Einzelbild herunterladen
 

J\® 49

Dienstag, den 2. März

1886.

Die .Fulda« Zeitung erscheint tSalich. Sonn, und Feiertag« ausgenommen. Bi«teljährlicher AbonnementspreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der bell^istischm Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Di« einspaltige Zeile ob« deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Fuldaer

* Kirchenpolitisches.

Liberalen Blättern wird aus Herrenhauskreisen berichtet, daß in naher Zeit eine Verständigung zwischen der preußischen Regierung und der rö- mischen Kurie und damit ein Abschluß des kirchen- politischen Kampfes zu erwarten sei. Man spreche davon, daß jüngst zu Köln bei dem Erzbischof Dr. Krementz eine Konferenz zwischen diesem und den Bischöfen von Trier und Fulda stattgefunden hätte, wobei die Grundlagen eines völligen Aus« gleiches verabredet worden wären. Der Bischof von Fulda hätte es übernommen, den letzteren in die Wege zu leiten, und in dieser Richtung in Berlin zu unterhandeln begonnen. Thatsache ist allerdings, daß Besprechungen zwischen dem Bischof von Fulda und dem Kultusminister von Goßler stattgefunden haben. Zu welchen Ergebnisien die­selben führen werden, bleibt abzuwarten. Einigen Einblick in den Stand der Dinge werden uns wohl die Verhandlungen der HerrenhauS-Kommis- fion über die kirchenpolitische Vorlage verschaffen. Diese Verhandlungen sollen in den allernächsten Tagen beginnen. Begründet erscheint die An­nahme, daß inzwischen noch Verhandlungen außer der Kommission gepflogen werden. Sehr be- uprerkt wird, daß in die Herrenhaus«Kommission nicht 'ev»dem Herrn Bischof Kopp auch der Ober- liebel abzüisier Dr. Miquel gewählt worden ist, man Zeit s Jahren der .Beendigung des Cult«- Interesse, fäS Wort geredet hat. An der Herren­lernen, Immission wird es schwerlich liegen, wenn eift allseitig gewünschten Ziel einer Verständigung jetzt nicht näher gerückt werden sollte. Bezeichnend für den Character dieser Commission ist schon die Thatsache, daß dieselbe den ehemaligen Justiz­minister Grafen zu Lippe zum Vorsitzenden und den katholischen Grafen Brühl zu deffen Stellver­treter erwählt hat. Was aber die zunächst in der Kommission zu berathende Vorlage selbst be­trifft, so ist bereits Vieles darüber gesagt wor- den. Die meisten Bestimmungen derselben be­rechtigen nicht zu ungetrübter Freude. Der Ent- wurf hebt nur die maigesetzlichen Spezialbeschränk­ungen für Konvikte und praktische Priesterseminare auf, konstituirt aber für diese das unbeschränkte staatliche Aufsichtsrecht, während die theoretischen Priesterseminare nach wie vor den maigesetzlichen Bestimmungen unterliegen, also geschloffen bleiben

== Alt letzte Griifi« m Manderscheid. 7

Roman von Antonie Haupt.

„Es lebe unser gnädigster Kurfürst, Clemens Wenzeslaus!" sprach eine starke Stimme aus dem Herzen Aller. — „Es lebe Clemens Wenzeslaus!" stimmten Alle begeistert ein.

Ein leiser Schimmer von Wehmuth spielte in dem herzgewinnenden Lächeln, mit welchem der geliebte Regent für die erwiesene Aufmerksamkeit dankte. Wer kann wiffen, welche Ahnung seine Seele dabei durchzitterte!

Die Allerhöchsten Herrschaften begaben sich nun zu dem reich geschmückten Baldachin, worauf die Gäste einer nach dem andern hinzutraten und ihre Verneigung machten. Die Fremden wurden dem Kurfürsten durch Clemens von Boos und der ; Prinzessin durch ihren Oberhofmeister, Grafen ! von Eickolt, vorgestellt. Für Alle hatte Seine j Durchlaucht einen freundlichen Gruß, für Manchen ! ein vertrauliches Wort, gegen Joseph aber war der Fürst besonders gnädig. „Es freut mich, in Ihnen den würdigen Sohn eines reich begabten Mannes kennen zu lernen," sagte er zu dem glück­strahlenden jungen Gelehrten. „Mit Vergnügen er­innere ich mich der heiteren Tage, welche ich fern

