Einzelbild herunterladen
 

kulturkämpferischer Elasticität sich auf und stimmten mit den Deutschkonservativen und Freikonservativen für die Bewilligung des Postens von 22,320 Mk. für den Gerichtshof und der ganzen Mittelpartei war wieder ganz „ungeheuer national" zu Muthe. Hierauf wurden noch andere, hier weniger inter- effirende Posten ohne D batte bewilligt, darunter ein solcher für die Errichtung eines Konsistoriums in Danzig, gegen welchen die Deutschfreisinnigen stimmten. Beim Kapitel Bisthümer vertheidigt der Abg. Neubauer (Pole) den Bischof v. d. Marwitz gegen die gestern vom Ministertische aus gegen denselben erhobenen Vorwürfe betreffs polonisiren« der Tendenzen. Kultusminister v. Goßler sprach von einer polnischen Agitation gegen den früheren Bischof Sedlag und der Entwickelung, welchen die polnische Agitation seit dem Amtsantritte des jetzigen Bischofs genommen. Abg. Gerlich ergänzte diese Mittheilungen, während Abg. Dr. Windthorst für die Polen eintrat. Wenn gegen dieselben in bisheriger Weise vorgegangen werde, zwinge man dieselben, sich mit Gewalt zusammen zu thun. Schließlich wurde das Kapitel Bisthümer ange­nommen. Beim Kapitel „Bedürfniß - Zuschüsse" (altkatholischer Bischof) wurde die Weiterderathung auf morgen vertagt.

* Heber die Nationalliberalen und das Branntweinmonopol sagt die kons. ,N. Wests. Volkszeitung':

Der Abg. Buhl hat sich im Namen der nationalliberalen Partei ganz wider alle Erwartung gegen das Brannt­weinmonopol ausgesprochen. Dieser Tage ging nun das Gerücht durch die Blätter, der Reichskanzler habe die Nationalliberalen gewarnt, sich nicht „in den Schlund des Branntweinmonopols zu stürzen". Wir möchten nicht gerne annehmen, daß die unerwartete Entscheidung der National­liberalen einen nicht in der Sache selber liegenden Grund habe. Für einen höheren Ertrag aus dem Branntwein, etwa auf dem Wege der Konsumsteuer, wollen auch sie eintreten und vielleicht wird auch das Zentrum dafür zu haben sein. Seitens der Konservativen ist es selbstver­ständlich, daß sie dem Branntwein sehr gerne zu einer „Blutabzapfung" verhelfen möchten. Für das Voll- Monopol in der Gestalt des Regierungsentwurfs würden aber auch sie schwerlich zu haben gewesen sein. Wir glauben genau unterrichtet zu sein, wenn wir annehmen, daß die Meinung des weitaus größten Theils der Konservativen dem von uns empfohlenen Rohspiritus-Monopol zuneigt.

Es wird allgemein vermuthet, daß die ablehnende Stellungnahme der Nationalliberalen den Wünschen des Reichskanzlers entsprach, der die AuSsichtslosig- keit der Vorlage im Reichstage einsah und daher die gouvernementale Truppe der nationalliberalen Abtheilung nicht nutzlos opfern wollte, da ein Ja für das Monopol der ohnehin schon so abge­schwächten Partei geschadet hätte bei den nächsten Wahlen.

* Der in der Sarauw'schen Hochverraths-Affaire stark kompromittirte Redacteur Pro hl ist gestern von Kiel nach Berlin überführt worden.

* Der Geheime Kommifsionsrath Pindter, Redakteur der ,Nordd. Allg. Ztg.', die alle Ver- bannungs- und Ausnahme-Gesetze gegen Orden und Genoffenschaften vertheidigte und gut hieß, hat, wie die .Neiffer Ztg.' mittheilt, seine Tochter bracht wird; heißen Sie auch den Speisemeister Fürsorge treffen, daß die Truppen aus's Beste be- wirthet werden. Ist Alles zur Verpflegung der Leute bereit?"

Der Kastellan verbeugte sich: „Alles, meine gnä­dige Gräfin, ist nach Hochdero Befehl angeordnet und eingerichtet worden."

„Gut denn! Sputen Sie sich jetzt! Und hören Sie, die Offiziere sollen gleich zu mir geführt werden", rief sie dem Davoneilenden nach.

Das ward ein Drängen und Treiben auf der lange so stillen Burg. Drunten in der weitge­wölbten Küche loderten mächtige Feuer auf ver­schiedenen Herden, und geschäftige Geister drehten die riesigen Bratspieße mit saftigem Ochsenfleisch. Der Schloßhos füllte sich mehr und mehr mit be­waffneten Schaaren, welche allmälig in der großen Halle des Palais gastliche Aufnahme fanden. Auf den Steinfließen des Banketsaales lagen Bären­felle, während rings an den getäfelten Wänden mancherlei groteske Jagdbeute der Eifel: seltsam gezacktes Gehörn und Geweih zwischen Waffen und Trophäen prangte. Derb gearbeitete Stühle stan­den um lange Tische, aus denen schwere, gefüllte Humpen unseren Kriegern entgegenlachten. Bald kreisten die Trinkgeräthe, und Freude und Behagen gab sich kund in Liedern, die aus kräftiger Brust gesungen wurden.

