65.
Sonnabend, den 20. März
1886
Fuldaer
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oft sehr haltlos, die zweiten ost sehr kühn und die
** Die Kommission des Abgeordnetenhauses für
wenn nicht zum vollen Frieden, doch zu einer Besserung unserer inneren Verhältnisse führen möchten. Der volle Reichsfriede, die gänzliche Beseitigung des verderblichen Kirchenstreites und die zufriedenstellende Besserung der sozialen Verhältnisse ist es aber, was in letzter Linie angestrebt werden muß, und das deutsche Volk hat an dem heutigen Tage keinen heißeren Wunsch, als daß sein kochbetagter, greiser Monarch, Kaiser Wilhelm I. die Verwirklichung dieses Zieles noch erleben möge. Gott erhalte den Kaiser!
Mission des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung der Volksschullehreroorlage für Westpreußen, Posen und Oppeln hat gestern mit der Generaldebatte begonnen.
dritten oft echte Kannegießereien — trotz fünfzehnjähriger Erfahrung. — Unsere Leser viel mit den Elaboraten der drei genannten Arten zu unterhalten, sagt die ,Germ.', liegt daher kein Grund vor. Alle die Willkürlichkeiten und Erdichtungen, die manchmal bis zu kompletem Unsinn sich versteigen, mitzutheilen und ihnen entgegenzutreten, müßten wir an manchen Tagen den Raum unseres ganzen Blattes in Anspruch nehmen Die Zeit und die Thatsachen werden aber, wie bisher öfter, die Belehrung schon übernehmen. — Die ,Frkft Ztg.' meldet heute kurz und bündig: Das Schicksal der kirchenpolitischen Vorlage gilt für sehr fraglich. Bis jetzt liegt noch keine Nachricht vor, daß der Papst oder die Bischöfe die Beschlüsse
auf sozialem Gebiete nähren überall Unzufriedenheit und verschärfen die zwischen den einzelnen Klassen und Religionsgemeinsä asten bestehenden Unterschiede. Wie glücklich wären Kaiser und Volk, wenn das Reich die ersehnte Festigung auch nach innen, die es leider noch vermißt, wenigstens recht bald finden könnte. Neue Wege dazu sind allerdings in den letzten Wochen wiederum angebahnt und eingeschlagen worden. Verbinden wir deßhalb mit der Freude des kaiserlichen Festtages wenigstens die frohe Hoffnung, daß diese Wege,
zweite Berathung der Zuckersteuervorlage fortgesetzt. Abg. Pohlert (Reichsp.) wandte sich entschieden gegen die Regierungsvorlage, die so mangelhaft sei, daß er der Regierung hier eine Niederlage in ihrem eigenen Interesse wünsche. Abg. Graf Hacke ersuchte um vorläufige Annahme der Ksmu-iffionsvorlage in der Hoffnung, daß fich bis zur dritten Lesung eine Verständigung mit der Regierung werde erzielen lassen. Abg. Müller-Sauger- hausen (nationallib.) befürwortete die Kommiffions- vorlage und speziell die Melassesteuer. Geh. Rath Boccius betonte nochmals die technische Undurch. führbarkeit einer Melassesteuer, die zudem zu großen Steuerhinterziehungen führen würde. Abg. Pfaffe- rott wünschte, daß eine Zuckerkonsumsteuer angebahnt werde. Abg. Trimborn (Centr.) empfahl dagegen Qualitätsbesteuerung und zur Anbahnung einer solchen die Annahme der Regierungsvorlage. Bei der Abstimmung wurden schließlich §1,2 sowohl in der Kommissionsfaffung wie in der der Regierungsvorlage, sowie sämmtliche Anträge abgelehnt. Alle Parteien stimmten getrennt. Weiter- berathung morgen.
* Die Wahlprüfungskommission des Reichstags hat auch gestern nicht endgiltig über die angefochtene Wahl des Abg. Dr. Lotz im Kasseler Wahlbezirk befinden können, weil von 14 Kommissionsmitgliedern nicht sieben anwesend waren. Die konservativen Mitglieder fehlten sämmtlich. Die Absicht liegt vor, dem Plenum die Ungiltigkeitserklärung der Lotz'schen Wahl zu empfehlen.
