Gewöhnt Euch mehr an das Haus, die Familie, meidet mehr das Wirthshausleben, verjubelt nicht Sonntag», was ihr in der Woche verdient, und e» wird Euch geholfen fein.
Deutsches Reich.
Berlin. 18. März.
•• Das Abgeordnetenhaus beauftragte das Präsidium, Sr. Majestät dem Kaiser zu seinem Geburtstage die Glückwünsche de» Hauses zu übermitteln. Dann wurde die zweite Berathung de» Staatshaushaltsetats beendet. Beim Etat der Staatsarchive wurde die erste Baurate zur Errichtung des zur Aufnahme des Magdeburger Staatsarchivs bestimmten Archivgebäudes in Halle (80,000 Mk.) abgelehnt. Beim Etat des Abgeordnetenhauses beantragte Abg. Douglas (freifonf.) die Regierung zu ersuchen, technisch feststellen zu lassen, ob sich das Reichstagsgrundstück zur Errichtung eines neuen Abgeordnetenhauses eignet, ev. bezügliche Bauskizzen anfertigen zu lassen. Abg. v. Heereman beantragte hierzu, daß nicht geeigneten Falls die Regierung einen anderen geeigneten Bauplatz in Vorschlag bringen soll. Abg. v. Meyer- ArnSwalde erklärte sich aus finanziellen Rücksichten gegen einen Neubau. Im Uebrigen hält er das gegenwärtige Gebäude für besser als man es darstelle. Er fühle sich ganz wohl, ganz kannibalisch wohl darin. Abg. Janssen (Centr.) befürwortet den Antrag Douglas, nicht aber den des Abg. v. Heereman. Abg. Dr. Windthorst: Das jetzige Gebäude reiche nicht aus, es biete weder genügende Räume zur Berathung, noch solche zur Erholung. Da» jetzige Reichstagsgebäude sei gleichfalls baulich mangelhaft. Es fei nöthig, sobald als möglich aus dem alten Hause fortzukommen zum Schutze des gebens der Abgeordneten wie das der Minister. Nachdem noch die Abgg. v. Heereman und Graf für beide Anträge eingetreten, wurden dieselben mit großer Majorität angenommen. Bei dem Etat der Bergwerke erklärte Oberberghauptmann Dr. Huyssen auf eine Anfrage des Abg. Berger, daß da» Camphausener Grubenunglück wahrscheinlich dadurch verursacht wurde, daß eine der Davy'schen Sicherheitslampen der Vorschrift zuwider geöffnet wurde. Beim Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung wurde die Regierung um Erwägung ersucht, ob eine beschleunigtere Fortsetzung des Süd- Nordkanals wirthschaftlich nützlich sei, bejahenden Falls soll in den nächsten Etat eine bezügliche Forderung eingestellt werden. Beim Kultusetat endlich wurde die Regierung um Einstellung einer Summe in den nächsten Etat, aus welcher die Superintendenten entsprechende Entschädigung für ihre Dienstleistungen erhalten sollen, ersucht. Schließlich wurde das Etatsgesetz genehmigt. — Morgen: Petitionen.
** Der Reichstag nahm debattelo» den Ge
kündet, daß etwa» Außerordentliches bevorstehe; und in der That, das Zittern des Erdbodens nahm in furchterregender Weise zu. Der Lärm des Kampfes drang, deutlich in bett stillen Krankensaal. In höchster Erregung vernahm Erika zwischen den Schlägen schwerer Geschütze das Rollen und Knattern von Kleingewehrfeuer. War da» nicht ein Beweis, daß der entscheidende Sturm im Werke sei? Nun duldete es sie nicht mehr länger an der Stätte der Barmherzigkeit, sie überließ ihre Pfleglinge der Dienerschaft und eilte, von tödtlicher Angst gefoltert, aufwärts zu dem hohen Wartthurm. Das junge Mädchen beugte sich weit hinaus und spähte nach dem weißen Puloerdampfe, welcher drüben hinter dem Dorfe sich zum Himmel erhob. Dort in den Verschanzungen kämpften sie auf Leben und Tod. Sie preßte die Hand auf da» fieberhaft schlagende Herz. Dort an der Spitze kämpfte mit Jugend- muth und Jugendbegeisterung der kühne Mann, welcher eine so plötzliche und tiefgreifende Umwälzung in ihrem Innern hervorgebracht hatte, dessen Schicksal ihr mehr am Herzen lag, als alles Andere in der Welt. Denn sie liebte diesen Mann, den sie einst beleidigt, liebte den Mann, der ihr mit so gleichmäßiger Kälte begegnete, dessen imponirendes W.sen sie aber umgewandelt, zu einem anderen, allem früheren Dünkel, allen früheren Interessen entfremdeten Geschöpfe gemacht. Seine Erscheinung hatte einen Strahl höheren Lichtes auf ihren Lebensweg geworfen, welcher die Dinge in ihrer wahren Gestalt be-
