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Sonnabend, den 27. Februar

JVi 47.

1886.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Tonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletriMchen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Zweites Blatt.

gtTfit dem 1. März eröffnen wir ein Monats-Abonnement auf die ,Fuldaer -Zeitung^ zum Abonnements­preise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld). Bestellungen werden von den Postanstalten und den Landbriesträgern, sowie von unfern Stadtboten und der Expedition entgegen- genommen.

Die Feier des Priester-Jubiläums Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. in Deutschland.

Die ganze katholische Welt rüstet sich jetzt schon, am 31. Dezember 1887, dem Tage, an welchem unser glorreich regierender heiliger Vater Papst Leo XIII. Sein fünfzigjähriges Priester-Jubiläum feiert, Höchstdemselben einen außerordentlichen Be­weis kindlicher Liebe und Verehrung zu geben. Die allerorten verstandene Absicht, diesen Liebesbeweis so groß wie möglich zu gestalten, rechtfertigt ohne Weiteres die frühzeitige Vorbereitung; dieselbe ist von einem Komits angeregt worden, welches seinen Sitz in Bologna hat und unter ausdrücklicher Gut­heißung des hl. Vater« schon längere Zeit in Thä- tigkeit getreten ist. Dieses Komitö hat eine drei­fache Aufgabe für die ganze Welt aufgestellt: Ein­mal die Sammlung von Geldgaben, welche dem hl. Vater als „Meßstipendium" für Seine Jubi­läumsmesse überreicht werden sollen.

Die zweite Aufgabe, welche sich das Komits ge­stellt hat, ist bie Sammlung von Geschenken an Paramenten und Kirchengeräthen, welche der hl. Vater an Missionen geben wird. Die dritte Auf­gabe ist die persönliche Huldigung durch Wallfahr­ten nach Rom.

Das italienische Komitö hat für die Erfüllung dieser Aufgaben einen weitumfasienden Plan aus­gearbeitet, welcher alle Länder der Erde begreift und sich auch an diejenigen Persönlichkeiten in Deutschland gewandt, welche bei ähnlichen Anläsien die Führung zu übernehmen pflegen. Diese Letz­teren haben die Frage auf der Katholikenversamm­lung vorigen Jahres in Münst er zur Sprache ge­bracht, und diese hat ihren Kommissar, Se. Durch-

laucht Fürst zu Löwenstein, beauftragt, ein Komits zu diesem Zwecke zu bilden. Zur Sammlung von Gaben an Paramenten und Kirchengefäßen wurde ein Dameu-Komito gewählt, welches unter dem Präsidium Ihrer Durchlaucht der Frau Fürstin Sophie zu Löwenstein in Thätigkeit getreten.

Das deutsche Komits hat inzwischen auf dem Korrespondenzwege und in Sitzungen Berathungen gepflogen. Bei diesen stellte es sich heraus, daß für Deutschland die Aufgabe noch zu erweitern sei, nämlich:

a) dem heil. Vater ein Bild der geistigen Ent­wickelung Deutschlands unter Seinem glor­reichen Pontifikate vorzusühren;

b) Höchstdemselben die Fortschritte, welche die christliche Kunst in dieser Periode genommen hat, anschaulich zu machen,

c) dem obersten Hirten zu zeigen, wie auf dem Gebiete des Vereinswesens die Worte, welche Er durch Seine herrlichen Encycliken als Samen ausstreute, Früchte getragen haben.

Unsere katholische Literatur hat unter dem glor­reichen Pontifikate Leo XIII. einen großartigen Aufschwung genommen. Es ist daher der Gedanke angeregt und vom Komits mit Freuden ausgenom­men worden, dem hl. Vater eine Bibliothek sämmt- licher unter Seinem Pontifikate erschienenen katho­lischen Werke zu überreichen.

