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1886.

Sonnabend, den 27. März

Fuldaer

— mit der

Erst es Blatt

preußischen Truppen besetzt. Nach dem Tage do" Königgrätz, sagt Oetker, war es mir persönlich Nich^ mehr zweifelhaft, daß es um die Selbstständigkeit Kurhestens geschehen sei. Ich kannte die deshal biqen Neigungen und Bestrebungen Bismarck s zu gut, und was den König selbst anbelangt, so hat eS noch keinen Hohenzollern gegeben, der nicht die Bergrößerung des Staatsgebietes im Auge hätte. Bei einer Unterredung am 7. August 1866 (fast um Mitternacht) hat Oetker die Ueberzeugung ge­wonnen, daß der Fürst über die Gestaltung der deutschen Angelegenheiten noch wenig im Klaren war daß sein Hauptaugenmerk vorderhand nur aus 'ein vergrößertes Preußen gerichtet war, wie­wohl er den Bundesstaat durchaus nicht aufge- geben habe. m ,

Das Kurfürstenthum Hessen wurde von Preußen annektirt. „Die so vielfach ausgestellte Behauptung, der Kurfürst habe bis zuletzt beharrlich an fernem „Rechte" festgehalten, entbehrt nach Oetker der geschichtlichen Wahrheit."

schien er zu dem demüthig und zitternd dastehen­den Haushofmeister zu reden, und die Lvedaten machten Miene, sich ohne Weiteres ms Schloß zii stürzen um es einer gründlichen Durchsuchung zu unterwerfen. Als aber dec greise Kastellan^ mit einladender Miene die Thüre zu der großen «alle öffnete und die unter der Last von Speisen und Getränke sich biegenden Trsche sichtbar wurden, drangen sie mit aufgehellten Mienen dort em. Den Oberst, einen martialisch drernblrckenden Hauptmann und zwei Lieutenants bekomplimentirte der Verwalter ins Schloß zu dem prächtigen Rittersaal, wo eine gedeckte Tasel rhrer harrte. Die Pferde wurden von den Dienern zu den Ställen gebracht und auf das Beste versorgt.

Wenn Erika geglaubt hatte, daß diese Maßregeln die Feinde bescheidener in ihren Forderungen machen wur- den, so hatte sie sich sehr getäuscht. Vor der fosor- Ligen Ausraubung ward sie allerdings dadurch geschützt; dies schien aber auch der einzige Erfolg ihrer Zuvorkommenheit zu sein. Die ^ldaten waren überhaupt nicht zufrieden zu stellen. Sie for- beiten bald diese, bald jene Speise bald Wem, bald Branntwein, und wenn ihnen da» Verlangte gebracht wurde, schütteten ste es au» und äußerten wieder andere Wünsche, dabei lärmten, fluchten sie und brüllten das „$a ira" ohne Unterlaß.

taqes nöthige. Die Stände hätten ja, so hat der Fürst erklärt, das Recht der Steuerverweigerung, die Hessen wären aber zu konservativ, zu sehr ge­mäßigt, die preußische Kammer würde längst von einem solchen Rechte Gebrauch gemacht haben. Allerdings würde es dem Könige von Preußen sehr mißfällig sein, wenn die hessische Kammer m solcher Weise vorginge, aber der Constitutionalis- mus beruhe auf gegenseitigem Abwägen und Ver­ständigen, auch die Regierungen dürften ihre Rechte nicht mißbrauchen. Wiederholt hat der Fürst Bismarck, wie gesagt wird, sodann die Worte em- fließen lassen: „So wie 1850, gehen wir aus Hessen nicht wieder heraus", und zum Schluß, Herrn Oetker am Arme fassend, ausgerusen:

Sind wir einmal drin, so gehen wir nicht_wie- der heraus." (Allerdings hat später der Fürst Bismarck Herrn Oetker sagen lassen, wenn die Hessen den Kurfürsten fortjagten, so würde er ihn zurückbringen) •■ . ,

Am 25. Nov. 1864 hat Oeiker bei einer neuen Unterredung dem Fürsten Bismarck nochmals seine Pläne in Betreff des Budgets und des Landtags­abschiedes entwickeln müssen. Der Fürst hat zu den Plänen Oetker'S wiederholt Bestall genickt und schließlich erklärt, man könne nichts dagegen haben, wenn die Stände von ihren Rechten Ge­brauch machten. Preußen würde ihnen nicht ent- gegen treten und, wenn es statt des Bundes die andesherrliche Autorität herstellen müßte, sicher nicht die jetzige wieder einsetzen. Letzteres stimmt überein mit der V05 rwähnten Erklärung, da. Preußen, wenn cs einmal in Heffen, nicht wieder herausgehen würde.

