zu dürfen.
(S-tsetzun« folgt.)
eine längere Erklärung, worin er seine neulich gemachten Aeußerungen über die ihm angeblich zu Theil gewordene schlechte Behandlung im Gefäng- niß dem preußischen Justizminister Dr. Friedberg aufrecht hielt. Das Haus trat alsdann in die Tagesordnung ein. Im Auftrag der Monopol- kommiiston referirte dann Frhr. v. Hertling in aller Objektivität über die Berathungen der Kommission in umfassender Weise. Wir heben nochmals hervor, daß die Abstimmung über die grundlegenden §§ 1 und 2 deshalb so rasch stattfand, weil sich Niemand mehr zum Worte meldete. Darauf ergreift Fürst Bismarck dar Wort. Sechs Monate hat die Regierung an der Vorlage gearbeitet und trotzdem, klagt der Reichskanzler, hat der Reichstag nur kurze Zeit gebraucht, ste zu verwerfen. Er nennt die Verwerfung eine Art von „Blinbe-Kuh-Spiel", weil der Reichstag nicht gesagt, wie anderweitig die Bedürfniffe der Einzel- staaten, die nach der Ueberzeugung der Regierung bestehen, befriedigt werden könnten. Er wisse deshalb auch gar nicht, warum er hätte in die Monopolkommission kommen sollen, wozu ihn der Abgeordnete Dr. Windthorst aufgefordert habe. Es folgte eine Polemik gegen die Art und Weise, in welcher der Abg. Richter das Monopol bekämpft hatte. Der Reichskanzler verwahrt sich dagegen, daß er auch zu persönlichen Zwecken die „Klinke der Gesetzgebung" in die Hand nehme. Redner geht dann auf die Bedürfnißfrage ein und sucht nachzuweisen, daß höhere Einnahmen nöthig sind. Es folgt eine Erörterung über die angebliche Unannehmbarkeit der Fabrikatsteuer, bei welcher der Reichskanzler mittheilt, daß neue Vortagen über die Branntweinbesteuerung mit der
indem sie alle ihr zu Gebote stehende Liebenswürdigkeit an den Tag legte.
Es schien jedoch nicht, als ob sie ihren Zweck erreichen solle, der Verwalter kam mit der Meldung zurück, der französtsche Kolonel habe auf die Einladung mit wegwerfender Miene erklärt, sie seien jetzt Herren im Schlöffe, wenn die Rom- teffe nach ihrer Gesellschaft Verlangen trage, so möge sie sich zu ihnen bemühen.
Der kurfürstliche Sergeant hatte Recht: Auf die gepriesene Kourtoisie der Franzosen durfte man im Kriege nicht bauen. Man hielt sie gewiß für eine schwachsinnige, alte Matrone, daß man ihr eine solche Antwort zu Theil werden ließ. In ihrem Kopfe bildete sich ein förmlicher Feldzugsplan. Obschon ihr adeliger Sinn sich mächtig dagegen sträubte, wollte sie dennoch den schweren Schritt thun, wollte sie den Feind durch ihre persönliche Erscheinung entwaffnen und zur Milde stimmen. Nachdem sie vorher sorgfältige Toilette gemacht hatte, begab sie sich nach dem Waffensaale, wo die Ossiziere noch immer ihr übermüthiges, zerstörendes Spiel trieben.
„La comtesse de Manderscheid,“ meldete der Haushofmeister mit vernehmlicher Stimme, al» sie die Schwelle überschritt.
