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unterhält man sich viel über die Versicherungen und Betheuerungen der preußischen Regierung, daß sie beabsichtige, von dem Aufsichtsrecht über die kirchlichen Bildungsanstalten und den andern Hoheitsrechten, welche sie sich gegenüber der Kirche Vorbehalten will, einen möglichst be­schränkten Gebrauch zu machen. Man steht diesen Versicherungen kühl gegenüber. Es widerspricht überhaupt den Grundsätzen des h. Stuhles, die Ausübung kirchlicher Gerechtsame dem Belieben irgend einer weltlichen Macht anheimzustellen. Im gegenwärtigen Falle aber ist man um so weniger dazu geneigt, als in Preußen noch immer hier und da maigesetzliche Bestimmungen nicht eben mit Milde gehandhabt werden. Wir erinnern nur an Bestrafungen von Geistlichen wegen maigesetz­widriger Amtshandlungen u. s. w. Alle diese Vor­gänge werden im Vatican genau verfolgt, und man ist deshalb sehr auf der Hut. Alles was discretionaire Gewalt inoolvirt, wird nie die Billigung des h. Stuhles finden, gerade so wie die „organischen Artikel" in Frankreich nie von Seiten der Kirche anerkannt worden sind.

* Konstantinopel, 25. Febr. Das gestrige Rundschreiben der Pforte an die auswärtigen Ver­treter beantragt, den serbischerseits vorgeschlagenen Friedensartikel durch einen Artikel zu ersetzen, worin es heißt: Mit dem Tage der Unterzeichnung des gegenwärtigen Vertrages sind der Friede und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien wiederhergestellt.

* Madrid, 25. Febr. Der Oberkriegsrath be­stätigte die Verurtheilung des Herzogs v. Sevilla zu 8 Jahren Gefängniß und Verlust des Grades.

Aus LladL, Provinz und Nachbargebiet

Fulda, 26 Februar.

* Ueber die Thätigkeit unseres z. Z. in Berlin weilenden Hochwürdigsten Herrn Bischofs finden die Leser Näheres in den betreff. Berliner Be­richten unseres Blattes. An dieser Stelle wollen wir im Nachtrag zu unserer gelinge« Meldung über die dritte Sitzung des Herrenhauses nur noch erwähnen, daß der hochwürdigste Herr in schwarzer Soutane erschien und in der vordersten Sitzreihe zwischen dem Fürsten Anton Radziwill, welcher bekanntlich katholisch ist, und dem Feldmarschall Graf v. Moltke Platz nahm. Auf Befragen des Präsidenten, Herzogs v. Ratibor, erklärte er, daß er den Eid auf die preußische Verfassung noch nicht geleistet habe, wonach die Vereidigung in den nächsten Tagen erfolgen dürfte. Dem Ver­nehmen nach hat der hochwürdigste Herr bezüglich des neuen kirchenpolitischm Gesetzentwurfs sich auch mit anderen Bischöfen in Berathung gesetzt. ;

* In der gestrigen Bundesrathssitzung wurde die Vermehrung der 20- und 5-Mark-Noien ange­nommen, ebenso die Ausprägung von 20-Pfennig- ft ü cf e n in Nickel. — Die Petitions-Kommission des Reichstages berieth gestern eine Eingabe aus Buchhändlerkreisen, welche beantragt, für Druck- sachen-Porto einen Zwischensatz von 5 Pfg. zwischen den Sätzen von 3 und 10 Pfg. einzufüh­ren. Trotz des Widerspruchs der Regierungskom- miffare beschloß die Kommission mit 10 gegen 9 Stimmen, über diese Petition an das Plenum zu berichten und die Ueberweisung derselben an den Reichskanzler zur Erwägung zu beantragen.

* Bericht über die gestern dahier abgehaltene Lehrer-Eonferenz folgt in der morgigen Nummer.

* Wie die ,Han. Ztg.' mittheilt, ist den sämmt« lichen Fraktionsoorständen des preußischen Abge­ordnetenhauses bezüglich der Rhönbahnfrage von Caffel aus eine Eingabe unterbreitet worden, in welcher am Schluffe die Bitte ausgesprochen wird, daß die Abgeordneten die Angelegenheit einer näheren Prüfung unterziehen und dann nicht nur gegen die Linie Fulda-Tann stimmen, sondern auch für einen Antrag eintreten möchten, in dem Se. Exzellenz der Herr Minister um die Wiederauf­nahme des älteren Projekts ersucht wird.