Auch die christliche Kunst darf nicht zurückstehen. Malerei, Skulptur und Architektur haben trotz der schwierigen Zeitverhältnisse, an den alten Traditio­nen festhaltend, kostbare Blüthen hervorgebracht. Diese, in besonders gefertigten Zeichnungen und Aquarellen, in der Wiedergabe von Entwürfen, Rissen, Grundrifien und Prospekten der unter Sei­nem Pontifikats entstandenen Kirchen und kirchlichen Bauten in einem Album vereinigt, werden dem kunstsinnigen Papste eine gewiß mit besonderer Freude zu empfangende Huldigung bieten.

Das katholische Vereinsleben hat unter der Bürde des Kulturkampfes sich unendlich reich entwickelt und dem hl. Vater häufig Veranlasiung gegeben, Worte des Lobes und der Ermunterung zu sagen. Es ist daher ein sehr warm begrüßter Gedanke, dem hl. Vater in Gestalt eines Albums gleichsam eine Generalrevue über die deutsche Vereinsarmee in der Art vorzusühren, daß alle Verbände oder, wo solche nicht existiren, die einzelnen Vereine durch ein besonderes Blatt in der Adresse ihre Huldigung

= Die letzte Sraßn von Manderscheid. 6

Roman von Antonie Haupt.

Allmählich gelangte man zu dem großen Salon, der in seiner Beleuchtung einen über alle Be­schreibung prächtigen, wahrhaft überirdischen Ein­druck machte. Auf der großen Zahl von Kron­leuchtern, sowie auf dem ganzen Gesims in der Runde glühten Tausende von Wachskerzen, welche der rings die Wände bekleidenden kunstvollen Dra­perie von Gold- und Silberstoff solches Blitzen und Funkeln entlockte, daß man fast nicht hin­schaute, ohne geblendet zu werden. Einen wunder­bar schönen Anblick gewährte die mit vielen Gueridons beleuchtete und mit duftigen Blüthen- gewinden und kostbaren Gobelins geschmückte Bal­lustrade, deren goldene Säulen einen phantastischen, blumenumwundenen Baldachin trugen. Erfreu­licher noch war für Manchen die Aussicht ans das reiche Büffet, welches auf fein gearbeiteten Schüs­seln alle Sorten von Leckerbiffen und Erfrischungen darbot.

In diesem glänzenden Raume repräsentirten in alter spanischer Rittertracht Seine Excellenz der Herr Oberhofmarschall Graf Boos von Waldeck

und Herr Oberhofmeister Graf von Keffelstadt. Beide Herren trugen über hellblauem, knappem SammetwammS einen kurzen faltenreichen Purpur­mantel von Atlas, welcher mit einem sonnenartigen Stern auf der Brust gestickt war und am Halse von einer mächtigen Krause begrenzt wurde, da­rüber hin fielen lang den Rücken herunter die weißen Locken.

Nachdem die Gäste den würdigen alten Herren die gebührenden Ehrenbezeugungen erwiesen hatten, faßten sie Posto, um hier im Cercle die höchsten Herrschaften zu erwarten. Es war ein schillernder, farbensprühender Kreis, welch r sich hier bildete. Neben alten und jungen Herren in der verschwen­derischen Tracht jener Zeit bemerkte man blitzende Uniformträger jeder Gattung und einen Flor an- muthiger Frauen.

Antonius von Boos ließ den kühnen Blick mit heiterem Jntereffe im Saale umher schweifen; ihm waren die Trierer gänzlich fremd, da er nach Vollendung seiner Studien auf der Universität Mainz sich kurze Z it an den kaiserlichen Hof nach Wien begeben, bis die Kriegstrompete ihn wieder nach den Rheinlanden zurückgerufen hatte. Ein heller Freudenschimmer, welcher plötzlich die Züge seines Freundes verklärte, veranlaßte ihn

und das anschließen, was über Zweck der Vereine, Mitgliederzahl u. s. w. informirt.

Neben diesen Angaben läuft die weitere, den Tag selbst in ganz Deutschland festlich zu begehen.

Zur Erfüllung dieser Angaben hat das Komits nach einer weiteren Kooptation von Mitgliedern eine Organisation geschaffen, welche einerseits dem vom hl. Vater gesegneten Unternehmen des ita'fi- nischen Komits's, eine Universal-Kundgebung za veranstalten, vollauf Rechnung trägt, als auch geeignet ist, den besonderen Verhältnissen Deutsch­lands wie auch speziell jeder Diözese, sowie den persönlichen Wünschen der Oberhirten entgegenzn- kommen.

