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1886.

Sonnabend, den 13. März

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um den Rest der Sympathien, den die arrogante Haltung seiner Bevollmächtigten und Offiziere in Sofia noch übrig gelassen hatte. Diese Politik be­folgte es einzig und allein aus der selbstzuchtigen Erwartung, daß die Bulgaren, sich selbst überlaz» en und auf eigene Kraft gestellt, rasch niederge- worsen würden, dann den Battenberger als Un- alücksbrmger ausstoßen und reumüthig unter den Schutz des Väterchen Czac zurückkehren würden. Dann konnte Rußland als der große Nothhelfer auftreten, den Serben Ruhe gebieten und Bulga- rien vollständig zur rufstschen Provinz machen. Die Siege Alexanders bei Sliwnitza haben diese Rech« nung gänzlich umgeworfen. Rußlands Beistand ist nicht nöthig geworden, und während der Czar noch heute abseits im Schmollwinkel steht, hat Bulga­rien mit Serbien Frieden geschloffen, hat der «Sul­tan die Union anerkannt und steht Europa im Be- griffe, daffelbe zu thun. Der Czar wird Jahre brauchen, um seine Thorheiten gutzumachen.

strebt sei, die Ursachen des Rückgang zu erkennen und etwaigen Mängeln abzuhelfen. Nachdem so­dann der Delegirte der Berliner Kaufmanns- Aeltesten den Handelstag begrüßt, konstituirte sich das Bureau und trat die Versammlung in die Tagesordnung.

» Die kirchenpolitische Kommiffwn des Herrenhauses hat gestern 6 Stunden zur zweiten Lesung gebraucht, weil ein Th-il der Anträge des Bischofs Kopp, nachdem Fürst Bismarck sich für dieselben ausgesprochen hat, noch nachträglich in die Vorlage ausgenommen worden ist. Bei der Schlußabstimmung soll sich Bischof Kopp der Abstimmung enthalten und erklärt haben, er sei zwar mit den Beschlüffen einverstanden, muffe sich aber neutral verhalten, b:s oer Papst gesprochen habe. Ob Bischof Kopp nach Rom reist, darüber fehlt z. Z. noch jeder Anhaltspunkt, jedenfalls wird eine Pause von 10 Tagen eintreten, um für Ver­handlungen mit Rom Zeit zu gewinnen. Bis dahin sollen auch die Beschlüsse der Herrenhaus- Kommiffwn geheim bleiben. Die .Germania' stellt es als fraglich hin, ob das kirchenpolitische Gesetz in einer die Kirche befriedigenden Form zu Stande kommen werde und mahnt die Regierung und die Kulturkämpfer zur weiteren Nachgiebigkeit. Sie schreibt u. 31.: Es ist auf katholischer Seite nir« ! gend« auch nur ein leiser Zweifel darüber ge- wesen, daß sämmtliche vier positive Dispositionen der neuen kirchenpolitischen Vorlage: die fest­gehaltene maigesetzliche Ordnung der theologischen Lehranstalten, die einzuführende schrankenlose Staatsaufsicht über Priesterseminare und Kon- Ditte, die Neuordnung der Appellation der Geist­lichen an den Staat und endlich die aufrecht ge- haltene Unfähigkeit«- E iklärung, daß diese sämmtlichen vier Punkte nicht nach der Vorlage angenommen werden könnten, sondern theils wesentlicher Aende- runqen bedürften und theils direkt unannehmbar seien. Diesen Standpunkt hat der Herr Bischof von Fulda natürlich geltend gemacht und hat auch noch eine Erweiterung der Vorlage aus nicht von derselben Berührtes zu erreichen versucht. Wie der Papst Leo XIII. über die Resultate der Herren- haus-Kommifsion entscheiden und wie der Herr B schof über dieselben stimmen wird, hängt also nicht von „Einflüssen" der „letzten Stunde" in Rom ab, sondern von schon vorher geltend ge- machten Grundsätzen und Gesichtspunkten.

