Einzelbild herunterladen
 

tarife. Von der Konsumfähigkeit des Ostens hänge da- Gedeihen der Industrie im Westen ab. Letz« teres wurde vom Abg. Berger zugegeben. Doch bestritt dieser ebenso wie v. Schorlemer entschieden, daß der Osten seitens des Hauses vernachlässigt werde. Minister Maybach erklärte, daß die Regie­rung gleichmäßig den Osten wie den Westen be» rücksichtige und dies auch künftig thun werde. Auch die Abgg. Schmidt-Stettin (frs.) und von Rauchhaupt (kons.) wandten sich gegen Dr. Wehr. Im Uebrigen beschränkte stch die Debatte auf Wünsche lokaler Natur, von denen wir folgende erwähnen: Abg. Bork (national!.) tritt für eine andere Tracirung der Linie Sarnau-Franken­berg ein, welche das Eosrthal mehr berückstchtige. Abg. Seyfahrt Rothenburg (freikons.) verwendet sich für eine andere Tracirung der Linie Fulda- Tann. Der Minister sagte eingehende Prüfung dieser Wünsche zu. Nächste Sitzung Montag: Kleine Vorlagen.

•* Der Reichstag setzte heute die zweite Be- rathung des Antrags des Abg. Dr. Reichensperger auf Wiedereinführung der Berufung gegen Straf- kammerurtheile fort. Die Bundesbevollmächtigten für Sachfen-Weimar Dr. Heerwart und für Baden Frhr. v. Marschall erklärten sich Namens ihrer Regierungen gegen die Berufungen. Abg. Dr. Reichensperger bezeichnete die Wiedereinführung der Berufung dagegen als ein unabweisbares Be« dürfniß. Abg. Dr. Hartmann (kons.) erblickte in der Berufung nur einen unzureichenden Nothdehelf. Eine Reform müsie bei der nächsten Instanz Platz greifen, um eine möglichst richtige Uctheilsfällung zu sichern. Abg. Träger (frs.) hält eine Besserung der zu Tage getretenen Mißstände durch die Be­rufung bei den Landgerichten nicht für möglich; die Berufung sei an die Oberlandesgerichte zu ver­weisen. Staatssekretär v. Schelling bemerkte, daß Preußen voriges Jahr im Bundesrathe für die Berufung eingetreten, daß er aber nicht in der Lage sei, anzugeben, welchen Standpunkt Preußen heute einnehme. Abgg. v. Buol (Centr) und Seiet (n.«L) sprachen gegen, Abgg. Pfaffrott (Centr.) und Rintelen (Centr.) für Einführung der Berufung, worauf die Fortsetzung der Debatte vertagt wurde. Nächste Sitzung: Mittwoch. (Pe­titionen, Wahlprüfungen, kleinere Vorlagen)

* Während im Abgeordnetenhause Abgeordneter v. Me yer-Arnswalde aus der deutsch-konservativen Fraktion ausgetreten ist, und die Vermuthung nahe liegt, daß auch die Herren v. Gerl ach und v. d. Beck diesem Beispiele folgen werden, haben sich im Herrenhause 13 Mitglieder der Fraktion Stahl unter Führung des Herrn v. Rochow von dem bisherigen Fraktionsverbande getrennt und eine neue „Konservative Fraktion" gebildet. Ob im Abgeordnetenhause weitere Sezesfionen abzu­warten sind, steht dahin.

♦ München, 27. Febr. Es verlautet, daß auch die Agnaten, übereinstimmend mit den früheren Nachrichten, eine weitere Garantie für die Anleihen

der Kgl. Kaffe nur übernehmen, wenn die Bauten eingestellt werden. Der König besteht dagegen auf dem Ausbau von Herrenchiemsee. Kabinctsrath Klug konferirt heute mit den Ministern v. Riedel und v. Crailsheim. Die Beschlüffe sollen dem Könige sofort unterbreitet werden. (Fr. Z.)

• Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, sind sicherem Vernehmen nach die von dem hochwürdig- sten Erzbischof Dr. Orbin an die badische Regier­ung gestellten Anträge um Aenderung der kir­chenpolitischen Gesetze vom Staats Ministerium im abschlägigen Sinne beschieden worden.

• Freiburg, 27. Febr. Der ,Bad. Beob.' bezeichnet die Nachricht über die erfolgte Ernennung des Geistl. Rather Krausch zum Domcapitular als unrichtig.

Ausland.

• Belgrad, 27. Febr. Die Anschaffung eines neuen Trainparkes für die serbischen Truppen ist sistirt worden.

* Sofia, 27. Febr. Die Regierung gestattete wegen der Wahrscheinlichkeit des Fciedensschluffes die freie Getreide-Ausfuhr.

♦ Bukarest, 28. Febr. Mijatovic hat defi­nitive Weisungen bezüglich des von Madjid Pascha und Geschow vorgeschlagenen einzigen Friedens- artikels noch nicht erhalten. Dieselben werden morgen erwartet.

