Verhandlung und da im anderen Falle nach unserer Geschäftsordnung nur eine einmalige Berathung stattfinden würde, die Verweisung der erst gestern Abend vertheilten und vielen Mitgliedern des Hohen Hauses erst heute bekannt gewordenen Amendements de§ Herrn Bischof« Kopp zur V-rberalyung an die be­stehende Kommission. Dabei habe ich indessen Namens meiner politischen Freunde zu erklären, daß wir durch diesen Antrag keine auch nur even­tuelle Zustimmung zu diesen Abänderungsanträgen im Voraus ausdrücken wollen. Wenn wir auch bereit sind, den Wünschen der katholischen Kirche unter der Voraussetzung der Herstellung eines friedlichen Verhältnisses zwischen Staat und Kirche in weitem Umfange entgegenzukommen, so sind wir doch unter keinen Umständen gewillt, die durch die Jntereflen und die Würde des Staates gezogenen Grenzlinien außer Acht zu lassen. (Allseitiges Bravo.) Präsident Herzog von Ratibor: Der Herr Vorredner hat beantragt, die Amendements des Herrn Bischoss Kopp an die Kommission zurückzuverweisen. Ich frage, ob Jemand dagegen

— Sir letzte Gräfin m Manderscheid. 28

Roman von Antonie Haupt.

„Lassen Sie mich Ihr Gast fein," bat Erika mit einem reizenden Lächeln. „Ich fühle mich Ihnen gegenüber nicht als Herrin, sondern al- schwache, schutzbebürftige Frau. Ich bitte befehlen Sie dem Haushofmeister, daß er im Rittersaal servire."

Der Oberst verbeugte sich mit einer Geberde, als wolle er sagen, um Ihnen einen kleinen Spaß zu machen, wollen wir auf die Komödie eingehen; dann gab er dem harrenden Haushofmeister einen Wink.

Die übrigen Offiziere hatten in stummem Stau­nen der Szene beigewohnt und mit den Augen die königliche Erscheinung der jungen Dame förm­lich verschlungen.

„Mille tonnerres, quelle beautel* raunte der Kapitän seinen Kameraden zu. Dann dachte er darüber nach, welchen bezaubernden Effekt diese» junge Mädchen machen roürbe in dem griechischen Kostüm einer Juno, wie die Pariserinnen sich jetzt trugen. Da winkte ein Vorgesetzter die Herren herbei, um sie der Dame de» Hause» vor« zustellen.

Widerspruch erhebt. Das scheint nicht der Fall zu sein, wir kommen deshalb zur Abstimmung und ich ersuche die Herren, welche dem Anträge des Herrn Prinzen Carolath zustimmen wollen, sich zu erheben. Der Antrag wird nahezu ein« stimmig angenommen. Für denselben stimmt auch Fürst Bismarck als Mitglied des Herrenhauses. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. (Etat. Kleinere Vorlagen.) Schluß 1/31 Uhr.

** Das Abgeordnetenhaus, dem ein An­trag des Abg. Knebel, betreff. Maßregeln gegen die Ausbeutungen einzelner Bevölkerungsklassen bei Geld« und anderen Geschäften, zugegangen ist, er« theilte der Regierung bezüglich der Rechnung über den Staatshaushalts-Etat für 1882/83 Decharge und setzte dann die erste Berathung der Kanal­vorlage fort. Abg. Symula (Centr.) erklärte, der Vorlage nicht zustimmen zu können, wenn nicht gleichzeitig die Regulirung der oberen Oder zuge­sagt werde. Ministerialdirektor Schultz erwiderte, daß die Regulirung der oberen Oder nur deshalb nicht in die Vorlage ausgenommen worden, weil die Vorarbeiten noch nicht beendet seien. Abgg. Dr. Hammacher (nat.-lib.) und Dr. Windthorst befürworteten die Vorlage, namentlich aber die Ausführung des Rhein-Ems-Kanals. Während ersterer ankündigte, für den Fall der Nichtberück­sichtigung des Westens überhaupt gegen die Aus­führung der Kanäle zu stimmen, erklärte Dr.Windt- borst unter, allen Umständen für den,Menschen Kanal zu stimmen, aber im Falle der Nichtbewllli- gung des westfälischen Kanals dem Präcigualbei- trag Preußens zum Nordostsee-Kanal abzulehnen. Abg. Dr. Berger trat schließlich noch warm für den Rhein-EmS-Kanal ein, indem er ebenso wie die Vorredner für den Fall der Nichtbewilligung Zustände in Aussicht stellte, wie sie jetzt in Belgien herrschen. Minister Maybach wohnte der Verhand­lung bei, ohne in dieselbe einzugreifen. Schließlich wurde die Vorlage an eine 21gliedrige Kommission verwiesen. — Montag: Sekundärbahnen.

* Im Reichstag wurde heute die zweite Be­rathung der Vorlage über das Branntweinmonopol in Gegenwart de» Fürsten Bismarck fortgesetzt. Erster Redner war der sozialdemokratische Abge­ordnete v. Vollmar, welcher sich mehr mit den „Staatsstreich-Absichten" des Reichskanzlers, als

„Sie haben ganz über uns zu befehlen!" wandte sich Oberst Martell in verbindlichem Ton zu Erika. „Auch unsere Leute, tapfere, brave, aber leider etwas rohe Soldaten, sollen nichts thun, was Ihren Unwillen erregen könnte."