•* Das Abgeordnetenhaus setzte die zweite Berathung des Kultusetats bei den Universitäten fort. Entgegen den Anträgen der Kommiffwn würde bei den Universitäten Greifswald und Marburg die Anstellung von Kuratoren bewilligt. Beim Kapitel höhere Lehranstalten theilte Geh. Rath Breitz auf eine Anfrage des Abg. Schmidt- Stettin mit, daß die Augenuntersuchungen der Schüler zunächst auf die Provinzen Hessen- Nassau und Pommern beschränkt worden seien, lieber das Ergebniß der Untersuchungen in Heffen- Naffau liege das Ergebniß vor und werde deßhalb der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Bei der Universität Bonn legte der nationalliberale Abg. v. Cuny eine Lanze für die altkatholischen Professoren in Bonn ein und sprach die Hoffnung aus, daß die Herren dereinst wieder altkatholische Nachfolger erhalten. Es sind nämlich zum Zweck der Reorganisation der katholisch - theologischen Fakultät in Bonn für drei ordentliche Ersatz- Professoren im Etat 16,480 M. verlangt, die Herrn v. Cuny große Schmerzen machen. Der Abg. Frhr. v. Fürth befürwortete die Position I und sprach die Hoffnung aus, daß die Universität Bonn endlich einmal vom Altkatholizismus befreit würde. Eine längere Debatte entwickelte sich über I die Verhältnisse der Lehrer an kommunalen höheren

* Der Friede von Bukarest.

Am 3. d. M. wurde bekanntlich im Ministerium des Aeußern zu Bukarest der Fciedensvertrag zwi- scheu Serbien und Bulgarien unterzeichnet. Der Wortlaut desselben ist bereits miigetheilt worden. Ein so kurzer Friedensvertrag, welcher nur den einzigen Artikel enthält: „Der Friede ist zwischen dem Königreiche Serbien und dem Fürstenthume Bulgarien von dem Tage der Unterzeichnung des gegenwärtigen Vertrages wiederhergestellt" ist in der Geschichte wohl niemals vorgekommen. Es ist weder von einer Gebietsabtretung noch von einer Kriegsentschädigung die Rede. Serbien verpflichtet sich nicht zur Anerkennung der bulgarischen Union; Bulgarien macht keines der von Serbien so lange geforderten Zugeständnisse. Alles bleibt wie zuvor; man scheint für nichts gefochten zu haben. Der Angegriffene hat errungen, was er beabsichtigte; der Gegner mußte die Anfprüche fallen lassen, die er erhob und um derentwillen er den Krieg ange- sangen. Serbien hat die bulgarische Union zum Vorwande seines Angriffs genommen, dieselbe bleibt aber bestehen; die Großmächte sanktioniren sie. Allerdings würden sie dies wohl nicht gethan haben, wenn Bulgarien im Kampf« mit Serbien Er­legen wäre. Serbien hat unter jenem Vorwande eine Gebietserweiterung angestrebt; es wollte die angeblich serbifchen Bezirke Bulgariens haben, Wid- bin, Trn, Küstendji und wenn es ganz gut abge- laufen wäre, Sofia. Aber Bulgarien behält alle diese Gebiete, und König Milan muß froh sein, daß er Pirot und das Thal der Nischawa behält. Fürst Alexander wird Generalgouverneur von Ost- mmelien, und Nord- und Süvbulgarien bleiben vereinigt und ungeschmälert. Der Kampf der Klei­nen auf der Balkanhalbinsel ist immer noch ein Rmgen der Großen in Europa, manchmal ein offenes, diesmal ein geheimes. Seinen Willen durch- aesetzt hat im letzten Konflikte allein England, das ans der Konferenz zu Konstanttnopel die Rechte der Bulgaren verfocht. E» trägt den Ruhm da- von, die junge Freiheit de» Bulgarenvolkes beschützt zu haben. Dagegen haben Oesterreich und Ruß- land, die beiden nächsten Gegner, die um die Bal- kanherrschast ringen, in gleicher Weife Schlappen erlitten. Oesterreich, indem sein Schützling, wider alles Erwarten, wuchtige Schläge bekam und statt Erhöhung und Vergrößerung Minderung feines Ansehens und feiner inneren Kraft aus dem Feld­züge heimbringt. Oesterreichs Intervention hat ihn vor dem Aeußersten bewahrt, den siegreichen Feind zum Rückzug gezwungen und das alte Besitzthum der Serben gerettet. Ganz schief ist heute die Stellung Rußlands. Seine Staatsmänner hatten falsch gerechnet, und außerdem wurde auch noch ihre Vorsicht an dem Jähzorn des Monarchen zu Schanden. Als die Ostrumelioten sich erlaubten, ohne russische Sanktion zu revolutioniren, und als der Fürst, ohne die Ermächtigung seines kaiserlichen Vetters nachzusuchen, über die Balkanpässe nach Philippopel ritt, wo er als Herrscher war au»ge- rufen worden, da jauchzte das russische Volk zu, und selbst der Battenberger gewann sich in Mos- kau Sympathien. Da schlug man an der Newa eine Politik be» Zornes ein. Die russischen Offi­ziere wurden zurückgerufen und die junge Armee führerlos den andrängenden Feinden und Reibern preisgegeben. Der Czar erließ jenes berühmte Dekret, in welchem er feinen früheren Schützling gewöhnlicher fürstlicher Ehren beraubte und schwer ■ beleidigte. Rußland, der Befreier Bulgariens, ge- berbete sich ans der Konferenz zu Konstantinopu al» sein erbittertster Feind; es brachte sich dadurch

