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51. Donnerstag, den 4. März 1886.

Fuldaer

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hast Du kein Glück, lieber Freund; veni, vidi —

oard plötzlich angenehm VA von Annethan, wel« „Darf ich Sie meiner .ölenden Sonnenschein Recht-gelehrten zau«

gesenkt und ihn genöthigt, heute eine Ausnahme von seiner gewöhnlichen Gleichgiltigkeit gegen die Frauen zu machen. Damals als ihr Auge zu ihm zu sprechen schien, hätte er aufjauchzen mögen über da» stumme, beseligende Wort, und es war ihm nun, als ob er ein süßes Geheimniß mit ihr theile. Etwas übermüthig drehte er das krause Schnurbärtchen, indem er mit kecken Schritten auf die stolze Schöne zueilte. Eine plötzliche Befan­genheit überkam ihn dennoch, als er nun Äug' in Äug' der Gräfin gegenüberstand. Er beugte sich wie vor einer Königin und sagte im Tone der tiefsten Ehrerbietung: „Gnädige Gräfin, ich bitte mir die Ehre aus, Sie zur Tafel geleiten zu dürfen."

kleinen Neckereien und Stichelreden, womit sie ihn empfangen wollten, sondern Keiner wagte auch nur eine Miene zu verziehen. Joseph allein trat Ihr glänzender Blick, welcher einen Moment auf chn zu und sagte lächelnd: „In Cäsar-Rollen

Keinen Augenblick zögerte er mit der Antwort, daß ihm Erfreulichere« nicht pasfiren könne, und gar bald befand er sich in nächster Nähe des himmelblauen Atlasgewande« und der goldblonden Ringellocken.

Sonnenschein lag auf dem anmuthigen Gesicht-

Sein Gedankenga- unterbrochen durch I cher mit der Frage: Schwester vorstellen?" auf das Antlitz de« ju berte.

t I ist auch der Umstand, daß die .Kreuzztg.' für Ue Polenvorlage nicht die ganze Wärme zeigt, welche manchen Leuten wünschenswerth sein mag, das , Blatt im Gegentheil von Tag zu Tag immer

; mehr Bedenken gegen die Einzelheiten der Vorlagen

' herausfindet.

Das Auftreten des Herrn v. Meyer und v. Ger- lach ist aber auch deßhalb im gegenwärtigen Augen­blick von Bedeutung, weil es die inittelparteilichen Versuche, alle Gegner der Vorlage ohne Weiteres mit dem abgestandenen Epitheton der Reichs- feind schäft und der Liebäugelns mit dem Aus­lande und ausländischen Elementen zu bedenken, zu Schanden macht. Eine politische Ansicht, für welche ein v. Meyer Arnswalde und ein v. Ger- lach einzutreten sich nicht scheuen, kann nicht in den Verdacht kommen, daß sie der Vaterlandsliebe ermangele. Wer find denn die beiden Herren? Die Herren von Gerlach und von Meyer sind beide Beamte. Der 55jährige Herr von Gerlach ist Landrath des Kreises Gardelegen, der 70jähr. Herr v. Meyer, der 1865 geadelt wurde, war Rittmeister, 1846 bi« 1884 Landrath des Kreises Arnswalde und ist jetzt Landesdirektor der Neumatk und Generaldirektor der neumärkischen Land-Feuer- Sozietät. Beide Herren sind also schon durch ihren ganzen Lebenslauf und ihre Stellung veran­lagt, sich der Regierung zuzuneigen. Das thun sie auch, sie haben sich aber ihren selbstständigen | Sinn gewahrt, sie prüfen >ie Vorlagen der Re­gierung und nehmen sachlich zu denselben Stel-' ung, ohne sich irgendwie durch Neigungen beirren zu lasten. Sie sind beide altkonservativ und haben, insbesondere Herr v. Meyer, die Fahne des Kon­servatismus stets hochgehalten. Herr von Meyer ist daher schon seiner ganzen Entwickelung nach über den Vorwurf „reichsfeindlicher" Anwand­lungen hoch erhaben. Die von den Konservativen so „unerhört" befundene Meyer'sche Rede bewies so recht drastisch seine königstreue Gesinnung.

