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ermordeten, erhob sich Lärm im Publikum. Ein Anarchist schwang sich auf die Bühne und be­schimpfte deshalb die Zuhörer, worauf es zu einem Handgemenge kam. Louise Michel mußte sich flüchten, und trotzdem sie von den Stadtsergeanten beschützt wurde, erhielt sie dennoch Hiebe mit Stöcken und Regenschirmen. Ihre Freundin, die sich in einem Wagen rettete, wurde mit Steinen und Sand beworfen und der Anarchist, der das Publikum beleidigte, durchgehauen.

"Konstantinopel, 10. März. Eine Cirkular- note der Pforte vom 6. d. M. erklärt, die Türkei bleibe dabei Griechenland keinerlei Konzeffionen zu machen, also könnten über solche Konzessionen gemäß den früheren Erklärungen der Pforte keine Verhandlungen stattfinden.

* Die Nothlage int westlichen Irland hat während der letzten Wochen bedeutend zugenommen. Viele Haushaltungen haben ihren ganzen Vorrath an Saarkartoffeln aufgezehrt und stehen jetzt gänz­lich mittellos da. In Mulranny, Grafschaft Mayo, ist bereits eine Frau dem Hungertods erlegen, während in Enslecka, Doobeg und Mulranny ein ansteckendes Fieber ausgebrochen ist, dem unver­meidlich eine große Anzahl von Menschen zum Opfer fallen muß, wenn nicht schleunige Hilfe ge­leistet wird.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 11. März.

* Das am Schweinemarkt gelegene, unter dem Namen „G a m b r i n u S h a l l e" bekannte Be« sitzthum des vor einigen Wochen verstorbenen Metzgermeisters Lorenz Kramer ist sammt Inventar an Herrn Th. Hodes, früher in Hünfeld, jetzt in Fulda, für 38,000 M. käuflich übergegangen.

* Die Eröffnung des Betriebs auf der Fulda- Gersfelder Eisenbahn ist, wie das ,F. K.' hört, zum 1. Oktober 1887 in Aussicht genommen und wird dieselbe dem Dienstbezirk der hiesigen Königlichen Eisenbahn-Bau-Inspektion zugetheilt werden; dahingegen wird die seither zu derselben gehörigen Bahnstrecke H e r s f e l d (einschließlich des Bahnhofs) bis Bebra in den Dienstbezirk der Königlichen Eisenbahnbau-Jnspektion Göttingen übergehen.

* Dem Vernehmen nach findet Hierselbst zu Anfang kommenden Monats ein Concert der be­rühmten Violin-Virtuosin TeresinaTua statt.

* Viele unserer Leser, denen die Theaterdirektion Herrmann im Pult'schen Saale manchs angenehme Stunde bereitet hat, wird die uns soeben zuge­gangene zuverlässige Mittheilung interessiren, daß die Künstlergesellschaft bis j tzt 4 Vorstellungen in Gießen gegeben hat, welche trotz des störenden Einflufles der Carnevalsfestlichkeiten von gutem Erfolge begleitet waren.

* Gegenwärtig stehen drei Kometen am Himmel, die jedoch nur mit sehr lichtstarken Ferngläsern gesehen werden können.

* Die gefiederte Welt hat gegenwärtig schlimme Tage: Hunger und Kälte richten eine große Zahl Vögel zu Grunde. Allenthalben findet man tobte Thierchen auf dem Schnee. Ein schlimmer Feind der kleinen Sänger ist bei der herrschenden Witter­ung der Rabe. Trotzdem er nicht zu den Raub­vögeln gehört, weiß er doch mit großem Geschicke seine Beute zu erhaschen. Lerchen, Goldammem, Meisen, Sperlinge, Distelfinken rc. fallen ihm in großer Zahl zur Beute. In der Regel vereinigen sich mehrere dieser schwarzen Gesellen zum gemein­schaftlichen Jagen und nur selten entkommt ihnen das ausersehene Opfer.