setzentivurf, betreff, die Erhebung einer Schifffahrtsabgabe auf der Unterweser unverändert an und trat dann in die zweite Berathung der Zuckersteuervorlage ein. Staatssekretär Burchard erklärte die Kommissionsanträge für unannehmbar, insbesondere sei die vorgeschlagene Melassebesteuerung undurchführbar. Die Kommitsiontzvorschläge seien durchaus undurchführbar und mangelhaft, es fehlen Bestimmungen über Deklarationen und Kontrole. Komme nichts zu Stande, so werde die Zuckersteuer in der bedenklichsten Weise zurückgehen. Abg. Rohland (dfrs.) beantragt eine Herabsetzung der Zuckersteuer und erklärte sich gegen eine Melaffesteuer. Abg. v. Wedell-Malchow (kons.) hielt den Antrag Rohland für prinzipiell richtig, aber au» finanziellen Rücksichten für nicht empfehlenswerth und verthei- digte dann die Kommissionsanträge, insbesondere die Melaffesteuer gegenüber dem Vertreter de» Bundesrath». Abg. Lohren (ReichSp.) trat für die Melaffesteuer ein. Abg. Graf zu Stollberg« Wernigerode (kons.) beantragte, e» beim bisherigen Steuersätze zu belasten und nur die Ausfuhrvergütung herabzusetzen. Dieser Antrag vermittele zwischen den verschiedenen sich widersprechenden Interessen. Abg. Dr. Buhl (nat.-lib.) empfiehlt die Anträge der Kommistion die 8 Millionen mehr ergeben würden als der Antrag Stollberg. Minister Dr. Lucius befürwortete die Regierungsvorlage. Die Ermäßigung der Exportbonifikation werde ebenso von der Landwirthschaft getragen werden müffen wie die Steuererhöhung; sie führe aber auch zu einer Ermäßigung de» Zuckerpreisis im Jnlande und schädige so die Industrie. Mit der Melaffesteuer werde man nur der Fabrikatsteuer die Wege bahnen. Abg. Heine (Soc.) würde letztere» für einen wahren Segen halten. Die Exportprämie steckten die Fabrikanten ein, während deren Arbeiter schlecht bezahlt und schlecht behandelt würden.- Abg. Haerle (VolkSp.) bedauerte den Widerstand der Regierung gegen die Kommissions- Anträge. Melaffesteuer sei nothwendig, so lange man zur Fabrikatsteuer übergehe. Abg. Struck- mann (nl.) befürwortete die Regierungsvorlage und sprach sich gegen jede Aenderung des Systems der Steuer ohne dringende Nothwendigkeit au». Weiterberathung morgen.
* Die Arbeiterschutz-Kommission de» Reichstags nahm gestern folgende Bestimmungen an: „Arbeiterinnen, welche ein Hauswesen zu besorgen haben, dürfen in Fabriken nicht länger als 9 Stunden täglich beschäftigt werden. Im Falle besonderer Bedürftigkeit kann die Ortsbehörde für einzelne Arbeiterinnen Ausnahmen gestatten." „Arbeiterinnen, deren Kinder das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind zur Arbeit in Fabriken nur zuzulaffen, wenn sie der Ortsbehörde den Nachweis liefern, daß diese Kinder während der Arbeitszeit der Mutter unter der Aufsicht erwachsener Personen stehen."
leuchtete und die Nebel der Vorurtheile durch die siegende Sonne der Wahrheit zerstreute. Worin der mächtige Einfluß bestehe, den der herrliche Fremde auf sie ausübte, darüber hatte sie sich noch keine Rechenschaft gegeben. Sie war sich ihrer Liebe nicht bewußt, sie fühlte nur eine verzehrende Angst um ihren Beschützer und es war ihr, al» ob jeder Schuß, welcher au» der Ferne herüberhallte, sein edles männliches Herz treffe. Das Toben des Gefechtes kam näher und näher und deutlich vernahm sie da» Kriegsges ‘ rei der welschen Kehlen. Allmächtiger Gott, wenn die Uebermacht siegte! Da blitzte es licht auf der jenseitigen Bergesspitze, und gleich darauf sauste in tödtlich kreisendem Tanze eine Granate in den Schloßhof. Gütiger Himmel, war e» denn möglich? Hatten die Franzosen wirklich auf Schleichwegen die gegenüber liegende Höhe er- reicht? Nur durch Verrath war es ihnen ausführbar, an den Trancheen und Defileen vorbei durch Schluchten und Wälder zu bringen. Doch e» mußte so geschehen fein; während ber Kampf auf ber einen Seite hinter dem Dorfe tobte, hatte ein Theil bes Feinde» jenseits die Vorposteti überrumpelt, jedenfalls niedergehauen und die deutschen Kanonen umgedreht: Das waren keine armseligen französischen Feldstücke, die jetzt Tod und Verderben auf die Schlösser nieberfpieen, ba» waren bie Granaten ber Manderscheidischen schweren Geschütze, welche Thürme unb Mauern ber Burgen umbrausten. (Fortsetzung folgt.)