X In der Nacht vom Mittwoch auf gestern wurde in die Grillenburg-Besitzung des Herrn C. Heintz von Hanau wiederum emgebrochen. Die Diebe teerten einige Flaschen Cognac und Rum und demolirten verschiedene Möbel. Der angerich­tete Schaden muß als erheblich bezeichnet werden. Hoffentlich gelingt es diesmal, den Einbrechern auf die Spur zu kommen.

* Die Verehrer des hl. Franz Xaver machen

wir darauf aufmerksam, daß die bekannte Gnaden- Novene zu Ehren deffelben am nächsten Donners­tag, den 4. März, beginnt.

* Mit dem 17. d. M. geschah der erste Spaten­stich zu der in Eisenach zu erbauenden Elisa- bet hen-Kirche. An demselben Tage traf von ' einem Wohlthäter aus München eine schöne Statue \ des hl. Joseph ein. Wir dürfen dies Zusammen- ! treffen wohl als gute Vorbedeutung ansehen und • hoffen, daß unter dem Schutz des hl. Joseph bald i eine schöne Kirche zu Ehren der hl. Elisabeth sich i erheben wird.

* Der Generallieutenant von Amelunxen, ■ Kommandant von Frankfurt a. M., ist zum Kom- ' Mandanten von Stettin und Generalmajor ; v. Dinklage, Kommandeur der 21. Kavallerie- i Brigade, ist zum Kommandanten von Frankfurt a. M. ernannt, v. Henning auf Schönhoff, Prem.-Lieut. i vom Heff. Füsilirreg. Nr. 80, ist zum Hauptmann । und Comp.-Chef, von Diringshofen, Prem.-Lieut. ! ä la suite des Heff. Füsilirregts. Nr. 80 und ; Lehrer bei der Militär-Turnanstalt, Stahl, Prem.- ! Lieut. vom Hess. Füsilirregt. Nr. 80, sind zu 1 überzähligen Hauptleuten befördert.

* Gelnhausen, 23. Febr. In Jägerkreisen : erzählt man sich hier ein hübsches Stückchen, i welches einem jungen Forstmanns der Nachbarschaft \ begegnete. Derselbe fing nämlich am hellen lichten Tage, man sollte es kaum für möglich halten, i einen Wilddieb, leider in der Gestalt eines Bäuer- ; leins, welches seine gefallene Ziege per Schiebkarren i an den betr. Bestimmungsort fuhr. (,H. Z.') ; * Cassel, 24. Febr. Heule fand am Königl.

> Oberlandesgericht hier vor der aus den Herren i Oberlandesgerichtsräthen Suppel und Hackel, sowie ! dem Herrn Rechnungsrath Fischer bestehenden Kom- ; Mission die Prüfung der zum Gerichtsschreiber- ! dienste zugelassenen 6 Kandidaten statt. Das Er- i gebniß dieser Prüfung war insofern ein günstiges ; zu nennen, als von diesen 6 Kandidaten 5, näm- ! lich die Herren: Appel und Kroll aus Marburg, Kramer von Corbach, Nauhaus und Kropp von hier, die Prüfung bestanden. (C. A. Z)

* Frankfurt a. M., 24. Febr. Auf der Zeil verlor gestern ein Fremder seine Brieftasche. Ein Commis hob die Tasche auf und überlieferte sie dem Eigenthümer, wofür er von diesem hun­dert Mark Belohnung erhielt. Die Tasche ent­hielt Banknoten und Checks im Werthe von 85,000 Mark.

* Marburg, 25. Febr. Auch ein Zeichen der Zeit! Einer hiesigen Firma passirte es dieser Tage, daß nachdem sie eine Anzeige — eigene Fabrikate betreffend — dem in Paris erscheinenden ,Petit Journal1 zur Aufnahme übersandt hatte, dieselbe mit dem Bemerken zurückerhielt, „Inserate deut­schen Ursprungs würden nicht ausgenommen!" Nun ist ,Petit Journal4 keins der radikalen Blät­ter, was werden aber die nun erst thun? (Ob. Z.)

— Am gestrigen hundertjährigen Geburtstage Wilhelm Grimm' s, des jüngeren Bruders von Jakob Grimm, wurde am Hause des Herrn Sattlermei­sters Karl Heuser in der Barfüßerstraße eine Ge­denktafel mit folgender Inschrift angebracht:

Hier wohnten

Jacob und Wilhelm Grimm 1802-1805.

