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Wohlfahrt in ernstem Bemühen auch ferner, so lange es Gottes Wille sei, zu wirken, und spricht den innigsten Dank Allen aus, die dazu beigetragen haben, den neunzigsten Geburtstag zu einem weihe­vollen Festtag zu gestalten. Der Reichskanzler wird beauftragt, den Erlaß zu veröffentlichen.

* Das Herrenhaus genehmigte in seiner gestrigen Sitzung die Gesetzentwürfe, betreffend die Einführung der Städteordnung für die öst- lichen Provinzen im Regierungsbezirk Wiesbaden und betreffend die Gesindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau mit Ausschluß der ehe­mals baierischen Landestheile; außerdem behandelte dasselbe weitere kleinere Vorlagen, wie auch solche wieder für die nächste Sitzung am Freitag auf die Tagesordnung gesetzt sind. Die kirchenpoli- tische Vorlage wird erst Sonnabend oder Montag zur Berathung kommen.

* In die Herrenhauskommisston für die kirchen­politische Vorlage waren gewählt die Herren: Graf zur Lippe, Graf v. Brühl, Frhr. v. Man­teuffel, Graf v. Pückler Schedlau, Dr. Beseler, Dr. Miquel, Frhr. v. Solomacher, Adams, Fürst v. Hatzfeldt-Trachenberg, BischofKopp.Dr.Dernburg, Fürst zu Jsenburg-Birstein, v. Pfuel, Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode, Meyer (Celle), Öfter« meyer, v. Rochow, v. Schöning, v. Kleist-Retzow und Oehlschläger. Von diesen 20 Mitgliedern haben nur 14 den Bericht unterschrieben; nicht unterschrieben sind dieHerren: Bischof Kopp, Fürst zn Jsenburg-Birstein, Graf Uhdo Stolberg-Wernige­rode, v. Schöning, v. Kleist-Retzow und Oehlschläger.

* Wie man der .Franks. Ztg.' wiederholt mel­det, finden schon seit mehreren Tagen Verhand­lungen von Herrenhausmitgliedern und maßgeben­den Persönlichkeiten des Centrums statt, um der kirchenpolitischen Vorlage eine auch für das Centrum acceptable Fassung zu geben. Die Plenarderathung im Herrenhause findet deshalb wahrscheinlich erst Montag statt.

* Das Abgeordnetenhaus erledigte gestern mehrere Petitionen unbedeutender Natur durch Uebergang zur Tagesordnung. Bei der Vornahme mehrerer Wahlprüfungen wurde die Wahl der Abgeordneten Stöcker und Meyer zu Selnhausen beanstandet und die Regierung aufgefordert, über die bei der Wahl vorgekommenen Unregelmäßig­keiten Erhebungen zu veranstalten. Die Wahlen der Abg. Mahlstadt, Schäffer, Baier und Franz wurden für gütig erklärt. Die Wahl des Abg. Simon v. Zastrow (cons.) sollte nach dem Anträge der Kommission beanstandet werden. Nach einer längeren Debatte wurde die Wahl für giltig er» klärt. Das Haus ging hierauf über eine Petition um Aufhebung der Grund« und Gebäudesteuer, Ermäßigung der Eisenbahntarife für landwirth« schaftliche Produkte und Einführung der Doppel­währung zur Tagesordnung über. Freitag: Staats­schuldbuch, Kanalvorlage.

** Der Reichstag setzte die zweite Berathung des Antrags Auer (Arbeiterschutzgesetz) fort. Die

„Ich bedauere, daß ich dem Herrn Major eine solche Antwort überbringen muß, und wünsche Ihnen, gnädige Gräfin, daß Ihre zuversichtlichen Voraussetzungen sich erfüllen mögen," entgegnete der Sergeant. „Steht Ihr , Entschluß wirklich fest?"

„So fest, wie die Mauern dieses Schlosses."

„Dann ist meine Mission hier beendet. Mögen Sie nie erleben, daß diese starken Mauern Ihnen keine Sicherheit mehr gewähren!"

Der Mann verbeugte sich; in der nächsten Mi­nute schon ritt die kleine bewaffnete Schaar wieder zum Burghof hinaus.

Es war ein Gefühl grenzenloser Verlassenheit, welches sich des jungen Mädchens bemächtigte, als sie die letzten Freunde, deren Schutz sie ver­schmähte, von dannen ziehen sah. Mit ganzer Klarheit kam es ihr in diesem Momente zum Be­wußtsein, welchem schrecklichen Geschick sie viel­leicht entgegenging.

„So mag es denn über mich kommen," flüsterte sie. „Ich werde mein Vertrauen allem auf Gottes Hut setzen und die Gefahr mit seiner Hilfe überstehen, so gut sie zu überstehen ist. Fort mit aller Furcht, mit allen Grübeleien, die mein klares Denken verwirren! Ich will mich mit Gleichmuth und Ruhe wappnen und Alles, wie es auch kommen mag, hinnehmen, als ob es so sein müsse. Weiß ich doch, daß Goll denen, die ihn ieben, Alles zum Besten lenkt."

