Stein ins Grab nachgeworfen würde. Beim Etat der Landwirthschaft theilte Minister Lucius mit, daß die Revision der Fischereigesetzgebung in vollem Gange sei. Beim Etat des Kuitusministeriums bestritt Minister v. Scholz eine Aeußerung des Abg. Dirichlet in der ersten Lesung gegenüber, daß er dem früheren Minister Hobrecht diskreditirt habe. Seine bezügliche Bemerkung könne nur mißverstanden fein. Weiterberaihung Dienstag.
•* Der Reichstag, dem die Novelle zum Preßgesetz zugegangen ist, nahm heute in zweiter Berathung da« Ofsizier-Kommunalsteuergesetz de- battelos gegen die Stimmen der Freisinnigen an und führte dann die zweite Berathung der Zuckersteuervorlage zu Ende. Die Anträge derKommission, namentlich auch die Bestimmungen über steuerfreie Läger, wurden angenommen, ebenso ein Antrag der Abgg. v. Putlkamer-Plauth und Graf zu Stolberg, wonach der Bundesrath ermächtigt wird, die aus dem Betriebsjahre 1885/86 fälligen Rübensteuerkredite um drei Monate gegen eine 4prozen- tige Vergütung zu verlängern. Nächste Sitzung Dienstag. (Dritte Berathung des Offizier-Kommunalsteuergesetzes , Zollgesetznovelle, Gewerbe- ordnungsnovelle, Rechtspflege in den Schutzgebieten.)
* Der Bericht der krrchenpolitischen Kommission des Herrenhauses wird morgen vertheilt. Nach angeblich zuverlässigen Mittheilungen der ,Frkf. 3/ enthält derselbe folgende Beschlüsse:
Es werden die bis 1873 bestandenen Seminare zum Ersatz des Universilätsstudiums wieder zugelassen, ausgenommen die in Gnesen und Posen, deren Eröffnung von königlicher Verordnung abhängig bleibt. Die Lehrkräfte an den Seminarien müssen der Regierung genehm sein. Konvikte dürfen wieder eröffnet werden für Schüler, welche Gymnasien und andere staatliche Unterrichtsanstalten besuchen. Die allgemeine Staatsaufsicht über dieselben ist durch neuformulirte Bestimmungen genau präzisirt. Das kirchliche Staatsexamen und der kirchliche Gerichtshof werden aufgehoben. Anstatt der Berufung an den Staat gegen kirchliche Entscheidungen findet auf Antrag eine Berufung an das Staatsministerium, die sich nur auf vermögensrechtliche Folgen der Entscheidung beziehen soll, statt. Die Art des Einschreitens gegen Geistliche, welche Gesetze verletzen, bleibt einer Anordnung des Königs vorbehalten. Verweigerung des Abendmahls und der Absolution fällt nicht unter die Strafbestimmungen gegen den Mißbrauch kirchlicher Strafmittel. Stille Messen und Verabreichungen der Sterbesakramente in Rothfällen sind straffrei. Die bestehenden Krankenpflegerorden können mit ministerieller Genehmigung die Pflege und Leitung von Waisenhäusern, Armen- und Pfründnerhäusern, Reitungsanstalten, Arbeiterkolonien, Herbergen, Asylen, Haushaltungs-, Handarbelts- schulen übernehmen. Den Vorsitz im Kirchenvorstande führt der Pfarrer (mit Ausnahme auf dem linken Rheinufer). Demeritenanstalten können wieder eröffnet werden; die bestehenden Vorschriften bleiben wesentlich in Kraft, doch werden die staatlichen Revisionen aufgehoben.
* Die Meldung des .Düffeld. Vbl.', daß Fürst von Jsenburg-Birstein in kirchenpolitischen Angelegenheiten nach Rom gereist sei, wird von der »Franks. Zlg/ als unrichtig bezeichnet.
