3. durch einen Wurf mit diesem Knüppel den rc. Harting derart verletzt zu haben, daß derselbe das Sehvermögen auf dem rechten Auge verlor. — Der Gerichtshof erkannte für Recht, daß der Angeklagte der Uebertretung der §§. 360 Nr. 11 und 366 Nr. 7 und der vorsätzlichen Körperverletzung im Sinne des §. 224 St. G. B. schuldig und folglich in eine 6tägige Haftstrafe und eine 3jährige Zuchthausstrafe zu verurtheilen sei und zwar unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. — Harting hatte bereits früher das linke Auge in Ausübung seines Berufes verloren und befindet sich zur Zeit in der Blindenanstalt zu Barby. — Die Eheleute: Metzgergehilfe Philipp Sommer und Ehefrau, welchen zur Last gelegt wurde, im August 1885 5 Liter Milch zum Nachtheile des Metzgermeisters Carl Müller dahier durch Melken seiner Kuh in rechtswidriger Zueignungsabsicht weggenommen zu haben, wurden von der Anklage kostenlos freigesprochen. — Dem Commis Georg Max August Schröder von Sonneberg wurde wegen Urkundenfälschung in idealer Konkurrenz mit Betrug eine swöchig« Gefäng- nißstrafe auferlegt. Zugleich wurde erkannt, daß diese Gefängnißstrafe durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt anzusehen sei. — Die Ehefrau des Amand Schäfer, Marie, geb. Schwab, von Dietershan wurde wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle in eine -tmonatliche Gefängnißstrafe neben Entziehung der bürgerlichen Ehrenrechte auf ein Jahr verurtheilt. — Der Taglöhner Georg Ditzel von Neuwarts wurde beschuldigt: 1. eine Quittung fälschlich und in rechtswidriger Absicht angefertigt, sowie von derselben zum Zwecke einer Täuschung Gebrauch gemacht zu haben; 2. das Vermögen des Kaufmannes Hermann Aha zu Hünfeld dadurch beschädigt zu haben, daß er durch Vorspiegelung einer falschen Thatsache in demselben einen Jrrthum erregte. Ditzel wurde wegen Urkundenfälschung in idealer Konkurrenz mit Betrug in eine 6wöchige Gefängnißstrafe verurtheilt. — Der Bauerssohn Eugen Rübsam von Horas wurde auf die von ihm gegen das ihn wegen Ruhestörung zu einer kleinen Geldstrafe verurtheilende Erkenntniß König!. Schöffengerichts Fulda eingelegte Berufung kostenlos freigesprochen. — Die von dem Maler Heinrich Körner aus Grevesmühlen gegen das ihn wegen Bettelns und Landstreichens zu einer Haftstrafe und Überweisung an die Landespolizeibehörde verurtheilende Erkenntniß Königl. Schöffengerichts Großenlüder eingelegte Berufung wurde verworfen. — Der 13 Jahre alte Wilhelm Bohl von Bachrain wurde auf die von ihm gegen das ihn wegen Forstdiebstahls zu 2,50 Mark und 50 Pf. Werthersatz verurtheilende Erkenntniß Königlichen Schöffengerichts Fulda eingelegte Berufung, in eine Geldstrafe von 2 Mk subsidiär 2 Tage Gefängniß und 40 Pf. Werthersatz verurtheilt.
* Der Gesangverein „Winfridia" veranstaltet morgen (Sonntag) Abend in den Sälen der Harmonie eine musikalisch-theatralische Abendunterhaltung. Näheres ist bereits annoncirt worden. Die vorausgegangenen ähnlichen Leistungen des Vereins stellen einen recht vergnügten Abend in Aussicht. Wir entsprechen darum gern dem uns geäußerten Wunsche, die verehrten Leser auf den Besuch dieser Abendunterhaltung nochmals aufmerksam zu machen.
* Gestern Nachmittag wurden zwei Hierselbst beschäftigte Handwerkergesellen verhaftet, welche verdächtig sind, den bereits gemeldeten Einbruch in die Grillenburg verübt zu haben.
