Einzelbild herunterladen
 

1886,

Freitag, den 12. März

Fuldaer

mit btt

Landestheilen heftig angefeindet und beschädigt wird. .

Je mehr aber diese Uebel uns mit Schmerz und Besorgniß erfüllen, um so lieber und ange­nehmer war uns Dein Schreiben, in welchem mit apostolischer Sorge und Weisheit die Mittel be­zeichnet werden, durch welche einzig der Weg zum wahren und dauerhaften Frieden und zur wirk­samen Besserung der aus der Störung des Friedens entstandenen Uebel bereitet wird. Denn dieses Ziel haben alle Bestrebungen und Sorgen im Auge, welche Du vom Beginn Deines Pontifikates an unablässig auf die Wiederherstellung der Ein- tracht verwandtest, keine Mühe zur endlichen Be- seitigung der Hindernisse scheuend, welche der freien Verwaltung unserer Kirchen und der kirchlichen Erziehung der Diener des Altars nach den Vor- schristen der kanonischen Satzungen noch entgegen* stehen. . _ . .

Die Kirche ist in der Thal, wie Du m Deiner Encyklika Immortale Dei so treffend vorgetragen hast, nach Gottes Willen „eine übernatürliche und in ihrer Ordnung vollkommene Gesellschaft", welche in Folge der Freigebigkeit ihres Gründers mit allen Hülftmitteln geschmückt und ausgerüstet ist, deren sie bedarf, um die so großen und kostbaren Güter ausspenden zu können, welche in Christus uns verliehen sind.

Recht und Gewalt der Regierung dieser Gesell- schäft aber steht nach dem heiligen und unverletz- lichen Willen Christi bei Petrus und seinen Nach- folgern, den Römischen Päpsten, und unter der Autorität und dem Lehramte Petri bei den Bischöfen in ihren einzelnen Kirchen; und nicht kann dem­gemäß von einer andern als von der kirchlichen Gewalt bestimmt werden, nach welchen Gesetzen und in welcher Ordnung die Geistlichkeit zu lenken sei.

Dem entsprechend nehmen wir mit voller Unter­würfigkeit und freudigen Geistes alles an, was Du mit apostolischer Weisheit betreffs des Unter- lichtes, der Erziehung, der Auswahl und Leitung der Diener Gottes einschärftest, indem Du ganz besonders darauf abzieltest, daß „unversehrt und frei das Recht der Bischöfe fei, auf dem Ringplatz der Seminare die friedliche Heerfchaar Christi heranzubllden, unversehrt ihr Recht, die Priester nach ihrem Ermeffen auszuwählen, welchen sie die verschiedenen Aemter übertragen wollen, und ohne jedes Hinderniß ihr Hirtenamt in Frieden zu ver- bärtige Ritter in Stahl- und Ringelpanzer, Männer mit schwarzen Federhüten und schweren, goldenen Ketten, sowie Frauen in Sammethauben, hohen, gefalteten Halskrausen und langen, weiten Hänge- ärmeln. Die ältesten der Bilder hatten im Laufe bet Jahrhunderte derart nachgedunkelt, daß man das Portrait kaum mehr erkennen konnte.

Mit hoher Theilnahme widmete Antonius feine Aufmerksamkeit der Ahnengalerie. „Wahrlich, Komteffe, Sie thaten wohl daran, uns hierher zu geleiten!" rief er feurig aus. „In dieser gehei­ligten Umgebung, wo die Geister der Geschichte mächtig zu uns reden, wo die Heldenthaten eines alten Geschlechts uns umrauschen, uns gleichsam drängen und heben, da stärkt sich ein wahres Kriegerherz und schlägt begeistert kühnen Thaten und hohem Waffenruhm entgegen."

Erika warf einen raschen, staunenden Blick auf den jungen Offizier. Das klang ja wie aus dem Munde eines Edelmannes! Sprach dies derselbe Mann, deffen Rede sie so tief verletzt hatte, dessen Worte vor wenigen Augenblicken ihren berechtigten Adelstolz zu verhöhnen schienen? Sie lächelte. Also auch auf den Bürgerlichen verfehlte die hohe Ahnenreihe ihren gewaltigen Eindruck nicht!