„Die Herren Major Boos und Hauptmann Lamberti", meldete Guntram seiner jungen Herrin,

in ein klösterliches Institut in Oesterreich zur Erziehung gegeben. Das genannte Blatt be­merkt dazu: „In Frankreich ist es keine Selten­heit, daß die radikalsten Feinde der katholischen Kirche, die heftigsten Verfolger des Klerus, der Orden und Kongregationen ihre Kinder zu den Jesuiten und Klosterschwestern senden, um sie dort erziehen zu lassen. Aehnliches haben wir während des Kulturkampfes in Preußen erlebt. Männer, welche kalten Blutes bei den Wahlen für Kandi­daten stimmten, die in den Kammern als Jesuiten- tödter und Klostervertilger sich erwiesen, sandten und senden ihre Kinder in ausländische Klöster zur Erziehung." Herr Pindter steht in dem Rufe, auch abgesehen von der Sorge für seine Kinder, kein Katholikenfresser zu sein, d. h. für den Privatgebrauch; bekanntlich ist er auch von Geburt Katholik. Weshalb läßt der Mann sich nun nicht von der ,Nordd. Allg. Ztg.', dem schlimmsten Kulturkampfsblatt der ganzen Monarchie, zu andern „Kommissionen" abkommandiren?

• Trier. 7. März. Die katholische .Trier. Landesztg.' schreibt: „Wie es scheint, ist dem Hrn. Redakteur Körfgen int G.fängniß keine Selbst­beköstigung gestattet worden. Daraus, daß sie Hrn. Robert Geller gestattet worden ist, hatten wir geglaubt, daß alle Jene, bereit Lebensstellung es wahrscheinlich mache, daß ihnen die Gffängniß- kost nicht zusage, Selbstbeköstigung erhalten könnten. Aus dem Verfahren gegen Hrn. Körfgen ersehen wir, daß dies nicht der Fall ist. Es kann aber auch nicht der Umstand, daß Hr. Körfgen nur eine kurze Haft zu erdulden hat, die Verweigerung der Selbstbeköstigung zur Folge gehabt haben; denn im Jahre 1875, als der „gesperrte" Herr Jsbert im Gefängniß zu Saarbrücken wegen Mai­gesetzwidrigkeiten in zweiundeinhalbjähriger Haft saß und (wenigstens anfangs) keine Selbstbekösti­gung hatte, wurde einem Herrn aus Saarlouis, der wegen betrügerischen Bankerotts nur fünf Wochen Gefängniß abzubüßen hatte, die Selbst­beköstigung gewährt. Wir vermuthen, daß die ärztliche Untersuchung des Gefangenen entscheidend ist, und diese lediglich in Erwägung zieht, ob die körperliche Konstitution des Gefangenen in der Lage ist, die Gefängnißkost zu vertragen.

Ausland.

* Wien, 8. März. Die Bestätigung des türkisch- bulgarischen Uebereinkommens durch die Botschafter in Konstantinopel wird nächster Tage erwartet. Als Ort der Schlußkonferenz zur Genehmigung des Statuts ziehen mehrere Mächte Berlin vor, worüber jetzt ein Meinungsaustausch stattfindet. — Khevenhüller hatte heute eine längere Be- sprechung mit Kalnoky und reist morgen nach Belgrad ab.

* Der langjährige Führer der belgischen Katholiken, Malou, hat sein Mandat für die Deputirtenkammer niedergelegt und tritt als Kandidat für den durch den kürzlich erfolgten Tod

welche inzwischen ungeduldig auf jeden Fußtritt gelauscht hatte, der sich ihrem Gemache näherte. Mit gespannter Erwartung richtete sie ihren Blick nach dem Eingänge. — Gütiger Gott, war das Wahrheit oder Täuschung? Diese edle Gestalt, diese selbstbewußte Haltung — aber nein, es war ja nicht möglich! Ein Gaukelspiel ihrer erregten Phantasie spiegelte ihr Gestalt und Züge jenes Mannes vor, mit dem ihre Gedanken sich soeben noch beschäftigt. Sie fuhr leicht mit der Hand über die Augen und wagte dann einen zweiten Blick. Wahrlich, bort staub er, ein Bilb männ­licher Schönheit. Diese gebietenbe Erscheinung, auf beren ansprechenden Zügen Intelligenz unb geistige Energie ausgeprägt lagen, konnte man nicht verwechseln, wenn auch ihr der Nimbus einer erlauchten Geburt fehlte. Erika erbleichte, ihre Hand tastete nach der Lehne de« Sessels, um dort Halt zu suchen. Der junge Offizier dagegen schien ihre Verlegenheit nicht wahrzunehmen, viel weniger noch sich der peinlichen Szene im kurfürstlichen Palaste zu erinnern. Ruhig und fremd glitt sein kühn blickendes Auge über sie hin, als er mit leichtem Anstand sich vor ihr verneigte:

„Gnädige Gräfin, wir erscheinen hier als Ab­gesandte Seiner Königlichen Hoheit unseres durch­lauchtigsten Kurfürsten und haben die Ehre, uns ihnen als Schutzwache für Schloß Manderscheid vorzustellen", sprach er in förmlichem Ton.