Oetker hatte eine weitere Unterredung mit dem Fürsten Bismarck im Mai 1866 und gewann darin wiederholt die Ueberzeugung, daß der Fürst ent- schieden darauf ausging, selbst auf die Gefahr eines Sturzes, ja seines Unterganges, zwischen Oesterreich und Preußen das Kriegsgluck ent­scheiden zu lassen. Es waren, so wird gesagt, vom Fürsten Bismarck die Karten bereits in der Weise gemischt, daß ein Bruch mit -esterreich herbeigeführt werden mußte. Daß aber viel brechen würde, wenn es zu entern Bruche nut Oesterreich käme, halte der Fürst schon früher gefagt.

Als der Krieg zwischen Oesterreich und Preußen ausgebrochen war, wurde das Kurfürstenthum von

* Aus den „Lebenserinnerungen" Friedrich Oetkers.

Friedrich Oetker, der in dem Kurfürstenthum Heffen vor deffen Annexion durch Preußen eine ähnliche Rolle gespielt hat, wie Herr v. Bennigsen in dem Königreich Hannover, hat gegen das Ende der siebenziger Jahre zwei Bände „Lebenserinne- rungen" erscheinen lassen, denen jetzt nach seinem Tode durch den außerordentlichen Profeffor Dc. Friedrich Oetker zu Bonn, einem Neffen des 93er« storbenen, ein dritter Band hinzugesügt ist. Der­selbe enthält viel Interessantes; von ganz beson­derem Interesse aber dürften sein die Mittheilungen über verschiedene Unterredungen, die Oetker in der Zeit unmittelbar vor der Annexion mit dem Fürsten Bismarck gehabt hat und worüber die ,Dtsch. Rchztg.' Nachstehendes schreibt:

Oetker hatte die erste Unterredung mit dem Fürsten Bismarck am 7. Nov. 1864, zu einer «eit, als man im Kurfürstenthum Hessen mit dem Gedanken umging, mit Hülfe Preußens einen Thronwechsel herbeizusühren. Die Unterredung war für Oetker eine der interefiantiften, die er mit dem „gewaltigen Mann" gehabt hat, und zeigte ihm vieles Zukünftige schon damals in sichtbaren Umrissen, namentlich auch die Einver- Leibung KurheffenS, die im Jahre 1866 erfolgt ist.

Was die Thronfolge anbetrifft, so hat, wie mitgetheilt wird, der Fürst Bismarck damals nichts davon wiffen wollen, weil man dergleichen nickt so „bei heiterem Himmel" behandeln könne. Er ist der Ansicht gewesen, daß der damalige Augen­blick zu einem schroffen Auftreten nicht günstig, der rechte Augenblick überhaupt noch nicht gekom­men war, daß aber „Ereigniffe" eintreten könnten, welche die Sachlage in der Weise zu ändern ge­eignet wären, daß „das Ziel auch ohne ständischen Antrag" zu erreichen sein würde, daß bei allge­meinen Verwickelungen, bereit Eintreten in Kürze sehr möglich sei, die hessische Angelegenheit sich leichter werde erledigen lasten, und hat sodann den Rath gegeben, die Sache „in Fluß" zu erhalten. Qut Erreichung eines Erfolges, beispielsweife zur Erreichung eines Confliktes hat es dem Fürsten Bismarck am meisten zugesagt, daß man die kur­fürstliche Regierung zur Ausflösung des Land-