So darf das Komits dis freudige Hoffnung hegen, allerseits für seine Bestrebungen Antheil und M twirkung zu finden, damit, wie auch bei früheren Gelegenheiten, bas katholische Deutschland bei der Jubelfeier des großen Papstes seiner großen Vergangenheit und seiner ruhmwerthen Gegenwart würdig auftrete.

Die Steinkohle.

Schon im frühesten Alterthum kannte man die Stein­kohle, aber deren Massengewinnung erschloß man sich erst in unseren Tagen. Von einer praktischen Verwerthbarkeit wußte man nichts, ja noch im vorigen Jahrhundert war in England die Benutzung der Steinkohle als Heizmaterial polizeilich verboten, da die Konstruktion der damaligen Oefen noch eine primitive war und sich zur Kohlenheizung nicht eignete. Die Ansicht, daß die Steinkohlenlager unier- gegangene Wälder vorsündfluthlichen Alters seien, fiantmt erst aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, vorher hatte man über die Entstehung der Steinkohlen sehr unklare Borstellungen. Die Steinkohlenflora dürfte eine Kultur gigantischer Schachtelhalms und Schuppengewächss zu ver­gleichen sein. Ihre Metamorphose zur Kohle verdankt sie einem Prozesse, bei welchem die der Verkohlung verfallenen Pflanzen von einem sumpfigen Grund gänzlich in sich aus­genommen und von der Luft hermetisch abgeschlossen waren, denn an der Luft ist keine Kohlenbildung, sondern nur Vermoderung möglich. Die Steinkohlenwälder waren wahr­scheinlich weite Niederungen und sumpfige, riesige Nöhren- dickichte mit wässerigem Untergründe. Die Steinkohlenge­wächse zeigen, wo man sie findet, allenthalben dieselbe Ge­stalt, woraus erhellt, daß zur Zeit der Steinkohlenfor­mation auf der ganzen Erde, Dank der noch vorhandenen eigenen Wärme derselben ein tropisches Klima herrschte Di-Steinkohle, unterschieden in Schwarz- und Braunkohle, dient vielen Zwecken. Der Chemiker bereitet sich aus ihr diverse Stoffe, die dann wieder auf dem Gebiete der Tech­nik als Farbstoffe rc. Verwendung finden. Dann wird aus ihr Theer und Gas gewonnen, woraus ein poröser Ueber rest, das Coaks, bleibt. Als Heizmaterial ist der Ver­brauch fast fabelhaft hoch, was den Schluß berechtigt, das

unwillkürlich die Richtung der Blicke desselben zi verfolgen, und so gewahrte er am Eingangs be1 Saales einen würdevollen, alten Herrn, welche

eine sanft und g winnend aussehende ältere Dam am Arme führte, während ein jugendliches Paar offenbar Geschwister, ihnen folgte. Die jung Dame in dem himmelblauen Atlas - Gewand mit rosigen Blüthen in leichtgepuderten gol denen Locken war von außergewöhnlicher Lieb

lichkeit; eine entzückende, frische Anmuth la auf ihren kinderweichen Zügen, ihr seeleuvo les, braves Auge, von langen, dunklen Wimper:

umrahmt, senkte sich bald schüchtern zu Bober bald hob es sich, um mit frohem Staunen auf de glänzenden Umgebung zu haften.

„Hast Du je ein reizenderes Mädchenbild g«

sehen?" fragte Doktor Lamberti enthusiastisch seine Freund.

„Du hast Recht, die Kleine ist allerliebst. W. ist die niedliche Elfenkönigin?

„Fräulein Clara von Anethan", beeilte sich Josep zu erwidern. „Sie begleitet heute wahrscheinli zum ersten Male ihre Eltern an Hof. Sieh nu mit welcher Anmuth und Grazie sie sich trotz ihr> sichtbaren Befangenheit bewegt."

(Fortsetzung folgt)