Infolge seiner Sicherheit im Auftreten hatte

I des Grafen Main XIV. erledigten Senatorenfitz i von St. Nicolas auf. Wie Malou selbst in einem offenen Schreiben erklärt, ist es das Bedürfniß nach Ruhe, welches ihn zu dem Wunsche veranlaßt, seine Laufbahn in der von den politischen Kämpfen weniger beunruhigten ersten Kammer zu beschließen.

* London, 9. März. Dem .Daily Telegraph' zufolge würde dem in Aussicht genommenen irischen Parlament voller Spielraum zur Erledigung rein lokaler Angelegenheiten gewährt, vielleicht auch die Machtbefugniß zur Erhebung von Zöllen und Accise verliehen werden. Die gegenwärtige irische Polizei bleibe eine Reichspolizei, eine neu zu errichtende Lokalpolizei werde aber den irischen Behörden unterstellt. Irland soll Vertreter in das englische Unterhaus senden, welche an den Berathungen über Fragen, welche das ganze-Rfich angehen, theilnehmen.

• Rangun, 8. März. Die etwa 300 Mann zählende englische Garnison in Aemethen (Birma) ist von circa 9000 Aufständischen um­zingelt. General Prendergast rückt Morgen mit einigen hundert Mann nach Aemethen und wird wahrscheinlich auf heftigen Widerstand stoßen. Sobald Prendergast in Aemethen eingetroffen ist, soll sofort eine Truppenadtheilung von Mandalay nach Uemethen nachrücken.

Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 10. Mätz.

** Der Carneoal ist vorüber, die Masken unb Larven sinb abgelegt unb das ehrliche Gesicht zeigt sich roieber wie vordem. An die Stelle geräusch­vollen Scherzens, Lachens, Singens und Tanzens ist der Ernst des Aschermittwochs getreten, welcher für jeden wahren Christen den Anfang einer Zeit bedeutet, die zu karnevalistischer Aus­gelassenheit in schärfstem Gegensätze steht. Wie es statthaft war, zu rechter Zeit und in geziemender Weise froh mit den Fröhlichen zu sein, so kehrt man von den Abwegen der Narrethei nun auch wieder um so lieber in das Alltagsgeleise ver- nünftigen, ernsten Handelns zurück. Wollten wir zu unrechter Stunde nicht als Spielverderber auf- I treten, so dürfte esuns doch am heutigen Tage, am Aschermittwoch, gestattet fein, zu sagen, daß es dem stillen Beobachter angesichts der überaus | vielen Arrangements, welche aus Vergnügungssucht und unnöthige Ausgaben hinauslaufen doch manch­mal recht bange werden möchte. Es dient dies Alles einer glänzenden, lachenden Außenseite, hinter welcher sich mancher verhaltene Groll und manches Elend verbirgt. Der Vergnügungs-Wettlauf ist so sehr in Mode gekommen unb zur Devise ge­worben, als ob barm ber Lebenszweck vieler Men­schen vollstänbig aufginge. Mancher wird von diesem Wettlauf wieder Willen förmlich mit fort- gerissen, unb er freut sich deshalb der stillen ernsten Zeit, welche mit dem Aschermittwoch beginnt, weil

Erika ihre Ruhe roiebergeroonnen. Zögernb trat sie ihm einige Schritte entgegen: „Seien Sie mir herzlich willkommen! Fast möchte ich glauben baß mein heißes Sehnen nach bewaffneter Macht Sie herbeigerufen habe," sagte sie freunblich unb bot ihm bie zarte Hand zur Begrüßung.

Diese Güte warb jeboch von dem jungen Major nicht beachtet, er berührte die bargebotenen Fin­gerspitzen nicht, sondern verbeugte sich nochmals in ritterlicher Weise.

»Dian wirb Ihnen gesagt haben," fuhr Erika fort, „baß ich, eine echte Tochter bes Hauses Manberscheib, entschlossen bin, meine Stammburg nicht preiszugeben; unb bennoch, wer vor einer Stnnbe mich einsam unb verlassen angetroffen unb in meinem Innern gelesen hätte, würbe gefunden haben, baß Muthlosigkeit unb Schwäche sich meiner bemächtigt, daß ich vielleicht des hohen Namens meiner Vorfahren nicht ganz würdig war."

„Eine junge Dame, meine gnädige Komtesse, bedarf nicht des Muthes, um liebenswürdig zu fein," sagte Antonius ernst und mit Betonung. „Im Gegentheil, in unseren Augen verleiht echt weibliche Zaghaftigkeit den Frauen doppelten Reiz, weil sie dadurch auf den Schutz unseres starken Armes hingewiesen werden."

Joseph stand bei Seite und lächelte ironisch; er nahm sich vor, den Freund an seinen begeisterten Ausruf: „So sehe ich gerne bas beutsche Helben- weib!" zu erinnern. (Forts, folgt.)