J-C. Die spezielle Betheiligung der ka­tholischen Frauenwelt an der Geeundiz-

Festfeier Papst Leo XIII.

Dilexi decorum domus tuae.

Bei der Lage des hl. Stuhles, der vollen Be­raubung desselben, ist es auf den ersten Blick ein­leuchtend, daß ohne Unterschied unser Aller Be­streben darauf gerichtet sein muß, dem hl. Vater bei Anlaß Seines Priesterjubiläums einen möglichst reichen Beitrag zu den Kosten Seiner, die Welt umfaffenden Regierung zu spenden. Allein das l darf nicht so verstanden werden, als müßten unsere ! Gaben nur in Geld bestehen und als dürften wir i nicht auch unserem eigenen Bestreben, dem hl. Vater neben den Gaben an Geld Früchte eigener Thätig- keit darzubieten, Rechnung tragen.

Keine Frau wird den Ihrigen oder gar Frem­den, welchen sie Geschenken macht, selbst wenn sie weiß, daß Geld die willkommenste Gabe ist, das pure Geld darbringen; ihr Zartsinn wird das Geschenk mit irgend einer, wenn noch so unbe­deutenden Zugabe eigener Handarbeit gleichsam be­decken und ihm dadurch eine besondere Weihe geben.

Wenn wir die Bedeutung des Priesterjubiläum- betrachten, die fünfzigste Wiederkehr des Tages, an welchem der junge Priester zum ersten Male, an- gethan mit den Prachtgewändern seines erhabenen Amtes, an den zur Ehre des Allerhöchsten im prächtigsten Schmuck strahlenden Altar trat, um durch sein Wort Den in Brodsgestalt auf diesen

„Es ist Aphrodite, die schaumgeborene Göttin, welche gekommen ist, um unserm Landesfürsten ihre Huldigung darzubringen", flüsterte Anschütz schelmisch.

„Pah ! rief Antonius enttäuscht und geärgert. „Wenn Sie gesagt hätten, Pallas Athene, die waffenkundige Göttin, ist herbeigeeilt, um dem be­treffenden Landesherrn ihre Hilfe anzubieten, so hätte ich das als poetische Floskel eines schwär­merischen Künstlers allenfalls gelten lassen, obgleich unser Kirchenfürst wohl eher alle Heiligen als eine heidnische Göttin zu seinem Beistand rufen würde; für Aphrodite jedoch, fürchte ich, hat er durchaus keine Stelle in seinem Palast."

„Worüber streiten die Herren?" mischte sich Graf Keffelstadt in's Gespräch.

„Wer sind im Zweifel, ob Pallas Athene oder die schaumgeborene Göttin in jener herrlichen Er­scheinung sich vom Olymp zu uns herabgelaffen hat," lachte Anschütz.

„Dann will ich Sie darüber ausklären, daß die schöne Fremde zwar nur eine staubgeborene, daß aber ihr erhaben heldischer Charakter mit Pallas Athene verglichen werden kann," berichtete Graf Keffelstadt.

„Wer ist sie, und was roiffen Sie von ihr?" btäni<te Antonrus.

„Die stolze Schöne heißt Gräfin Ecika von Manderscheid," erzählte Keffelstadt. „Sie ist die Tochter des zuletzt regierenden Grafen Georg Ludwig von Manderscheid und die Cousine der

Gräfin Auguste von Sternberg-Manderscheid, welch letztere als älteste Tochter des eigentlichen Stamm­halters nach dem Aussterben des Mamresstammes in der Regierung folgte. Die kühne Amazone weigert sich, ihren Verwandten nach Böhmen zu folgen. Sie hält sehr viel auf ihren Stammbaum und bezeichnet es als ihrer tapferen Ahnen un­würdig, feige beim Heranrücken des Feindes zu flieh n, wie "sie die Uebersiedelung nach Böhmen nennt. Graf Sternberg kam hierhin, um die jugendliche Heldin dem Kurfürsten vorzustellen und sie seinem besonderen Schlitze anzuempfehlen, was ihm in einer Audienz h :te Nachmittag huldreichst gestattet wurde."

Antonius' Auge flammte. „Bei Gott, so sehe ich gerne das deutsche Heldenweib!" rief er aus.

Karl von Keffelstadt lächelte ein wenig ironisch, als er entgegnete: „In der Theorie macht sich dieser Heroismus ganz brillant, in der Praxis hat das Ding aber seine dunkle Kehrseite. Für das zarte Geschlecht erscheint mir der Muth als ein sehr zweifelhaftes Geschenk des Himmels. An Sternbergs Stelle würde ich alle Macht aufbieten, um meine schöne Cousine nach Böhmen zu ent­führen."

Graf Boos warf die Lippen auf und wollte eben eine unmuthige ©ntgegnurtg machen, als das Dröhnen der Marschallsstäbe tiefe, feierliche Stille gebot. Die Flügelthüren öffneten sich und sech- schlanke Edelknaben in knapper, bunter Tracht

Altar hrrabzurufrn, der als Opfer und Altar zu­gleich für uns sich dahingab, da kann es zartem Sinne nicht zweifelhaft fein, durch was ein folcher Tag am würdigsten gefeiert werden müsse: durch erhöhten Glanz der priesterlichen Gewänder, durch vermehrte Pracht de- Altäre-.