"In der Arbeiterschutzkommission wurde heute über die Anträge betr. die Befähigung roeib- licher Arbeiter in den Fabriken abgestimmt. Unter
Fleischbrühe, Geflügel und eingemachte Früchte. Sie stützte den Patienten mit Kiffen und bediente ihn dann sorglich, wie die Mutter ihr krankes Kind. Antonius ließ ohne Widerstreben seiner warten. Wie schien das Alles so wundervoll, so traumähnlich!
„Nicht wahr, das schmeckt?" lachte Erika. „Aker Sie dürfen leider Ihren Appetit nicht ganz befriedigen wegen des bösen Wundfiebers. Versuchen Sie nun zu schlafen!"
Antonius verfprach eä. Doch wie die Komtesse vorausgesagt, stellte sich bereits gegen Morgen ein ziemlich h ftig S Fieber ein, welches ihn mehrere Tage nicht verließ. Erika brachte alle Z it, die sie nicht der Pflege schwerer Verwundeten widmen mußte, an seinem Bette zu und kam allen seinen Wünschen, oft ehe er sie selbst gedacht, zuvor. Sie gönnte sich kaum einige Stunden der Ruhe und es war unbegreiflich, wie ihre zarten Nerven die ungewohnte Anstrengung ertrugen.
Am fünften Tage war Antonius wieder vollständig fieberfrei; die Heilung seiner Wunde hatte unter der trefflichen Pflege einen so günstigen Verlauf genommen, daß man ohne Bedenken seinem Wunsche willfahren und ihn in die große Halle zu den übrigen Patienten führen durfte.
Hier in der großen Halle blieb er ruhig in einem Lehnstuhle sitzen und beobachtete das Walten der jungen Gräfin, wie sie von einem Leidenden zum andern schritt, diesem Arznei eintröpfelte, jenem e.ne bequeme Lage bereitete und ihm tröstlich zuredete. Es war als ob ihre bloße Gegenwart
Ablehnung aller weiteren Anträge wurde, und zwar einstimmig, der Antrag Lieber angenommen: „In Fabriken dürfen Arbeiterinnen an Sonn- und Festtagen, desgleichen in der Nachtzeit von 8l/,Uhr Abends bis 51/« Uhr Morgens nicht beschäftigt werden."
* München, 19. März. In der.Elberf. Ztg.' lesen wir Folgendes: Die Frage der Regelung der Verhältniffe der königlichen Kabinetskaffe ist in ein neues Stadium getreten. Von den vielen neuerlich auftauchenden Gerüchten läßt sich als thatsäch- lich richtig bezeichnen, daß nach dem Scheitern der Klug'schen Mission von Berlin resp. Frankfurt aus neue Anerbietungen an eine dem König nahestehende Persönlichkeit direkt gemacht worden sind und jetzt eine definitive Regelung der Angelegenheit ohne Mitwirkung des Rathes Klug in nächster Aussicht steht. Zwei große Bankhäuser haben sich angeblich bereit erklärt, ohne weitere Garantien der Agnaten, nur gegen auf den „Linderhof", das Schloß auf Herrenchiemsee und das Fideikonumß zu nehmende Sicherheit die geforderte Summe, man sagt 20 Millionen, zu gewähren; in München soll zur ent» forschenden Kontrolle und größeren Sicherheit der finanziellen Gebahrung eine Hofbank errichtet werden. Sicherem Vernehmen nach fall die Genehmigung des Königs zu den erforderlichen Maßnahmen bereits ertheilt worden fein und glaubt man in beteiligten Kreisen an die nahe bevorstehende Realifirung der geplanten Operationen. Unterdeffen sind hier schon bedeutende Bestellungen bei hervorragenden Industriellen für das auf königlichen Befehl neu zu erbauende „chinesische" Schloß gemacht worden; auch das im byzantinischen Stile projek- tirte neue Schloß auf dem Falkenstein soll in Bälde in Angriff genommen werden. Der König verbleibt dem Vernehmen nach bis Anfangs Mai in Hohenschwangau und wird dann direkt nach Schloß Berg am Starnbergerfee übersiedeln, ohne vorher in München feinen Aufenthalt zu nehmen.