„Was Letztere anbetrifft, so würde ich Ihnen für Ihren Schutz sehr dankbar sein," entgegnete die Gräfin. „Die Soldaten stellen unglaubliche Forderungen — und die armen Bauern der Um­gegend beklagen fich bitter über Plünderung und Mordbrennerei."

„Da» soll sich augenblicklich ändern. Sie wer­den keine Klage mehr hören. Herr Lieutenant Morand, Sie übernehmen e», sofort das Betragen der Leute zu regeln."

Der junge Offizier entfernte sich und blieb sehr lange au«. Erika vernahm später, daß die Sol­daten sehr wenig Subordination bewiesen, und daß der Lieutenant sich mit dem blanken Degen den Gehorsam hätte erzwingen müssen, e» schließ­lich aber dazu gebracht habe, daß die Franzosen sogar an dem Brande hätten löschen helfen.

Inzwischen hatte Oberst Martell der Komtesse den Arm gereicht, und man war zur Tafel ge­schritten. Die Offiziere freuten sich sehr, nicht in dem verhaßten, barbarischen Deutsch radebrechen z« müssen und wurden sehr gesprächig, sehr mit»

mit dem Monopol beschäftigte. Redner hat seiner Zeit mit seiner Rede über das Tabakmonopol, dessen kommunistische Tendenz er kennzeichnete, Sensation erregt, heute hat er indessen das unter­lassen und vermochte kaum die Aufmerksamkeit des Hause» zu wecken. Der freikonseroative Abge­ordnete v. Kardorfs ergriff hierauf al» zwefter Redner das Wort. Er machte den Eindruck, al» hielte er heute seine erste Rede als Finanzminister. Gestern hat Fürst Bismarck Herrn v. Kardorff im Hause gesprochen, der Erfolg war, daß der Monopolgegner v. Kardorff aufs Lebhafteste für die Vorlage eintrat und erklärte, daß seine frei­konservative Partei für den § 1 der Vorlage, die das Grundprinzip enthält, stimmen werde, entgegen der deutschkonservativen Pattei. Er griff die Kommission an, er griff den Reichstag an, er griff die Führer de« Centrums und der Deutschfreisinnigen an. Er vertheidigtedie Vor­lage und die Doppelwährung; es sei mit der Währung genau so gekommen, wie erfahrene Leute seit 20 Jahren vorausgesagt. Bedeutende Staatsmänner erkannten die Schädlichkeit der Gold­währung, es sei bedauerlich, daß Herr v. Scholz die Goldwährung so vettrete. Redner zog auch die Kirchenpolitik herein und stellte die absurde Behauptung auf, daß das Centrum sich hierin von den Deutsch-freisinnigen beeinflussen lasse, weil — das .Berliner Tagebl.* das Canossageschrei erhebe. Herr v. Kardorff wurde vom Centrum fischen Volke, sondern im ganzen Lande etn Echo finden. Redner beantragte schließlich Zurückoer- Weisung der Vorlage an vie Kommission. Hierauf kam der nationalliderale Abgeordnete Dr. Buhl zum Wort. Er hatte die schwierige Aufgabe, sich an der Wahlklippe vorbei zu schlängeln, welche gestern sein Fraktionsgenosse o. Fischer errichtet. Ernst konnte man dabei nicht bleiben, wie Dr. Buhl ausführte, er habe in erster Lesung nicht Namen« seiner abwesenden Parteifreunde gesprochen, al» er im Auftrag seiner Fraktion erklärte, sie werde geschlossen gegen da» Monopol stimmen. Heute ist Redner bereit, nochmals in dir Kommisftons-Be» rathung einzutreten. Finanzminister von Scholz suchte darauf dem Monopol etwas auf den Damm zu helfen, indem er seine angebliche Vortrefflichkeit in jeder Hinsicht pries unter großer Unaufmerk« theilsam; sie renommirten von ihre KriegSthaten und ergingen sich in Schilderungen der Schlachten, denen sie beigewohnt.

Der Kapitän rühmte die Schönheit der deut­schen Frauen: „Aber bei meiner Ehre," betheuerte er, indem er die Hand aufs Herz legte und einen glühenden Blick hinübersandte, „niemals hat menschliche Schönheit mich so überrascht, als in diesem payx sauvagne, in dieser Einöde die schönste und liebenswürdigste der Frauen, — Sie, Mademoiselle, wie ein Gebild aus Himmels­höhen uns entgegen treten zu sehen.

Die Komtesse erröthete vor Unwillen, und ihre Augen blitzten zornig auf bei dem plumpen Kom­pliment. Sie bezwang sich aber und entgegnete mit innerlichem Widerstreben:

„Ich fühle mich sehr geschmeichelt durch die Lobpreisungen eines Feindes."

„Eines Feindes?" widerholte der Kolonel mit großem Aufwand sittlicher Entrüstung. „O, Mademoiselle, Sie werden doch bie Vertreter eine» wohlthätigen Volke», welchem nur Gerechtigkeit und Menschenliebe zur Richtschnur dienen, nicht al» Feinde bttrachten? Wir kommen al» Freunde um unsere durch eine verächttiche und unwürdige Tyrannei gebeugten Brüder unter den stegreichen Fahnen der Freiheft zu vereinigen. Ein stolze«