* Der Finanzminister macht die Provinzial- Steuerdirektoren darauf aufmerksam, daß nach den neuerdings aufgestellten Grundsätzen im Bereiche der Verwaltung der indirekten Steuern mit Mili­täranwärtern zu besetzen sind die Stellen der Heizer, Matrosen und Schiffer auf Wacht- und Kreuzerschiffen, der Gewichtssetzer, Bootsführer rc., Thorwärter, Vollziehungsbeamte; die Stellen der Aufseher im ausübenden Grenzaufsichtsdienste nur unter Mitbewerbung der Steuersupernumerare in der vorgeschriebenen Normalzahl und nach den be­sonderen Bestimmungen über die Annahme, Aus­bildung und Anstellung derselben. Alle anderen hierher gehörigen Stellen sind den Beamten aus den Militäranwärtern nur im Wege der Beförde­rung, also lediglich nach dm in der Verwaltung der indirekten Steuern für die Beförderung in ©tei­

len höherer Klaffe maßgebenden Bestimmungen er­reichbar.

* fPersonal-Chronik) Gestorben: der Erste Staatsanwalt Wilhelmi in Caffel. — Ernannt: der Referendar Diehls zum Gerichtsaffeffor. — Pensionirt: der Gerichtsdiener Seebach in Netra. — Versetzt: der Gerichtsschreiber, Sekretair Klingelhöffer in Schmal­kalden an das Landgericht in Marburg, der Gerichts­schreiber, Sekretair Wiltberger in Biedenkopf als Se­kretair an die Staatsanwaltschaft in Marburg. — Der Förster Kranz zu Breunings in der Oberförsterei Sterb- ftitz ist vom 1. April 1886 ab auf die Försterstelle SBil« bach, Oberförsterei Cassel, versetzt worden. — Der Förster Andreas zu Niederhof in der Oberförsterei Caffel ist unter Bewilligung der gesetzlichen Pension vom 1. April d. I. ab in den Ruhestand versetzt worden. — Der Förster Bellmann zu Forsthaus Beilstein in der Oberförsterei Caffel ist vom 1. April 1886 ab auf die Försterstelle zu Bieber (Schutzbezirk Röhrig), Oberförsterei Bieber, versetzt worden. — Der Förster Schark zu Bieber in der Ober­försterei Bieber ist vom 1. April d. I. ab auf die durch die Pensionirung des Försters Andreas zu Niederhof erledigte Försterstelle zu Niederhof in der Oberförsterei Caffel versetzt worden. — Der Forstausseher Hoff zu Michelsrombach in der Oberförsterei Kämmerzell ist zum Förster auf Probe ernannt und ihm vom 1. April 1886 ab die Försterstelle zu Breunings in der Oberförsterei Sterb- fritz übertragen worden.— DemForsthülfsaufseher Jericho zu Heringen ist die Hülfsvollziehungsbeamtenstelle bei der Königl. Steuer-und Forstkasse zu Gieselwerder übertragen. — Ernannt: der Postpraktikant Wiese in Rinteln zum Postsekretair und der Postasfistent Schade in Eiterfeld zum Postverwalter.

• Seine Majestät der Kaiser und König haben den Eheleuten David Meier Goldschmidt in Sterbfritz aus Anlaß der am 1. März d. I. stattgefundenen Feier ihrer goldenen Hochzeit die Ehejubiläums-Medaille verliehen.

• Gelnhausen, 9. März. Vorigen Samstag Abend gegen 10 Uhr verlor in dem im Vogels- berg überhaupt dickliegenden Schnee, in der Nähe von Untersotzbach ein Mann den Landweg und schrie in Folge dessen au» Leibeskräften, wodurch die Bewohner des nahen Ortes dem Nothleidenden zu Hülfe eilten. Derselbe mußte, da er bis an den Hals in eine Schneewehe gerathen war, aus seinem unfreiwilligen Aufenthalte theilweise heraus­geschaufelt werden, bis er sich selbst wieder helfen konnte. (H. Z.)

* Frankfurt a. M., 10. März. Die ver- wittwcte Landgräfin von Hessen gab gestern zu Ehren des Prinzen Wilhelm von Württemberg, seiner Mutter, Prinzessin Katharina, und seiner Braut, Prinzessin Charlotte von Schaumburg, in ihrer Villa in der Savignystraße ein großes Diner, welchem auch die Herzogin von Nassau bei­wohnte. — Das neue Holzpflaster auf der Zeil macht den armen Pferden viel zu schaffen. Wir beobachteten am Samstag Abend, als die strenge Kälte plötzlich eintrat, nicht weniger denn 8 Pferde, welche in dem Zeitraum von einer halben Stunde stürzten, aber glücklicher Weise keinen wesentlichen Schaden genommen haben.