„Ich bin gern bereit, Sie mit den hervor­

walten." Bor allem jedoch bekennen wir mit Dir frei und offen, daß die geistliche Jugend, so weit als möglich, unter der Wachsamkeit und Sorge der Bischöfe in Häusern der Kirche vereinigt, sicher vor den Verlockungen der Welt zu entziehen sei, auf daß sie, mit der erforderlichen Summe wiffen- schaftlicher Kenntniffe ausgerüstet und mit aposto- Uscher Festigkeit und Zucht des Geistes geschmückt, zur Uebernahme der Arbeiten im Weinberge des Herrn tauglich befunden werde. Dieses schwierige Werk aber können die Bischöfe nicht feiner Be­deutung und Würde entsprechend vollbringen, wenn sie nicht volle Freiheit besitzen sowohl bei Fest- setzung der Regel der Seminare und der Lebens­weise, als bei Auswahl der Erzieher, welchen die Kandidaten des Priesterstandes zur Bildung Über­geben werden sollen.

Die Rothwendigkeit dieses ungeschmälerten Rech­tes und dieser freien Befugniß aber hast Du, hei­ligster Vater, durch unwiderlegliche Gründe und mit höchster Autorität gezeigt. Denn die unver- letzlichen Rechte der Kirche zu vertheidigen und zu schirmen war stets das besondere Amt des Papst- thums, in welchem die unfehlbare Wahrheit Christi, durch keinerlei Finsterniß verdunkelt, erglänzt und beständig ungeschwächt und wachsam die Liebe zu Gott glüht, die auf'S eifrigste sorgt für Alles, was Gott liebt; „nichts aber liebt Gott mehr in der Welt," sagt der heil. Anselm, „als die Freiheit Seiner Kirche".

Während aber Du, heiligster Vater, mit unbe­zwinglichem Rinthe und bewundernswerther Weis- hell das Steuer hältst, wollen wir eifrig die Ruder gebrauchen in dem Bewußtsein, der höchste Steuer- mann der Kirche, vertrauend und gestützt auf die besondere Hülfe Gottes, werde das Schifflein der Kirche zwischen Klippen und Stürmen sicher zum Hafen des ersehnten Friedens hinlenken.

Indem wir bei dieser Arbeit zu unferm Theile mithelfen, wird uns nichts wichtiger und heiliger sein, als Deiner apostolischen Stimme vollen und vollkommenen Gehorsam zu leisten. Keine Mühe, keine Unbequemlichkeit werden wir scheuen, um Deinen Wünschen vollkommen nachzukommen. Denn wie mit Gottes Gnade weder Tod noch Leben, noch irgend ein Geschöpf uns trennen kann von bet Siebe Gottes, welche ist in Christus unfern Herrn, so wirb auch nichts uns jemals trennen können von bem Mittelpunkt ber kirchlichen Einheit, ragenbjien Männern aus unserer Familienchronik bekannt zu machen," sagte sie freundlich, näher tretenb. ,, . . _ .

„Woburch Sie einen wrßbegrengen Krreger zu großem Danke verpflichten werden," entgegnete Antonius artig.

Sehen Sie dies dunkle Gemälde? Man kann eben die Spuren eines Ringelharnischs über der kräftig gebauten Gestalt noch unterscheiden, auch das bärtige Antlitz schaut freilich geisterbleich, aber bennoch energisch genug aus seiner büsteren Um­gebung. Dies ist Matfrieb, ber eigentliche Gründer und Stammvater unseres Geschlechts. Als Graf von Hennegau wurde er von Kaiser Arnulph im Jahre 891 für feine im Normannen« kriege und dem Römerfeldzuge geleisteten Dienste mit der Grafschaft Manderscheid belohnt. Das folgende Blld stellt WUHelm I., den Erbauer dieses Schlaffes bar. Der mit bem dunkeln Bart, ber krausen Stirn unb bem finsteren Blick ist Walter, welcher seinem Bruber Richard, diesem dort mit den freundlichen Zügen und den schel- mischen, blauen Augen, Haß schwur, und aus Rache im Jahre 114t die obere Burg mit allem Zubehör bem Trierischen Erzbischof Albero schenkte.