Der Eindruck, welchen ihr plötzlicher Erscheinen machte, war ein unbeschreiblicher. Nieder sanken die Arme mit den zum Schuß oder Stoß erhobenen Waffen augenblicklich und wi» gelähmt. Vor dem vollendeten hehren Au»druck der Weiblichkeit beugten unwillkürlich selbst die rohen
Tendenz höherer Einnahmen in Vorbereitung sei. Wenn man auch diese ablehne, dann werde der König von Preußen sich gezwungen sehen, durch eine Lincenzsteuer die erforderlichen Mittel zur Deckung der vorhandenen Bedürfniffe zu beschaffen. Abg. v. Helldorf (kons.) erklärte, daß seine Partei sich der Abflimmuna enthalten werde, da sie durch den Kommissionkbeschluß behindert sei, dafür zu stimmen. Abgeordnete Langwerth von Simmern sprach gegen das Monopol, Abg. v. Fischer (n.-l.) Namens seiner süddeutschen Freunde dafür bezw.
Krieger sich. Der schmerzliche Zug in diesem seelenvollen, schönen Frauenantlitz ließ sie wider Willen beschämt die Augen zu Boden zu schlagen. Der Oberst war der Erste, welcher die Faffung wiedererlangte; er trat einige Schritte vor und verneigte sich mit ritterlichem Anstand; vergebens jedoch schien er nach einer paffenden Anrede zu suchen. Die Gräfin enthob ihn derselben, indem sie zuerst das Wort ergriff:
„Meine Herren," sagte sie in gewähltem Französisch. „Sie haben mich wissen laffen, falls ich Verlangen nach Ihrer Gesellschaft trüge. Ich anerkenne das Recht des Sieger», doch i4 appellire auch an seine Großmuth. Ihre freundliche Einladung nehme ich mit Dank an und hoffe, daß ich alsdann nicht vergeben» um Ihren ritterlichen Schutz und Ihre Hilfe flehe."
Der Oberst war ein Mann, dem das Gefühl der Beschämung eine ungekannte Empfindung war; bei dieser Anrede aber, welcher sein schlummerndes Ehrgefühl weckte, und vor diesen Augen, die auf dem Grunde seiner Seele zu lesen schienen, fühlte er heiße Gluth in sein Antlitz steigen. Ec stammelte verwirrt, daß nur ein beklagenswertste» Mißverständniß auf Mademoiselle's freundliche Zuvorkommenheit eine solche Anwort habe zu Theil werden laffen. Von Herrschen könne gar keine Rede sein, ste betrachteten sich al« Mademoiselle'» gehorsamste Diener und seien überglücklich, ihren liebenswürdigen Einladung zur Tafel Folge leisten
sympathisch gegenüberstehe, und die entgegenstehenden Schwierigkeiten zu beseitigen hoffe, Nachbem noch Abg. Biesenbach (Centr.) für den Anschluß der westlichen Provinzen an das Meer eingetreten, wurde die Weiterberathuug auf morgen vertagt.
* Im Reichstag stand heute die zweite Be- oisyeirge w ... «... a - -........ । raihung des Branntweinmonopols auf der T^s-
haltenen Bestimmungen in den Gesetzen über den orbnung Erschienen si^ °m Bundesra hst.sch^ Erwerb van Privateisenbahnen für den Staat, der Reichskanzler Fürst Bismarck. Staatssekretair Darauf erledigt das Haus mehrere Petitionen, v. Burchard, Finanzmimster v. Scholz. DaS^Haus Eine Petition des Rektors Lehnerdt und Genoff. war sehr gut besucht. Vor Eintritt m die ^ages- wegen Erwirkung eines Schuldotationsgesetzes wird ordnung gab der sozialdemokratische Abg. Herne der Staatsregierung zur Erwägung Überwiesen. \ --------------
Morgen: Kirchenpolitische Vorlage. i
•* Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzentwurf, betreff, das Staatsschuldbuch, in dritter Berathung an und trat dann in die erste Be« rathung der Kanalvorlage ein. Dieselbe fordert 71 Millionen Mark für einen Rhein-Ems-Kanal und einen Spree-Over Kanal. Abg. Jmwalle (Centr.) erklärt die Vorlage, soweit sie den Rhein-Ems« Kanal betrifft, für unannehmbar. Der Kanal werde nur die Ueberproduktion befördern. Abg. v. Haug- witz (kons.) äußert gleichfalls schwere Bedenken gegen die Anlage des Rhein-Ems Kanals und erklärte schließlich, daß die Mehrheit seiner politischen Freunde dagegen stimmen werde. Ministerialdirektor Schultz konstatirte, daß die Regierung nicht leichten Herzens mit der Vorlage herangetreten sei; aber sie habe die Ueberzeugung gewonnen, daß es sich hier um eine wichtige produktive Anlage handle. Abg. Eitenscheidt (Centr.) äußert insbesondere tech- Nische Bedenken gegen das Rhein-Ews-Kanalpro- jekt. Oberbaurath Wiebe wies das Mißtrauen, welches der Vorredner gegen die Techniker ausgesprochen, zurück. Abg. Dr. Natorp (nat.-lib.) befürwortete die Vorlage und insbesondere das Rhein- Ems-Kanalprojekt, welches die westfälische Kohle gegenüber der englischen in den deutschen Häfen konkurrenzfähig machen sollte. Daran habe nicht nur Westfalen ein Jntereffe, sondern die ganze Monarchie, denn die Arbeiter kämen aus allen Theilen des Landes, ebenso das in den Werken angelegte Kapital. Abg. Spangenberg (fceikons.) erklärte, daß die Mehrheit seiner Fraktion für das Oder-Spreeprojekt stimmen werde, gegen das Rhein- Ems-Kanalprojekt die schwersten Bedenken liabe. Abg. v. Heeremann (Centr.) trat für das RUln- Emsprojekt ein, an dessen Zustandekommen jetzt, nachdem der Nordostsee-Kanal beschloffen sei, der Westen ein um so größeres Jntereffe habe. Abg. Letocha (Centr.) ist zwar prinzipiell für die Vermehrung der Wasserstraßen, fürchtet aber, daß die Herstellung des Rhein-Ems-Kanals die schlesische Montanindustrie schädigen werde, wenn man diese nicht durch eine Regulirung der oberen Oder in die Lage bringe, die Konkurrenz aufzunehmen. Geh. Oberbaurath Wiebe erroieberte, daß die Regierung
des Gesetzes vom 3. März 1850 betreffend den dem Wunsche wegen Regulirung der oberen Oder erleichterten Abverkauf kleiner Grundstücke auf die ------™t**»*» ”"h entaeaensteben-
Provinz Schleswig-Hollstein, erklärt den Bericht, betr. die Ergebnisse des Betriebes der für Rechnung > des Preußischen Staats verwalteten Eisenbahnen | im Betriebsjahre 1884/85 durch Kenntnißnahme .
für erledigt erklärt, desgl. den Bericht, betr. die ■ bisherige Ausführung der in den § 4 und 5 ent- ■
für eine erhöhte Branntweinsteuer. Abg. Richter (frei).) wies zurück, daß er den Reichskanzler beschuldigt habe, aus persönlichen Jntereffen das Monopol zu fördern. Die Behandlung, welche die Vorlage gefunden, sei die Folge der mangelhaften Begründung derselben. Wa» die Bedürfnisse der Einzelstaaten anlange, so bedürfe z. B. Sachsen keine finanziellen Zuwendungen. Seine Freunde seien für eine höhere Branntweinsteuer, ^aber nur, wenn dafür andere Steuern, z. B. die Salzsteuer, erlaffen würden. Die angekündigte Steuer könne leicht die Brücke für das Monopol sein. Die Rückgängigmachung der Bundesverträge würde der Verfassung widersprechen, der Fürst, der solch-» unternähme, wäre ein Revolutionär. — Weiter- berathung morgen.
* Braunschweig, 25. Mär;. Der Landtag genehmigte einstimmig und ohne Debatte die Milr- tär-Kottvention mit Preußen.