Die Klagen und Beschwerden von Seiten der Dienerschaft mehrten sich von Stunde zu Stunde, und es bedurfte der ganzen Ruhe und Lelbstbe- herrschuna Erika's, um die Anmaßungen der Franzosen nicht durch Heftigkeit zu erhöhen. Aus dem Thale sah man über Niedermanderscheid Flammen und Rauchwolken emporsteigen, auch über dem Dorfe auf der Höhe zeigte sich der Himmel roth von Brand. Die ~eute kamen jammernd und wehklagend, um zu berichten, daß die Soldaten jedem widerspenstigen Bauern das Hau» über dem Kopfe anzündeten. Fast sprachlos vor Entrüstung meldete der Verwalter, daß die übermüthig n Offiziere sich damit vergnügten, tnt Rüstsaale nach dem prächtigen Wappen der Decke, sowie nach den alten Harnischen zu schießen, die Waffen zu zerbrechen und mit den Degen die alten, heilig gehaltenen Familienbstder zu

^rika wurde todtenbleich. „Mit Gewalt läßt sich hier keine Aenderung erzwingen," sprach sie „Sage den Herren," befahl ge nach für« em Besinnen, „die Gräfin von Manderscherd laste sich zum Souper dre Ehre ihrer Gesellschaft ““sDaTarme Mädchen wollte diese rohen anmaßetf den Fremden zwingen, ihr Betragen zu ändern,

Die ,Fulda« Leitung' erscheint täglich, Sonn-und Feitttage

öluttKit'1 itt gulbTTtoL^O Psg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

jufuat.: 10 M -, * Wieder^u^tsprecheuder Rabats------

Deutsches Reich.

Berlin, 26. März.

*» Morgen (Sonnabend) beginnt die Berathung der kirchenpolitischen Vorlage im Herren­hause. Dazu sind als Resultat der Berathungen, die inzwischen stattfanden, vom hochw. Herrn Bischof Kopp folgende Abänderungsanti äge em- aebracht worden. 1. Im Artikel la. über die kirchlichen Seminare den Absatz zu streichen: „Als Leiter und Lehrer können diej.nigen Personen nicht ■vanqeMt werden, welche der Staat als minder genehm bezeichnet hat." 2. In den Arttttln 7 bi» 14 die Absätze 1, 2, 3, 5 und 6 zu streichen, welche Berufung an den Staat betreffen und an deren Stelle als Absatz 1 treten zu lasten: „Die Bestimmungen des Abschnitts 2 des Gesetzes vom 12 Mai 1873 über die Berufung an den Staat werden aufgehoben." 3. Im Zusatzartikel 5, die Worte „in Nothfällen" zu streichen. Dieser Zusatz- artifel betrifft das Lesen stiller Messen und Spenden der Sterbesakramente. Man nimmt an, daß das Herrenhaus morgen auf Grund dieser Anträge die Vorlage nochmals an die Kommission verw.isen lüi *♦ Das Herrenhaus genehmigt in einmaliger Schlußberathung den Gesetzentwurf zur Ausdehnung

- Dir letzte Gräfin neu MMerschett. 27 Roman von Antonie Haupt.

Die Befürchtungen in Betreff des Anrückens der Franzosen sollten sich nur zu bald erfüllen. Al» man noch mit Vorkehrungen zu ihrem Em­pfange beschäftigt war, kamen einige Mander- scheider Leute, welche auf einer benachbarten Bergeshöhe gearbeitet hatten, um zu erzählen, daß sie es in südwestlicher Richtung hätten breit«

Am^ folgenden Morgen schon sprengte unter schmetternden Fanfaren eine Abtheilung franzö­sischer Chasseurs ä cheval in den Sch.oßhof. Erika stand hinter dem verhangenen Fenster und beobachtete angstvoll die gierigenfSlide, welche die Soldaten nach dem stattlichen Schlöffe hinaus "°Jhr Oberst, besten Kleidung von Gold und Stickerei ftarrte, ließ sich eben von dem dienst­eifrig herbeigeeilten Verwalter die Bügel halten, um sich bann leicht und gewandt vom Pferde zu schwingen. Ec war ein schöner Mann von ele­ganter Haltung mit dunklen, scharf marnrten Zügen, lebhaften schwarzen Augen und langem, rabenschwarzem Lockenhaar. In hernscher Weife