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und eine Menge von antikatholischen Sekten gleichsam den Haupt- und Tummelplatz ihrer Herrschaft verlegt. Diese Hebet zu heilen unternahm im Verein mit wenigen Ge­noffen der apostolische Mann Dort verfocht er den ver­achteten und beinahe ganz darnieder liegenden römisch-ka­tholischen Glauben mit herrlichstem Erfolge, indem es ihm gelang, sehr viele Feinde und Gegner der Kirche in ihren Mutterschooß wieder zurückzuführen. Alles das leistete er ohne jede Hilfe von Seite der Welt, einzig und allein durch die Beispiele seines fleckenlosen Lebens, durch die hellstrahlende Einfachheit seiner Sitten und des (von ihin verkündeten) göttlichen Wortes, durch die in allen seinen Arbeiten bewiesene Geduld, durch die echte Gediegenheit seines Glaubens, dessen er stch stets mit den Worten zu rühmen pflegte: „Ich bin stolz, ich bin eitel, ich habe nichts gelernt, aber eines habe ich — ich bin katholisch durch und durch." Mit diesen Verdiensten reich geschmückt entschlief er im Kusse des Herrn beinahe 72 Jahre alt am 15. März 1820.

Seine Tugenden erklärte Papst Pius IX. seligen An­denkens am 14. Mai 1876 als heldenmüthige. Nach kurzer Unterbrechung wurde durch die Kongregation der heiligen Riten den kanonischen Vorschriften gemäß eine dreimalige genaue und sorgfältige Untersuchung über die beigebrach­ten Wunder angestellt. Die Congregatio Antipraepara- toria fand bei dem Referenten des Prozesses Kardinal Luigi Bilio seligen Andenkens am 31. August 1880 statt. In der Congregatio Praeparatoria, gehalten im Vatikan, wurden diese Wunder am 22. Januar 1884 von hochwür­digen Kardinalen der Riten Kongregation neuerdings unter­sucht. Endlich wurde ebenfalls im Vatikane in Gegenwart Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. am 16. Juni 1885 die sogen. Generalkongregation abgehalten. In derselben legte der hcchw. Kardinal Dominikus Bartolini, welcher in diesem Prozesse dem verstorbenen Kardinal Bilio als Referent gefolgt war, die Frage vor: Ob die Wunder, welche der Diener Gottes gewirkt haben soll, wirkliche Wunder seien (d. h. die von der hl. Kirche geforderten Eigenschaften besitzen).

Sowohl die hochw. Kardinäle als auch die Konsultoren gaben hierauf einzeln ihre Stimmen ab. Rach Anhörung desselben verschob aber der hl. Vater seine Entscheidung auf eine spätere Zeit, um in einer Sache von solcher Wichtigkeit die Gnade des himmlischen Rathes zu erflehen.

Am heutigen Tage, dem Sonntag Septuagesimä, berief nun der hl. Vater Leo Xlll., nachdem er gestern zur großen Freude der hl. Kirche das neunte Jahr seiner glor­reichen Regierung als Papst angetreten, nach andächtig dargebrachtem hl. Meßopfer in den Thronsaal des Vatikans den hochw. Kardinal Dominieus Bartolini, Präfekt der Ritenkongregation und Referent im Prozesse, zugleich mit dem Promotor fidei den hochw. P. Augustin Caprara, und in ihrer und der Unterfertigten Gegenwart verkündigte er feierlich:

Jene beiden auf die Fürbitte des ehrwürdigen P. Clemens Maria Hofbauer von Gott gewirkten Wunder seien „wirk­liche und erwiesene Wunder, und zwar: erstens die plötz­liche und vollkommene Heilung des Fräuleins Agnes Fialh von einer skrophulösen Hüftgelenksentzündung mit drohen­der Luxation des linken Beines, und zweitens die plötzliche und vollkommene Heilung der Maria Hofmann von einem eingeklemmten linksseitigen Schenkelbruche bei bereits ein­getretenen tödtlichen Anzeichen.

Dieses Dekret befahl Se. Heiligkeit zu veröffentlichen und in den Akten der Kongregation der heiligen Riten zu hinterlegen, am 21. Februar 1886.

s. D. Card. Bartolini, S. R. C. Praefectus.

•' Laurentius Salvati, 8. R. C. Secretarias.