* Mit Bezug auf eine in unserer letzten Donnerstags - Nummer gebrachten Korrespondenz aus Düren, welche unter Darlegung einiger Fälle zeigen sollte, wie ungesund unser heutiges Submissionswesen sei, wird uns aus hiesiger Stadt Folgendes geschrieben:
Die betreff. Korrespondenz ist namentlich in ihrem Schlußpassus geeignet, einen großen Theil des hiesigen Publikums in gewissen Vorurtheilen zu bestärken. Wenn der Schreiber dieses das Wort Vorurtheil gebraucht, so möge zur Entschuldigung dienen, daß derselbe, ein dabei interessirter Handwerker, so oft schon die Bemerkung von den „fetten" Zeiten der Bäcker und Metzger hat fallen hören, und er nimmt deshalb Veranlassung, einmal näher dieses Vorurtheil zu beleuchten. Hoffentlich wird er dann gerechtfertigt erscheinen. Von vorn herein soll zwar zugestanden werden, daß die Differenz in dem gerügten Falle keine normale ist, aber es kommen hier zu sehr in Betracht : die Größe der Lieferung, die Qualität der Waare, die Zahlung per Cassa, ein regelmäßiger Geschäftsgang, keine Schädigung durch Altwerden, welch' letzter Punkt dem Bäcker und Metzger oft den ganzen Verdienst raubt. Doch gehen wir auf die lokalen Verhältniffe ein. Auch in unserer Stadt sind vor gar nicht langer Zeit zwei Submissionen vergeben worden, wobei dieselben Auslaffungen gefallen sind, welche die besagte Korrespondenz enthält. Wie war nun das Verhältniß in dem hiesigen Falle? Bei der Brod-
lieferung submittirten 6 Herren und erhielt der Mindestfordernde mit 32 Pfg. pro 2 Kilo den Auftrag. Der Ladenpreis beträgt pro 2 Kilo 40 Pfg. Es wird nun jeder Parteilose in Erwägung obiger Vortheile eingestehen, daß diese Differenz eine mehr wie normale ist, zudem ist der hiesige Brodpreis der niedrigste aller hessischen Städte. — Nun sei noch gestattet, auf eine Behauptung einzugehen, die so gerne auch von anständigen und erfahrenen Leuten gebraucht wird ■. „Der Brodpreis ist viel zu hoch im Ber- hältniß zum niedrigen Getreidepreis." Ja, das ist sehr einfach gesagt, aber noch nicht bewiesen. Die hiesigen Bäcker können, um eine dem größten Theile des Publikums genehme Waare herzustellen, das hiesige Fabrikat allein nicht verbrauchen. Daß ja dieser Umstand eine große Misere für unfern Landwirth in sich birgt, läßt sich nicht leugnen. Aber wer kann's ändern? Die Bäcker am allerwenigsten. Und daß dem Geschmacke einzelner Kunden, die ein einfaches, schwarzes und kräftiges Stück Bauernbrod einem weißen, lockern vorziehen, nicht Rechnung getragen wird, liegt in dem Umstande, daß der Bäcker für 2 oder 3 Kunden unmöglich einen ganzen Schuß der genannten Sorte backen kann, ohne die anderen Kunden zu irritiren. — Zum Schluß soll nicht verfehlt werden, darauf aufmerksam zu machen, daß es imJntereffe der Gesammtheit des Staates liegt, einen kräftigen Handwerkerstand, jenen so überaus wichtigen Faktor, für die soziale Grundlage, zu haben. Wenn nun Handwerker auf die unsinnigste Weise sich mehr Konkurrenz bieten als nöthig ist, sich durch die Konkurrenz zerfleischen, so ist das eben in doppelter Hinsicht zu beklagen: um ihrer selbst willen und um das Staatswohl, denn zurückgekommene Handwerker fallen gewöhnlich der Sozialdemokratie in die Hände. Ein vernünftiger Handwerker aber wird sich seine ehrliche Arbeit auch ehrlich bezahlen laffen.
* Man liest in der ,H. Mztg/: Nachdem seitens der preußischen Regierung eine Eisenbahn Hün- seld-Geisa-Tann-Hilders abgelehnt und dem Landtag die Linie Fulda-Tann proponirt wurde, wird die weimarische Regierung nunmehr die Weiterführung der schmalspurigen Feldabahn von Vacha nach Geisa um so mehr in Angriff nehmen, als der weimarische Landtag die betreffenden Petitionen in günstigem Sinne der Regierung zur Erwägung überwiesen hat.