Deutsches Reich.

Berlin, 12. März.

♦ Der Sitzung der Branntweinmonopol- Kommission, in welcher die SS 1 und 2 mit 19 gegen 6 Stimmen abgelehnt wurden, wohnte her Reichskanzler, nicht bei, wohl aber Scholz und Burchard mit Kommissarien. Die Freisinnigen und da» Centrum beseitigten sich an der Diskus­sion fast gar nicht. Buhl erklärte die Bereitwillig- kett der Nationalliberalen zu einer anderen Form der Branntweinsteuer, wurde aber von Scholz auf­fallend scharf und höhnisch zurückgewiesen, der ihm zu verstehen gab, daß es der Regierung nur um das Monopol zu thun fei. Etwa« bereitwilliger zeigten sich die Regierungsvertreter, ein Projekt Kardorff's zu erörtern, das auf eine Konsumsteuer hinauslief. Inzwischen beantragte Frege Nieder« fefeung einer Subkommifsion zur Prüfung der finanziellen Seite des Monopols. Darüber wurde bebattirt und der Antrag mit 17 gegen 8 ©tim« I men abgelehnt. Die Diskussion über SS 1 und 2 mar damit gewissermaßen unterbrochen, es meldete sich zu ihr Niemand mehr, der Vorsitzende erklärte sie für geschlossen und schritt zur Abstimmung, deren Resultat bekannt ist. E» stimmten für den S 1 nur die Deuschkonfervativen und Gamp von der Reichspartei. Kardorff stimmte dagegen. Die Kommission hält laut der ,Fr. Z.' wahrscheinlich nur noch eine formelle Sitzung ab, um den Rest des Gesetzes durch die erste Abstimmung für erledigt zu erklären und den Referenten zu ernennen.

• Der deutscheHandelstag ist im Bürger- faule des Rathhauses zusammengetreten. Staats­sekretär v. Bötticher begrüßte ihn mit einer An­sprache, worin er einen Rückblick auf die fünfund­zwanzigjährige Geschichte des Handelstages warf. Dann führte er aus: So sehr auch die Meinungen über dasjenige, was dem Handel frommt, aus­einandergingen, eins solle man im Ange behalten: das Streben, einen Einigungspunkt zu finden, ftch ruhigen Blicks nicht blos auf den Kreis der ei­genen Lokalintereflen zu beschränken, sondern darüber hinaus auch die konkurrirenden Interessen anderer Berufszweige im Auge zu behalten. Die wirthschaft- liche Lage sei ja leider nicht sehr günstig; es gehe im Handel und Verkehr wie überall: Wogen gehen aUf gehen ab. Man dürfe sich den Blick nicht trüben lassen durch gewisse Depressionen, die an sich vielleicht geeignet fein könnten, Sorge zu ver­anlassen. Aber es seien ja Anzeichen vorhanden, daß Handel und Wandel sich wieder heben. Er (der Minister) hege die feste Zuversicht, daß em wirthschaftlicher Aufschwung nicht lange aus sich warten lassen werde, umsoweniger, wenn man be«

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