"Aus Niederhessen, 8. März. Es verdient bekannt zu werden, daß Se. Majestät der König von Sachsen einem hessischen Landeskinde, dem jetzigen Gutsinspektor zu Schweinsburg bei Crim­mitschau, Herrn Georg Henkel, Sohn des ver­storbenen Rittersgutspächter Heinrich Henkel aus Lenderscheid, dis Rettungsmedaille verliehen hat. Vor einigen Wochen hat nämlich Herr Henkel mit eigener Lebensgefahr 3 Knaben, die auf dem Eise eingebrochen waren, und in großer Gefahr zu er­trinken schwebten, gerettet. (C. I.)

"Kreuzberg, 8. März. Der gegenwärtige Winter auf dem Kreuzberg ist geradezu ein trost­loser zu nennen. Bei 5 bis 8 R schneit und weht es seit einigen Tagen unaufhörlich fort und ; es besteht noch keine Hoffnung einer Wendung zum i Bessern. Von der Gartenmauer des Klosters ist ' nichts mehr zu sehen und das Dach des Bräu- ; Hauses mit einer riesigen Windswehe bedeckt. Der Schnee ist durchschnittlich 1,80 Mtr. tief und ; Windswehen von 5—7 Mtr. sind nicht selten. ■ Die ältesten Brüder des Klosters können sich eines ■ solchen strengen Winters nicht erinnern. Nur von ; Bischofsheim und auch hier nur mit Übermensch- ■ sicher Anstrengung ist das Kloster zu erreichen. > Es ist darum auch das Kloster vom Verkehr mit ; der Welt fast gänzlich abgeschlossen, nur der un- i ermüdliche Waldaufseher M. v. B. bringt bis ; jetzt noch dem Kloster in seinem unentbehrlichen Rucksack die Postalien und Anderes mit, weiß aber auch vom Thale nicht viel Besseres zu melden.

* Meiningen, 8. März. Die kleineren Bür- germeisterstellsn fangen an, recht wenig begehrte Posten zu werden, trotz der ansehnlichen Gehälter,

die damit gewöhnlich verbunden sind. So ist die ausgeschriebene Bürgermeisterstelle in Waldenburg bei 3600 Mark Gehalt bis heute noch ohne Be­werber geblieben, obgleich die Ausschreibung dieser Stelle schon vor geraumer Zeit erfolgt ist.

"Weimar, 9. März. Der Großherzog und die Großherzogin werden am Sonnabend nach Italien abreisen.

" Marburg, 8. März. Hier macht gegen­wärtig eine Klagsache gegen den hiesigen kathol. Pfarrer Dr. Weber viel von sich reden. Derselbe ist beschuldigt, in die Wohnung der protestantischen Frau Sinne in der Wettergasse, deren Mann ka­tholisch ist, gedrungen zu sein und mit deren Kind eine katholische Taufe vorgenommen zu haben. Mit Bezug daraus übersendet Herr Pfarrer Dr. Weber dem ,M. T/ folgende Berichtigung:

„Das Kind, um welches es sich handelt, ist das Söhn­chen des katholischen Müllergesellen Sinne dahier, welcher mich zur Vornahme der Taufhandlung auf Sonnabend, den 22. Oktober v. I., Bormittags 9 Uhr, in seine Woh­nung bestellt hatte. Die Taufhandlung wurde durch die evangelisch-katholische Mutter, welche anfangs abwesend war, gestört und gewaltsam verhindert. Dies der That- bestand. Unrichtig ist die Darstellung der Korrespondenz 1. als ob ich unentschuldigt im Termine am 4. März nicht erschienen sei. — Es war mir an G-richtsstell- bedeutet worden, daß ich persönlich nicht zu erscheinen brauche. 2. als ob der Kirchendiener das Kind während der Taufhand­lung gehalten habe. Das Kind hielt der Vater, der es erst nach Störung der Taufhandlung dem Kirchendiener zu halten gab, um seine heftigst erregte Frau aus dem Zimmer zu entfernen. 3. Unrichtig ist es, daß ich der Ehefrau Sinne das Kind wieder zu entreißen gesucht habe. 4. Unrichtig ist es, daß ich die Ehefrau Sinne (welche die am Tische stehende Kerze ausblies und die zur Taufe no- thigen Sachen, als Taufwaffer, hl. Oele u. a. m. zusam­menraffen und „auf die Gaffe werfen" wollte, und welche ich deshalb vom Tische zu entfernen suchte) am Halse ver­wundet habe. 5. Unrichtig ist die Darstellung, als ob ich den Unfrieden in diese „ glückliche" Familie verpflanzt habe.