* Die ersten zehnwöchentlichen Hebungen der Ersatzreservisten 1. Klaffe werden im Laufe d. I. beginnen: 1) der Infanterie und 2) der Pionniere am 20. August, 3) der Fußartillerie am 1. Juli. Diese Termine werden bis auf weitere Bestimmung jeves Jahr dieselben bleiben. — Bezüglich der Gestellungszeiten der zweiten und dritten Hebung der Ersatzreservisten und auch der vierten, wenn eine solche in diesem Jahre noch stattfinden sollte, wird event. weitere Bekanntmachung ergehen.
* Hünfeld, 26. Februar. Nächsten Sonntag Abend wird der hiesige kath. Gesellenverein int Vereinssaale bei Herrn Wilh. Kircher eine theatralisch • deklamatorische Abendunterhaltung veranstalten. Zur Aufführung gelangt das Saftige Drama: „Der verborgene Edelstein."
* Orb, 26. gebr. Der hiesige Bezirksamtsdiener Schreiber ist vom 1. April d. I. ab als Kreisbote an das königl. Landrathsamt in Gelnhausen versetzt. — Als erste Frühlingsboten find gestern ein ganzer Flug Staate hier eingetroffen. Der ,Bezirksbote' macht nun diejenigen Liebhaber Staarmatzens, die ihn dies Jahr an ihr Haus oder ihren Garten zu fesseln wünschen, darauf aufmerksam, daß man das Aufhängen von Nistkästchen ja nicht zu lange hinausschieben möge; der erste freundliche Eindruck, den Staarmatz von einer Oertlichkeit gewinnt, gilt bei ihm viel, er weiß solche Aufmerksamkeit zu würdigen. Obgleich er an die Gründung einer neuen Familie noch lange nicht gehen darf, schaut er sich die Gelegenheit dazu doch bei seinem ersten Erscheinen hier darauf an.
• Bebra, 25. Febr. Auch bei uns haben die Störche ihren Einzug gehalten und es ist eine wahre Lust, dieselben mit ihren langen Stelzfüßen auf« und abwandern zu sehen. Die Staaren ziehen schaarenweise von einer Stelle zur andern.
(Herss. Z.)
* Cassel, 26. Febr. Die Leiche des jungen
Mädchens, da» am Sonntag seinen Tod in dem Wasser der Fulda gefunden, wurde, dem Vernehmen nach, gestern oberhalb de» PrinzeffengartenS an einer noch eisfreien Stelle entdeckt und heraus- gezogen.
• Vom Westerwald schreibt man der ,Cobl. Vztg.': Die Zahl der jungen Leute die sich von Händlern und Hausirern anwerben lassen und mit diesen bis zum Winter in Sachsen, Bayern u. s. w. umherziehrn wächst alljährlich bedenklich an. Ich kenne ein kleines Dorf, das allein ein Con- tingent von 40 Personen stellt. Wie erzählt wurde, hat ein Landrathsamt über 400 Gewerbescheine für solche „Händler" ausgefertigt. Welche schlimmen folgen dies Geschäft für die jungen Leute, welche Gefahren insbesondere es für Mädchen hat, wurde seit Jahren in der Presse hervorgehoben und den Eltern zu bedenken gegeben — leider ohne Erfolg. Es ist deshalb anerkennens- werth, daß der Klerus oiefen Punkt immer mehr in» Auge faßt und feine warnende Stimme erhebt. Daß dies nicht wirkungslos geschieht, beweist z. B. die Thatsache, daß neulich auf die öffentliche Warnung eines hiesigen Pfarres, die Mädchen, die sich von Händlern bereits hatten engagieren lassen, sich anders b. sannen und lieber zu Hause blieben.
* Vom Taunus, 24. Febr. Um sich ein Häuschen zum Alleinbewohnen recht billig bauen lassen zu können, verfiel ein ehrsamer Handwerker in einem Taunusorte auf eine orignette Idee. Derselbe trug nämlich schon Jahre lang alle Steine, die er nur irgendwo fand, auf der aus- gewählten Baustelle zusammen. Obwohl die Sammlung sehr eifrig lange Jahre betrieben worden ist, reichten die Steine noch lange nicht hin, um an den Bau denken zu können. Dies mußte auch der „Bauherr" eingesehen haben, denn er stellte die Sammlungen ein und kaufte sich eine kleine „Villa". (Nass. B.)