Gegenüber einer bekannten Aeußerung des Für­sten Bismarck über die Versprechungen, welche König Friedrich Wilhelm III. den Polen gemacht habe, sagte der Redner, daß ihn diese Aeußerung auf das allerschmerzlichste berührt habe, ihm stehe das einseitige Wort seines alten hochverehrten I König« höher als alle zweiseitigen Verträge. Er attestirte ferner den Polen, daß sie seit 1849 und schaute ihn dann mit einem Gemisch von verletzender Geringschätzung und abweisender Kälte an, als sie in entschiedenem Tone entgegnete: „Ich danke Ihnen."

Antonius konnte nun ohne Zweifel seine Mistion al» beendigt ansehen. Er war bleich geworden, doch seine Augen sprühten, und mit einer vollen Ladung von Stolz gab er ihren Blick zurück. So etwas hatte er einem Weibe gegenüber nie em­pfunden. Er fühlte die Lust, diesem hochmüthigen Geschöpf mit der ganzen Männlichkeit seines We­sens entgegenzutreten: doch er bezwang sich und wandte sich langsam mit edler Haltung zum Gehen; in seiner Brust aber war es, als rollte eine Feuerkugel umher.

Die jungen Herren, welche die Entwickelung der Dinge au» der Ferne beobachtet hatten, kamen ihm belustigt entgegen; als sie aber den eigen- thümlichen, fast unheimlichen Ausdruck feiner Züge gewahrten, unterdrückten sie nicht nur die

keine Revolution und auch keine Verschwörung ge­macht und sich in allen vaterländischen Kriegen brillant geschlagen hätten. Endlich sprach er sich gegenüber denen, welche die VerfastungSverletzung der Vorlagen so leicht nehmen, dahin aus, daß er von jeher ein Wächter der Verfaffung gewesen sei, und daß er gerade deshalb seinen Verfassungseid um so fester halte, weil er ihn 1850 nur sehr ungern geleistet habe. Da» sind treffliche Worte aus dem Munde eines Mannes, den die Liberalen stets, nicht mit Unrecht, einen Reaktionär vom reinsten Master nannten. „Reaktionäre" von solcher Verfassungstreue könne man sich schon ge­fallen lasten, sie sind jedenfalls tausendmal besser, als jene Leute, welche stets den „Liberalismus", die „Freiheit" im Munde führen und vollauf da­bei sind, nach und nach die große Mehrheit des Volkes von dem allgemeinen Rechte auszuschließen und unter Ausnahmegesetze zu stellen.

Herr v. Gerlach sprach sich zwar nicht so schroff gegen die Polenvorlagen aus, wie Herr v. Meyer, aber doch so deutlich, daß sein Fraktionsgenosse, Herr v. Quast, seine Stellung eine „illegitime" nannte, und Herr v. Rauchhaupt meinte, er habe die Grenze der Diskussionsfreiheit überschritten, habe also das eiserne Fraktionsgesetz übertreten. Wie sich darnach die Stellung v. Gerlach's in der Fraktion gestalten wird, dürfte klar sein. Was Herr v. Gerlach sagte, damit kann man sich durch­aus einverstanden erklären. Ec will Zurückdrängung einer gefährlichen Agitation, durch welche die Polen • Deutschland entfremdet werden, aber darum keine Maßregeln, durch welche die Kluft zwischen Polen und Deutschen erweitert wird, er will keinen Aus­rottungskrieg, keine gewaltsame Expropriation. Sodann betonte er mit Befriedigung und Stolz, daß nach den offenherzigen statistischen Mittheilungen des Ministers Lucius der deutsche Grundbesitz gegenüber dem polnischen in steter Zu­nahme begriffen sei, und schöpfte daraus mit Recht die Hoffnung, daß ohne gewaltsame Nach­hilfe da» Deutschthum auch in anderer Beziehung natürlich fortschreiten werde.