Dr. Weber, Pfarrer."

" Bochum, 8. März. Bsi Marten gsristh gestern ein Personenzug (Berg.-Märk.) bei Zeche „Germania" in Folge falscher Weichenstellung in den zur Zechenhaloe führensen Strang, in welchem zwei Kohlenzüge sich befanden. Sämmtliche Wagen wurden zertrümmert. Ein Passagier, Kaufmann Westhelle aus Dortmund, wurde als Leiche aus den Trümmern hervorgezogen. Der Packwagen geristh durch den von der Locomotive ausgehenben Feuerregen in Braub. Die von bsr Zeche herbei- eilenben Arbeiter mußten mittelst Brecheisen die total eingeklemmten Passagiere, welche fast Alle mehr ober minbsr schwere Verletzungen davonge­tragen haben, befreien.

Vermischtes.

* St. Wendel, 8. März. Eine unglaubliche That fand in diesen Tagen öor dem Schwurgerichte in Saar­brücken ihre Aburtheilung. Bei dem Ackerer und Schuster Becker in dem benachbarten Reitscheid erschien am 18. Okt. v. I. ein früherer Knecht desselben, um den rückständigen Sohn von 1,90 Mk. zu fordern. Statt dieses Betrages erhielt der Knecht die Antwort, wenn er sich nicht sofort zum Hause hinausmache, werd- er (der Dienstherr) ihn zusammenschießen. Der Knecht hielt diese Drohung für Scherz und blieb bei seiner Forderung. Jetzt ergriff der Unmensch in der That ein an der Wand hängendes, mit Schrot geladenes Jagdgewehr und feuerte dasselbe auf den Knecht ab, der, in Brust, Hals und Kopf getroffen, be­sinnungslos zusammenstürzte. Der Unglückliche hat mehrere Wochen krank zu Bett gelegen; auch in das rechte Auge war ein Schrotkorn gedrungen und ist die Sehkraft dieses Auges vollständig verloren gegangen. Der Thäter ergriff unmittelbar nach der That die Flucht und entkam nach Suxemburg, wurde aber bald darauf doch gefaßt und hier gefänglich eingebracht. Das Schwurgericht in Saarbrücken hat nun den Angeklagten, nachdem die Geschworenen ihn von der versuchten Tödtung, worauf die Anklage lautete, fteigesprochen, dagegen die Frage nach schwerer Körper­verletzung bejaht und mildernde Umstände nicht zugebilligt hatten, zu einer Zuchthausstrafe von 4 >/, Jahren verurtheilt.

* Friedrich Stoltze läßt in seiner neuesten ,Satern' folgende Klage der armen Frühlingssänger ertönen:

Mir Dannefink un Meise Mir hawe nix zu beiße! Mir Hänfterling, mir graue, Mir hawe nix zu kaue! Mir Hänfterling, mir grine. Mir könne nix verdiene! Mir Amschele un Zippe, Mir hawe nix im Dippe! Ich bin die Serch — Tritt! Ach hätt ich nor e Flie! Ach geb merr nor e Räubche, Ich mach der ääch e Käubche! Stiegelitz, Stiezelitz! Nor e bisst Hawergritz! Ach ich normet, bunter Trapp; Wääßt De gar kään Distelkopp?

§ (Aus der Physik) Professor: „Was ist der Blitz?" — Schüler: „Der Blitz ... der Blitz . . . der Blitz ist ein verbrannter Kometenschweif."