Kommission beantragte eine Resolution auf obliga- torische Einführung von Gewerbegerichten, welche in gleicher Zahl von Arbeitgebem und Arbeitern besetzt sind, die in getrennten Wahlkörpern in direk­ter geheimer Abstimmung gewählt werden sollen. Abg. Schneider (frs.) fand diesen Vorschlag als zu weit gehend. Abg. Kayser (Soz.) befürwortete den Antrag, der ohne das Vorgehen der Sozial­demokraten nicht gestellt worden wäre. Ministerial­direktor Bosse wünscht, daß die Regierungen nicht durch das Wort „obligatorisch" gebunden werden möchten. Abg. Struckmann (nat.-lib.) kann kein Bedürfniß für obligatorische Gewerbegerichte an­erkennen. Abg. Klemm (kons.) wünschte gleichfalls Streichung des Wortes „obligatorisch" und erklärt sich für die geheime Wahl, die Abg. v. Maltzahn- Gültz (kons.) für unannehmbar erklärt. Schließlich wurde der Kommissionsantrag angenommen. Der Antrag Auer wurde abgelehnt. Abg. Viereck (Soz.) begründete sodann seinen Antrag auf Aufhebung des Dynamitgesetzes. Das Gesetz sei nur eine Folge der Dynamitangst aus Anlaß der Attentate, diese seien aber durch agents provocateurs infee« nirt. Das Gesetz behindere den legitimen Gebrauch von Sprengstoffen, sei dem Attentäter gegenüber wirkungslos und in seinen Bestimmungen drako­nisch. Abg. Dr. Windthorst (Centr.) wandte sich gegen den Antrag. Gegen die anarchistische Be­wegung sei rücksichtslose" Strenge geboten. Abg. Lenzmann (Dem.) beantragt Verweisung des An­trags Viereck an eine 14gtiebrige Kommission, da das Gesetz Mängel habe. Abg. Dr. Hänel (frs.) erklärt, daß dem Anträge auf einfache Aufhebung des Dynamitgesetzes die einfache Tagesordnung ge­bühre. Auf Antrag Windthorst wird über den Antrag zur Tagesordnung übergegangen. Freitag: Korporationsrechte für Innungen, Branntwein- Monopol.

* Der Bundesrath hat heute die Beschlüsse des Reichstags über die Einführung der Berufung in Strafsachen und die Entschädigung unschuldig Ver- urtheilter den Ausschüssen überwiesen, ebenso die Resolution betr. die Fabrikinspektoren. (Fr. Ztg.)

* Die Arbeiterschutz-Kommission des Reichstags hat bereits drei Sitzungen ausgesetzt, um den Bericht über die Anträge betr. die Be­schäftigung von Frauen und Kindern in den Fa- rikcn festzustellen, ohne daß bisher ein Resultat erreicht worden wäre, weil die Kommission noch jedesmal beschlußunfähig war.

* Die Gesellschaft deutscher Landwirthe tritt im Juni in Dresden zusammen.

Ausland.

* Wien, 24. März. Dem vormaligen Han­delsminister Baron v. Pino ist ein anderer Beam­ter des Handelsministeriums uachgefolgt. Dem Direktor des Postsparkaffenamtes, Coch, ist in höchst ungnädiger Weise ein „Urlaub" ertheilt worden. Coch war der Urheber der Verfügung über die Postsparkassenämter, welche die ohnedies

Diese Gedanken flößten ihr Stärke und Trost ein und es gehörte wirklich die ganze feste unge­schwächte Kraft der Jugend und sehr viel Selbst­überwindung und iGottvertrauen dazu, um unter den von dieser Stunde an Schlag auf Schlag folgenden Hiobsbotschaften nicht zusammenzu- brechen.

Keine Miene in ihrem schönen Antlitz zuckte, als in kurzer Zeitfolge nach einander ihre Schloß­kellner von Dollendorf, Kronenburg und Falken­stein an der Our auf Manderscheid eintrafen und die Meldungen überbrachten, daß der Feind die Burgen in schändlichster Weise ausgeplündert und schließlich den Flammen übergeben habe. Als aber der greife Amtsverwalter von Oberkail zit­ternd und mit Thränen im Auge die Botschaft überbrachte, daß die Franzosen, nachdem sie die Abtei Himmelrode und das Schloß zu Oberkail verwüstet, in die Manderscheidischen Familien­grüfte zu Himmelrode und der Pfarrkirche von Oberkail gedrungen seien, die Särge durchwühlt und Alles, was sie Werthvolles hier gefunden, an sich gerissen hätten, da stand sie vor Schrecken wie versteinert; solche Raubgier und Brutalität über­stieg ihre Begriffe.

