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Freitag, den 5. März

1886.

und Ruhe vertrat; er hat seine schwierige Auf­gabe besser gelöst, als es der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, der eigentliche Neichrfinanz- Minister, von Burchard hätte thun können, das mag wohl auch der Hauptgrund sein, meßhalb man Herrn von Scholz das Monopol in den Reichstag einführen ließ. Am schwächsten war die Rede an der Stelle, wo sie die politische Seite des Monopols berührte. Der Arbeiter soll nach der Auffassung des Herrn von Scholz unter der staatlichen Produktion „freier" sein als beim Privatbetrieb. Eine Schmälerung des Budgetrechts de» Reichstages vermag der Redner nicht zu wider­legen; er glaubt aber damit eine Wirkung zu erzielen, indem er es als einen großen politischen Erfolg hinstellt, daß das Reich finanziell gehoben würde und mit ihm die Bunvesstaaten. Das Haus hörte die Rede in der größten Stille an und erst da wurde es etwas munter, wo Herr v. Scholz den Einwurf bestritt, daß den Kartoffel­brennern ein Geschenk aus den Taschen der Steuer­zahler gemacht werden solle. Der „Auslandschreck", mit dem Herr v. Scholz am Schluffe seiner Rede einen Effekt zu erzielen suchte, indem er an der Hand eines Zeitungsartikels nachzuweisen sich be­strebte, daß da» Ausland in seinem Interesse wünsche, daß das Monopol falle, wirkte blos auf der gouvernementalen Seite des Hauses. Namens

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Branntweinmonopol übrig. Der Branntwein ist sehr steuerfähig, wie andere Länder zeigen. Die verbündeten Regierungen müßten daher um so eher zu einer Branntweinsteuerreform greifen, als die ungenügende Besteuerung des Branntweins die Branntweinpest verursacht. Die nöthige Höhe der Branntweinsteuer ist weder durch Fabrikatsteuer, noch durch Erhöhung der MaiHraumsteuer, noch durch Konsumsteuer, auch nicht durch die Kombi­nation der einen Steuer mit der anderen zu er­reichen, sondern blos durchs Monopol. Dies der Gedankengang des Herrn Redners, der im Weiteren dann das Monopol in den verführerischsten Farben ausmalte. Die „Argumente" sind au» der seit­herigen Diskussion des Projektes in der Presse bekannt. Er ist nicht zu läugnen, daß der ge- wandte Redner seine Sache mit aller Sicherheit

Deutsches Reich.

Berlin, 4. März.

* Reichstag begann heute die Berathung des Branntweinmonopols. Das Haus war ziemlich gut, jedoch nicht so stark besucht, als man wegen der Wichtigkeit der Sache erwartet hatte; auch die Tribünen zeigten lange Zeit Lücken. Am Bundesrathstisch sitzen der preußische Finanzminister v. Scholz, der Staatssekretär des Reichsschatzamtes v. Burchard und der Staatssekretär des Innern v. Bötticher. Der Reichskanzler, der ein Fußleiden hat, das ihn am Stehen verhindert, ist nicht int &au)e anwesend. Doch soll er morgen erscheinen, wenn irgend seine Kräfte es ihm erlauben. Der preußische Finanzminister v. Scholz vertheidigte Namens der Bundesraths die Vorlage. Das Be- dürfniß, welchem die Vorlage abhelfen soll, ist seit Jahren bekannt. Der preußische Etat hat nun schon bald ein Decennium mit Defizit» zu kämpfen, während andererseits die Sparsamkeit der Regierung als zu weitgehend vom Lande empfunden werde. An eine Reduzirung der Bedürfnisse ist daher nicht zu denken. Die Landessteuern Preußens lassen eine Erhöhung nicht mehr zu. Die Kom- munallasten steigern sich immer mehr. Preußen braucht noch 140 Millionen, wenn es seine dringend­sten Bedürfnisse befriedigen will. Auch das Reich und die anderen Bundesstaaten müssen mehr Geld

— Air letzte Sröfis m Manderscheid. 10

Roman von Antonie Haupt.