Aus Stabt, Provinz und Nachbargsbiet

Fulda, 5. März.

** Während man allenthalben von der gegen­wärtigen Witterung eine starke Beeinträchtigung der bevorstehenden Carneval-Arrangemsnts befürchtet, so daß man an inanchen Orten den Haupt-Maskenzug bereits auf 8 Tage verschoben hat, nehmen die üblichen carnevalistischen Abendunterhaltungen rc. verschiedener Vereine ihren ungestörten Fortgang. Und an solchen haben wir auch in hiesiger Stadt keinen Mangel. Wer sie alle besuchen wollte, für den wäre Prinz Carneval ein theurer Patron. Die meisten werden sich wohl mit einer guten Auswahl aus dieser Verlegenheit helfen, und darin dürften insbesondere diejenigen sehr glücklich gewesen sein, welche sich als Gäste und Mitglieder gestern Abend im großen Saale der Harmonie zum „carnevalistischen Herren-Abeno" des kauf­männischen Vereins zusammenfanden. Es wurde erstaunlich viel geboten sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität der arrangirten Belustigungen. Der kaufmännische Verein dürfte in ähnlichen Veranstaltungen wohl kaum über­troffen werden. Von Jahr zu Jahr spannen sich die Erwartungen höher, und wird auch in der Thal immer Neues , immer Befferes geboten. Unter den gesungenen Original-Liedern erregte „una historia amorosa“, welche sich in hiesiger Stadt ereignet haben soll, ganz besondere Heiterkeit. Die sämmtlichen Gegenstände der „närrischen" Tagesord­nung fanden lebhaftesten Applaus, und der Zweck, „des Tages Last und Leid", wie es im ersten der betr. Lieder hieß, für einige Stunden in Ver- geffenheit zu bringen, schien vollständig erreicht;» fein. Darum gebührt auch dem Vorstand des kaufmänni­

schen Vereins für diesen vergnügten Abend der wärmste Dank.

* Von dem Vorstand des Karneval-Vereins geht uns Folgendes zur Veröffentlichung zu: „Am 7. März c., Nachmittags 3V8 Uhr, hält der Prinz Karneval seinen Einzug in unsere Stadt und fin­den diesen und den nächsten Tag verschiedene Fest­lichkeiten laut dem bereits erschienenen Programm statt. Wir wollen deshalb nicht verfehlen, unsere verehrten Mitbürger darauf aufmerksam zu machen, wie es sich zur Erhöhung der Festlichkeit und zur Belebung des heiteren Sinnes, der an diesen Tagen herrschen soll, von selbst versteht, den Philister ab­zustreifen, indem ein Jeder zu dem karneoalistischen Schaugepränge, sei es durch theilweise oder volle Maskirung des Gesichtes oder durch entsprechende Kostümirung rc. seinen Theil beiträgt. An die verehrten Mitbürger richten wir noch die Bitte, die Häuser zu beflaggen, die Fenster zu dekoriren, damit die Stadt an diesen Tagen in ihrem äußeren Kleide den zahlreich herbeiströmenden Fremden als das erscheint, was sie sein soll: eine Stadt in närrischer Freude. Die Fabriken, Bureaus, Werk­stätten rc. bitten wir, Montag zu schließen. Zur Verherrlichung des Fackelzuges möge Jeder nach Kräften mitwirken, um denselben zu einer groß­artigen Ovation für den Prinzen Karneval zu ge­stalten. Auf den großen Maskenball und die so beliebten Militärkonzerte machen mir noch besonders aufmerksam. Die Straßen, welche der Ein- und Umzug, sowie Fackelzug passirt, werden in den Zeitungen noch besonders bekannt gemacht werden.

— Der hiesige Jünglings» erein veranstal­tet in seinem Vereinslokale Montag, den 8. d., Abends l1/2 Uhr, eine kleine Fastnachtsfeier. Auf dem Programm steht die Aufführung von 2 Lust­spielen und einigen Gesängen. Wir verfehlen nicht, die Freunde uud Gönner des Vereins auf diese gemüthliche Abendunterhaltung aufmerksam zu machen und zum Besuche derselben anzuregen.

* Die beiden Handwerkergesellen, welche wegen Verdachts, den kürzlich gemeldeten Einbruch in die Grillenburg verübt zu haben, in Haft genommen waren, befinden sich seit gestern wieder auf freiem Fuß.