Und wem fällt diese Aufgabe zu?

Schon im Judenthum und im Heidenthum gab e- bei den Tempeln Wohnungen, in welchen gott­geweihte Jungfrauen mit ihrer Hände Arbeit die für den Gottesdienst nothwendigen Utensilien an­fertigten und je nach den Mckteln überaus reich zierten und ausfchmückten. Von der allerfeligsten Jungfrau erzählen Legende und Geschichte der Hei­ligen, daß ihre Lieblingsbeschäftigung die Hand­arbeit für den Dienst de« Tempels gewesen. Und das Gewand, das ihr Sohn als Lehrer aller Völker trug, sie hat es mit eigener Hand gesponnen und gewebt. Alle heiligen Frauen fanden in der Handarbeit für den Dienst bei den höchsten Ge« heimniffen die größte Freude; und e» ist der Fabrik bis heute nicht gelungen, da- zu ersetzen, was die Frau für den Dienst des Altäre- zu leisten als ein Vorrecht ihres Geschlechtes betrach­ten soll. Der Psalmoers: Dilexi decorum domus tuae soll ein Privileg der katholischen Frau sein.

Wie bei dem Priesterjubiläum des unvergeß­lichen hl. Vaters Pius IX. hat sich auch au« An­laß des bevorstehenden Priesteijubiläums unseres glorreich regierenden hl. Vaters ein Damenkomitee gebildet, welches die Anfertigung und Sammlung von Geschenken an zum Gottesdienst gehörigen Gegenständen in die Hand genommen hat und in einem Aufrufe sich nächstens an die katholischen deutschen Frauen wenden wird. Dieses Komitee, an dessen Spitze Ihre Durchlaucht die Frau Für­stin zu Löwenstein steht, hat bereits feine Or­ganisation über ganz Deutschland vorbereitet und zwar in Verbindung mit der Erzbruderschaft vom Allerh. Altarssakrament, welcher eine große Anzahl von Paramentenvereinen angehören.

Welcher Art sollen nun die Geschenke sein, welche die deutschen Frauen dem hl. Vater dar­bringen sollen? Darauf wäre kurz die Antwort: Alles was Frauenhand zum Dienste des Altars schaffen kann.

Diese Gegenstände: Alben, Meßkleider, Stolen, Altartücher, Pallen, Purificatorien, Chorröcke sind nicht etwa lediglich für den Gebrauch des hl. Vaters ober Seiner Kapelle bestimmt. Zum weitaus größten Theile sollen sie dem hl. Vater zu dem Zwecke gegeben werden, damit Er sie an die vielen bedürftigen Kirchen des Erdkreises, besonders der Missionen schenke, die in ihrer Armuth diese zum Gottesdienste nothwendigen Utensilien in würdiger Art nicht selbst beschaffen können. Da leuchtet ein, daß jede deutsche Frau und Jungfrau in dem Zeiträume von noch fast zwei Jahren eine Arbeit ihrer Hand liefern kann. Ein Dutzend Purifica­torien kann die ärmste Näherin beitragen; mehrere können sich zusammenthun, eine Albe, ein Meßkleid

kündigten das Nahen der höchsten Herrschaften an; den Knaben folgte der Kurfürst mit feiner Schwester, der Prinzessin Kunigunde, ein hohes, schönes Paar, welches unverkennbare Familien- ähnlichkrit zeigte. Das warm dieselben ausdrucks­vollen, edel markirten Züge mit dem dunkeln Kolorit, dieselbe hohe Stirn über fein und regel­mäßig gezeichneten Brauen; nur blickten die großen, braunen Augen des Fürsten milder, und das Lächeln um den schönen Mund war herzlicher und gewinnender, als alle Freundlichkeit der Prin­zessin, deren männliche Charakterfestigkeit sich fast zu stark auf ihren Zügen ausprägte. Sie war in violetten Sammt mit Goldstickereien und Spitzen gekleidet; auf ihrem hoch toupirten, gepuderten Haar trug sie einen spanischen Spitzenschleier, wel­cher mit Diamant-Agraffen aufgesteckt war.

Der Kurfürst trug einen prächtigen schwarzen, goldgestickten Gala-Rock mit reichbordrter Atlas« Weste und Kniehosen. An schwerer, goldener Kette hing das juwelenfunkelnde erzstift'sche Brust-Kreuz. Mit einem unaussprechlich huldvollen Gruß erwi­derte er die ehrfurchtsvollen Verbeugungen nach allen Seiten. Die Verse:

„Dann stahl ich alle Freundlichkeit vom Himmel Und kleidete in solche Demuth mich. Daß ich Ergebenheit aus aller Herzen, Aus ihrem Munde Gruß und Jauchzen zog."*) hätten nicht besser angewandt werden können, als auf ihn.

*) König Heinrich IV. (Fortsetzung folgt.)