• Die Verhaftung von 65 Zahlmeistern der preußischen Armer wird demnächst ihren Abschluß durch eine Verhandlung vor der zweiten Strafkammer des Berliner Landgerichts I finden. Von den 65 ursprünglich verhaftet gewesenen Zahlmeistern sind nur noch zwei in Haft, und zwar in einer westfälischen Kreisstadt. Die beiden Hauptangeklagten, welche im hiesigen Untersuchungs- Gefängniß fich befinden, sind der ehemalige Jnten- dantur-Sekretair Hagemann und der Armee- Lieferant Wollank aus Hildesheim. Sie sind beide der wiederholten vollendeten und versuchten Be- amtenbestechung, ersterer außerdem noch des Betruges angeklagt.
* Ein und denselben Königsfest-Leitartikel brachten die in Ulm erscheinenden Konkurrenzblätter ,Schnellpost' und ,Ulmer Tageblatt', worüber das Publikum sehr erstaunt war. Noch mehr erstaunt aber waren die Redakteure selbst hierüber; denn Beide brachten, so berichtet man der ,Franks.
die Frage, ob eine Entscheidung des Oöerpräsi- benten des Rheins in einer Kommunalsteuerfrage vom Minister des Innern modifizirt werden dürfe. Die Petition wurde schließlich zur Erörterung dieser Frage an die Kommission zurückoermiesen, lieber eine Petition des Schänkers Filipiak in Posen wegen Zulassung seiner Kinder zum polnischen Sprachunterricht in der Volksschule wurde zur Tagesordnung übergegangen, während die Korn
** Das Abgeordnetenha US berieth heute Petitionen Eine Petition um Aufhebung der Wegebauedikte im Herzogthum Magdeburg und im Fürstenthum Halberstadt wurde der Regierung zur Erwägung überwiesen, nachdem sich verschiedene Redner, wie auch der Regierungskommissar zu Gunsten einer provinziellen Regelung der Wegebauordnung ausgesprochen. Eine Petition des Gemeinderaths von Beckingen a. d. Saar betr. Heranziehung des Elsenbahnfiskus zu den Gemeindeabgaben veranlaßte eine längere Diskussion über
* Die Stellung des Finanzministers v. Scholz gilt für sehr erschüttert. Man sieht dem bevorstehenden Wechsel mit Spannung entgegen.
* * Nicht weniger als 257 Petitionen mit 90,919 Unterschriften sind beim Reichstage eingegangen, in welchem um die Einführung eines angemessenen Wollzolles ersucht wird. Diesen stehen 129 Petitionen mit 1693 Unterschriften gegenüber, welche sich gegen die Einführung eines Wollzolles aussprechen. Bezüglich der Höhe des Wollzolles gehen die Wünsche auseinander. Die Petitionskommission des Reichstags hat mit 16 gegen 3 Stimmen beantragt: Der Reichstag wolle beschließen: über die Petition zur Tagesordnung überzugehen, weil ein Zoll auf Wolle die Industrie schwer schädigen würde und der Erfolg für die Landwirthschaft zweifelhaft fei.
** Zum Geburtstag des Kaisers.
(22. März.)