Ein unvermuthetes Ende haben gestern Vor­mittag zwei werthvolle große Hunde, der eine dem Herrn Bürgermeister und der andere dem Herrn Brauereibesitzer Thiel von H o r a s gehörig, dadurch gefunden, daß dieselben in freier Bewegung über den Bahnkörper in dem Augenblicke sprangen, als der Oberhessische 10 Uhr-Zug daherbrauste und den einen in der Mitte von einander, dem andern den Kopf abfuhr.

* Am nächsten Montag tritt der ständische Verwaltungs-Ausschuß in der seitherigen Zusammensetzung zum vorletzten Male in Cassel zusamen, da mit dem 1. April die neue Kreisord­nung in Kraft tritt.

* Cassel, 3. März. Am 8. d. M. wird die erste diesjährige Schwurgerichtsperiode beginnen und voraussichtlich über acht Tage dauern. — Gestern und heute hat es hierselbst fast ununter­brochen geschneit und die Schneedecke demzufolge eine ungewöhnliche Mächtigkeit erreicht. Die Zuge der Trambahn konnten gestern Abend trotz zwei bis drei vorgelegter Lokomotiven kaum von der Stelle kommen. Hoffentlich tritt nicht plötzlich allzustarkes Thauwetter ein, andernfalls dürfte bedeutendes Hochwaffer zu befürchten fein. — Es ist nach dem ,Cass. Jl/ als sichet anzunehmen, daß der auf nächsten Sonntag angesetzte Karnevals- Zug auf 8 Tage verschoben wird.

* Landrath Rabe in Kirchhain ist nach Lim­burg verfitzt worden.

* Frankfurt, 4. März. Die deutsche Wein­ausstellung, welche durch den deutschen Gastwirths- verband vom 1. bis 20. September d. I. in der Landwirthschaftlichen Halle zu Frankfurt a. M. abgehalten werden sollte, soll auf Wunsch der vielen Winzervereine, Weinproduzenten und Händler vierzehn Tage früher, also am 15. August, abge­halten werden.

♦ In Wiesbaden ist am 2. einer der Revo- lutionshelden von 1848/49, Otto von Corvin, hoch bejahrt gestorben. Er war ehemals preußi­scher Offizier, widmete sich bann, aus der Armee ausgeschieden, geschichtlichen Studien im Sinne des Jung-Hegel'schen Radikalismus, beseitigte sich an den Aufständen jener Zeit, beschoß als badischer Kommandant Ludwigshafen, focht bei Waghäusel, wurde bei der Kapitulation von Rastatt von den Preußen gefangen, zum Tode verurtheilt, zu 6

Jahren Zuchthaus begnadigt, die er in Bruchsal abfaß, worauf er in dem amerikanischen Secessionr- krieg als Oberst mitwirkte, später im deutsch- französischen Kriege für englische Blätter Bericht erstattete, dann verschiedene geschichtliche Bücher im Sinne der radikalen Demokratie herausgab, bi­endlich der Tod den Ruhelosen zur Ruhe bettete.

• M ainz, 4. März. Heute Früh um6'/8Uhr sand im Hof des hiesigen Justizpalais die Hin- richiung des Schuhmachers Georg Friede. Herbst statt, welcher durch Urtheil des Schwurgericht« vom 18. Dezember v. I. schuldig erkannt war, in der Nacht vom 26./2T. August v. I. den ihm befreundeten Schuhmacher I. B. Wothe ermordet und dessen Ehefrau erschlagen zu haben. Nachdem die Revision gegen das auf Tos uno lebensläng­liches Zuchthaus lautende E.kenntniß des Ge­schworenengerichts vom Reichsgericht verworfen war und der Großherzog mit Entschließung vorn 19. v. M. erklärt hatte, von feinem Begnadigungs­recht keinen Gebrauch zu machen, wurde dem Per« urtheilten gestern in der Frühe feine bevorstehende Hinrichtung durch Staatsanwalt Ewald angefünbigt, was den verstockten Sünber ziemlich gleichgiltig ließ. Auch die Henkermahlzeiten ließ sich Herbst wohl schmecken, saug Lieder und verbrachte die Nacht ruhig. Geistlichen Zuspruch lehnte er dankend ab. Obwohl der Termin für Die Hinrichtung mög­lichst geheim gehalten war und die Lokalblätter keine Notiz hierüber gebracht hatten, war er doch in Aller Munde und so konnte cs nicht fehlen, daß sich zahlreiche Neugierige in den von Polizei und Gensdürmerie abgefperrten Straßen in der Umgebung des JustizpalasteS eingefunden hatten. Die Vollstreckung leitete Staatsanwalt Dr. Ewald, begleitet von den Landrichtern Dr. E. Laist und Dr. Prätorius, sowie Gerichtsschreiber Dr. F. Nuß. Herbst, der geistlichen Zuspruch dankend adgelehnt hatte, erschien aschfahl, aber sicheren Schrittes, sah den Vollstreckungsbearnten ruhig und fest an, sprach aber kein Wort. Der ganze HinrichtungS- akt war in 4 Minuten, vom Austritt aus dem Gefängniß an, geschehen. Die Exekution hatte Scharfrichter Brand von Gotha mit 2 Gehilfen besorgt. (,Fr. Z ')