Ausland.
• Brüssel, 21. März. Für heute sind in den Vorstädten von Brüssel mehrere sozialistische Versammlungen angekündigt. Die für den Schutz der öffentlichen Ordnung gebildeten Abteilungen der Mrgergarde sind deßhalb einbeordert, die Polizei- mannschasten und die Gendarmerie sind konsignirt. Es ist der formelle Befehl ertheilt, jeden Volks- Haufen, welcher in die Stadt einzudringen sucht, unter Anwendung von Gewalt auseinander zu treiben. — Aus Jemappe werden nicht unerhebliche Ruhestörungen gemeldet. In der vergangenen Nacht kam es zwischen bett Arbeitern und der Gendarmerie zu einem Zusammenstoß, wobei mehrere Gensdarmen verwundet wurden. Zebn Personen wurden verhaftet.
• Aus Triest wird gemeldet, Kaiser Franz Joseph habe auf die Nachricht, daß die Aerzte
einen beruhigenden Einfluß auSübe; wo sie hinkam verbreitete sie Sonnenschein auf den schmerzverzogenen G.sichtern, und die Soldaten verehrten sie wie ein engelhaftes Wesen.
Joseph, welcher jetzt an Stelle des Majors das Kommando übernommen und die Hände voll zu tun hatte, kam plötzlich mit einem mächtigen versiegelten Schreiben hereingestürmt.
„Freue Dich, Antonius," rief er aus, „unsere Waffenthat hat Aufsehen erregt! Die Franzosen haben sich nach Trier zurückgezogen, die verbündete Armee will in diesen Tagen zur Wiederer oberung vorrücken, und wir sollen uns derselben anschlietzen."
„Gott sei Dank," rief Antonius freudig, „so werden wir bald einen zweiten Sieg feiern!"
„Der Kurier, welcher Dir dieses Großkreuz und das kurfürstliche Schreiben überbringt," fuhr der Hauptmann fort, „erzähtte, daß Serenissimus gestern das Lager bei Kaisersesch besucht und sich bei General Blankenstein sehr anerkennend über uns ausgesprochen habe. „ „Wenn diese Männer ihren kriegerischen Geist auf die ganze Armee fortpflanzen könnten, fo würde Tiier sicherlich gerettet werden,"" habe er geäußert. Nachdem man ihm mitgetheilt, daß Du verwundet seiest habe man ihn nur mit der größten Ueberredung zurückhalten können, Dich auf Manderscheid zu be» suchen,"
Antonius erbrach das Siegel und las. „Der Kurfürst schreibt sehr huldvoll," sagte er nach einer Weile. „Er bedauere, daß er uns nicht an
unserem Reichskanzler einen Aufenthalt im Süden anempfohlen hätten, dem Fürsten Bismarck zu diesem Zwecke das Schloß Miramare zur Verfügung gestellt und daß der Fürst Reichskanzler längeren Aufenthalt in Triest nehmen werde.
• Der .Offervatore Romano' gibt folgende Mittheilungen der ,K. Ztg.' wieder: „Der Papst hat jetzt das Verhältniß der Kirche zum Congo- staat geordnet. Dem Wunsche König Leopoid's gemäß hat er bestimmt, daß der Staat zu Belgien gehört und daß der Primas Belgiens, der Erzbischof von Mecheln, die kirchliche Gerichtsbarkeit übt und das Haupt der gefammten künftigen Geist- lichkeit des Congostaates ist. Die Miffionen des Kardinals Lavigerie am Congo ai beiten wie bisher weiter. Das neu an der Universität Löwen errichtete afrikanische Seminar bildet die Geistlichen aus, die für die später am Congo zu errichtende« Pfarreien eingesetzt werden sollen."