,Me haben ihr meinen Stand doch nicht ver- rathen?" fragte Graf Boos lebhaft.

„Bewahre! Da hätte ich nachträglich vielleicht wenig Dank von ihr geerntet und mich wahr­scheinlich doppelt in die Tinte geritten," lachte Kesselstadt. „Wußte ich denn, welche Gründe Sie bewogen, Ihren Namen nicht zu nennen?"

„Ich wollte nur als Mensch und nicht al« Träger eines Hochadeltgen Nantens die Gunst er­langen, welche ich begehrte," erwiderte Antoniu« ernst. „Gräfin von Manderscheid aber scheint sich erhaben über gewöhnliche Sterbliche zu dünken. Wenn nur nicht die hochgeher'' Wogen der Zeit sie auf ihren festen Burgen er n und sie hinab zu dem niedrigen Volke spülen!"

Der Herr General-Vckar, r '' -t die letzten Worte gehört hatte, erzählte, da, ne Kurfürst- liche Durchlaucht heute eine Verfügung an ihn er- lassen, daß allen Ordenslcuten und adeligen Geist­lichen erlaubt werde, sich selbst und ihre Werth- fachen in Sicherheit zu bringen, und man daher überall im Begriff stehe den Kriegsgefahren zu entfliehe».

„Der Schrecken ist den Leuten nicht zu ver-

I zu verweisen. Mit der größten Aufmerksamkeit hörte das Haus den Redner an, der Namens des Centrums das Urtheil über das Branntweinmonopol sprach; vom Centrum hängt die Ent- scheidung ab, sie ist, wie ja selbstverständlich, gegen das Monopol ausgefallen, damit ist das Branntweinmonopol gerichtet. Die Kommissions- berathung hat unter diesen Umständen, wie die ,©ernt' sagt, nur eine formale Bedeutung; sie ist dazu bestimmt, auch den letzten Rest der Schein­gründe für das Monopol zu vernichten. Nach Herrn v. Huene sprach der Führer der Deutsch­freisinnigen, Abg. Richter, in etwa anderthalb­stündiger eine Menge von Zahlenmaterial bieten­der Rede gegen das Branntweinmonopol. Seitoem dar Monopol bekannter geworden, ist die öffent- | liche Meinung immer schäifer ablehnend geworden. Redner vertheidigt eingehend die seitherige Agi- tation gegen das Branntweinmonopol. Elma 5000 Petitionen sind gegen das Monopol eingegangen und nur 7 für dasselbe. Die Volksbewegung gegen das Monopol sei eine echt nationale ge­wesen; sie sei ein erfreuliches Zeichen in der jetzigen Situation. Darin zeige sich ein gesunder Zug des Volkes. Die Sozialdemokratie sei nicht in die Agitation eingeireten. Warum? Weil das Monopol, die Verstaatlichung des Erwerbslebens, ihr Prinzip ist. Der Sozialismus der Sozialdemokratie will wenigstens die Erträge dem Volke, der Allgemein­heit zuwenden, beim Sozialismus der Regierung ist es umgekehrt. Das ist ein umgekehrter Crispin! Er schneidet die Riemen aus der Haut der kleinen Leute und macht den Großen Schuhe daraus. Aus der Statistik weist Redner an Schlesien nach, I daß die Brennereien fast ausschließlich hochgestellten Personen und reichen Leuten gehören. Man hat mit vieler Mühe und großen Opfern die Zwangs- und Braurechte beseitigt, nun sollen neue eingeführt werden. Der Werth der einzelnen Güter auf welchen das Braurecht ruht, wird um l3/4 Mil­liarden erhöht. Redner bringt eine M-nge Zahlen aus der Statistik und aus seiner rechner­ischen Zusammenstellung, die der Regierungsvorlage den Boden unter den Füßen wegziehen. Ihm scheine überhaupt, daß an der Vorlage mehrere | gearbeitet ohne Zusammenhang mit einander. Offen­bar habe der Reichskanzler decretirt, die Einnahme । aus dem Monopol beträgt 300 Millionen, und

lichen Armee in den Niederlanden. Er konnte den Muth und die Tapferkeit der Soldaten nicht genug rühmen und versicherte, daß, sobald die Truppen nach Frankreich marschirten, viele tausend Brabanter sich ihnen anschließen würden, um ihre Bedränger vollständig zu vernichten.