Neueste poft

* Berlin, 4. März. Die kirchenpolitische Kom­mission des Herrenhauses hat gestern in Gegen­wart des Kultusministers ihre Beratungen be­gonnen. Es ist thaijächliche strenge Geheim­haltung derselben beschlossen worden. Bisher war es nicht üblich, gewiffe Stadien der Berathung eines dem Landtage vorgelegten Gesetzes geheim zu halten. Dies ungewöhnliche Vorgehen beweist, daß die Verhandlungen in dieser Kommission ungewöhnlicher Natur fein müssen. Es steht üb­rigens fest, daß Bischof Kopp eine größere Zahl von Abänderungsanträgen eingebracht hat, welche gegenüber der Regierungsvorlage auf nicht un­wesentliche Zugeständnisse für die katholische Kirche hinzielen.

Auszug

aus de» Registern des Standesamts Fulda,

vorn 26. Februar bis 4. März 1886.

Eheschließungen. Den 1. März: Werkführer Friedrich Wilhelm Thiele von Köln und Maria Margarita Traut von hier. Den 1.: Eisengießer Heinrich Magnus Müller und Anna Katharina Fröhlich von hier. Den 3.: Landgräfl. Oberförster a. D. Ferdinand Graner und Frieda Josephine Friederika Magdalena Arnd. Den 3.: Schlosser am Bahnhof Johann Ignaz Ritzel und Margretha Maria Rödling von hier. Den 3.: Zimmermann Josef Fritz von Langenbieber und Wittwe Flora Modesta Fritz geb. Wagner von Horas. Den 3.: Wittwer Kaufmann und Wirth Konstantin Knips und Wittwe Elisabeth« Theresia Paulins Knacker geb. Wähler von hier. Den 3.: Kauf­mann Maximilian Fondy und Maria Anna Elisabeth Scheich von hier. Den 3.: Lagerarbeiter Karl Feldmann von Maberzell und Sophia Schneider von Großenlüder.

Geburten: Den 25. Febr.: August, Sohn des Buch­druckers Jean Friedrich Buet. — Den 25.: Anna Elisa­beth«, Tochter des Schuhmachers Adam Klitsch. — Den 26: Anna Katharina, Tochter des Bierbrauereibes. Maximilian Flach. — Den 27.: Frieda Augusta Anna, Tochter des Kaufmannes Joh. Georg Giesel.

Sterbefälle: Den 25. Febr.: Johann Parzeller, Maurer, verh. 55 I. 3 M. 20 T. — Den 25.: Julius Bonifazius, Sohn des Schlossers a. B. Karl Schußler, 2 I. 10 M. 21 T. — Den 25.: Todtgeb. Kind weibl. Geschlechts, des Schuhmachers Kaspar Josef Falles. — Den 25.: Kapitulina, geb. Sauer, Wtw. des Schuhmachers Karl Göller zu Mackenzell, 51 I. 4 M. 15 T. — Den 27.: Lony geb. Usener, Wtw. des Hofapothekers Christ. Philipp Rullmann, 64 I. 1 M. 23 T. — Den 28.:. Ottilia Alfermann, Privatin, led. St., 40 I. 3 M. 15 T. — Den 4. März: Elisabeth Rosine geb. Müller, Wtw. des Gensdarmen a. D. Joh. Adam Arnoldt, 63 I. 1 M. 4 T.