Faßt man nun den Gesammteindruck dieser theilweise faktischen, theilweise prinzipiellen und moralischen Sezession in der konservativen Partei zusammen, so ist er ein sehr erfreulicher, denn diese Sezession ist der erste Schimmer der

„Wahrlich, Joseph, ich ward besiegt," murmelte Antonius finster. „Doch merke Dir," — seine Augen blitzten und seine Stimme hob sich in »öchster Erregung — „ich werde Rache nehmen ür diese Niederlage, glänzende Rache an jenem prüden Frauenbilde, welches sich höher und er­habener dünkt als andere Sterbliche. Diesen stolzen Sinn zu brechen, die eingebildeten Vor- urtheile zu vernichten, das würde eine Wonne sein!"

Verwundert schaute Joseph zu seinem Freunde empor. Was war da» für ein seltsamer Klang in dessen Stimme, und wie sonderbar glühte es in seinen Augen! „Du nimmst die Sache ja ganz tragisch", entgegnete er kopfschüttelnd.

mit eigenthümlicher Forschung auf seinen offenen, I D» »i» (T - mannhaft schönen Zügen geruht, glitt mit dem victue sum."*)

Ausdruck hochmüthigen Befremdens an ihm herab | ♦) „Ich kam, sah —'ward besiegt!-

? Zur Spaltung unter den preußischen Konservativen. *)

Auch der stärkste Bogen springt, wenn man ihn zu straff anzieht. Das hat in diesen Tagen die konservative Partei des preußischen Äbgeord- netenhauses erfahren, als mit einem Male der streng konservative Herr von Meyer-Arnswalde, eines der tüchtigsten Mitglieder der deutsch-konser- vativen Fraktion und ein bewährter altpreußischer Beamter, in der Polendebatte seinen bisherigen Parteigenossen den Fehdehandschuh hinwarf und offen erklärte, daß er den mittelparteilichen Feldzug gegen die Polendebatte nicht milmachen wolle. Außer Herrn von Meyer hat auch Herr von Gerlach, der Sohn des b-kannten seligen Gerlach, de» alten „Rundschauers", in der kon­servativen Partei frondirt und die Polenvorlage al» illegitim offen verurtheilt, wenngleich er auch bis heute noch dem äußerlichen Verbände der Frak- tion angehört. Dieser Vorgang ist schon an sich von hoher Bedeutung, denn er beweist, daß es innerhalb der konservativen Partei noch einfluß­reiche Elemente gibt, welche sich zu dem völligen Preisgeben ihrer Selbstständigkeit, zu einer blin­den Heeresfolge der Mittel pari ei und damit zu Schleppträgern der nationalliberalen Hinter- froutmarschälle nicht hergeben wollen. Vorläufig j ist diese selbstständige Richtung nur in zwei Partei­mitgliedern offen jum Slusdruck gekommen, | aber wenn man einigermaßen die Geschichte der konservativen Partei und da» nie ganz erloschene Mißtrauen der biederen und ehr- | lichen Altkonservativen gegen die mittelpartei- I lichen Manöver kennt, so weiß man, daß die in einem servilen Zeitalter freilich mehr und mehr zusammengeschrumpfte konservative Kerntruppe doch noch viele Anhänger und Freunde, namentlich im protestantischen Adel, hat. Deshalb ist die er- । folgte „Sezession" de» Herrn von Meyer weit be­deutungsvoller, al» es im numerischen Verhältniß j der Fraktion scheinen möchte, namentlich da mit Herrn v. Gerlach auch noch einige andere altkon­servative Herren der Fraktion den jetzt von der Partei offen eingeschlagenen mittelpari etlichen Weg nicht mitmachen wollen. Charakteristisch für diesen bei den Konservativen stark hervortretenden Zug

•) Nachdruck verboten.

— Die letzte Kraß« so« Manderscheid. 8

Roman von Antonie Haupt.

In der That, die Bewunderung und die Theilnahme des schönen Geschlechtes fehlte dem jungen Grafen nie, obgleich er sich bisher wenig um Frauengunst bemüht hatte. Gräfin Erika'S Blick halte sich jedoch tief in sein Inneres