Die Tafel, von grauem Marmor und mit schöner Goldschrift, ist von dem jüngst verstorbenen Pathen- kinde Wilhelm Grimm's, dem Herrn Kaufmann Ferd. Bang gestiftet und von Herrn Bildhauer Schöneseifer dahier angefertigt.

* Aus Westfalen, 24. Febr. Die Zahl der Kreisschulinspektoren beläuft sich nach den Mittheilungen der neuesten Nummer des .Central­blattes für die gesammte Unterrichts-Verwaltung in Preußen' auf 1042, darunter ständige 206 und int Nebenamte 836. Der Regierungsbezirk Marienwerder und Hohenzollern haben nur stän­dige, wogegen die Provinzen Pommern und Han­nover, sowie die Regierungsbezirke Frankfurt, Magdeburg und Merseburg nur Inspektoren im Nebenamts haben. Der Regierungsbezirk Münster, welcher früher nur ständige Kreisschul-Jnspektoren hatte, zählt diesmal auch 2 evangelische im Neben- amte. Die Provinz Posen zählt 35 ständige und 41 andere Inspektoren. Unter den Schulinspektoren finden sich 16 Stadtschulinspektoren, 1 Gymnasial- Direktor, 1 Regierungs- und Schulrath, 8 Semi­narlehrer, 9 Rektoren, 1 Landrath und 4 Schul- Commissionen oder Schulvorstände; annähernd 800 Stellen sind durch Geistliche besetzt. Die Zahl der evangelischen Seminare im Staate beträgt 68, die

। d^r katholischen 33, dazu kommen 4 paritätische : Seminare in Rawitsch, Dillenburg, Montabaur und Usingen, sowie 5 katholische und 3 evangelische Seminare für Lehrerinnen. In Westfalen sind katholische Seminare in Münster, Warendorf, Rüthen und Büren, evangelische in Soest, Hilchen­bach und Petershagen. Die Rheinprovinz hat katholische Seminare in Elten, Kempen, Odenkirchen, Brühl, Siegburg, Prüm, Boppard, Münstermai- feiv, Wittlich, Cvrnelymünster, und Linnich; evan­gelische in Mettmann, Mörs, Rheydt, Ottweiler und Neuwied. Katholische Lehnrinnen-S.'minare sind in Münster, Paderborn, Xanten und Saarburg.

Dernnfditcs.

sDrehbare Fußreiniger.j Dieser von LouiHertel in Apolda erdachte patentirte Fußreiniger besteht aus einer meterlangen Stange, die flach an der Wand angebracht, mittelst eines Griffes um 90 Grad herumgedreht werden kann; unten besitzt die Stange das Abstreifeisen. Zweck dieser Einrichtung ist, die aus den Wänden der Häuser hervorragenden Fußreiniger, welche den Verkehr hemmen, zu beseitigen. Soll nun der Fußreiniger benutzt werden, so dreht man ihn mittelst des Handgriffes herum. Sobald man den Handgriff losläßt, gelangt er unter der Wirkung einer Feder wieder selbstthätig in seine frühere Stellung. Der Fußreiniger bietet noch den Vortheil, daß man beim Reinigen der Füße durch Anfaffen des Griffes einen Stütz­punkt findet.

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* Lan dwirthschaftliches.