Antwortschreiben des preußischen Epis­kopates aus das Schreiben des hl. Bakers vom 6. Januar 1886.

Heiligster Vater!

Jenes herrliche Schreiben, welches Deine Hellig­keit am 6. Januar b. I. an uns zu richten ge» ruhte, gereichte uns zum höchsten Tröste. Denn was könnte für die Katholiken unseres Landes ehrenvoller sein, als jene gütige Erinnerung, in welcher Du ihre Mühen, ihre Tugend und ihre Verdienste öffentlich rühmen wolltest; was für die Hirten angenehmer, als Worte voll väterlicher Liebe aus dem Munde des obersten Hirten zu hören!

Empfange also, helligster Vater, für dieses ausgezeichnete Wohlwollen unfern besten Dank aus tiefstem Herzen, der Du uns getröstet hast in unferer Heimsuchung und nach dem Beispiel des Völkerapostels geistliche Gnaden spendetest, um uns zu stärken.

Ties bedauern mir mit Dir, heiligster Vater, daß ber noch vor wenigen Jahren zum gemein- samen Wohle ber Kirche wie bes Staates bestehende Friede durch unselige Gesetze gestört wurde, und tief beklagen wir die fchweren Uebel, welche daraus für den Staat nicht minder als für die Kirche entstanden. Allerdings lindert unsere Trauer der Umstand, daß Geistlichkeit und Volk, welche uns anvertraut sind, die vorzüglichen Lobsprüche vollauf verdient haben, mit denen Du sie überhäuftest, durch den ausgezeichneten Gehorsam und die Stand­haftigkeit, womit sie in fo vielen und schweren Gefahren und Versuchungen an der Kirche fest- hielten, und deren Sache auf sich nahmen und vertheidigten, ohne den den Fürsten gebührenden Gehorsam zu verletzen. Aber dieser Umstand kann unfern Schmerz nur lindern, nicht beseitigen. Denn sehr ist zu befürchten, daß die Ernte der schon fünfzehn Jahre hindurch wachsenden Saat täglich üppiger und verderblicher werde. Auch fehlt es nicht an sehr ernsten Gründen zur Be- sorgniß. Namentlich sind es zwei liebel, welche uns die größte Furcht einflöffen: die Sitten der Jugend, welche, da die religiöse Erziehung allzu sehr behindert war, vieler Orten bereits verderbt ober wenigstens im hohem Grade gefährdet sind, und die Überaus traurige Lage der Arbeiter, deren Glaube und Religion unter dem Ansturm bes wuchernden Sozialismus sogar in katholischen

~ = Air letzte SrSfi« Manlerscheid. 15

Roman von Antonie Haupt.

Die Offiziere folgten der Einladung und be­traten nun den prächtigen Rittersaal. Durch hohe Bogenfenster, welche herrliche GlaSmalereren, alte kriegerische Begebenheiten aus der Fannlre umschloffen, zuckten feuerrote und herrlich blaue Lichter über das blinkende Silbergerräth der Tafel und das dunkle Parquet des Fußbodens hin. Von der hohen, gewölbten, durch breite Goldleisten in gelber geteilten Decke schauten überlebensgroße, tiefsinnig verkörperte Gestalten ber biblischen Ge­schichte nieber. Eichenes Getäfel mit Schnitzwerk unb verschwenderischer Vergoldung zierte die Wände welche bis zu ihrer Mitte hin mit Ahnenbildern bedeckt waren — eine unabsehbare Menge von Männern und Frauen, die theils mit blauen, chells mit schwarzen Augen, aber Alle ohne Aus- nähme ziemlich trutziglich in die Welt hinaus schauten. Da zeigen sich zuerst glatt rasirte Herren mit gepuderten Allonge-Perrücken, Frauen im Reisrock nut hoher Frisur oder im koketten Salon - Schäferkostüm. Dann kamen Kavaliere, die im spanischen Erbfolgekriege oder gar im 30-jährigen Kriege mitgekämpft hatten; es folgten

Di, ,Fulda« 8*W «scheint täglich, «onn- und

in fuIbTTffit^TO?f9.?eauän>attS l*Mk. 75 Pfg?

gnfe,eU: 1° Wi-d«h°lungen entsprechender Rabatt. _