* Sofia, 19. März. Der Einspruch des Für- sten Alexander gegen den Beschluß, den die Kon. ferenz zu faffen im Begriffe war, hat die wider» sprechendsten Deutungen erfahren. Der einzig rich» tige Sachverhalt aber ist folgender: Fürst Alexander erkennt nur dasjenige bulgarisch-türkische Abkommen an, welches der Sultan und der Fürst unterzeichnet haben. Die Pforte aber hat in Folge des Widerspruchs der Mächte jenes Abkommen Punkt für Punkt gänzlich abgeänbert, ohne dazu die Zustimmung des Fürsten zu besitzen ober zu erhalten. Trotzdem schickte sich die Konferenz an, dieses Abkommen, welches jetzt mehr ein türkisch- europäisches als ein türkisch-bulgarisches geworden war, zu unterzeichnen. Gegen diese wesentliche Veränderung der Sachlage richtet sich der Einspruch des Fürsten. Wenn die Großmächte deffenungcach- tet gesonnen sind, eine ihren augenblicklichen Wün- scheu entsprechende Vereinigung dem Fürsten aufzuzwingen, kann der Fürst allein diesem Beginnen nicht entgegentreten, sondern wird dieser ein» fettigen Entscheidung widersprechend sich seiner der Türkei gegenüber eingegangenen Verpflichtungen entbunden erklären. Der Fürst verwahrt sich aber mit allem Nachdruck dagegen, daß dieses Ab- kommen den Bulgaren als das türkisch-bulgarische dargestellt werde und besteht darauf, daß es beim richtigen Namen als europäischer Machtfpruch genannt werde. Die Gründe für dieses Verhalten wurden bereits dargelegt.
i * Konstantinopel, 20. März. Es bestätigt sich, daß Fürst Alexander nicht auf die Ernennung zum Generalgouverneur auf Lebenszeit besteht, aber nicht will, daß die fünfjährige Erneuerung jedes-
! mal der Sanktion der Mächte bedürfen solle. Dies- , bezügliche Verhandlungen in Sofia werden ■ fortgesetzt. Neuerdings wird an eine baldige Ver- ständigung geglaubt, worauf dem Zusammentritt der Konferenz nichts mehr im Wege stände, da über das Protokoll eine Einigung erzielt ist. (.Fr.Z.J
i
die Spitze der »eibünbeten Armee stellen könne; jebenfalls wolle er uns nicht hindern, an der Wiedereroberung Trier's Theil zu nehmen, und er fei überzeugt, daß wir dort den Mannschaften ein leuchtendes Beispiel geben würden." Der junge Held sprach diese Worte mit vor freudiger Aufregung und begeisterter Kampfeslust höher ge- rötbeten Wangen.
Erika, welche der Verhandlung mit der größten Spannung folgte, war bleicher geworden.
„Sie wollen Manderscheid verlassen?" fragte fie in schmerzlichem Tone.
„Ob wir wollen, darauf kommt es nicht an," entgegnete der Major. „Dem Befehle muffen wir gehorchen. Einstweilen," fugte er freundlich hinzu, „bleibe ich noch unter Ihrer gütigen Pflege."
Das junge Mädchen wandte sich um die hervorbrechenden Thränen zu verbergen.
„Es thut mir leid," sagte Antonius, welcher den feuchten Schimmer ihres Auges bemerkt hatte, ihren Schmerz aber falsch verstand, „daß die Kunde unseres baldigen Aufbruches Sie so erschreckt. Fürchten Sie nichts, Komteffe, auch in der Ferne werden wir Manderscheid zu beschützen suchen. Am besten wäre es freilich, fügte er nachdenklich hinzu „wenn Sie zugleich mit uns diesen Aufenthalt oerlaff-n rooühit. Doch geben Sie sich nicht zu früh unnötigen Sorgen hin, es : wird immer noch eine Zeit lang dauern, ehe wir i abgerufen werden."
1 (Fortsetzung folgt.)