Als die Pfarrkirche vor wenigen Jahren auf derselben Stelle neu erbaut wurde, hatte man, um die Erbgrabstätte zu schonen, voll Pietät das Chor des Gotteshauses einige Stufen höher ge­legt, die Habsucht der welschen Barbaren dagegen

schon wankende Stellung Pino's unhaltbar machte. Vorläufiger Leiter des Handelsministeriums ist Sektionschef Pußwald. Seine erste Maßnahme war die Aufhebung jener in die Gerechtsame und das Beamten-Ernennungsrecht des Kaisers eingrei­fenden Verordnung.

• Lüttich, 24. März. Die Arbeitseinstellung in den in der Nähe der Stadt befindlichen Gruben ist eine allgemeine. Vor der Stadt haben sich augenblicklich gegen 1500 Arbeiter angesammelt, da in den Werken von Marguerite, Lahaye und Esperance die Arbeit eingestellt ist. Von den bei den letzten Ruhestörungen Betheiliglen sind 27 vor Gericht gestellt. Die Artillerie und die Bürger­garde sind unter Waffen, die Garnison ist konfignirt. — Jn Cockeril ist ein neuer Strike ausgebrochen. Der Strike der Stahlarbeiter in Angleur und Tilleur verläuft friedlich. Vielfach find aufreizende Broschüren, betitelt „Volkskatechismus", vertheilt worden. — Der bei den Unruhen vom 19. März verhaftete Wagner, welcher die Menge zur Plünde­rung aufreizte, ist zu fechsmonatlichem Gefängniß verurtheilt.

* Lüttich, 25. März. Gestern Abend spät kam es hier zu einem Zusammenstoß zwischen den Truppen und den Strikenden. Zwei der letzteren wurden verwundet, davon einer tödtlich. Die Bürgergarde hat seit heute früh das Rathhaus besetzt, die hiesigen Truppen sind durch Zuzug aus Hasselt und Beoerloo verstärkt. Der Strike dehnt sich fortdauernd aus. Die Häupter der Anarchisten predigen offen die Plünderung; die unmittelbare Umgebung der Stadt ist so unsicher, daß Solda­ten die Briefträger begleiten, zahlreiche Sinkende durchstreifen die Landorte bettelnd und bedrohen die Bevölkerung. In Saint-Nikolas griffen Sin­kende die Wohnung des Bürgermeisters an und zertrümmerten die Fenster des Hauses. — Die Offiziere der Truppen wurden ermächtigt, Per« fönen, welche unbefugt Waffen tragen, festzustellen. — Abtheilungen des neunten Linienregimenis sind nach Saini Nikolas abgegangen, wo gestern zwei sinkende Arbeiter tödtlich verwundet wurden. — Eingegangener Anzeige zufolge ist beim Bahnhof Hasselt, 6 Fuß von den Schienen entfernt, ein Dynamiipacket mit 35 Patronen aufgefunden worden. Das Packet war von dem Maschinenräu- mer bei Seite geschoben. Der hiesige Generalpro­kurator begibt sich morgen nach Hasselt, um die Untersuchung persönlich zu leiten. — Auch in Ransari und mehreren Gruben bei Chatelineau und Fleurus ist Sinke ausgebrochen.

* Vor einiger Zeit wurde gemeldet, die chine- fische Regierung habe Schritte gethan, um den hl. Stuhl zu bewegen, einen Nuntius nach Pecking zu schicken und die Errichtung einer chinesischen Gesandtschaft beim Papste in Rom zuzulassen und zwar in der Absicht um das Protektorat, jetzt Frankreich über die katholischen Missionäre in China znstehi, wirkungslos zu machen und so den französischen Einfluß daselbst zu brechen.

zögerte keinen Augenblick, die heilige Stätte zu plündern und zu entweihen. Dies war die schmerz- lichste Wunde, welche Erika's Herzen, voll kind­licher Verehrung für die verstorbenen Eltern, ge­schlagen werden konnte. Das Grab der Mutter zerstört, durchwühlt! — schaudernd bedeckte sie das Gesicht mit beiden Händen. Doch bald ermannte sie sich wieder. Wre durfte sie sich der Verzweif­lung anheimgeben? Die Seele ihrer frommen Mutter war gewiß bei Ihm, der in feinem uner« sorschlichen Rathschlusse diese Trübsal über sie verhängte. Zu dem Herrn blickte sie auf, und ihr Vertrauen auf seine Hilfe ward nicht erschüt­tert. Das Gebet gab ihr den verlorenen Muth wieder und mischte ihr Leiden mit Süßigkeit.

Mit unerschütterlicher Ruhe gab sie Anord­nungen zum Empfange der Franzosen. Um den Feind nicht zu reizen, sollte die Zugbrücke herunter gelassen, die Thore geöffnet, für Speisen und Getränke in reichlichster Fülle gesorgt werden; allen Forderungen sollte man prompt und in der höflichsten Form Genüge leisten. Auf diese Weise hoffte sie die Unmenschen zu besänftigen; zudem ehlte auf Manderscheid ja auch nicht die Herr­schaft, wie auf ihren übrigen Besitzungen. Der Herrin gegenüber konnte der Feind unmöglich mit derselben rücksichtslosen Rohheit auftreten.

(Fortsetzung folgt.)