Der Kaiser vollendet am 22. ds. fein 89. Lebensjahr in einer Kraft und Lebensfrische, wie sie diesem hohen Alter nur äußerst selten beschieden ist. Darum wird auch dieser Tag überall, wo Deutsche wohnen, gefeiert als ein Freuden- und Ehrentag. Die Parteigegensätze schweigen und die Meinungsverschiedenheiten treten zurück bei dem Gedanken an des Vaterlandes Größe, welche in der Krone ihre Verkörperung findet. Wir schauen mit Befriedigung auf das Reich, welches in auswärtigen Fragen entscheidenden Einfluß übt. Der Geburtstag des Kaisers dokumentirt dem Auslande gegenüber die Einigkeit aller Deutschen. Leider entspricht dieser Machtstellung nach Außen nicht die nothwendige Eintracht int Innern des Reiches. Am morgigen Tage (21. März.) sind es 15 Jahre, daß der erste Reichstag durch Se. Majestät den Kaiser mit einer Thronrede eröffnet wurde, in welcher es u. A. hieß: „Wenn ich nach dem glorreichen aber schweren Kampfe, den Deutschland für seine Unabhängigkeit siegreich geführt hat, zum ersten Mal den deutschen Reichstag um mich versammelt sehe, so drängt es Mich vor allem, Meinem demütigen Dank gegen Gott Ausdruck zu geben für die weltgeschichtlichen Erfolge, mit denen ' seine Gnade die treue Eintracht der Bundesgenoff-n, den Heldenmuth und die Manneszucht Unserer Heere und die opferfreudige Hingebung des deutschen Volkes gesegnet hat. Wir haben erreicht, was seit der Zeit Unserer Väter für Deutschland erstrebt wurde: die Einheit und deren organische Gestaltung, die Sicherung unserer Grenzen, die Unabhängigkeit unserer nationalen Rechtsentwicklung .... Der Geist, welcher in dem deutschen Volke lebt und seine Bildung und Gesittung durchdringt, nicht minder die Verfassung des Reiches und ferne Heereseinrichtungen bewahren Deutschland inmitten seiner Erfolge vor jeder Versuchung zum Mißbrauch feiner durch feine Einigung gewonnenen Kraft. ... Das neue Deutschland, wie es aus der Feuerprobe des gegenwärtigen Krieges hervorgegangen ist, wird ein zuverlässiger Bürge des europäischen Friedens sein, weil es stark und selbstbewußt genug ist, um sich die Ordnung seiner eigenen Angelegen- heilen als sein ausschließliches, aber auch aus- i reichendes und zufriedenstellendes Ecbtheil zu be- ! wahren." Zum Schluß: „Möge die Wiederherstellung des deutschen Reiches für die deutsche Nation auch i
Deutsches Reich.
Berlin. 19. Mäcz.
* Kirchenpolitisches ohne Ende! In allen Blättern bald Nachrichten und bald Kombinationen
der Herrenhauskommission gebilligt haben, wohl aber Anzeichen des Gegentheils." Abwarten!
Mission Erwägung beantragt hatte. Die Abgg. v. Haugwitz (kons.) und Schmidt-Sagan (freit.) befürworteten Uebergang zur Tagesordnung. Die betreffenden Kinder wären in Leipzig erzogen, hätten eine deutsche Mutter und verständen nicht polnisch, während der polnische Sprachunterricht in polnischer Sprache ertheilt würde. Die Abgg. Neubauer (Pole) und Dr. Wuermeling (Centr.) und Reflexionen aller Art. Und es sind die ersten traten für die Petition ein, es fei ein Naturrecht *C1 r.t- " ----- -r- ------ ■-■ des Vaters, seine Kinder nach seinen Wünschen
zu erziehen. Morgen: Dritte Berathung des Etats.
** Der Reichstag, dem eine Vorlage betr. die steuerfreie Einfuhr von Eisenbahnmaterial zugegangen ist, nahm den Gesetzentwurf betr. die Erhebung einer Schifffahrtsabgabe auf der Unter» weser in dritter Berathung an. Dann wurde die
nach innen das Wahrzeichen neuer Größe fein, j
möge dem deutschen Reichskriege, den wir so rühm- J _____a.„_.......
voll geführt, ein nicht minder glorreicher Reichs- den Gesetzentwurf betr. die Beförderung deutscher fr jeden folgen, und möge die Aufgabe des deutschen Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen Volkes fortan bann beschlossen fein, sich in dem und Posen hat gestern die zweite Lesung been« Wettkampf um die Güter des Friedens als Sieger bet unb ben Gesetzentwurf mit verschiedenen Ab- zu erweisen. Das walte Gott." — Wie sehnlich änderungen, wovon die wesentlichste die Einfügung wünschten wir zum vollen Glücke des kaiserlichen der Rentengüter ist, angenommen. — D.e Kom- Wiegenfestes, daß sich der in diesen letzten .... -
Zeilen ausgesprochene Wunsch erfüllt hätte, aber immer noch fehlt uns der kirchliche und soziale Friede. Der unselige Kulturkampf und die Schäden