Seine Erzählungen trugen nicht wenig dazu bei, die bi» dahin etwas gemessene Haltung und Stimmung der Gäste zu immer lauterer Fröh­lichkeit zu erhöhen. Toaste folgten auf Toaste. Man feierte den Kurfürsten in poetischen und prosaischen Ergüssen, und als dieser zu später Stunde die Tafel aufhob, verfügte man sich be­deutend zuversichtlicher gemuthet nach Hause, als man gekommen war.

Ehe Antonius den Palast verließ, ward er zu Clemens Wenzeslaus in das Audienzzimmer beschieden.

„Wir haben bereits eine Bestimmung über Sie getroffen," empfing ihn Serenissimus freundlich. „Sie werden nach kurzer Frist mit Ihren Truppen die beiden Burgen von Manderscheid besetzen. Graf Sternberg empfahl heute seine Nichte, welche ihre väterlichen Besitzungen nicht verlassen will, meinem persönlichen Schutze, und ich glaube, ihr keinen besseren Ritter senden zu können, al» Sie, mein bewährter junger Freund."

zu behandeln; darin sei er nicht mit dem besten Beispiele vorangegangen, al» er das Ausland zu Hilfe rief. Das Centrum hat nicht die Absicht, die Machtstellung des Staates, die ohnehin schon groß genug ist, noch zu stärken. Die Katholiken haben in Preußen 15 Jahre lang solche Erfahr­ungen gemacht, die sie abschrecken, den Weg des Monopols zu betreten. Das Centrum stelle die politischen Bedenken gegen das Monopol voran. Die wirthschaftliche Seite des Monopols wird vom Herrn Redner eingehend nach den Aufstellungen des Ministers erörtert. Redner beantragt, die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern denken," bemerkte Graf Kesselstadt. „Weiß man doch zur Genüge, wie schändlich und gewalthätig die Franzosen in Mainz gehaust haben. Die Berichte meines Bruders Franz Ludwig au« der eingenommenen Festung grenzen an das Un­glaubliche."

Hier kann auch ich nach eigenen Erlebnissen ein Wort mitsprechen," rief Anschütz herüber und be­gann nun vor dem geistigen Auge seiner entsetzten Zuhörer Bilder zu entrollen, welche meine Feder sich sträubt, hier wiederzugeben.

Der nicht weit entfernt sitzende Hofrath Gatter­mann stimmte den Erzählungen des jungen Manne» lebhaft fei. Dieser hochangesehene Herr hatte bis zur Zeit des Franzosenüberfalles die Würde eines I Stadtschultheißen und Amtsverwalters in St. Wendel bekleidet und in dem eingenommenen Städtchen ähnliche Grausamkeiten wie die eben geschilderten gesehen. Auch von der überaus traurigen Lage der von dem Feinde besetzten Grafschaft Saarbrücken wußte er zu berichten. Tas Schicksal de« ihm persönlich befreundeten Fürsten Ludwig von Saarbrücken, welcher im Jahre 1793 geflohen war, ging ihm sehr nahe zu Herzen.

Am obern Ende der Tafel dagegen schilderte Graf Metternich den guten Zustand der kaiser- I

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des Centrums ergreift das Wort der Abg. Frhr.

-»» — v. Huene. Mit einer an Einstimmigkeit gren-

ts ^bleibt'also nui^das zenden Hinhelligkeit wird das Centrum gegen da« Monopol stimmen. Doch will es die Vorlage nicht a limine abweisen, sondern wünscht eine kommis­sarische eingehende Prüfung. Der Minister habe ermahnt, die Vorlage ruhig und leidenschaftslos