* Dresden, 25. März. Die Erste Kammer genehmigte ebenso wie die Zweite Kammer den provisorischen Erlaß einer Verordnung wegen der Kommunalbesteuerung der Militä-personen.
Ausland.
* Lüttich, 26. März. Die Gensdarmerie nimmt zahlreiche Verhaftungen bettelnder und bewaffneter Strcker vor. In allen Gemeinden patroullirt die Bürgergarde, um die Bewohner zu schützen. Ein Unteroffizier und drei Gemeine wurden wegen Insubordination verhaftet.
* Charleroi, 26. März. Die in der Umgebung der Stadt belegenen Hüttenwerke und Metallfabrikanten. in welche die strikenden Arbeiter eingedrungen sind, hörten zumeist auf zu arbeiten. In den Kohlengruben Maubourg's wurden die Grubenarbeiter durch die Strikenden am Fortarbeiten gehindert. Eine große Anzahl Glashütten wurde geplündert. In Chaldineau kam es zwischen den Strikenden und der Gendarmerie zu einem thätlichen Zusammenstoß, wobei mehrere j Personen verwundet wurden. — Zum Schutze der Stadt, wo heute mehrfach Schlägereien mit Strikenden vorkamen, sind weitere 500 Mann Infanterie und eine Eskadron Lanciers eingetroffen. Dieselben wurden nach den Eingängen der Stadt und anderen Punkten birigirt. Die Brücken, teilweise auch die Stadteingänge, wurden von der Burgergarde bewacht. Menschenansammlungen wurden an mehreren Punkten zerstreut. Von einer der größten Glashütten der Umgegend wird gemeldet, daß sie in Flammen stehe. — Die Brauerei Binard, die Holzwaarenfabrik Piette in Chatelineau, sowie die Glashütte Baudoux in Jumet sollen in Flammen stehen.
' Athen, 26. März. Das Amtsblatt publizirt die Einberufung von zwei Reseroeklaffen zum 4. April.
* London, 26. März. Gladstone zeigt dem Unterhause an, er hoffe, den Wortlaut seines Antrages, betreffend die Einbringung der Bill über die künftige Regierung Irlands dem Hause am nächsten Montag ober Dienstag mitzutheilen.
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 27. Mäiz.
* Mit dem morgigen Tage (28. März) beginnt in unserer Diözese die österliche Zeit, welche am 9. Mai endet. Der kirchliche Tag wird in- dessen immer schon von dem Vorabende des folgenden Tages an gerechnet; somit gilt die am heutigen Sonnabend Nachmittag abgelegte Beichte auch für die Osterbeichte.
A In der gestrigen Strafkammersitzung dahier kamen folgende Sachen zur Verhandlung:
Di« Ehefrau des Taglöhners Martin Gutermuth, I Karotins geb. Kenner in Fulda wurde wegen schweren und einfachen Diebstahls in eine Zuchthausstrafe von einem I Jahr und 4 Wochen verurtheilt und zwar neben Ent- I zichung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre. — Der Bäckerlehrling Ferdinand Metzler von Poppenhausen wurde I beschuldigt, im Februar ds. Js. den Knaben Bernhard I Schuchardt von Fulda durch einen Wurf mit einem Stern an den Kopf dergestalt vorsätzlich körperlich verletzt ,u I haben, daß durch diese Verletzung der Tod des Schuchardt herbeigeführt wurde. Das Urtheil lautet auf Verurtheilung I des Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit I tödtlichem Erfolge und zwar in eine 3 monatliche Ge- I fängnißstrafe unter Anrechnung von einem Monat Unter- I suchungshaft. — Der Lehrling Fran» Rübsam von Fulda ' I wurde wegen Verbrechens gegen den S 176 Nr. 1 des 1 I Strafgesetzbuchs und Vergehens gegen § 241 St.-G.-B. m I eine 6 monatliche und 3 tägige Gefängnißstrafe; — der I Lehrling Matthias Oswald von Fulda wegen vorsätzlicher