Gottesdienst-Ordnung in Fulda.
Sonntag den 28. Februar.
Domkirche: Um 51/2, 6, 6J/< u. 71/2 Uhr hl. Messen; um 9 U. Hochamt mit Predigt; Christenlehre um lOVt U. für die Jünglinge und um 1 Uhr für die Jungfrauen; um 4 Uhr Predigt und Abendandacht; um 7 Uhr Andacht in der Mariakapelle. Vom 1. März ab ist die tägliche Pfarrmeffe an den Werktagen um 7 Uhr. — Stadtpfarrkirche: 51/4 Uhr hl. Messe mit Predigt; 7 U. hl. Messe; 8 U. hl. Messe mit Predigt; 91/2 U. Hochamt mit Predigt; 11 U. hl. Messe; um 111/2 U. Christenlehre für die Jünglinge und um IV» U. für die Jungfrauen; 2 Uhr Michaelsbruderschaft. — Michaelsberg: 10 U. Segensmeffe, 2 Uhr Bruderschaft. — Severikirche: 91/» Uhr Hochamt mit Predigt. — Hospitalkirche: 8 U. Hochamt, 4 U. Abendandacht. Für die Sodalttät: 10 Uhr Gottesdienst.
* Cassel, 20. Febr. Am 2. März d. I. findet die zweite Ziehung der Casseler St. Martins-Lotterie, deren so besonders günstige Gewinn-Chancen dieselbe zu einer allgemein beliebten und bevorzugten gemacht hat, statt. Jedes 10. durchgespielte Loos darin ist ein Treffer und kommen folgende Hauptgewinne im Werthe von: Mark 6000, 8000, 10,000, 12,000, 15,000, 20,000 und 100,000 Mk. zur Ausspielung. Das General-Debit, welches in den bewährten Händen des Bankhauses August Fuhse Mühlheim (Ruhr) liegt, empfiehlt heute noch Kauf- loose zur 2. Classe 4 5 Mark, Reserve-Vollloose, gültig für alle Lassen 4 10 Mark und beeile sich deshalb Jeder seine Bestellungen dahin, oder an jedes reell« Lotterie-Geschäft, welches die Loose führt, zu machen.
Die Interessenten für die 2 Classe wollen die Erneuerung Ihrer Loose baldigst vornehmen.
Bei Schwächeruständen, welch« die Folge chronischer Krankheiten (Lungenkrankheiten, Nierenkrankheiten, bösartige Geschwülste rc.) sind, empfiehlt sich an Stelle des Cafös und Thees der Gebrauch des reinen entölten Cacaos, der einmal die schädlichen narkotischen Wirkungen jener nicht hat, anderseits aber wegen seines hohen Gehaltes an Pro- temstoffen gerade für Schwächezustände von nicht zu unterschätzendem Nährwerth ist. Der Cacao muß natürlich rein und von feinstem Geschmack sein, und ist Bioockers holländischer Cacao besonders zu empfehlen. 18793
Selbsteingekochte Preißklbene», Hmdkkksuft, Reineclaude-MatMtlabt vorzüglicher Qualität 260] empfiehlt F. Pult. Berliner PfannMen (täglich frisch).
Carl Kräh,
178 Gemüsemarkt.
Veredeltes Kaiseranszng-Mehl (5 Kilo Packung plombirt) aus der Kunstmühle von D. Schäfer, Eschwkge. Niederlage bei [1966 Carl Kräh, GkmLsrmarkt. Eine kleine Wohnung alsbald zu vermiethen. [237 Carlstrafte 353.
Ein möblirtes freundliches.
Zimmer auf sogleich zu vermiethen. [404 Friedrichstraße 30.
Ein braver Junge, der das Maler- u. Lackirer- Geschäst erlernen will, kann in die Lehre treten bei [357 J. Leinweber.
In dem Hause Nr. 646 der Domdechaneistraße ist ein bequem eingerichtetes freundliches [333
Logis
— 5 Zimmer, wovon 4 heizbar, Küche, verschließbare Bodenkammer, Holzhatte, Keller und Mitgebrauch der Waschküche — an eine ruhige Familie pro 1. April 1886 zu vermiethen.
Näheres zu erfragen bei der Bischöflichen Probatm im Priesterseminargebäude.