müffen. Der ganze Rest des maigesetzlichen Appa­rates bleibt in Kraft, vor allem die Anzeigepflicht für die Pfarrer und das Einspruchsrecht des Staates, das sog. Straf- und Zuchtmittelgesetz (z. B. kriminelle Verfolgung sogar wegen verwei­gerter Absolution in der Beichte), das Altkatho- likengesetz, das Ordensgesetz, die Staatspfarrer, der Religionsunterricht im Auftrage des Staates, die Katechismus- und Schulaufsichtsfrage, das noch bestehende Sperrgesetz, die unzulässige Formulirung des Eides der Bischöfe und Kapitelsvikare rc. rc. Soll dies Alles in Zukunft stehen bleiben, und will man der Kirche und den Katholiken zumuthen, dazu auch noch ihre ausdrückliche Zustimmung zu geben? Rein, das kann, das wird man nicht! Die neue Vorlage wird, wenn sie nicht erhebliche Ab­änderungen erfährt, lediglich eine neue, aber un- zureichende Abschlagszahlung an die Kirche, eine vierte Novelle zur Maigesetzgebung sein, nicht aber ein Friedensabschluß, ja nicht einmal die Konsti- tuirung eines modus vivendi. Die Ansicht, daß die Konzessionen der Vorlage ungenügend seien, und den berechtigten Wünschen der Katholiken nicht hinreichend entgegenkommen, wird bezeichnender Weise auch von den maßgebenden Organen der konservativen Preffe getheilt, namentlich von der .Krcuzzeitung' und vom ,Reichsboten'. Um dies gleich vorauszuschicken, hat die Stellung der dem Kultusministerium nahestehenden Blätter in uns sofort die Vermuthung erweckt, daß die Vorlage noch nicht die äußerste Grenze desjenigen da stelle, was die Regierung und der Fürst Bismarck im gegenwärtigen Augenblicke den Katholiken zu ge­währen geneigt sind. Wir mögen uns darin täuschen, aber es entspräche doch ganz der Taktik des Fürsten Bismarck und seiner Auffaffung po­litischer „Geschäfte", wenn er noch ein höheres Angebot in petto behalten hätte, um etwaiger Nachfrage zu entsprechen und dabei den Ruhm des entgegenkommenden und coulanten Staats­mannes zu ernten. ,Reichsbote' und Kreuzzeitung' verlangen, wie gesagt, daß die Regierung mehr bewillige, al« der Entwurf enthält, die .Kreuzzei­tung' hebt aus den noch bestehen bleibenden mai­gesetzlichen Bestimmungen die Anzeigepflicht sür die Pfarrer und das Recht des Staates, gegen Kirchendiener im Interesse der öffentlichen Ord­nung durch gerichtliches Urtheil — in Zukunft des Kammergerichts — die Unfähigkeit zur Be- von dem Weltgetriebe auf dem Stammschloffe unseres Grafen von Boos in Waldeck verbracht habe." Mit leichtem Lächeln glitt fein Blick über die Uniform des jungen Kriegers, dann fügte er heiter hinzu: „Ihren Freund habe ich zum Major ernannt; also muß ich Ihnen wohl das Haupt- manns-Patent verleihen. Man wird dafür sorgen, daß Ihnen bereits heute Abend die Zierde der Epauletten nicht fehlt." Ein liebenswürdiger Gruß, eine gnädige Handbewegung, und Joseph war ent» lasten.

Mit begeistertem Ausdruck schaute der junge Doktor im Weiterschreiten nach dem Fürsten zurück. „Ah, welch' ein Herrscher!" flüsterten seine Lippen fast unbewußt. „Für ihn könnte ich Alles thun."

Mit lauter Stimme meldete jetzt der Ober- Hofmeister: „Herr Graf Franz Georg von Metter­nich , Frau Gemahlin und Komtesse Pauline Kunigunde!"