* Posen, 18. März. Die meisten fälligen Züge auf den hier einmünbenben Bahnstrecken sind bisher nicht eingetroffen. Der von Berlin hier Morgens 4 tt. 40 M. fällige Kurierzug liegt bei der Station Buk fest. Die Kreuzburger Bahn ist vollständig unfahrbar. Der gestern Abend von hier nach Ostrowo abgelaffene Zug mußte wieder umkehren.
* Köln, 18. März Der verantwortliche Redakteur ber .Kölnischen Volkszeitung' wurde gestern von ber hiesigen Strafkammer wegen Beleibigung bes Kultusminister» v. Goßler zu 300 Mk. Geldbuße bezw. für je 15 Mk. 1 Tag Gefängniß ver- urtheilt. Der Staatsanwalt hatte drei Monate Gefängniß beantragt. Es handelte sich um einen Artikel der .Kölnischen Volkszeitung' in Nr. 194 vom 17. Juli v. I. mit der Ueberschrist „Sirenen- ftimmen". Die Strafverfolgung wegen eines in Nr. 186 vom 9. Juli erschienenen Artikels, betitelt „Was geht vor?", in welchem man ebenfalls eine Beleidigung des Kultusministers erblickte, war eingestellt worden, weil bei Eingang des Strafantrags schon Verjährung eingetreten war. Wegen Abdruck diese» letztem Artikels war vor einiger Zeit der Redakteur des .Westfälischen Merkur' in Münster zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Von der Anschuldigung, an einer andern Stelle desselben Artikels auch Beamte des Kultusministeriums beleidigt zu haben, erfolgte Freisprechung, weil die Möglichkeit nicht ausgeschlossen schien, daß diese Stelle auf andere Personen Bezug haben könne.
♦ Schwerin, 18. März. Den .Meckl. Landesnachr.' zufolge ist der Landrath Bülow auf Rodenberge zum Staatsminister und Ministerpräfi- benten ernannt.
* Freiburg, 17. März. Der bekannte Alt- katholikenführer Prof. Dr. Michaelis hat sich kürzlich mit einer Klageanstrengung nicht unerheblich blamirt. Der Herr Professor belangte nämlich, wie wir s. Z. mittheilten, wegen Beleidigung den Redakteur des „Bad. Beob.", weil das Blatt die Eucyclika des Papstes Leo XIII. an die preußischen Bischöfe abgebruckt hatte. Durch die Encyclika aber, in welcher von den Altkatholiken im Allgemeinen bie Rebe war, fühlte sich Pros. Michaelis beleibigt. Das Gericht hat inbeß die Klage abgewiesen.
Ausland.
* Brüssel, 18. März. Das Journal „Patriote" meldet über Arbeiterkundgebungen in Lüttich, es hätten Arbeiter aus Seraing und Jemappe daran theilgenommen. Die Arbeiter wären lärmend durch die Straßen gezogen, hätten Fenster unb Maaren- läben zertrümmert unb auf dem Platze Delcourt eine Versammlung abgehalten, wobei aufreizende Reden gehalten worden.
* Paris, 18. März. Der heutige Jahrestag der Errichtung der Kommune ist ruhig verlaufen. Nachmittags fanden nirgend» größere Menschenansammlungen ober sonstige Zwischenfälle statt.
• Bukarest, 18. März. Die Ratifikation bes serbisch-bulgarischen Friedensvertrages hat gesteru Abend um 9 Uhr stattgefunden.
* Belgrad, 18. März. Eine Proklamation de» Königs theitt ber Bevölkerung bett erfolgten Austausch ber Friebensratifikationen mit.
* Warschau, 18. März. Wegen starken Schneefalls ist ber ganze Eisenbahnverkehr hier eingestellt.
* Lonbon, 18. März. Die ,Times' unterzieht bie brohenbe Haltung Griechenland» einer scharfen Kritik unb fügt hinzu, wenn Griechenland noch länger dabei verharre, Krieg zu verlangen, so werde es höchst wahrscheinlich beim Wort genommen werden. Da der Frieden anderwärts gesichert fei, bürste Europa einen lokalisir- ten Kampf zwischen ber Türkei unb Griechenland mit ziemlichem Gleichmuth betrachten.
* Manchester, 18.März. Die Erklärung der Stabtbehörben, baß sie ben Arbeitern augenblicklich keine Arbeit geben könnten, rief eine Arbeiter- lunbgebung hervor. Ein großer Haufen versammelte sich vor bem Stadthause, wurde jedoch von der Polizei zerstreut. Ein Theil der Arbetter begab sich in drohender Haltung in bie Straßen, wo bie bedeutendsten Kaufleute wohnen, zertrümmerte bie Fenster eine» großen Modewaarenge- schäft» unb machte Anstalten zur Plünderung ber Jmvelierläben. Es gelang ber Polizei, bie» zu verhinbern. Drei Unruhestifter würben verhaftet.