Der Geheime Regierungsrath Wendelstadt fordert in der ,Landw. Ztg.' unsere jungen Landwirthe zum Besuche der landwirthschafrlichen Winterschule in Mar­burg auf, indem er schreibt: „Mm hört noch so oft Zweifel darüber aussprechen, ob es möglich sei, junge Landwirthe auf der landwirthschaftlichen Winterschule in aer- halb nur zweier Winterhalbjahre soweit Heranzubild n, daß sie befähigt werden, ihr Gewerbe nicht nach Rezepten und hergebrachten Regeln zu betreiben, sondern dasselbe auf naturwissenschaftliche Gesetze zu begründen. Diese Frage muß aber unbedingt bejaht werden! Die jungen Leute lernen auf der Winterschule denken und richtig arbeiten. Sie erreicht in der verhältnißmäßig kurzen Zeit das ge­steckt- Ziel, weil sie Vieles, was ander- Schulen des Gan­zen wegen pflegen müssen, bei Seite läßt, weil sie nur lehrt, aufklärt. Licht und Wiffen gibt über das, was das Gewerbe betrifft, und das praktische Leben im Berufe vor­führt. Diese Aufgabe löst unsere landwirthschaftliche Win­terschule unter der vortrefflichen Leitung des DircktoiÄ Herrn Dr. Hesse, der zugleich ein ausgezeichneter Lehrer ist, im vollsten Maße. Hiervon konnten wir uns zu un­serer großen Genugthuung alljährlich überzeugen. Für die Ausbildung der Söhne der Großgrundbesitzer war von jeher meist gut gesorgt; durch Errichtung der landwirth­schaftlichen Winterschulen ist dies nun auch für di- Söhne der Kleingrundbesitzer der Fall. Wenn diese nun auch recht zahlreich Gebrauch von dem Dargebotenen machen wollten! In dieser Beziehung bleibt aber noch Vieles zu wünschen übrig. Bei den ungünstigen Verhättnissen, unter denen die Landwirthschaft gegenwärtig zu leiden hat, wird der Drang, die Wirthschaft zu verbessern, immer lebendi­ger. Fort mit dem althergebrachten Gewohnheitsbetrieb! Rationell muß der heutige Landwirth wirthschaften, wenn er bestehen will. Dies vermag er aber nur, wenn er weiß, auf welchen Gesetzen sich sein Gewerbe aufbaut. Darum, ihr bäuerlichen Wirthe, sendet Euere Söhne nach Marburg auf die Winterschule. Ihr werdet es nicht bereuen! Unsere Winterschule wird gegenwärtig von 33 Schülern besucht. Der ersten Klasse gehören 14, der zweiten Klaffe 19 Schü­ler an. Von diesen 33 jungen Leuten sind 30 die Söhne von Landwirthe» (meist bäuerlichen Wirthen). Es ist aber Raum für weitere 20 vorhanden. Herr Direktor Hesse hält während dieses Winters auch für ältere Landwirthe an jedem Mittwoch Nachmittag unentgeltlich Vorträge über verschiedene landwirthschaftliche Gegenstände: Bodenkunde, Bodenbearbeitung, Düngungslehre, Ernährung der Pflan­zen rc., welche stark besucht werden. Die Zuhörer gehören fast sämmtlich dem bäuerlichen Stand- an und ist der Jüngste derselben etwa 25, der Aelteste über 50 Jahre alt. Der Eifer, welchen die Zuhörer, unter denen sich auch mehrere Bürgermeister befinden, an den Tag legen, ist ein sehr reger. Wind und Wetter, Regen und Schnee hält Keinen derselben ab, pünktlich zu erscheinen, wiewohl Ein­zelne einen mehr als zweistündigen Weg zurücklegen müs­sen. Der Erfolg ist zweifellos ein günstiger.

Auszug

ans den Registern des LtandeSamtS Fulda, vom 19. bis 25. Februar 1886.

Eheschließungen. Den 22. Febr.: Taglöhner Adolf Wagner von hier und Katharina Will genannt Ehrhardt von Eiterfeld. Den 22.: Taglöhner Georg Friedrich Leibold von Istergiesel und Wittwe Judith Held geb. Bien von Neuenberg. Den 22.: Bierbrauer Johann Niko­laus Schad von hier und Mathilde Möller von Rothemann. Den 22.: Maurer Peter Heil von hier und Franziska Weber von Zell. Den 24.: Maler und Lackirer Heinrich Adam Eustach Heßberger und Elisabeth Auguste Bamber­ger von hier.

Geburten. Den 18. Febr.: Anna Emilie, T. des Schneiders Johann Sebastian Bohn. Den 23.: Franz, S. des Gasarbeiters Wilhelm Heinrich Wiegard. Den 24.: Philipp Leopold, S. des Schreiners Johann Richard Schnarr.

Sterbefälle. Den 21. Febr.: Dominikus Hack, Privat­mann, verh., 57 I. 8 M 29 T. Den 21.: Johanna Klug, leb. St., 27 I. 5 M. 28 T. Den 22.: Adam Eäuberling, Taglöhner, leb. St., 66 I. 10 M. 18 T. Den 24.: Johannes Rommel, Schneidermeister, Wittwer, 73 I. 11 M. 19 T. Den 24.: Johann Georg, unehel. 6. einer Einheimischen, 1 M. 19 T.