Erfreut eilte Serenissimus den hohen Gästen in die Vorzimmer entgegen. Er umarmte den Grafen mit Herzlichkeit, reichte der Frau Gräfin die rechte Hand und geleitete sie in den großen Saal, während Metternich mit seiner Tochter folgte. Der kaiserliche Minister war ein stattlicher, wohl­beleibter Herr mit imponirendem, formengewandtem

kleidung ihres Amtes aussprechen zu lassen, heraus, und spricht offen den Wunsch aus, auch mit diesem Falschen Gesetzesparagraphen gründlich aufzu­räumen, die, weil sie die Möglichkeit einer straf­rechtlichen Verfolgung von Geistlichen wegen Vor­nahme geistlicher Amtshandlungen in sich schließen, die Gefühle der katholischen Bevölkerung, mehr als viele andere, tief verletzten. Der .Reichrbote' findet, daß, nachdem die Ausbildung der Geist­lichen in staatlichen Schulen garantirt sei, die „Anzeigepflicht für den Staat keine sonderliche praktische Bedeutung mehr" habe, und meint gleich der .Kreuzzeitung', man hätte vielleicht besser ge- than, auch mit dec Anzeigepflicht gleich aufzu­räumen, im Falle diese nicht von der Kurie als Gegenkonzeffion zugegeben werden sollte. Das Zentrum steht also in seiner Kritik des geringen Umfanges der Gesetzesänderungen nicht allein da, es hat für einen Theil seiner Beschwerden Genossen gefunden, denen selbst dec rabiateste Kanzlerfreund nicht den Vorwurf der puren Nörgelsucht und Oppositionslust machen kann. Wie die parlamen­tarische Behandlung der Vorlage sich praktisch ge­stalten wird, muß abgewartet werden. Die Re­gierungsfreunde glauben in dem Hochwürdigsten Herrn Bischof von Fulda einen Eideshelfer gefun­den zu haben und hoffen, er werde im Herren­haus« dem Centrum ein Paroli bieten. Ein naiver Gedanke! Bischof G.org wird den Entwurf, wie er heute vorliegt, gerade so wenig gutheißen, wie wir und die ganze Ceutcrm.Lpreffe, und wenn es seinem hohen Prestige an allerhöchster Stelle und bei den maßgebenden Ministern gelingen sollte, das Gesetz in eine annehmbare Form zu bringen und die Wünsche und Bedingungen Roms erfolg, reich zur Geltung zu bringen, Dann wird das katholische Volk und seine politische Vertretung, das Zentrum, ihm gewiß den innigsten Dank zollen.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. März.

♦ Der .Köln. Vztg.' wird aus Berlin vom gestrigen Tage geschrieben:

Der Kaiser empfing gestern eine große Anzal von Militärs und hochgestellten Personen. Unter Letziern be- sand sich auch der Herr Bischof von Fulda. Dem­selben wurde die besonder« Auszeichnung zu Theil, auch die Kaiserin in der Audienz anwesend zu finden. Wenn die Aufnahme, welche diesem Kirchenfürsten am Hofe und

Auftreten. Er trug, wie der Kurfürst, schwarze Kleidung, seine Brust war mit dem Großkreuz des Sankt Stephans-Ordens geschmückt, und an einer aus Feuersteinen und Feuerstählen gebildeten Kette trug er das goldene Widderfell an blau emaillirtem Feuerstein, den Orden des goldenen Vließes. Auch die Damen hatten, wohl der Reise wegen, dunkele, aber darum nicht minder kost­bare Toiletten angelegt. Man konnte die Beiden recht gut für Schwestern halten, da die Gemahlin des Ministers, eine bedeutende vornehme Erschei­nung, damals kaum 38 Jahre zählte.

Prinzessin Kunigunde empfing am Eingänge des Saales die gräfliche Familie und namentlich ihr hübsches Pathenkind, die Komtesse Pauline Kunigunde, aufs Freundschaftlichste; dann führte sie dieselbe auf die erhöhte Balustrade.

Jetzt war der ersehnte Moment gekommen, in welchem Freiherr von Thünefeld, Intendant der Hofmusik, einen geheimnißvollen Wink geben konnte. Auf sein Zeichen schoben dienstfertige Geister ge­räuschlos einen prachtvollen Flügel in die Mitte des Saale«. Der Kurfürst trat selbst zu Anschütz; nach kurzen, freundlichen Worten verneigte sich dieser zustimmend.

Mit leichtem Lächeln nahm der junge Künstler